Nebengewerbe oder Hauptgewerbe?

Sie müssen auf jeden Fall im Rahmen Ihrer Gründungsstrategie entscheiden, ob Sie Ihre Firma im  Nebengewerbe oder im Hauptgewerbe gründen und schlussendlich betreiben möchten. Diese Entscheidung kann weitreichende Folgen für Ihre Selbständigkeit haben. Lesen Sie die häufigsten Fragen zum Thema Nebengewerbe auf dieser Seite!

Was ist eigentlich ein Nebengewerbe?

Unter einem Nebengewerbe ist ein angemeldetes Gewerbe zu verstehen, was allerdings nicht hauptberuflich oder in Vollzeit ausgeübt wird. Der Gesetzgeber, dabei insbesondere der Sozialversicherungsträger (die gesetzlichen Krankenkassen), ziehen bei 20 Arbeitsstunden pro Woche (bis 2011: 15 Stunden) die Grenze zwischen Nebengewerbe und hauptberuflicher Tätigkeit. Das Wort Nebengewerbe gibt dabei keine Auskunft über die Rechtsform des Unternehmens. Es kann prinzipiell jedes Gewerbe als Nebengewerbe ausgeübt werden, wobei es keine unterschiedliche Anmeldung beim Gewerbeamt gibt, d.h. die Anmeldung eines Nebengewerbes sieht genau so aus, wie die eines Hauptgewerbes. Im Lexikon sollten Sie sich darüber hinaus die Begriffe Vollerwerbsgründung sowie Teilselbständigkeit durchlesen. Das entspricht etwa den Begriffen Haupt- bzw. Nebengewerbe. Lesen Sie sich auch meine Definition zum Begriff Nebengewerbe durch.

Achtung: Unterscheiden Sie die Begriffe Kleinstunternehmen, Kleinunternehmen, Einzelunternehmen und Nebengewerbe voneinander! Erst wer weiß, wovon er spricht, kann mitreden und etwas planen, gerade wenn es um so viele teilweise synonym verwendete Begrifflichkeiten geht!

Wie lautet der Standard bei der Existenzgründung?

Sicher können Sie auch aus der Arbeitslosigkeit eine Existenzgründung im Hauptgewerbe starten, was ich ja bereits in der vorhergehenden Strategie beschrieben habe, wenn Sie jedoch aus der Arbeitslosigkeit mit einem Nebengewerbe beginnen wollen, müssen Sie sich über einige Folgen im Klaren sein:

Nachteile:

Vorteile

Muss ich ein Nebengewerbe anmelden? Wenn ja, wie und wo?

Ja, Sie müssen grundsätzlich ein Nebengewerbe anmelden. Auch wenn das Wort “Nebengewerbe” impliziert, dass es sich um ein kleines, untergeordnetes Gewerbe handelt.

Welche Verdienstgrenzen muss ich beim Nebengewerbe beachten?

Grundsätzlich gilt, dass Sie alle Einnahmen aus einem Nebengewerbe steuerlich angeben müssen und seien sie noch so gering. Es gibt also keine Verdienstgrenze in dem Sinne, dass Sie die Einnahmen nicht versteuern müssten. Sind Sie Empfänger von Arbeitslosengeld I, dann dürfen Sie bis zu 165 Euro im Monat ohne Abzug aus Ihrem Nebengewerbe verdienen. Was darüber hinausgeht, wird Ihnen auf das ALG I angerechnet.

Sollten Sie BAföG beziehen, dann beträgt die Verdienstgrenze bei Ihrem Nebengewerbe rund 400 Euro monatlich.

Weitere „Verdienstgrenzen” gibt es wie folgt: Die Einnahmen aus Ihrem Nebengewerbe dürfen die aus Ihrer Haupttätigkeit nicht übersteigen. Außerdem dürfen Sie maximal 15 (bei Bezieher von ALG I) bis 20 Stunden (für die Krankenkasse) pro Woche für das Nebengewerbe aufwenden. Ansonsten könnte die Tätigkeit nicht mehr als Nebengewerbe eingestuft werden.

Auch für die Rentenkasse gelten gewisse Grenzen.

Brauche ich für ein Nebengewerbe eine separate Krankenversicherung?

