Gewerbeanmeldung: Voraussetzungen, Ausfüllhilfen und Formulare

Wer das erste Mal ein Gewerbe anmeldet, hat vorher sicher Fragen zur Gewerbeanmeldung. Viele Leser fragen sich, wie das Formular auszufüllen ist und welche Unterlagen benötigt werden. In diesem Artikel erhalten Sie Antworten auf viele Fragen zur Gewerbeanmeldung. Sehen Sie sich zunächst unsere Infografik zu den häufigsten Fragen der Gewerbeanmeldung an.

Zudem erhalten Sie ein Video mit einer Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Ausfüllen des Antrags.

Darf jeder ein Gewerbe anmelden?

Nach dem Grundsatz der Gewerbefreiheit gem.§ 1 GewO (Gewerbeordnung) ist

(1) Der Betrieb eines Gewerbes ist jedermann gestattet, soweit nicht durch dieses Gesetz Ausnahmen oder Beschränkungen vorgeschrieben oder zugelassen sind.

Für einige Gewerbezweige benötigen Sie jedoch weitere Genehmigungen, zum Beispiel für einen erlaubnispflichtigen Betrieb.

Wann muss das Gewerbe angemeldet werden?

Der § 14 der GewO gibt die Auskunft, das ein Gewerbe angemeldet werden muss, wenn u.a.

  • eine gewerbliche Tätigkeit aufgenommen wird,
  • ein bereits bestehender Gewerbebetrieb übernommen wird,
  • der Gewerbebetrieb in eine andere Kommune verlegt wird,
  • eine Zweigstelle gegründet wird,
  • der Gegenstand des Gewerbes gewechselt wird.

Welche Voraussetzungen gibt es für eine Gewerbeanmeldung?

Nach der Gewerbeordnung ist das Ausführen eines Gewerbes nicht an eine Erlaubnis gebunden. Sie müssen es lediglich anzeigen. Bei der Gewerbeanmeldung werden die folgenden Voraussetzungen geprüft:

  • Volljährigkeit
  • Volle Geschäftsfähigkeit
  • Art und Umfang des Gewerbes
  • Angabe der Gesellschafter (soweit vorhanden) etc.

Nun sieht die Gewerbeordnung aber auch vor, dass einige Gewerbezweige besondere Fähigkeiten und Kenntnisse von Ihnen verlangen. In diesem Fall müssen Sie weitere Voraussetzungen erfüllen und nachweisen. Wenn Sie diese Voraussetzungen nachweisen können, erhalten Sie die entsprechenden Genehmigungen. Darunter fallen beispielsweise Gewerbe aus den Bereichen Pflege, Taxi, Bewirtung usw. 

Keine Voraussetzung dagegen ist eine bestimmte Rechtsform. Die Wahl der Rechtsform obliegt Ihnen. Allerdings muss die Rechtsform beim Gewerbe anmelden bereits feststehen.

Wo wird das Gewerbe angemeldet?

Der Gewerbetreibende meldet sein Gewerbe im Gewerbeamt bzw. Gewerbemeldestelle seiner zuständigen Gemeinde- oder Stadtverwaltung an. In größeren Städten ist das Gewerbeamt häufig in einem Orts- oder Bezirksamt untergebracht. In kleineren Landkreisen befinden sich Gewerbeämter auch zusammen mit Einwohnermeldeämtern in einem Haus. Das kann also regional sehr unterschiedlich sein. Anders als es vielleicht vermuten lässt, ist nicht das Gewerbezentralregister für die Anmeldung zuständig. Das Gewerbezentralregister ist auch keine Übersicht aller in Deutschland registrierten Selbstständigen.

Bei der Gewerbeanmeldung muss die Tätigkeit näher bezeichnet werden. Ob der Gewerbetreibende persönlich, schriftlich oder gar online seine Anmeldung abgeben kann, ist in den verschiedenen Städten unterschiedlich geregelt. Manchmal liest man auch, dass das Ordnungsamt dafür zuständig sei. Das ist nicht ganz verkehrt, denn das Gewerbeamt ist häufig im Ordnungsamt eingegliedert. In den meisten Fällen wird das Gewerbe daher im Bereich Ordnungsamt geführt. Allerdings ist es nicht immer der Fall, dass das Gewerbeamt im Ordnungsamt zusammengefasst ist.

