Wann muss das Gewerbe angemeldet werden?

Viele Existenzgründungswillige sind der Meinung, solange sie keinen Umsatz machen oder keinen Gewinn erwirtschaften, müssen sie auch keinen Gewerbe anmelden. Das ist natürlich Schwachsinn und falsch, denn die Gewerbeordnung klärt in § 14 ganz eindeutig, wann ein Gewerbe anzumelden ist und zwar heißt es dort:

(1) Wer den selbständigen Betrieb eines stehenden Gewerbes, einer Zweigniederlassung oder einer unselbständigen Zweigstelle anfängt, muss dies der zuständigen Behörde gleichzeitig anzeigen. Das Gleiche gilt, wenn der Betrieb verlegt wird, der Gegenstand des Gewerbes gewechselt oder auf Waren oder Leistungen ausgedehnt wird, die bei Gewerbebetrieben der angemeldeten Art nicht geschäftsüblich sind, oder der Betrieb aufgegeben wird. Steht die Aufgabe des Betriebes eindeutig fest und ist die Abmeldung nicht innerhalb eines angemessenen Zeitraums erfolgt, kann die Behörde die Abmeldung von Amts wegen vornehmen.

Hier heißt es also ganz eindeutig, "wer einen ... Betrieb ... einfängt" und damit sind auch Vorbereitungsmaßnahmen, Einrichtung des Geschäftsbetriebes, Kundensuche und Ähnliches zu verstehen, also auf keinen Fall nur etwas monetäres, so wie es leicht mit dem Einkommensteuergesetz und der dort verankerten Gewinnerzielungsabsicht zu verwechseln ist.

Häufige Fragen zum Zeitpunkt der Gewerbeanmeldung:

Kann ich ein Nebengewerbe mitten im Jahr anmelden?

Grundsätzlich verpflichtet der Gesetzgeber Sie dazu, Ihr Gewerbe dann anzumelden, sobald Sie mit Nachhaltigkeit am Wirtschaftsverkehr teilnehmen, also insbesondere wenn Sie Umsätze generieren. Dabei ist es völlig unerheblich, ob Sie damit zum 1. Januar oder zum 1. August beginnen. Sie melden einfach Ihr Gewerbe zum gewünschten Zeitpunkt an. Diese Regelungen (und auch das nachfolgend Beschriebene) gilt nicht nur für die Anmeldung eines Nebengewerbes während des Jahres, sondern auch für ein hauptberufliches Gewerbe. Das Finanzamt unterscheidet nicht zwischen beiden Formen – beides ist ein Gewerbe, auch wenn das Nebengewerbe üblicherweise neben dem Beruf ausgeübt wird. 

Normalerweise werden Sie auf Ihre Einkünfte in einem ganzen Wirtschaftsjahr besteuert. Melden Sie Ihr Gewerbe zum 1. Mai an, so läuft Ihr Wirtschaftsjahr nicht etwa vom 1. Mai bis zum 30. April des Folgejahres, sondern vom 1. Mai bis zum 31. Dezember. Es entsteht ein „Rumpfwirtschaftsjahr“. Dies hat vor allem Auswirkungen auf Ihr Jahresergebnis. Ihnen bleiben nämlich nur vergleichsweise wenige Monate, um Einnahmen zu erzielen, haben aber gerade im ersten Jahr oft viele Kosten (z. B. Gründungskosten, Gebühren, Steuerberater, Akquise). Mit etwas Pech können Sie diese in der kurzen Zeit nicht kompensieren und müssen bereits im ersten Jahr einen Verlust schreiben, obwohl Ihr Unternehmen eigentlich bereits rentabel arbeitet. Beim vollen Wirtschaftsjahr haben Sie mehr Zeit, die Betriebsausgaben hereinzuholen. Brauchen Sie aber aus steuerlichen Gründen vielleicht sogar einen negativen Ertrag, kann es Sinn machen, die Gewerbeanmeldung später ins Jahr zu verschieben.

