Darf ich während der Kurzarbeit ein Nebengewerbe betreiben?

In letzter Zeit werden sicherlich einige Arbeitnehmer wegen Corona oder anderen Gründen in die Bredouille gekommen sein, in Kurzarbeit geschickt worden zu sein. Gleichzeitig sorgen sich allerdings auch viele, was mit ihren Nebenverdiensten passiert, wenn sie in Kurzarbeit gehen müssen.

Kann ich ein Nebengewerbe gründen, eine Nebentätigkeit oder einen Nebenjob aufnehmen, um den Arbeitsausfall zu kompensieren? Wie erfolgt die Berechnung auf mein Kurzarbeitergeld (kurz: KUG)? Muss ich das Einkommen der Bundesagentur melden? Diese und weitere Fragen werden hier behandelt. Dabei müssen wir verschiedene Konstellationen unterscheiden.

Fall 1: Beginn der Selbständigkeit nach Anmeldung der Kurzarbeit

Wenn man das Gewerbe erst nach Anmeldung der Kurzarbeit eröffnet, kommt es zu einer vollen Anrechnung des Ertrages auf das Kurzarbeitergeld (KUG). Bitte beachten Sie, dass der Stichtag der Termin ist, zu dem das Unternehmen Kurzarbeit angemeldet hat. Dieses Datum muss nicht zwingend mit dem Termin übereinstimmen, zu dem Sie als Mitarbeiter in Kurzarbeit gegangen sind. Hierüber sollte man sich beim Arbeitgeber informieren.

Ein kleines Rechenbeispiel, um die Anrechnung des Ertrages zu demonstrieren:
Ein Arbeitnehmer erhält während der Kurzarbeit ein reduziertes Entgelt und ein Kurzarbeitergeld (KUG) in der Höhe von 500 Euro.

Fall 1: Der Gewerbeertrag aus der Nebentätigkeit beträgt 1.000 Euro. Das Kurzarbeitergeld wird in voller Höhe gekürzt, sodass es komplett wegfällt. Dennoch hat der Mitarbeiter mehr Geld zur Verfügung als ohne Nebentätigkeit.

Fall 2: Der Gewerbeertrag beträgt 300 Euro. Das Kurzarbeitergeld (KUG) wird um 300 Euro gekürzt und wird nur noch in der Höhe von 200 Euro ausgezahlt.

In letzterem Fall könnte man zu dem Schluss kommen, dass es sich gar nicht lohnt ein Nebengewerbe zu gründen, wenn die Einkünfte doch sowieso nicht höher ausfallen als mit KUG. Hierbei sollte man jedoch bedenken, dass das Einkommen aus der Nebentätigkeit möglicherweise dauerhaft bestehen bleibt. Sofern der Betrieb die Mitarbeiter wieder voll beschäftigt, haben Sie später einmal 300 Euro mehr in der Tasche. Bedenken Sie auch, dass eine Krise auch eine Chance für Sie sein kann. Eine Krise wie Corona führt vielleicht dazu, dass Sie sich nebenbei eine Tätigkeit aufbauen, von der Sie später leben können oder zumindest ein nettes Zusatzeinkommen generieren.

Fall 2: Beginn der Selbständigkeit vor Anmeldung der Kurzarbeit, keine Ertragserhöhung

Wenn das Gewerbe bereits vor Beginn der Kurzarbeit angemeldet wurde und der Ertrag weiterhin gleichbleibend ist, gibt es keine Probleme. Es erfolgt in diesem Fall keine Anrechnung des Ertrages auf das Kurzarbeitergeld (KUG). Das gilt im Übrigen auch, wenn Sie bereits vor der Kurzarbeit einen Minijob oder anderen Nebenjob hatten. Auch dann werden die Einkünfte nicht auf das Kurzarbeitergeld angerechnet.

Fall 3: Beginn der Selbständigkeit vor Anmeldung der Kurzarbeit, Erhöhung des Ertrages

Viele Arbeitnehmer möchten die durch die Kurzarbeit verursachte, zusätzliche Freizeit dafür nutzen, um mehr Arbeitszeit in das Nebengewerbe bzw. in das eigene Unternehmen zu investieren. Die vermehrte Arbeit im eigenen Unternehmen kann dazu führen, dass die Einkünfte steigen. Der Betrag der Erhöhung wird dann teilweise auf das Kurzarbeitergeld (KUG) angerechnet.

Wieder ein Rechenbeispiel:
Unser Arbeitnehmer bezieht nach wie vor ein Kurzarbeitergeld von 500 Euro.

Fall 1: Der Gewerbeertrag betrug vor der Kurzarbeit 200 Euro und steigert sich jetzt auf 400 Euro. Das Kurzarbeitergeld wird um 200 Euro (400 Euro – 200 Euro) gekürzt und kommt mit 300 Euro zur Auszahlung.

Fall 2: Der Gewerbeertrag betrug vor der Kurzarbeit 200 Euro und steigt an auf einen Betrag von 1000 Euro. Die Erhöhung um 800 Euro wird voll auf das Kurzarbeitergeld angerechnet, wodurch dieses vollständig entfällt.

An dieser Stelle nochmal der Hinweis: Der Arbeitsausfall kann für Sie eine Chance sein, mehr Zeit in das eigene Unternehmen zu investieren. Auch wenn dadurch die Arbeitsagentur das KUG kürzen mag, so haben Sie langfristig mehr davon, vor allem dann, wenn Sie es schaffen, sogenanntes passives Einkommen zu erzielen.

FAQs: Nebengewerbe während der Kurzarbeit

Mein Einkommen aus dem Nebengewerbe schwankt, wie erfolgt die Berechnung?