Muss jeder ein Gewerbe anmelden?

Nein es muss nicht jeder Unternehmer ein Gewerbe anmelden, denn alle Selbständigen, die einen Beruf gem. dem Katalog von § 18 EStG oder einen ähnlichen Beruf ausüben, müssen kein Gewerbe anmelden, sondern geben die Aufnahme ihrer Tätigkeit beim zuständigen Finanzamt formlos bekannt. Mit anderen Worten: Freiberufler müssen für ihre freiberufliche Tätigkeit kein Gewerbe anmelden.

Welche Unterlagen brauche ich für eine Gewerbeanmeldung?

Abgesehen vom Antrag an sich benötigen Sie immer eine Kopie vom Personalausweis. Alternativ ist auch eine Kopie vom Reisepass sowie eine aktuelle Meldebescheinigung möglich, die als Nachweis Ihres Wohnsitzes gilt. Bei ausländischen Existenzgründern ist zusätzlich noch eine gültige Aufenthaltsgenehmigung erforderlich. Sie können auch einfach Ihren Personalausweis mitnehmen und den Ansprechpartner beim Amt bitten, eine Kopie zu machen.

Abhängig vom konkreten Gewerbe, welches Sie anmelden möchten, könnten noch weitere Unterlagen und Nachweise notwendig sein. Dazu gehören zum Beispiel die folgenden:

  • Polizeiliches Führungszeugnis
  • Auszug aus dem Handelsregister
  • Meisterbrief
  • Unbedenklichkeitsbescheinigungen

Wie gesagt, richten sich die notwendigen Unterlagen immer nach dem konkreten Gewerbe. Vor allem, wenn Sie ein Gewerbe anmelden möchten, welches einer Zulassungsbeschränkung unterliegt, müssen Sie weitere Dokumente und Nachweise vorlegen, damit Sie die entsprechenden Genehmigungen erhalten.

Muss ich persönlich die Gewerbeanmeldung durchführen oder kann ich eine Vollmacht erteilen?

Es ist nicht notwendig, dass Sie die Gewerbeanmeldung persönlich abgeben oder persönlich beim Gewerbeamt erscheinen. Sie können auch einem Vertreter eine Vollmacht erteilen. In den meisten Gemeinden müssen Sie noch nicht einmal persönlich erscheinen, sondern es genügt, den Antrag per Post zu versenden. In diesem Fall benötigen Sie nicht mal eine Vollmacht bzw. einen Vertreter. Allerdings müssen Sie alle Formulare, wie eine Kopie vom Personalausweis sowie die Unterlagen möglicher Gesellschafter (bei einer entsprechenden Rechtsform) mit beilegen. Sollten für das Gewerbe anmelden weitere Genehmigungen notwendig sein, ist es jedoch manchmal von Vorteil persönlich zu erscheinen.

Kann ich ein Gewerbe schriftlich per Post anmelden?

Ja, in den meisten Gemeinden können Sie das Gewerbe per Post anmelden und müssen gar nicht persönlich erscheinen. Es genügt, wenn Sie den Antrag per Post versenden oder direkt beim Gewerbeamt in den Briefkasten stecken. Nur einige wenige Gemeinden verlangen es, dass Sie persönlich erscheinen. Dann können Sie die Gewerbeanmeldung nicht schriftlich per Post versenden. Falls Sie aber nicht persönlich erscheinen können, bleibt in diesem Fall immer noch die Möglichkeit, dass Sie einem Vertreter eine Vollmacht erteilen. Geben Sie aber eine Telefonnummer an, unter der Sie der Ansprechpartner beim Gewerbeamt oder Ordnungsamt erreichen kann.

Im Zuge der Coronakrise wird es aber vermutlich nun so gut wie keine Gemeinde mehr geben, die darauf pocht, dass Sie persönlich erscheinen.