Aber: Stehen Sie bereits in den Startlöchern und Sie sind gut vorbereitet, macht es absolut keinen Sinn, noch monatelang zu warten, nur um einen sauberen Start zum 1. Januar hinzubekommen. Ist es bereits November, können Sie den einen Monat noch abwarten. Hat das Jahr aber gerade erst begonnen, starten Sie einfach mit einem Rumpfwirtschaftsjahr.

Kleinunternehmerregelung: Achtung, Falle!

Manch einer wäre geneigt, während des Jahres mit der Kleinunternehmerregelung zu gründen, da er durch das verkürzte Wirtschaftsjahr unter der Grenze von 22.000 Euro bleiben wird. Diese Annahme ist aber falsch, denn die Umsatzgrenzen müssen auf die Anzahl der Monate umgelegt werden. Dazu wird die die Umsatzgrenze um ein Zwölftel je vollen Monat gekürzt, in dem Sie nicht selbstständig waren. (Kleinunternehmerregelung endlich verstehen! Jetzt mein Seminar besuchen!)

Beispiel:Sie melden Ihr Gewerbe zum 15. September an. Sie sind also von September bis Dezember vier Monate lang selbstständig. Die Umsatzgrenze beträgt 22.000 Euro / 12 Monate x 4 Monate = 7.333,33 Euro. Überschreiten Sie diese im laufenden Jahr, können Sie die Kleinunternehmerregelung nicht beanspruchen.

Hinweis: Bis zum 31.12.2019 beträgt die Umsatzgrenze noch 17.500 Euro!

Gewerbeschein beantragt, darf ich sofort verkaufen?

Ja, sobald Sie das Gewerbe beim Gewerbeamt beantragt haben, können Sie mit dem Verkauf oder dem Schreiben von Rechnungen loslegen. Tipp: Es wird Ihnen niemand den Kopf abreißen, wenn Sie bereits vor der Gewerbeanmeldung eine Rechnung geschrieben haben oder bereits 50 Euro von Ihrem zukünftigen neuen Kunden eingenommen haben. So genau nimmt das beim Gewerbeamt niemand und auch das Finanzamt stellt diesbezüglich keine besonderen Anforderungen. Hier spielt tatsächlich die Größenordnung und die Dauer der Tätigkeit vor Gewerbeanmeldung eine ganz wesentliche Rolle. Diese beiden Komponenten sind wiederum Ermessenssache und können von Sachbearbeiter zu Sachbearbeiter so oder so gesehen werden. Wenn Sie nicht alles erzählen, wird man auch nicht explizit danach fragen und somit ist alles in Ordnung. Wenn sie allerdings bereits drei Jahre Gelder von mehr als 5000 Euro eingenommen haben, ist die Gewerbeanmeldung ziemlich spät und es könnte tatsächlich Ärger geben, auch wenn sie sämtliche Einnahmen ordnungsgemäß beim Finanzamt in ihrer Steuererklärung/Einnahmenüberschussrechnung angeben. Warum? Sie hätten es bereits längst anmelden müssen, damit liegt ein Verstoß und eine Ordnungswidrigkeit vor, die mit einer Geldbuße geahndet werden kann. Es geht dabei nicht um Steuerhinterziehung, sondern um das rechtzeitige und ordnungsgemäße Anmelden. Vergleichbar ist das mit der Baugenehmigung. Sie müssen erst die Baugenehmigung in der Tasche haben und dann dürfen Sie anfangen mit bauen.

Letzten Endes ist es den Ämtern egal, die Hauptsache: Sie haben alle Einnahmen in Ihrer Steuererklärung (Gewinnermittlung) angegeben.

Ab welchem Betrag muss man ein Gewerbe anmelden?