Wohl bei den meisten Gewerbebetrieben dürfte es so sein, dass die Erträge monatlich schwanken. Eine Beurteilung des Anrechnungsbetrags und der Ertragserhöhung wären hier natürlich zu schwierig. Man greift daher auf einen Durchschnitt zurück. Als Basis gilt der durchschnittliche Ertrag der letzten zwölf Monate. Wenn das Gewerbe noch nicht so lange besteht, kommt ein entsprechend kürzerer Zeitraum zur Anwendung.

Auch hierzu wieder ein kleines Beispiel:

Ein Gewerbebetrieb hat beispielsweise in den letzten zwölf Monaten folgende Erträge erzielt:
1.200 Euro, 1.500 Euro, 2.000 Euro, 1.600 Euro, 1.000 Euro, 800 Euro, 1.200 Euro, 1.400 Euro, 1.400 Euro, 1.500 Euro, 1.100 Euro, 1.000 Euro

Der Durchschnitt beträgt also ca. 1.308 Euro. Auf der Grundlage dieser Basis kann nun ermittelt werden, ob sich im Zeitraum der Kurzarbeit die Gewerbeumsätze erhöht haben oder nicht.

Wie erfolgt aber die Berechnung, wenn Sie das Nebengewerbe gerade erst gegründet haben? In dem Fall können Sie natürlich eine Schätzung abgeben. Anhand Ihrer Einnahmenüberschussrechnung erfolgt dann später eine Art „Endabrechnung”. Empfehlenswert ist es jedoch, wenn Sie sich in diesem Fall direkt an Ihren Arbeitgeber wenden, der die Sache mit der Arbeitsagentur besprechen soll. 

Sie können sich auch selbst an die Bundesagentur für Arbeit wenden und dort nachfragen. Hier zeigt die Erfahrung, dass Sie in aller Regel nicht die gewünschte Auskunft erhalten, sofern Sie noch nicht „im System erfasst sind” (so zumindest die Erfahrung, die unsere Leser gemacht haben). 

Muss ich während der Kurzarbeit meine Einkünfte aus dem Nebengewerbe meinem Arbeitgeber melden?

Ja, Sie sind verpflichtet, die Einkünfte aus Ihrem Nebengewerbe bzw. Nebentätigkeit Ihrem Arbeitgeber während der Kurzarbeit zu melden, sofern Sie das Gewerbe neu gegründet haben. Das ist deshalb erforderlich, da Ihr Arbeitgeber der Bundesagentur für Arbeit die grundlegenden Informationen wie beispielsweise die Höhe des Arbeitsausfalls des Betriebs im Antrag auf das KUG melden muss. Aufgrund dieser Daten berechnet die Arbeitsagentur das KUG und zahlt es an Sie aus. Da Einkünfte aus einer Nebentätigkeit oder einem Nebenjob auf das KUG angerechnet werden, muss der Arbeitgeber dies der Bundesagentur für Arbeit melden.

Wann und wie erfolgt die Kürzung des KUG?

Die Kürzung des Kurzarbeitergeldes kann auf zweierlei Arten funktionieren. Wenn die Bezüge aus dem Nebengewerbe bzw. aus dem Nebenjob keinen Schwankungen unterliegen, kann der Arbeitgeber das Kurzarbeitergeld direkt gekürzt auszahlen.

Üblicher ist es allerdings, dass das Kurzarbeitergeld vom Arbeitgeber zunächst vollständig ausbezahlt wird. Spätestens beim Jahresabschluss kommt auf den Gewerbetreibenden dann eine entsprechende Rückzahlung zu. Hierfür sollte man also schon frühzeitig vorsorgen und eine entsprechende Summe zur Seite bringen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn Sie Ihre Tätigkeit erst neu gründen und noch nicht auf Erfahrungswerte zurückgreifen können.

Muss ich dann im Nebengewerbe zusätzliche Beiträge zur Krankenkasse zahlen?

Ob Sie im Nebengewerbe zusätzliche Sozialversicherungsbeiträge zahlen müssen, ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Dazu der Artikel: Zusätzliche Krankenversicherung für Nebengewerbe notwendig?

So viel vorweg: Wenn Sie Ihre neu gegründete Tätigkeit erst beginnen, werden höchstwahrscheinlich keine zusätzlichen Sozialversicherungsbeiträge fällig.

Zusammenfassung: Nebengewerbe trotz Kurzarbeit kann sich dauerhaft lohnen

In einem der drei in diesem Artikel beschriebenen Fälle finden Sie sich bestimmt wieder. Fakt ist, dass Sie auch während der Kurzarbeit ein Nebengewerbe gründen oder fortführen dürfen. Es sei denn, Sie würden in direkter Konkurrenz zu Ihrem Arbeitgeber stehen, aber davon gehen wir mal nicht aus.

Da Sie als Mitarbeiter nun weniger Arbeit in Ihrem Betrieb haben, können Sie die zusätzliche Zeit nutzen und diese in Ihr eigenes Unternehmen investieren. Selbst wenn das zunächst bedeutet, dass Ihnen die Bundesagentur für Arbeit das KUG kürzt, so können Sie doch auf lange Sicht gesehen dennoch profitieren. Denn irgendwann wird auch die aktuelle Krise vorbeigehen und Sie werden entweder wieder volle Beschäftigung bei Ihrem Arbeitgeber finden. Dann haben Sie in der Zwischenzeit dafür gesorgt, dass Sie dauerhaft ein Zusatzeinkommen aus Ihrem Nebengewerbe generieren. 

Oder Sie gehen sogar irgendwann den Schritt in die hauptberufliche Selbstständigkeit. Und die Zeit der Kurzarbeit war Ihnen eine wertvolle Hilfe, nicht von 0 an zu starten.

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