Kann ich das Gewerbe auch online anmelden?

Eine Gewerbeanmeldung durch das Ausfüllen eines Onlineformulars auf einer Webseite ist bei einigen Gewerbeämtern möglich jedoch nicht ohne Unterschrift und die wiederum muss von Ihnen persönlich erbracht werden, so das Sie als Existenzgründer in jedem Fall noch einmal zum Gewerbeamt gehen müssen. Der einzige Vorteil der Gewerbeanmeldung online liegt darin, dass Sie das Formular in Ruhe zu Hause am Bildschirm ausfüllen können. Niemand drängt, kein Sachbearbeiter stellt merkwürdige Fragen oder ist unfreundlich. Der Nachteil liegt allerdings auch genau darin, dass man niemanden fragen kann, wenn man daheim am Computer sitzt und dieses Formular ausfüllen soll.

Reisekosten sparen Sie auf jeden Fall nicht, gegebenenfalls nur etwas Stress auf dem Amt. Fragen Sie doch telefonisch bei ihrem Gewerbeamt nach, ob die online Anmeldung möglich ist. Nach meiner Recherche habe ich folgende Gewerbeämter gefunden, wo eine online Gewerbeanmeldung möglich ist:

Nutzen Sie meine Tabelle, um die Gewerbeämter zu finden, wo Sie online Ihr Gewerbe anmelden können! Sie können diese Tabelle auch als pdf, xlsx oder ods downloaden! Viele weitere Ämter finden Sie auf http://www.aemter.org/

Muss ich auch ein Kleingewerbe anmelden?

Weder die Gewerbeordnung noch andere Verordnungen oder Gesetze kennen den Begriff des “Kleingewerbes”. Die offizielle Bezeichnung lautet Kleinunternehmer. Sofern Sie nicht bestimmte Umsatz- und/oder Gewinngrenzen überschreiten, haben Sie auch Sicht der Buchhaltung einige Vereinfachungen.

Es spielt aber in diesem Zusammenhang keine Rolle in welchem Umfang Sie ein Gewerbe ausführen. Sie müssen auch ein sogenanntes Kleingewerbe als normales Gewerbe anmelden. Das impliziert, dass Sie auch ein Nebengewerbe beim Gewerbeamt anmelden müssen. Die Gewerbeordnung unterscheidet dahingehend nicht zwischen Groß- und Kleingewerbe, sondern nur zwischen Haupt- und Nebengewerbe.

Brauche ich als Freiberufler eine Gewerbeanmeldung?

Nein. Wenn Sie als Freiberufler selbstständig sind, dann benötigen Sie für Ihre Tätigkeit als Freiberufler keine Gewerbeanmeldung. Das ist ja eben einer der Unterschiede zwischen Freiberufler und Gewerbetreibender. 

Falls Sie als Freiberufler jedoch zusätzlich nebenbei ein Gewerbe betreiben, dann ist es nach Gewerbeordnung erforderlich, dass Sie zusätzlich ein Gewebe für diese Nebentätigkeit anmelden müssen. Es ist also gut möglich, dass Selbstständige sowohl Freiberufler als auch Gewerbetreibende zugleich sein können.

Gewerbeanmeldung oder Gewerbeschein beantragen?

Das Wort Gewerbeschein ein Synonym für die Gewerbeanmeldung ist. Der Gewerbeschein ist sozusagen das Ergebnis einer Gewerbeanmeldung, ein ausgefülltes, unterschriebenes und gestempeltes Formular vom Gewerbeamt. Daher gilt für den Gewerbeschein genau dasselbe wie für das Thema Gewerbe anmelden. Auch die Kosten für einen Gewerbeschein sind daher identisch mit denen der Gewerbeanmeldung, die je nach Gemeinde variieren kann.

