Welchen Tätigkeiten kann ich ohne Meister nachgehen?

Ich habe Ihnen bereits gezeigt, für welche Tätigkeiten Sie einen Meister benötigen und wann eine Ausübungsberechtigung ausreichend sein kann. Heute drehe ich den Spieß um und zeige Ihnen, was die Handwerksordnung zulässt, wenn Sie keinen Meistertitel vorweisen können.

Maßgeblich: Anlagen der Handwerksordnung

Welche Berufe Sie auf selbstständiger Basis ohne Meister ausüben dürfen, regelt die Handwerksordnung, genauer gesagt die Anlagen A und B. Während Anlage A die Gewerbe enthält, die zulassungspflichtig sind und einen Meisterzwang beinhalten, lesen Sie in Anlage B alle Berufe, die Sie ohne Meister ergreifen dürfen.

Hier können Sie zwei Bereiche unterscheiden. Zum einen gibt es zulassungsfreie Handwerke, zum anderen handwerksähnliche Gewerbe, für die keine Meisterausbildung notwendig ist (aber eine Ausübungsberechtigung), siehe HWO Anlage B (13.03.17). In folgenden Berufen dürfen Sie also ohne Einschränkung arbeiten:

Zulassungsfreie Handwerke

Handwerksähnliche Gewerbe (kein Meister, aber Ausübungsberechtigung nötig)

 
  • Bogenmacher
  • Brauer und Mälzer
  • Buchbinder
  • Drucker
  • Edelsteinschleifer und -graveure
  • Feinoptiker
  • Flexografen
  • Fotografen
  • Galvaniseure
  • Gebäudereiniger
  • Geigenbauer
  • Glas- und Porzellanmaler
  • Gold- und Silberschmiede
  • Graveure
  • Handzuginstrumentenmacher
  • Holzbildhauer
  • Holzblasinstrumentenmacher
  • Keramiker
  • Klavier- und Cembalobauer
  • Korb- und Flechtwerkgestalter
  • Kürschner
  • Maßschneider
  • Metall- und Glockengießer
  • Metallbildner
  • Metallblasinstrumentenmacher
  • Modellbauer
  • Modisten
  • Müller
  • Sattler und Feintäschner
  • Schneidwerkzeugmechaniker
  • Schuhmacher
  • Segelmacher
  • Siebdrucker
  • Textilgestalter (Sticker, Weber, Klöppler, Posamentierer, Stricker)
  • Textilreiniger
  • Uhrmacher
  • Vergolder
  • Wachszieher
  • Weinküfer
  • Zupfinstrumentenmacher
 
 
  • Eisenflechter
  • Asphaltierer (ohne Straßenbau)
  • Bautentrocknungsgewerbe
  • Betonbohrer und -schneider
  • Bodenleger
  • Bügelanstalten für Herren-Oberbekleidung
  • Bürsten- und Pinselmacher
  • Daubenhauer
  • Einbau von genormten Baufertigteilen (z. B. Fenster, Türen, Zargen, Regale)
  • Fahrzeugverwerter
  • Fuger (im Hochbau)
  • Herstellung von Drahtgestellen für Dekorationszwecke in Sonderanfertigung
  • Holz- und Bautenschutzgewerbe (Mauerschutz und Holzimprägnierung in Gebäuden)
  • Holzblockmacher
  • Holz-Leitermacher (Sonderanfertigung)
  • Holzreifenmacher
  • Holzschindelmacher
  • Holzschuhmacher
  • Kabelverleger im Hochbau (ohne Anschlussarbeiten)
  • Metallsägen-Schärfer
  • Metallschleifer und Metallpolierer
  • Muldenhauer
  • Rammgewerbe (Einrammen von Pfählen im Wasserbau)
  • Rohr- und Kanalreiniger
  • Tankschutzbetriebe (Korrosionsschutz von Öltanks für Feuerungsanlagen ohne chemische Verfahren)
  • Theater- und Ausstattungsmaler
 

Alle Tätigkeiten, die an dieser Stelle nicht genannt werden, fallen nicht unter den Bereich des Handwerks und bedürfen somit keiner Zulassung.

Ausnahmeregelungen für berufserfahrene Gesellen

Sofern Sie einen der zulassungspflichtigen Berufe erlernt haben, aber keine Meisterprüfung abgelegt haben, gibt es dennoch eine Möglichkeit, dass Sie sich in Ihrem Handwerk selbstständig machen. Für diesen Fall müssen Sie sechs Jahre praktische Berufserfahrung in Ihrem Handwerk nachweisen, wobei vier Jahre davon in leitender Position abgeleistet worden sein müssen. Lesen Sie zum Thema Ausübungsberechtigung mehr!