Prinzipiell muss man nicht wegen einem Euro ein Gewerbe anmelden. Trotzdem gibt es eine Methode, wie man rechtskonform die Einnahmen und die daraus resultierenden Einkünfte beim Finanzamt angeben kann. Im Rahmen der jährlichen Steuererklärung kann man auch ohne Gewerbeanmeldung die Einkünfte aus der Differenz von Einnahmen und Ausgaben im Steuerformular eintragen und so dem Finanzamt mitteilen, dass man Einkünfte aus gewerblicher Tätigkeit hatte. Darüber hinaus gibt es eine Art steuerliche Regelung, die geringfügige Einnahmen im Rahmen der Steuererklärung "nachträglich steuerfrei" gestalten. Diese Vorgehensweise nennt sich im Steuerrecht Härteausgleich und ist im § 46 Abs. 3 EStG beschrieben. Danach kann man eine gewisse Einkunftshöhe erzielen, welche am Jahresende von Amts wegen wieder als "Null-Einkommen" ermittelt wird und somit keine steuerliche Auswirkung hat.

gründerlexikon tipp

Beachten Sie: Gewerbeanmeldung für eine Webseite

Auch für eine Webseite oder der Betrieb einer Webseite muss ein Gewerbe angemeldet werden, darauf habe ich bereits in der Information- und Planungsphase hingewiesen.

Muss ein Gewerbe für einen Tag angemeldet werden?

Man kann es tatsächlich nur schwer beantworten, wenn man die Größenordnungen nicht kennt. Am besten versteht man es in der Tat an einem Beispiel:

Sie bekommen einen einmaligen Auftrag für einen Tag und erwirtschaften an diesem Tag 20.000 Euro. In diesem Fall können Sie davon ausgehen, dass eine Gewerbeanmeldung notwendig ist, da diese Einnahme auf jeden Fall eine gewerbliche Tätigkeit darstellt und zu einer zusätzlichen einkommenssteuerlichen Belastung führt.

Anderes Beispiel: Sie können an einem einzigen Tag auf einem Marktplatz eventuell 15 Euro einnehmen. An anderen Tagen möchten Sie nicht auf diesen Marktplatz und verkaufen. Sie verkaufen keine privaten Dinge, sondern vielleicht selbst gebastelte Produkte. Die an diesem Tag erwirtschafteten Umsätze können Sie getrost auch ohne Gewerbeanmeldung einfach als Einkünfte in ihrer privaten Einkommensteuererklärung bei den sogenannten Einkünften aus Gewerbebetrieb eintragen, fertig.

Ich hoffe Sie erkennen an diesen beiden Beispielen die Unterschiede und die Notwendigkeit, wann ein Gewerbe anzumelden ist und wann man gegebenenfalls auch ohne eine Gewerbeanmeldung ordnungsgemäß und gesetzeskonform arbeiten kann. Im Zweifel fragen Sie einfach beim Gewerbeamt nach oder erkundigen sich beim Finanzamt, wie Sie in Ihrem speziellen Fall verfahren sollen.

Leserfragen zum Thema Gewerbeanmeldung

Wie melde ich ein Lebensmittelverarbeitendes Gewerbe an?

Ich mache bisher hobbymäßig Pestos, Konfitüren, Chutneys, etc. und da die Nachfrage groß ist, möchte ich ein Gewerbe anmelden. Muss ich zum Amtsarzt oder ähnliches, wegen der Verarbeitung von Lebensmitteln? Wieviel darf ich verdienen? Ich bin Hausfrau und mein Mann ist bisher Alleinverdiener? Auch wegen der KV.

Antwort

Hallo,

da die Nachfrage groß ist, möchte ich ein Gewerbe anmelden.

Das sollte eigentlich schon passiert sein, da Sie eine gewerbliche Tätigkeit regelmäßig ausüben und damit Einnahmen erzielen. Zumindest ein Nebengewerbe ist notwendig.

Muss ich zum Amtsarzt oder ähnliches, wegen der Verarbeitung von Lebensmitteln?

Zum Veterinäramt, wegen eines Gesundheitspasses bzw. Zeugnis. Oder Fragen Sie beim Gewerbeamt nach, ob das notwendig ist in der Branche. Das Veterinäramt wird Ihnen immer sagen, dass Sie das Zeugnis brauchen, da die ja Geld verdienen wollen. Aber beim Verkauf und der Produktion von Lebensmitteln kann ich es mir schon vorstellen.

Wieviel darf ich verdienen?