So füllen Sie das Formular zur Gewerbeanmeldung aus

Bitte achten Sie darauf, alle Angaben in der Gewerbeanmeldung sehr sorgfältig anzugeben. Kleine Fehler könnten Sie sonst teuer zu stehen kommen. Da die meisten Gründer zunächst ein Einzelunternehmen gründen, gehört in das Feld 1 nur der gewünschte Firmenname. Dieser muss bei Einzelunternehmen nicht zwangsläufig in einem Register eingetragen werden. Lesen Sie hier zum Thema Firmenname weiter.

Die Angaben zu Namen, Anschrift, Geburtsdatum und Staatsangehörigkeit sind ebenfalls zwingend auszufüllen. Wichtig ist, dass die private Anschrift angegeben wird. Erst im Anschluss, also ab Feld 10, folgen die Angaben zum Betrieb. Wird ein Geschäftsführer bestellt, ist dessen Name anzugeben.

Sofern ein zulassungspflichtiger handwerklicher Betrieb gegründet wird, muss ein Meistertitel vorhanden sein. Entweder der Unternehmer selbst oder ein Angestellter muss den Meistertitel besitzen. Üblicherweise wird der Meister als Betriebsleiter eingestellt, so dass sein Name auf der Gewerbeanmeldung in Feld 11 angegeben werden muss.

Bei den Feldern 12 bis 14 müssen die Anschriften der aktuellen bzw. vorherigen Betriebsstätte angegeben werden, sowie eine Hauptniederlassung. Das Feld 15 in der Gewerbeanmeldung ist besonders wichtig. Im Feld 15 erfassen Sie alle Tätigkeiten, die Sie in Ihrer neuen Firma ausüben. Eine detaillierte Auflistung bietet sich bei breitgefächerten Tätigkeiten an. Bei Fragen ist das Hinzuziehen eines Beraters zu empfehlen. So finden Sie mit professioneller Unterstützung die korrekten und möglichst weitreichenden Formulierungen Ihrer Tätigkeiten.

Angaben zur Ausübung des Gewerbes in nebenberuflicher oder hauptberuflicher Tätigkeit, sowie Angaben zu den beschäftigten Personen sind ebenfalls einzutragen. Darüber hinaus muss angegeben werden, ob es sich um eine Hauptniederlassung, eine Zweigstelle usw. handelt, sowie, ob es sich um eine Neugründung oder die Übernahme eines bestehenden Betriebs handelt.

Wie sieht das Formular zur Gewerbeanmeldung aus?

Das Formular zur Gewerbeanmeldung umfasst nur eine Seite. Auszufüllen sind u.a. die persönlichen Daten, das Datum des Beginns der angemeldeten Tätigkeit und ob die Tätigkeit im Haupt- oder Nebenberuf geführt werden soll. Im Formular zur Gewerbeanmeldung müssen Angaben zur Person, zum Betrieb, den Niederlassungen und Adressen, dem Beginn der Tätigkeit, der Erlaubnis zur Gewerbeanmeldung (z.B. Eintragung in die Handwerksrolle) sowie Angaben bezüglich eines Reisegewerbes gemacht werden.

Hier können Sie das amtliche Formular Gewerbeanmeldung (PDF, 79 KB) downloaden.

Sehen Sie sich mein Video zum Formular der Gewerbeanmeldung an!

Was sollten Sie zum Thema Niederlassung wissen?

Jedes Unternehmen hat eine Hauptniederlassung. Darüber hinaus besteht jedoch immer die Möglichkeit, zusätzliche Niederlassungen zu errichten. Das kann sowohl direkt um die Ecke als auch in einer anderen Stadt oder sogar im Ausland der Fall sein. Unter einer Niederlassung versteht man daher den Standort einer Firma, die räumlich von ihrer Hauptniederlassung getrennt ist. Seltener wird hierfür auch der Begriff "Dependance" verwendet. Weiterhin unterscheidet man zwischen einer Zweigniederlassung und einer Filiale bzw. Betriebsstätte. In beiden Fällen ist jedoch trotz bestehender Hauptniederlassung eine Gewerbeanmeldung erforderlich.

