Wann muss das Gewerbe angemeldet werden?

Viele Existenzgründungswillige sind der Meinung, solange sie keinen Umsatz machen oder keinen Gewinn erwirtschaften, müssen sie auch keinen Gewerbe anmelden. Das ist natürlich Schwachsinn und falsch, denn die Gewerbeordnung klärt in § 14 ganz eindeutig, wann ein Gewerbe anzumelden ist und zwar heißt es dort:

(1) Wer den selbständigen Betrieb eines stehenden Gewerbes, einer Zweigniederlassung oder einer unselbständigen Zweigstelle anfängt, muss dies der zuständigen Behörde gleichzeitig anzeigen. Das Gleiche gilt, wenn der Betrieb verlegt wird, der Gegenstand des Gewerbes gewechselt oder auf Waren oder Leistungen ausgedehnt wird, die bei Gewerbebetrieben der angemeldeten Art nicht geschäftsüblich sind, oder der Betrieb aufgegeben wird. Steht die Aufgabe des Betriebes eindeutig fest und ist die Abmeldung nicht innerhalb eines angemessenen Zeitraums erfolgt, kann die Behörde die Abmeldung von Amts wegen vornehmen.

Hier heißt es also ganz eindeutig, "wer einen ... Betrieb ... einfängt" und damit sind auch Vorbereitungsmaßnahmen, Einrichtung des Geschäftsbetriebes, Kundensuche und Ähnliches zu verstehen, also auf keinen Fall nur etwas monetäres, so wie es leicht mit dem Einkommensteuergesetz und der dort verankerten Gewinnerzielungsabsicht zu verwechseln ist.

passfoto torsten montag
Beachten Sie: Gewerbeanmeldung für eine Webseite

Auch für eine Webseite oder der Opens internal link in current windowBetrieb einer Webseite muss ein Gewerbe angemeldet werden, darauf habe ich bereits in der Information- und Planungsphase hingewiesen.

Häufige Fragen zum Zeitpunkt der Gewerbeanmeldung:

Gewerbeschein beantragt, darf ich sofort verkaufen?

Ja, sobald Sie das Gewerbe beim Gewerbeamt beantragt haben, können Sie mit dem Verkauf oder dem Schreiben von Rechnungen loslegen. Tipp: Es wird Ihnen niemand den Kopf abreißen, wenn Sie bereits vor der Gewerbeanmeldung eine Rechnung geschrieben haben oder bereits 50 Euro von Ihrem zukünftigen neuen Kunden eingenommen haben. So genau nimmt das beim Gewerbeamt niemand und auch das Finanzamt stellt diesbezüglich keine besonderen Anforderungen. Hier spielt tatsächlich die Größenordnung und die Dauer der Tätigkeit vor Gewerbeanmeldung eine ganz wesentliche Rolle. Diese beiden Komponenten sind wiederum Ermessenssache und können von Sachbearbeiter zu Sachbearbeiter so oder so gesehen werden. Wenn Sie nicht alles erzählen, wird man auch nicht explizit danach fragen und somit ist alles in Ordnung. Wenn sie allerdings bereits drei Jahre Gelder von mehr als 5000 Euro eingenommen haben, ist die Gewerbeanmeldung ziemlich spät und es könnte tatsächlich Ärger geben, auch wenn sie sämtliche Einnahmen ordnungsgemäß beim Finanzamt in ihrer Steuererklärung/Einnahmenüberschussrechnung angeben. Warum? Sie hätten es bereits längst anmelden müssen, damit liegt ein Verstoß und eine Ordnungswidrigkeit vor, die mit einer Geldbuße geahndet werden kann. Es geht dabei nicht um Steuerhinterziehung, sondern um das rechtzeitige und ordnungsgemäße Anmelden. Vergleichbar ist das mit der Baugenehmigung. Sie müssen erst die Baugenehmigung in der Tasche haben und dann dürfen Sie anfangen mit bauen.

Letzten Endes ist es den Ämtern egal, die Hauptsache: Sie haben alle Einnahmen in Ihrer Steuererklärung (Gewinnermittlung) angegeben.

Ab welchem Betrag muss man ein Gewerbe anmelden?

