Umsatzsteuervoranmeldung erstellen, wenn´s so einfach wäre

Auf dieser Seite möchte ich Ihnen zeigen, wie Sie in Ihrer Buchhaltung Ihre Voranmeldung zur Umsatzsteuer selber erstellen können oder zumindest verstehen, was Ihre Buchhaltungssoftware da genau rechnet und wo im Formular einträgt. Außerdem beantworte ich die häufigsten Fragen zum Thema Umsatzsteuer, Umsatzsteuererklärung, Umsatzsteuervoranmeldung, Umsatzsteuervorauszahlung und Sondervorauszahlung. Sie werden ua. lernen:

  • Wie die Umsatzsteuer mit der Vorsteuer und der Voranmeldung zusammenhängt?
  • Wie die Versteuerung generell funktioniert?
  • Ob Sie eine Fristverlängerung benötigen.
  • Was bedeutet Steuerschuld?
  • Wann sind die Abgabetermine zur Umsatzsteuervoranmeldung?
  • Wie viel Verspätungszuschlag können Sie sparen?

 

Was ist eine Umsatzsteuervoranmeldung bzw. die Vorauszahlung?

Unter der Umsatzsteuervorauszahlung wird der Geldbetrag verstanden, den ein Gewerbetreibender monatlich oder vierteljährlich (quartalsweise) als Umsatzsteuer (im Volksmund fälschlicherweise Mehrwertsteuer bezeichnet) an das Finanzamt zu zahlen hat. Der Unternehmer berechnet selbst, im Gegensatz zu anderen Steuerarten, die Höhe der Umsatzsteuervorauszahlung und meldet diesen Betrag in Form der Umsatzsteuervoranmeldung an. Das nennt sich dann Selbstveranlagung.

Ich möchte die Umsatzsteuervoranmeldung selber machen, geht das?

Selbstverständlich dürfen Sie Ihre eigene Umsatzsteuervoranmeldung selber erstellen, ausfüllen und abgeben, sofern Sie die richtigen Daten an der richtigen Stelle eintragen können. Das hat in der Regel mit einer Software (Elster) zu erfolgen. Wenn Sie nicht verstehen, was Sie da tun müssen, sollten Sie es lieber lassen und Steuerberater als Experten nutzen. Lesen Sie auch den Artikel Steuererklärung selber machen!

Wie wird die Umsatzsteuer für die UStVA berechnet?

 Bemessungsgrundlage in EURSteuer in EUR
Steuerpflichtige Umsätze  
zum Steuersatz von 19%1.000119
zum Steuersatz von 7%1.000107
Steuerfreie Umsätze  
Steuerfreie Umsätze mit Vorsteuerabzug -
Steuerfreie Umsätze mit Vorsteuerabzug -
...  
Innergemeinschaftliche Erwerbe  
zum Steuersatz von 19 %  
zum Steuersatz von 7 %  
   
Leistungsempfänger als Steuerschuldner (§ 13b UStG)  
...  
Umsatzsteuer 214
...  
Abziehbare Vorsteuerbeträge  
Vorsteuerbeträge aus Rechnungen von anderen Unternehmern-89
Vorsteuerbeträge aus dem innergemeinschaftlichen Erwerb von Gegenständen  
...  
Verbleibender Betrag 125
...  
Umsatzsteuer-Vorauszahlung/Überschuss-125
Abzug der festgesetzten Sondervorauszahlung für Dauerfristverlängerung
(in der Regel nur in der letzten Voranmeldung des Besteuerungszeitraums auszufüllen)
 -
Verbleibende Umsatzsteuer-Vorauszahlung
Verbleibender Überschuss - bitte dem Betrag ein Minuszeichen voranstellen -
 125

 

Für welchen Zeitraum muss ich die Umsatzsteuervoranmeldung abgeben?