Eine Zweigniederlassung kennzeichnet sich insbesondere dadurch, dass sie wirtschaftlich selbständig ist. Und das, obwohl diese Form der Niederlassung einem Unternehmen zugehörig ist. Es handelt sich daher um keine eigene Rechtspersönlichkeit, wie es bei einem Tochterunternehmen der Fall wäre. Eine Eintragung ins Handelsregister zusätzlich zur Gewerbeanmeldung ist dennoch erforderlich. Die Zweigniederlassung führt sehr ähnliche oder gleiche Geschäfte durch, wie die Hauptniederlassung. Der Leiter der Niederlassung muss zudem über eine Handlungsvollmacht bzw. Prokura verfügen. Selbständige Niederlassungen verfügen auch über eigene Lohnabrechnungen sowie eine von der Hauptniederlassung getrennte Buchhaltung. Zudem handeln sie selbständige Niederlassung im eigenen Namen und schließen so auch Verträge ab.

Filiale als unselbständige Niederlassung

Etwas anders sieht es bei Filialen aus, die rechtlich gesehen als Betriebsstätte behandelt werden. Diese Form der Niederlassung kennzeichnet sich vor allem dadurch, dass sie nicht selbständig ist. Sie ist von der Hauptniederlassung abhängig und verfügt daher auch über keine eigene Buchführung. Lohnabrechnungen, Vertragsabschlüsse oder auch Warenlieferungen werden über die Hauptstelle abgewickelt. Daher haben unselbständige Niederlassungen in der Regel auch keinen eigenen Leiter. Ein Eintrag ins Handelsregister ist hier nicht erforderlich.

Tipp: Lesen Sie auch, wie man als Ausländer in Deutschland eine Niederlassung gründet!

Was versteht man unter der Ist-Besteuerung und wie beantrage ich sie?

Der Unternehmer muss bei der Ist-Besteuerung die von ihm in Rechnung gestellte Umsatzsteuer erst dann an das Finanzamt entrichten, wenn die Rechnung von seinem Kunden bezahlt wurde, das heißt, wenn er das Geld tatsächlich zur Verfügung hat. Um nach der Ist–Besteuerung besteuert zu werden, muss ein Antrag beim zuständigen Finanzamt gestellt werden. Das wird in der Regel gleich bei Gewerbeanmeldung im steuerlichen Erfassungsbogen erledigt. Der Vorteil ist in der Liquidität des Unternehmers zu sehen. In der Regel können diese Besteuerungsform alle diejenigen wählen, die nicht buchführungspflichtig sind oder bestimmte Umsatzgrenzen nicht überschreiten.

Was ist ein Hausgewerbe?

Ein Hausgewerbe ist gem. § 2 II Heimarbeitergesetz ein Gewerbe, bei dem der Selbstständige Waren im Auftrag eines Gewerbetreibenden herstellt, verpackt oder verarbeitet und diesem die wirtschaftliche Verwertung der Waren überlässt. Dabei darf er sich nicht mehr als zweier fremder Hilfskräfte bedienen. Als Synonym für Hausgewerbe wird häufig auch der Begriff Heimarbeit verwendet.

Was kostet eine Gewerbeanmeldung?

Die Gebühr für die Gewerbeanmeldung ist eher günstig. Sie liegt in den einzelnen Städten und Gemeinden zwischen 11,- und 45,- EUR. Das Gründerlexikon hat dazu eine Umfrage bei mehr als 100 Gewerbeämtern in Deutschland gestartet und die Kosten einer Gewerbeanmeldung bei fast allen Städten in Deutschland veröffentlicht. Lesen Sie selbst wie teuer es in Ihrer Stadt oder Gemeinde ist!

Gewerbeanmeldung: Wie lange dauert es?

Das hängt in erster Linie von Ihnen ab. Wenn Sie persönlich beim Gewerbeamt erscheinen und alle Dokumente, Nachweise und Unterlagen mit haben, dann kann die Gewerbeanmeldung in 10 bis 15 Minuten erledigt sein. Sollten Sie den Antrag per Post senden, so können Sie mit einer Dauer von etwa einer Woche rechnen, bis Sie den Bescheid erhalten. Natürlich müssen Sie noch die Kosten überweisen, wenn Sie den Antrag schriftlich einreichen. Falls Sie persönlich auf dem Amt erscheinen, können Sie die Kosten sofort bezahlen.

