Nachhilfe statt Schule - Lehrerin eröffnet nach dem Studium Nachhilfebüro

„Mit 30 feindlichen Schülern möchte ich nicht arbeiten“, dass sagen sich nicht wenige angehende Lehrer.

Bild: nrjfalcon1 / pixabay.com

Bevor die Studiengänge in das BA/MA-System geändert wurden, machten angehende Lehrer ihr erstes Staatsexamen an der Universität. Das zweite Staatsexamen folgte nach dem Referendariat. Die Lehrerausbildung besteht grundlegend aus sogenannten „aktivierenden Maßnahmen“. Die Idee ist, dass die Lehrer schon in der Ausbildung die Techniken und Methoden erlernen, die sie im Beruf an ihre Schüler weiterreichen sollen. Das Problem dabei: Ein Seminar voller angehender Lehrer hat eine andere Arbeitsmotivation als 30 müde und pubertierende Schüler in der sechsten Stunde am Freitag.

Idealilsmus gegen Schulfrust

Auf diese Situation bereitet keine Simulation vor, deshalb müssen die angehenden Lehrer Schulpraktika absolvieren. Oft ist dies der Moment, in dem die romantische Illusion zerbricht, die viele über ihren künftigen Beruf hatten. Täglich arbeitet ein Lehrer mit 30 Menschen zusammen, von denen der Großteil sofort unterschreiben würde, dass er gegen seinen Willen im Klassenraum sitzt. Insbesondere für weibliche Studentinnen sind diese Erfahrungen im Praktikum ein Schock (eine Umfrage unter Lehramtsstudenten zu ihrem Berufsziel ergab, dass der Großteil der Männer Direktor werden wollte, während die Mehrheit der Frauen sich für die Antwort „Wegbegleiterin der Jugendlichen“ entschied). In vielen von ihnen reift die unangenehme Erkenntnis, dass ihr Idealismus nicht ausreicht, „um jeden Tag um jeden Schülern zu kämpfen“, wie es ein Autor einschlägiger Fachliteratur einmal ausdrückte.

Das Nachhilfebüro als Rettungsanker

Lehrerin gibt einem einzelnen Schüler Nachhilfe Was tut man aber, wenn man mitten im Studium merkt, dass die eigene Berufswahl falsch ist? Viele Student/Innen geben als Nebenjob Nachhilfeunterricht. Die Erfahrungen als Nachhilfelehrer sind völlig andere als in der Schule. Im Nachhilfeunterricht arbeiten Schüler und Lehrer allein zusammen. Der Schüler hat dabei eine ganz andere Arbeitsmotivation. Er möchte sich helfen lassen. Dies hat auch damit zu tun, dass er im Nachhilfebüro seinen Lehrer selbst wählen darf. In dieser Arbeitsatmosphäre funktionieren auch die Techniken, die an der Universität in den Seminaren vermittelt wurden.

Aufbau eines Nachhilfe-Kundenstammes während des Studiums

Gute Studenten haben leicht mehr als zehn Schüler. Wenn das eigene Angebot Nachhilfe Mathe oder Englisch lautet, ist die Nachfrage so groß, dass der Lehrer nicht einmal mehr jeden Schüler annehmen kann. Viele Studentinnen entscheiden sich deshalb nach dem Schock im Praktikum, ihren festen Nachhilfe-Kundenstamm nicht aufzugeben und statt des Referendariats eine Existenzgründergeschichte zu wagen. Sie eröffnen ihr eigenes Nachhilfebüro.

Gewerbeanmeldung nötig

Der erste Schritt in die Selbtändigkeit ist die Gewerbeanmeldung. Eine Lehrbefähigung verlangt der Staat für diese Tätigkeit nicht. Sie ist jedoch unumgänglich, denn die Eltern der Nachhilfe-Schüler verlangen sie als Nachweis dafür, dass ihr Kind in fähigen Händen ist. Um mit einem Nachhilfe-Büro Geld zu verdienen, reicht es nicht aus, nur alleine zu arbeiten. Die ehemalige Studentin muss weitere Nachhilfe-Lehrer überzeugen, in ihrem neugegründeten Büro zu unterrichten. Diese arbeiten als Selbstständige. Der Nachhilfe-Schüler bezahlt ihre Dienste, doch die Lehrkraft muss einen Teil des Stundenlohns an das Büro abgeben. So entwickelt sich eine Opens internal link in current windowWin-Win-Situation für alle Beteiligten: Die Betreiberin des Büros lässt mit Vorliebe die Leute bei ihr arbeiten, bei denen viele Schüler Nachhilfe bekommen möchte. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die Lehrkraft sehr gut ist. Dies wiederum garantiert den Schülern eine effektive Nachhilfe.

Büro und Ausstattung

Notwendig für dieses Geschäftskonzept sind die angemessene Büro-Räume, die zumindest aus vier Zimmern bestehen sollten (Unterrichtszimmer, Büro für administrative Tätigkeiten, Badezimmer, kleine Küche). Außerdem sollte eine kleine Bibliothek vorhanden sein, in der die Lehrer schnellen Zugang zu einschlägiger Fachliteratur oder auch hilfreiche Arbeitsmaterialien finden. Die Lage der Büro-Räume sollte mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder dem Fahrrad gut zu erreichen sein, denn die wenigsten Eltern fahren ihre Kinder und holen sie wieder ab.

Wichtig sind auch die passenden Büro-Möbel. Eltern, so zeigten mehrere Versuche, tendieren dazu, ihre Kinder in den Nachhilfe-Instituten anzumelden, wo haltungsfördernde Möbel zum Einsatz kommen. Als weiterer Kundenfang entpuppten sich gesunde Snacks, wie Obst oder Gemüse, die auf den Tischen stehen und zum Bedienen einladen.

Werbung

Zusätzlich zu diesen praktischen Erfordernissen ist auch eine wirksame Werbung unverzichtbar. Jedes Nachhilfe-Institut benötigt eine Homepage auf der angemessener Raum für Erfahrungsberichte früherer Schüler ist. Insgesamt gilt es, stets daran zu denken, dass Eltern ihre Kinder und einen Teil ihrer Ausbildung in die Obhut von Fremden übergeben. Sie wollen deshalb vom ersten Eindruck an überzeugt werden, dass sie mit diesem Nachhilfe-Büro die richtige Entscheidung getroffen haben.

Nachteile

Nachhilfe zu geben hat natürlich nicht nur Vorteile, sondern auch Nachteile.

  • Jeder Nachhilfelehrer muss davon ausgehen, dass er nicht die superintelligenten Kinder unterrichtet. Meist kommen Kinder mit schlechten schulischen Leistungen in die Nachhilfe.
  • Der Unterricht findet immer nur am Nachmittag statt, wenn die Schüler bereits einen ganzen Tag Programm hinter sich haben. Darunter leidet die Konzentration und Motivation.
  • Viele Kinder werden von ihren Eltern zur Nachhilfe gezwungen, was der Motivation nicht zuträglich ist.
  • Der Nachhilfelehrer kann nur am Nachmittag, bis in den Abend hinein arbeiten. Das sind keine familienfreundlichen Arbeitszeiten.

Fazit

Die Eröffnung eines Nachhilfebüros ist für engagierte Lehrer ein guter Start ins Berufsleben. Die genannten Nachteile können oft auch ein Vorteil sein. Einzelunterricht oder Unterricht in kleinen Gruppen ist in der Regel sehr viel effektiver.

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