Sofern Sie kein Kleinunternehmer (§ 19 UStG) sind oder umsatzsteuerbefreite Umsätze erzielen (etwa Ärzte, siehe dazu § 4 UStG) müssen Sie als Existenzgründer prinzipiell für die ersten zwei Jahre monatlich ihre Umsatzsteuervoranmeldung abgeben. Nach diesen 2 Jahren können Sie aufgrund Ihrer Vorjahresumsätze entscheiden, ob Sie gegebenenfalls auch quartalsweise abgeben möchten. Dazu muss  selbst verständlich einen Antrag gestellt werden. Die Häufigkeit in der eine Umsatzsteuervoranmeldung vorgenommen werden muss, hängt unter anderem von der Höhe des Umsatzes ab. Stets stellt jedoch der zehnte Tag des Folgemonats den Stichtag für die Umsatzsteuervorauszahlung dar. Die Frist für die Umsatzsteuervorauszahlung lässt sich auf Antrag um einen Monat verlängern. Technisch erfolgt die Umsatzsteuervorauszahlung auf elektronischem Wege über die Steuersoftware ELSTER. Die Höhe der ermittelten Steuerlast kann im Rahmen von Betriebsprüfungen des Finanzamtes auf ihre Richtigkeit hin überprüft werden. Nutzen Sie dazu bitte folgende Übersicht:

Umsatzabhängige Abgabefristen
Dauer der Selbständigkeit Umsatzsteuerzahllast Vorjahr Voranmeldezeitraum
Existenzgründer im 1. und 2. Jahr unabhängig monatlich
ab 3. Jahr > 7.500 € monatlich
ab 3. Jahr 1.000 - 7.500 € quartalsweise
ab 3. Jahr < 1.000 jährliche Abgabe einer Umsatzsteuererklärung ausreichend (Umsatzsteuervoranmeldung nicht nötig)

Was ist die Umsatzsteuerzahllast?

Die Zahllast ist prinzipiell ein Geldbetrag, der zu einer bestimmten Zeit auf ein bestimmtes Konto zu zahlen ist. Sehr häufig wird der Begriff der Zahllast in Verbindung mit der an das Finanzamt zu entrichtenden Umsatzsteuerschuld verwendet. Dabei stellt die Umsatzsteuerzahllast den Saldo zwischen der zu zahlenden Umsatzsteuerschuld und der vom Finanzamt zu erstattenden Vorsteuer aus Rechnungen anderer Unternehmer dar.

Beispiel:

Der Unternehmer muss für den Voranmeldungszeitraum März insgesamt 123 EUR Umsatzsteuer zahlen. Gleichzeitig darf er aber 89 EUR Vorsteuer aus seinen erhaltenen Eingangsrechnungen zum Ansatz bringen. Somit ermittelt sich eine Umsatzsteuerzahllast in Höhe von 34 EUR. Der Unternehmer muss also noch 34 EUR in Form der Umsatzsteuervorauszahlung an das Finanzamt zahlen. Diese Umsatzsteuerzahlung wird durch die abzugebende Umsatzsteuervoranmeldung ermittelt.

Wie sieht das Formular zur Umsatzsteuervoranmeldung aus und wo bekomme ich es?

Aufgrund der grundsätzlichen Pflicht zur elektronischen Übermittlung der Umsatzsteuervoranmeldung wird das Vordruckmuster USt 1 A nicht im Formular-ManagementSystem bereitgestellt. In den Fällen, in denen das zuständige Finanzamt auf Antrag zur Vermeidung von unbilligen Härten auf eine elektronische Übermittlung verzichtet hat, steht der Papiervordruck bei dem Finanzamt zum Abholen bereit. Viele weitere Vordrucke und Formulare bekommen Sie über die offizielle Seite des Bundesfinanzministeriums unter https://www.formulare-bfinv.de/.

Muss ein Kleinunternehmer die Umsatzsteuervoranmeldung abgeben?

Die Umsatzsteuervoranmeldung ist nur für umsatzsteuerpflichtige Unternehmer von Bedeutung. Ein Kleinunternehmer muss daher keine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben (wohl aber eine Umsatzsteuerjahreserklärung, einmal im Jahr, mehr dazu unter dem Stichwort Kleinunternehmerregelung). Es ist unwichtig, ob der Unternehmer Freiberufler oder Gewerbetreibender, Händler oder Handelsvertreter ist. Sofern eine Umsatzsteuerpflicht vorliegt, muss er als Monatszahler oder Quartalszahler eine Umsatzsteuervoranmeldung geben. Danach hat der Unternehmer die angemeldete Umsatzsteuer an den Fiskus in Form der Umsatzsteuervorauszahlung zu zahlen. Sollte kein Zahlbetrag entstanden sein, bekommt der Unternehmer den ermittelten und durch die Umsatzsteuervoranmeldung angemeldeten Erstattungsbetrag vom Finanzamt auf das angegebene Konto ausgezahlt.