Nicht möglich ist dies allerdings bei Augenoptikern, Hörgeräteakustikern, Orthopädietechnikern und -schuhmachern, Zahntechnikern und Schornsteinfeger.

Sobald Sie geklärt haben, welchem Gewerbe Sie nachgehen dürfen, können Sie sich im nächsten Schritt mit der Rentenversicherungspflicht für Existenzgründer auseinandersetzen.

Benötige ich einen Meister zur Ausübung der Tätigkeit?

Ausübungsberechtigung oder Meister FAQ 29

Ein selbst ernannter Hausmeister darf grundsätzlich nicht alle Tätigkeiten ausüben, die er möchte. Hier muss genau differenziert werden, was er darf und wofür er weitere Qualifikationen benötigt, zum Beispiel die sogenannte Ausübungsberechtigung. Wir zeigen in einem weiteren Artiekl, was es dazu zu wissen gibt und wie die Ausübungsberechtigung zu beantragen ist.

Wann ist eine Ausübungsberechtigung der Handwerkskammer erforderlich?

Handwerkliche Tätigkeiten können in geringem Umfang und wenn keine fachspezifischen Kenntnisse für die Erledigung der Arbeiten erfüllt werden müssen, ohne Meldepflicht bei der Handwerksammer erfüllt werden. Das gilt allerdings nur für kleine Reparatur-, Instandsetzungs- oder Wartungsarbeiten. Spätestens dann, wenn die handwerkliche Tätigkeit beworben wird und nicht mehr ausschließlich im kleinen Umfang im Rahmen einer Hausmeistertätigkeit ausgeübt wird, besteht auch eine Meldepflicht bei der Handwerkskammer.

Wenn eine Tätigkeit aufgenommen wird, die komplett oder auch teilweise der Ausübung selbständiger handwerklicher Tätigkeiten bedarf, ist eine Meldepflicht gegeben. Auch wenn nicht immer eine Meisterqualifikation für die Ausübung einer solchen Tätigkeit vorliegen muss und diese Regelungen im Rahmen der EU auch inzwischen für viele Berufe gelockert wurden, besteht diese Meldepflicht gegenüber der Handwerkskammer.

Für Tätigkeiten im Bautrocknungsbereich, Bodenlegergewerbe, Fugengewerbe, Holz- sowie Bautenschutzgewerbe, regelmäßiger und professioneller Teppichreinigung sowie dem Einbau von Baufertigteilen, zum Beispiel Türen oder Fenstern, bedarf es einer Meldung bei der Handwerkskammer.

Wann ist zwingend eine Meisterqualifikation erforderlich?

Für die Ausübung folgender Tätigkeiten ist zusätzlich zur Meldepflicht bei der Handwerkskammer eine Meisterqualifikation erforderlich:

Zwingend ein Meistertitel erforderlich

 
  • Augenoptiker
  • Bäcker
  • Boots- und Schiffbauer
  • Brunnenbauer
  • Büchsenmacher
  • Chirurgiemechaniker
  • Dachdecker
  • Elektromaschinenbauer
  • Elektrotechniker
  • Feinwerkmechaniker
  • Fleischer
  • Friseure
  • Gerüstbauer
  • Glasbläser und Glasapparatebauer
  • Glaser
  • Hörgeräteakustiker
  • Informationstechniker
  • Installateur und Heizungsbauer
  • Kälteanlagenbauer
  • Karosserie- und Fahrzeugbauer
  • Klempner
  • Konditoren
  • Kraftfahrzeugtechniker
  • Landmaschinenmechaniker
  • Maler und Lackierer
  • Maurer und Betonbauer
  • Mechaniker für Reifen- und Vulkanisationstechnik
  • Metallbauer
  • Ofen- und Luftheizungsbauer
  • Orthopädieschuhmacher
  • Orthopädietechniker
  • Schornsteinfeger
  • Seiler
  • Steinmetzen und Steinbildhauer
  • Straßenbauer
  • Stukkateure
  • Tischler
  • Wärme-, Kälte- und Schallschutzisolierer
  • Zahntechniker
  • Zimmerer
  • Zweiradmechaniker

Quelle: HWO Anlage A (13.03.17)

Eine Meisterqualifikation kann zudem umgangen werden, wenn im ausgeübten Handwerk eine mindestens sechs Jahre dauernde Berufserfahrung vorhanden ist oder aber wenn zuvor in einer leitenden Position in dem angestrebten Handwerk gearbeitet wurde. Beabsichtigt also zum Beispiel ein berufserfahrener Handwerker, eine Tätigkeit als Hausmeister aufzunehmen, darf er diese Tätigkeit im Rahmen seiner Aufgaben ausführen, ohne eine Meisterqualifikation vorweisen zu müssen.