Kommt der Gewerbeschein per Post?

Gewerbetreibende, die ihr Gewerbe persönlich beim Gewerbeamt anmelden, bekommen, nachdem sie die Gebühr bezahlt haben, ein DIN A4 Blatt mit der Überschrift "Gewerbeanmeldung". Dieses Blatt ist der sogenannte Gewerbeschein, mit ihm kann der Gewerbetreibende die ordnungsgemäße Anmeldung des Gewerbes nachweisen. Falls Sie Ihr Gewerbe per Post angemeldet haben, erhalten Sie Ihre Gewerbeanmeldung, den "Gewerbeschein", per Post.

Wer unterliegt der Zulassungsbeschränkung?

Bestimmte Berufszweige unterliegen bei der Gewerbeanmeldung einer Zulassungsbeschränkung. Darunter zählen bspw. Makler, Versicherungsmakler, das Bewachungsgewerbe oder Spielbanken. Für Handwerker ist die Zulassungsbeschränkung in der Handwerksordnung (HwO) geregelt.

Was macht das Gewerbeamt mit der Gewerbeanmeldung?

Der Mitarbeiter des Gewerbeamts prüft die persönlichen Daten auf Richtigkeit. Dann führt er eine inhaltliche Prüfung der angemeldeten Tätigkeit durch. Für eine verbotene Dienstleistung, wie beispielsweise Waffenhandel, Sklaverei oder Drogenhandel wird keine Gewerbeanmeldung erteilt. Ebenfalls wird die Zulassungsbeschränkung geprüft, zum Beispiel die Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses oder eines Meisterbriefes. Der Firmenname oder die Firmenbezeichnung des Gewerbetreibenden wird bei der Anmeldung nicht auf Zulässigkeit vom Gewerbeamt geprüft. Das ist, nach Aussage des Gewerbeamtes, Aufgabe der zuständigen Industrie- und Handelskammer (IHK) oder der Handwerkskammer (HWK). Für weitere Fragen diesbezüglich können Sie sich auch direkt an die IHK wenden.

Informiert das Gewerbeamt andere Behörden oder Institutionen von der Anmeldung?

Eindeutig ja, der § 14 GewO gibt vor,

(8) 1 Die zuständige Behörde darf Daten aus der Gewerbeanzeige regelmäßig übermitteln an

  1. die Industrie- und Handelskammer (IHK)
  2. die Handwerkskammer
  3. die für den Immissionsschutz zuständige Landesbehörde
  4. die für den technischen und sozialen Arbeitsschutz,  zuständige Landesbehörde
  5. das Eichamt
  6. die Bundesagentur für Arbeit
  7. die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e. V ausschließlich zur Weiterleitung an die zuständige Berufsgenossenschaft
  8. die Behörden der Zollverwaltung zur Wahrnehmung der ihnen nach dem Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz
  9. das Registergericht, soweit es sich um die Abmeldung einer im Handels- und Genossenschaftsregister eingetragenen Haupt- oder Zweigniederlassung
  10. die statistischen Ämter der Länder zur Führung des Statistikregisters

Wie lange rückwirkend kann ich eine Gewerbeanmeldung abgeben?

Grundsätzlich sieht die Gewerbeordnung vor, dass Sie ein Gewerbe unmittelbar bei Aufnahme anzeigen. Die Gewerbeordnung sieht auch vor, dass bei verspäteter Meldung eine Strafe fällig sein kann. In der Praxis machen die Behörden jedoch nur selten davon Gebrauch. Sie können in vielen Fällen auch rückwirkend eine Gewerbeanmeldung abgeben. Sollten Sie Ihr Gewerbe bereits seit vielen Monaten und sehr erfolgreich, das heißt mit hohen Umsätzen und Gewinnen betreiben, dann ist die Wahrscheinlichkeit auf ein Bußgeld hoch.