Wann muss ich die Umsatzsteuervoranmeldung abgeben?

Die Umsatzsteuervoranmeldung ist immer am 10. des Folgemonats beim Finanzamt abzugeben. Das ist für die meisten Unternehmer recht knapp, daher gibt es auch Verlängerungsmöglichkeiten:

  1. Mit Dauerfristverlängerung: 10 Tage zzgl. 1 Monat nach Ablauf des Voranmeldezeitraums. (Der 10. des übernächsten Monats)
  2. Ohne Dauerfristverlängerung: 10 Tage nach Ablauf des Voranmeldezeitraums. (Der 10. des Folgemonats)

Nutzen Sie zur besseren Übersicht folgende Tabelle:

    Buchführungszeitraum Abgabefrist
    (ohne Dauerfristverlängerung)
    Abgabefrist
    (mit Dauerfristverlängerung)
    Juni 2017
    (monatlich)
    10.07.2017 10.08.2017
    1. Quartal 2017
    (quartalsweise)
    10.04.20017 10.05.2017

    Umsatzsteuervoranmeldung mit Elster oder anderer Software ausfüllen?

    Da die meisten Unternehmer verpflichtet sind, Voranmeldungen und Steuererklärungen per Elster zu übertragen, sind Sie als Unternehmer mehr oder weniger gezwungen Buchführungsprogramme zu nutzen, um die dort hinterlegten Formulare, so auch das Umsatzsteuervoranmeldungsformular, elektronisch auszufüllen und an die Finanzverwaltung zusenden. Siehaben als Unternehmer die Wahl zwischen:

    1. Umsatzsteuervoranmeldung selber erstellen und online via Elster mit Ihrer Steuersoftware an das Finanzamt senden oder
    2. Einen Steuerberater beauftragen, der Ihre Belege sortiert, die Umsatzsteuer ausrechnet und ebenso die Umsatzsteuervoranmeldung via Software (Elster) an den Fiskus sendet.

    Es gibt jedoch auch hier Ausnahmen und Härtefälle, welche auf Antrag weiterhin ein amtliches Formular in Papierform ausfüllen und diese Vordrucke bei den Finanzbehörden abgeben können. 

    Darf ich die Umsatzsteuervoranmeldung per amtlichem Formular auf Papier abgeben?

    Diese Zeiten sind vorbei, die Finanzverwaltung möchte von sämtlichen Unternehmern die Steuererklärungen per Datenfernübertragung zugestellt haben. Das geschieht direkt via Elster oder über eine Buchhaltungssoftware bzw.Steuerprogramm mit Elsterintegration. Dennoch gibt es zur sogenannten "Vermeidung unbilliger Härten" ein paar Ausnahmen, etwa Härtefälle bei Kleinstbetrieben.

    Urteil zur Entscheidung bei Härtefälle:

    Hier wird auf die Übermittlung der Datenfernübertragung verzichtet (§ 25 Abs. 4 Satz 2 EStG). Das Finanzgericht Rheinland-Pfalz hat zum Beispiel bei einem selbstständigen Zeitungszusteller entschieden, dass dieser aufgrund des geringen Gewinns von knapp 2.800 Euro in 2013 und etwa 2.900 Euro in 2014 (bei Einnahmen von etwa 5.700 Euro bzw. 5.100 Euro) keine Daten per Internet übermitteln braucht.

    Die Kosten der Anschaffung eines Computers inklusive Internetanschluss würden in diesem Fall in keinem wirtschaftlich sinnvollen Verhältnis zu den betrieblichen Einkünften stehen, so das Finanzgericht mit Urteil vom 12. Oktober 2016, 2 K 2352/15. Die Gesamtkosten stellen in diesem Fall jedoch nicht nur die Anschaffung der Hardware und Software dar, sondern auch deren Einrichtung sowie die Wartung, als auch die Hilfestellung bei Fehlfunktionen.