Generell ist die Meisterpflicht im Rahmen der EU gelockert worden, da die Eintragung in die Gewerberolle einen Handwerker bis zu 800 Euro kosten kann und hier eine Benachteiligung von deutschen Gewerbetreibenden gegenüber anderen europäischen Handwerkern bestünde, in deren Land keine Meisterpflicht für die Ausübung einer Handwerkstätigkeit besteht.

Wenn nichts mehr geht: So bekommen Sie den Meistertitel

Aufgrund häufiger Anfragen haben wir recherchiert und die Möglichkeiten zusammengetragen, wie man zum Meistertitel kommt. Lesen Sie selbst!

Leserfragen zum Thema Ausübungsberechtigung

KV bei Kleingewerbe? Friseur und Meisterpflicht?

Hallo, es geht um folgendes, meine Freundin und Ihre Tochter 7 Jahre bis dato. Hatz IV Empfänger (54 Euro) und ich ziehen nun zusammen, laut dem Gesetz sind wir eine Bedarfsgemeinschaft, Sie bekommt also kein Geld vom Arbeitsamt mehr da ich angeblich zuviel verdiene und somit für Ihre Krankenkasse einstehen muss, sprich den Mindestsatz von 130 Euro zahle damit sie versichert ist.

Wir haben uns überlegt ob Sie sich selbstständig machen sollte mit einem Kleingewerbe im Bereich Friseur und Nageldesign, aber kein Laden sondern die Kunden Vorort besucht oder von zuhause aus.

Wie sieht es dann mit der KV aus, kann Sie in der mit dem Mindestsatz bleiben? ich gehe nicht davon aus, dass Sie Riesen Umsätze machen wird.

Wie sieht es mit dem Bereich Friseur aus, war das nicht ein geschütztes Handwerk bei welchem sich nur welche mit Meisterbrief selbstständig machen dürfen.

Antwort

Hallo,

Wie sieht es dann mit der KV aus, kann Sie in der mit dem Mindestsatz bleiben?

Sofern ihre Freundin einen gewerblichen Nebenjob beginnt, also ein Nebengewerbe anmeldet, ist sie nicht wie ein hauptberuflich tätiger Unternehmer selbst für ihre Krankenversicherung zuständig. Sie kann also weiterhin mit dem besagten Mindestsatz versichert werden oder im Rahmen einer kostenlosen Familienversicherung beim gesetzlich versicherten Ehepartner versichert werden. Sofern sie nicht verheiratet ist, scheidet die die letzte Variante natürlich aus. Nähere Informationen würde ich aber auf jeden Fall bei der zuständigen Krankenversicherung einholen.

Handwerk bei welchem sich nur welche mit Meisterbrief selbstständig machen dürfen.

Genau richtig, dass unser Handwerk ist noch eins von den Handwerken, wo die Meisterpflicht für den Selbstständigen notwendig ist. Wer keinen Meister nachweisen kann, muss bei der zuständigen Handwerkskammer mindestens sechs Jahre Berufserfahrung nachweisen, um eine so genannte Ausübungsberechtigungen zu bekommen. Von den sechs Jahren müssen ihre Jahre in leitender Stellung nachgewiesen werden. Mit dieser Auslegungsberechtigungen kann unter Umständen die Meister schlicht umgangen werden. Beim Friseurmeister weiß ich das nicht hundertprozentig, ich gehe einfach vom auch Meister wichtigen Dachdecker aus. Weitere Informationen bezüglich der Ausübungsberechtigung oder der Meisterpflicht bekommen Sie auf jeden Fall bei der Handwerkskammer oder beim Gewerbeamt.

ohne den Meistertitel oder die Ausübungsberechtigung können sie nur eine Tätigkeit im Rahmen eines Reisegewerbes durchführen und anmelden. Der Nachteil dabei sind die höheren Kosten bei der Gewerbeanmeldung, die beim Reisegewerbe durchaus 100 oder 200 € betragen können. Außerdem dürfen sie keine Werbung für das Reisegewerbe im Friseurbereich machen, Sie müssen also im wahrsten Sinne des Wortes von Haus zu Haus ziehen und ihre Tätigkeit an der Haustür anpreisen. Getreu dem Motto: "können wir Ihnen ihre Haare schneiden? Sind ihre Haare zufälligerweise schon so lang, dass ich reinkommen kann und sie schneiden könnte?"

Meine Name ist Torsten Montag, ich bin Betriebswirt, Internetcoach und betreibe seit 2004 das Gründerlexikon. Ich werde Ihnen durch meine Artikel den richtigen Weg als Unternehmer zeigen. Sollten Sie Fragen haben, kommen Sie gern in die Gründerlexikon Facebook Gruppe - dort erhalten Sie unbürokratische Hilfe.

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