Prinzipiell muss man nicht wegen einem Euro ein Gewerbe anmelden. Trotzdem gibt es eine Methode, wie man rechtskonform die Einnahmen und die daraus resultierenden Einkünfte beim Finanzamt angeben kann. Im Rahmen der jährlichen Steuererklärung kann man auch ohne Gewerbeanmeldung die Einkünfte aus der Differenz von Einnahmen und Ausgaben im Steuerformular eintragen und so dem Finanzamt mitteilen, dass man Einkünfte aus gewerblicher Tätigkeit hatte. Darüber hinaus gibt es eine Art steuerliche Regelung, die geringfügige Einnahmen im Rahmen der Steuererklärung "nachträglich steuerfrei" gestalten. Diese Vorgehensweise nennt sich im Steuerrecht Härteausgleich und ist im § 46 Abs. 3 EStG beschrieben. Danach kann man eine gewisse Einkunftshöhe erzielen, welche am Jahresende von Amts wegen wieder als "Null-Einkommen" ermittelt wird und somit keine steuerliche Auswirkung hat.

Muss ein Gewerbe für einen Tag angemeldet werden?

Man kann es tatsächlich nur schwer beantworten, wenn man die Größenordnungen nicht kennt. Am besten versteht man es in der Tat an einem Beispiel:

Sie bekommen einen einmaligen Auftrag für einen Tag und erwirtschaften an diesem Tag 20.000 Euro. In diesem Fall können Sie davon ausgehen, dass eine Gewerbeanmeldung notwendig ist, da diese Einnahme auf jeden Fall eine gewerbliche Tätigkeit darstellt und zu einer zusätzlichen einkommenssteuerlichen Belastung führt.

Anderes Beispiel: Sie können an einem einzigen Tag auf einem Marktplatz eventuell 15 Euro einnehmen. An anderen Tagen möchten Sie nicht auf diesen Marktplatz und verkaufen. Sie verkaufen keine privaten Dinge, sondern vielleicht selbst gebastelte Produkte. Die an diesem Tag erwirtschafteten Umsätze können Sie getrost auch ohne Gewerbeanmeldung einfach als Einkünfte in ihrer privaten Einkommensteuererklärung bei den sogenannten Einkünften aus Gewerbebetrieb eintragen, fertig.

Ich hoffe Sie erkennen an diesen beiden Beispielen die Unterschiede und die Notwendigkeit, wann ein Gewerbe anzumelden ist und wann man gegebenenfalls auch ohne eine Gewerbeanmeldung ordnungsgemäß und gesetzeskonform arbeiten kann. Im Zweifel fragen Sie einfach beim Gewerbeamt nach oder erkundigen sich beim Finanzamt, wie Sie in Ihrem speziellen Fall verfahren sollen.

passfoto torsten montag
E-Book: Nachbarschaftshilfe oder gewerbliche Tätigkeit?

Wie ist das, wenn ich für den Nachbarn regelmäßig den Rasen mähe? Wenn ich meiner Mutter im Haushalt helfe und sie mir die Auslagen erstattet, ist das schon illegal?

Dieser unsichere und doch oftmals praktizierte Bereich zwischen kleinen Hilfeleistungen und gewerbliche Tätigkeit sollte nicht als Schwarzarbeit enden. Deshalb ist es wichtig, dass man seine Arbeitsfelder hier einordnen kann. Das E-Book "Abgrenzung zur Nachbarschaftshilfe" trifft diese Zuordnungen anhand eines Beispieles sehr anschaulich und gründlich.

Je nachdem, welche der typischen Faktoren für oder gegen eine selbständige Tätigkeit sprechen, ist die jeweilige Arbeit definiert. Die Unterschiede werden im E-Book " Abgrenzung zur Nachbarschaftshilfe" auf 9 Seiten eindeutig aufgelistet.

Solange keine Ausrichtung auf eine gewinnbringende Tätigkeit besteht und auch keine Schwarzarbeit vorliegt, sind kleine Gefälligkeiten durchaus erlaubt. Dazu heißt es: "Nach dem Wortlaut des Gesetzes ist nicht jede Tätigkeit steuer- oder sozialversicherungspflichtig." Hinzu kommen nützliche Hinweise auf die Rentenversicherung und die Berufsgenossenschaft. Man sollte sich informieren ...

alle Premiuminhalte inkl.
interaktive Checkliste als Gründungshilfe
9,95 € einmalig (kein Abo)
paypal express button gründerlexikon premium Jetzt diesen und alle weiteren Premiuminhalte für einmalig 9,95 € kostenpflichtig bestellen! »

Häufig gestellte Fragen zum Gewerbe anmelden

Sind Sie der geborene Unternehmer? Jetzt testen!
-Anzeige-
Meine Checkliste
Zu viele Schritte?