Ansonsten können Sie ein Gewerbe bis maximal 60 Monate nach Aufnahme noch melden. Wie gesagt, müssen Sie dann aber mit einem Bußgeld rechnen. Sollte das Gewerbe eine spezielle Erlaubnis benötigen oder mehr als die “üblichen” Voraussetzungen erforderlich sein, dann ist das auch kritischer zu bewerten, als wenn Sie ein Gewerbe ohne spezielle Erlaubnis anmelden.

Falls Sie persönlich beim Gewerbeamt erscheinen und Sie können plausibel erklären, warum Sie rückwirkend (wenn es viele Monate sind) eine Gewerbeanmeldung abgeben, dann wird häufig kein Bußgeld fällig.

Brauche ich für zwei verschiedene Gewerbe auch zwei Gewerbeanmeldungen?

Die Gewerbeordnung legt dem Unternehmer keine Beschränkung hinsichtlich verschiedenartigster Betätigungen innerhalb eines Unternehmens auf.

Der § 3 GewO (Betrieb verschiedener Gewerbe) stellt fest:

  • Der gleichzeitige Betrieb verschiedener Gewerbe sowie desselben Gewerbes in mehreren Betriebs- oder Verkaufsstätten ist gestattet. Eine Beschränkung der Handwerker auf den Verkauf der selbstverfertigten Waren findet nicht statt.

Sie können also so viele Gewerbe anmelden wie Sie möchten.

Gewerbeschein als Nachweis der unternehmerischen Tätigkeit

Ein Leser hat auf ein Problem aufmerksam gemacht, welches manchmal im Großhandel, wie Metro, Cash&Carry, Selgros oder Amazon auftritt:

Um beispielsweise bei der Metro "Mitglied" zu werden, ist ein Nachweis der unternehmerischen Tätigkeit notwendig. Dies wäre bei Gewerbetreibenden zum Beispiel der Gewerbeschein. Allerdings könnten Sie dann, wie etwa der Leser, folgende Infos von der Metro erhalten:

"Leider reicht das von Ihnen übermittelte Dokument als Nachweis nicht aus, da es älter als ein Jahr ist. Lassen Sie uns daher bitte eine Gewerbeanmeldung zukommen, welche nicht älter als ein Jahr ist."

So etwas wie einen "aktuellen Gewerbeschein", bei dem das aktuelle Datum als Nachweis steht, gibt es nicht. Der Gewerbeschein gilt als Nachweis. Sicher könnte man in der Zwischenzeit sein Gewerbe bereits wieder abgemeldet haben. Trotzdem gibt es keine andere Variante. Wer sein Gewerbe bereits mehr als ein Jahr angemeldet hat, muss daher auf Alternativen umsteigen. Und Freiberufler haben überhaupt keinen Gewerbeschein, da sie ja eben kein Gewerbe betreiben. Was also tun?

Als Nachweis der unternehmerischen Tätigkeit gilt u. a. auch:

  • Handels- oder Vereinsregisterauszug
  • Verbands- oder Kammerbestätigung (IHK)
  • Bestätigung einer der berufsständischen wirtschaftspolitischen Vereinigungen
  • Steuerbescheinigung über Einkünfte aus freiberuflicher/selbstständiger Arbeit
  • USt.-Voranmeldung
  • Angabe der USt.-Identifikationsnummer

Denkbar sind auch weitere ähnliche Nachweise. Wer gerade seine Tätigkeit aufgenommen hat, dürfte ja über einen Gewerbeschein verfügen oder die Mitteilung vom Finanzamt, dass die Tätigkeit als Freiberufler eingestuft wurde. Wer länger als ein Jahr tätig ist, kann eine Steuerbescheinigung vorlegen. 

Wenn gar nichts von dem vorhanden oder möglich ist, dann sollten Sie direkt mit dem betreffenden B2B Partner Kontakt aufnehmen und nachfragen. Die betreffenden Unternehmen sollten (können aber) nicht nur Partner akzeptieren, die innerhalb des letzten Jahres eine Gewerbeanmeldung durchgeführt haben. Und irgendwie müssen Sie ja Ihre gewerbliche oder freiberufliche Tätigkeit nachweisen können - und wenn es aktuelle Rechnungen sind, die Sie ausgestellt haben.