    In ähnlichen Fällen könnte sich der steuerpflichtige Unternehmer auf die Entscheidung des Finanzgerichts Rheinland-Pfalz berufen und eine Steuererklärung (zum Beispiel die Einkommensteuererklärung) in Papierform abgeben. Allerdings ist anzumerken, dass bereits eine Beschwerde beim Bundesfinanzhof gegen dieses Urteil eingelegt wurde (Az. des BFH: III B 173/16). Es ist also nur eine Frage der Zeit, bis alle Privatpersonen und Unternehmer Software benutzen müssen (zum Beispiel Elster oder andere Buchhaltungssoftware, welche letztlich mit Elster funktionieren). Machen Sie sich also nicht die Arbeit unnötig schwer und versuchen altmodische Papierformulare auszufüllen und beim Finanzamt abzugeben, sondern gehen Sie mit der Zeit und nutzen Sie die elektronischen Möglichkeiten, denn diese werden Ihnen in absehbarer Zukunft ohnehin auferlegt, sodass sie sich nicht mehr werden können. Außerdem geht´s elektronisch echt schneller ;-)

    Hinweis: Dennoch nutze ich auch oft ein Papierformular, um direkt am Schreibtisch zu prüfen, wo ich welche Zahl letztlich eintragen muss. Das Papierformular ist also eine kleine Ausfüllhilfe für das elektronische Formular.

    Wer muss eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben?

    Alle Unternehmer, die nicht unter die Steuerbefreiung des § 4 UStG fallen, haben gem. § 18 UStG die Pflicht, bis zum 10. Tag nach Ablauf des Voranmeldungszeitraumes eine Umsatzsteuervoranmeldung (UStVA) abzugeben. Die UStVA muss elektronisch per Elster an das Finanzamt übermittelt werden.

    Wie lang ist die Schonfrist zur Umsatzsteuervoranmeldung?

    Die Schonfrist für die Zahlung der Umsatzsteuer beträgt 3 Tage nach Ablauf der Voranmeldungspflicht. Bis zu diesem Zeitpunkt muss der Unternehmer nicht mit Säumniszuschlägen für eine verspätete Zahlung gem.§ 240 (3) AO rechnen. Diese Schonfrist gilt nur für Überweisungen. Für Barzahlungen oder Schecks gilt diese Frist nicht. 

    Wie kann ich eine Dauerfristverlängerung für die Umsatzsteuervoranmeldung beantragen?

    Beantragt der Unternehmer, der seine UStVA monatlich bzw. vierteljährlich abgibt, beim Finanzamt eine Dauerfristverlängerung, verlängert sich gem. § 18 (6) UStG die Frist zur Abgabe der UStVA um einen Monat. Quartalszahler müssen nicht jährlich eine neue Dauerfristverlängerung abgeben. Eine einmal abgegebene und genehmigte Fristverlängerung gilt auch für die folgenden Kalenderjahre, solange die Verhältnisse sich nicht ändern. Lesen Sie jetzt mehr zum Thema Dauerfristverlängerung!

    Sondervorauszahlung bei monatlicher Umsatzsteuervoranmeldung?

    Unternehmer, die monatlich eine UStVA abgeben müssen, sind gem. § 47 (1) UStDV i.V.m. § 48 UStDV verpflichtet, eine Sondervorauszahlung zu leisten.

    Die Sondervorauszahlung beträgt ein Elftel der Summe der Vorauszahlungen für das vorangegangene Kalenderjahr.

    Quartalszahler zahlen keine Sondervorauszahlung.

    Müssen Existenzgründer auch eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben?

    Gem. § 18 (2) UStG müssen Gründer, im Gründungs- und Folgejahr, die Umsatzsteuervoranmeldung monatlich abgeben.

    Nimmt der Unternehmer seine berufliche oder gewerbliche Tätigkeit auf, ist im laufenden und folgenden Kalenderjahr Voranmeldungszeitraum der Kalendermonat.

    Was hat das mit der Umsatzsteuererklärung zu tun?

    Die Umsatzsteuervoranmeldung ist das Formular, um die Vorauszahlung zur Umsatzsteuer unterjährig durchzuführen. Sämtliche Umsatzsteuervorauszahlungen werden anschließend in der einmal jährlich abzugebenden Umsatzsteuererklärung (auch: Umsatzsteuerjahreserklärung genannt) zusammengefasst. Auf diese Weise wird einmal im Jahr abschließend ermittelt, ob der Unternehmer zu viel vorausgezahlt hat oder ob er aufgrund seiner geleisteten Vorauszahlungen eine Erstattung zu erwarten hat. Lesen Sie hier mehr zum Thema Umsatzsteuererklärung!

    Was muss ich jetzt tun?

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    Torsten Montag

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