So viel Sie verdienen können. Sofern Sie im Nebengewerbe selbständig sind, ist eine Begrenzung auf 15 Arbeitsstunden pro Woche gegeben. Überschreiten Sie diese, ist es ihr Haupterwerb. Sofern Sie im Gründungsjahr mehr als 22.000 EUR (bis 31.12.2019: 17.500 EUR) Umsatz machen sind Sie keine Kleinunternehmerin mehr und somit umsatzsteuerpflichtig.

Leserfragen zum Thema Nebengewerbe

Kann ich ein Gewerbe rückwirkend anmelden?

Hallo, ich habe eine Frage zur rückwirkenden Gewerbeanmeldung. Und zwar fotografiere ich nebenbei für eine Agentur seit Dez 2009, jedoch bisher ohne Gewerbeanmeldung. Der Agentur Chef meinte, dass ich auch als Privater normale Rechnungen schreiben könnte, ohne Ausweisung der Mwst, nach Kleinunternehmerregelung. So richtig wohl ist mir nicht bei der Sache, da die Kleinunternehmerregelung ja auch ein angemeldetes Gewerbe vorraussetzt, denke ich zumindest.

Nun hab ich jedoch vor mein Gewerbe endlich anzumelden, da ich demnächst auch andere Aufträge annehmen möchte. Da ich mir jedoch bereits am 30. Okt 2009 eine Kamera gekauft habe (1500€) und auch 2010 verschiedene Gerätschaften zugelegt habe, die ich für meine Arbeit als Fotograf brauche, wäre es für mich interessant zu wissen, wie lange ich ein Nebengewerbe (Hauptberuflich bin und bleib ich erst mal Student) auch rückwirkend anmelden kann? Wie lange kann ich mir dann rückwirkend die Mwst. der gekauften Technik zurückholen?

Hätte es Nachteile ein Gewerbe rückwirkend anzumelden?

Antwort

Der Agentur Chef meinte, dass ich auch als Privater normale Rechnungen schreiben könnte, ohne Ausweisung der Mwst, nach Kleinunternehmerregelung.

Da sieht man mal, dass der Agenturchef nur Ahnung von seiner Agentur hat, nicht jedoch von Rechnungslegung und Gewerbe etc.

Sobald ich eine Rechnung schreibe bin ich eben nicht mehr privat, sondern gewerblich. Das mit der Kleinunternehmerreglung betrifft nur die Umsatzsteuer, was allerdings vom Unternehmerstatus total unabhängig ist.

Tipp für Nebengewerbe: Bitte mal die häufig gestellten Fragen zum Nebengewerbe lesen!

So richtig wohl ist mir nicht bei der Sache, da die Kleinunternehmerregelung ja auch ein angemeldetes Gewerbe voraussetzt, denke ich zumindest.

Genau richtig. (Kleinunternehmerregelung endlich verstehen! Jetzt mein Seminar besuchen!)

Als ich fragte, ob auch 01.01.2010 möglich wäre, war sie nicht mehr so begeistert, meinte dass dies eigentlich eine Ordnungswidrigkeit verbunden mit einem Bußgeld darstellen würde, dass ich aber Glück habe und die Stadt sich gnädig zeigt, wenn Antragsteller/ Gewerbetreibender auf Behörde zukommt und nicht anders herum.

Sei froh, wenn´s noch mal mit ´nem blauen Auge ausgeht.

Na ja also ist zumindest erst mal klar, dass ich bis zum 01.01.2010 auf jeden Fall rückwirkend anmelden kann. Stellt sich nun nur noch die Frage, wie weit zurückliegend ich dann noch die Mwst zurückfordern kann.

Wenn du zum 1.1. auch mit der Kleinunternehmerregelung startest, dann hast du mit Umsatzsteuer und Erstattungen daraus nichts zu tun.

Meine Name ist Torsten Montag, ich bin Betriebswirt, Internetcoach und betreibe seit 2004 das Gründerlexikon. Ich habe bereits mehr als 200 Unternehmern geholfen, einen guten Start hinzulegen und erfolgreich mit ihrem Business zu wachsen.

Meine Checkliste