Leserfragen zum Thema Gewerbeanmeldung beantragen

Nebentätigkeit Fitnesstrainer - Gewerbeschein oder Kleinunternehmer?

Hallo, zu meiner Ausgangslage: Ich bin fest in Vollzeit angestellt und möchte als Nebentätigkeit als Fitnesstrainerin arbeiten. Noch ist nicht klar, ob ich in einem Fitnessstudio einen festen Kurs bekomme, den ich leiten kann oder ob ich auf Vertretungsbasis in unterschiedlichen Studios vereinzelt Kurse vertrete. Zu Beginn wird sicher letzters der Fall sein.

Nun weiß ich nicht, ob ich einfach ein Gewerbe anmelden soll und auf Gewerbeschein arbeiten soll, was vorteilhaft wäre um z.B. die benötigten CDs und Sportklamotten von der Steuer absetzen zu können. Oder, ob es besser wäre, ein Kleinunternehmen zu gründen und den Umsatzsteuerfreibetrag zu nutzen. Als Kleinunternehmer könnte ich auch in verschiedenen Studios arbeiten oder gibt es da Beschränkungen?  Da es ja nur eine Nebentätigkeit ist, werde ich gewiss nicht über die 17.500€ bzw. die 50.000€ pro Jahr kommen. Ich kann dann aber auch gar nichts absetzen, oder?

Antwort

Hallo,

Nun weiß ich nicht, ob ich einfach ein Gewerbe anmelden soll und auf Gewerbeschein arbeiten soll, was vorteilhaft wäre um z.B. die benötigten CDs und Sportklamotten von der Steuer absetzen zu können.

Ob Du für die Tätigkeit einer Fitnesstrainerin ein Gewerbe anmelden musst kann Dir zum Beispiel das Finanzamt sagen - ich denke zwar dass es hier schon der Fall sein wird, aber der Sachbearbeiter vom FA oder ein Steuerberater können das mit Gewissheit beurteilen ob es ein freier Beruf sein könnte. Auch wenn Du dafür kein Gewerbe anmelden müsstest, kannst Du alle Ausgaben im Rahmen dieser Tätigkeit als Betriebsausgaben absetzen.

Oder, ob es besser wäre, ein Kleinunternehmen zu gründen und den Umsatzsteuerfreibetrag zu nutzen. Als Kleinunternehmer könnte ich auch in verschiedenen Studios arbeiten oder gibt es da Beschränkungen?  Da es ja nur eine Nebentätigkeit ist, werde ich gewiss nicht über die 17.500€ bzw. die 50.000€ pro Jahr kommen. Ich kann dann aber auch gar nichts absetzen, oder?

Hast Du schon mal auf unseren Seiten den Begriff Kleinunternehmer nachgeschlagen? Bestimmt noch nicht. Kurz gesagt: Kleinunternehmer ist ein Unternehmer, der die Kleinunternehmerregelung nach § 19 Umsatzsteuergesetz in Anspruch nimmt. Die Regelung betrifft - nur kurz erklärt - die "Handhabung" der Umsatzsteuer.

Meine Empfehlung: Lies erstmal folgende Beiträge bzw. E-Books zum Thema Nebentätigkeit und Nebengewerbe:

Fazit

Der Gründer fasst alle Tätigkeiten, die er voraussichtlich anbieten will, auf einer Gewerbeanmeldung zusammen. Sehen Sie sich mein Video zur Gewerbeanmeldung an und lassen Sie sich ggf. von einem Steuerberater helfen!

Meine Name ist Torsten Montag, ich bin Betriebswirt, Internetcoach und betreibe seit 2004 das Gründerlexikon. Ich werde Ihnen durch meine Artikel den richtigen Weg als Unternehmer zeigen. Sollten Sie Fragen haben, kommen Sie gern in die Gründerlexikon Facebook Gruppe - dort erhalten Sie unbürokratische Hilfe.

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