In der Regel benötigen Sie für Ihr Nebengewerbe keine extra Krankenversicherung, sondern Sie sind über Ihre Haupttätigkeit, zum Beispiel als Arbeitnehmer oder als Empfänger von Sozialleistungen, versichert. Entscheidend ist hier aber, dass Sie nicht mehr als 20 Stunden pro Woche für Ihr Nebengewerbe aufwenden und die Einnahmen bestimmte Grenzen nicht übersteigen. Es gibt noch mehr zu beachten, was wir in den nächsten Kapiteln genauer untersuchen.

Bis zu welchem Einkommen ist ein Nebengewerbe steuerfrei?

So etwas wie ein steuerfreies Nebengewerbe gibt es grundsätzlich nicht. Sie sind verpflichtet, die Einnahmen aus einem Nebengewerbe steuerlich anzugeben. Ob daraus eine Steuerzahlung für Sie entsteht, ist eine andere Sache. Aber Sie müssen die Einnahmen in der Steuererklärung angeben. Einen Steuerfreibetrag für Ihr Nebengewerbe gibt es nicht. Einen eventuelle Steuerfreiheit könnte aus dem Härteausgleich entstehen, welcher unter bestimmten Umständen gewährt wird. Lesen Sie hier zum Härteausgleich (§46 Abs. 3 EStG)! Lesen Sie hier, wieviel Steuern Sie auf Ihren Gewinn zahlen müssen!

Muss ich meinen Arbeitgeber über das Nebengewerbe informieren?

Ja, sofern Sie Arbeitnehmer sind, müssen Sie Ihren Arbeitgeber über Ihr Nebengewerbe informieren (das ist meist bereits in Ihrem Arbeitsvertrag geregelt). Theoretisch kann Ihr Arbeitgeber Ihnen das Nebengewerbe auch verbieten. Aber nur unter den Voraussetzungen, dass Sie aufgrund des Nebengewerbes Ihrer Angestelltentätigkeit nicht mehr richtig nachkommen können oder Sie für einen Konkurrenten arbeiten. Details dazu sind ebenfalls in den weiteren Beiträgen enthalten.

Welche Kosten kommen bei einem Nebengewerbe auf mich zu?

In den meisten Fällen zahlen Sie nur die Kosten für die Gewerbeanmeldung (zwischen 15€ und 65€). Diese halten sich also stark in Grenzen. Weitere Kosten kommen für die Gründung Ihres Nebengewerbes nicht auf Sie zu. Unabhängig davon sind natürlich Kosten, die Sie vielleicht für Anschaffungen usw. benötigen. Auch wenn Sie ein spezielles Gewerbe anmelden und Sie dafür behördliche Genehmigungen benötigen, können weitere Kosten auf Sie zukommen. Doch in den meisten Fällen werden solche Kosten bei Ihrem Nebengewerbe wohl kaum aufkommen.

GründerlexikonTV: Was ist ein Kleinunternehmer?

Welche Gründe sprechen für das Nebengewerbe?

Viele Existenzgründer beginnen ganz bewusst im Nebengewerbe, sind sich jedoch sehr oft nicht im klaren darüber, warum sie es überhaupt tun. Ich möchte mit einer kleinen Liste einige Gründe nennen, warum es manchmal besser ist, neben gewerblich zu starten:

  1. Der Hauptjob bringt noch zuviel und sicheres Einkommen.
  2. Eine Kündigung vom Arbeitgeber ist Im Moment nicht denkbar.
  3. Der Arbeitgeber gestattet mir eine neben gewerbliche Betätigung, so das das Einkommen zur Finanzierung und Vorbereitung genutzt werden kann.
  4. Der Chef toleriert die nebengewerbliche Beschäftigung und bietet gleichzeitig für eine Vollerwerbsgründung in Zukunft Aufträge als neuer Kunde an.
  5. Das Einkommen vom Arbeitgeber ist höher und wird wesentlich länger gezahlt, als mögliche Fördermittel in der hauptberuflichen Existenzgründung.
  6. Sie möchten zunächst ausprobieren, ob Sie ein Unternehmertyp sind.
  7. Ihre Geschäftsidee muss noch reifen, es müssen gegebenenfalls langwierige Registrierungen, Zulassungen bzw. Patente eingetragen werden.
  8. Es ist noch sehr viel Zeit für Forschung und Entwicklung nötig, welche jedoch über das nebengewerbliche Einkommen zumindest teilweise gegenfinanziert werden sollen.
  9. Die Idee soll durch das Nebengewerbe etabliert werden, sodass mögliche Konkurrenz abgeschreckt werden soll, auch in den Markt einzusteigen.

Kennen Sie weitere Gründe oder haben Sie eigene persönliche Intentionen zunächst im Nebengewerbe zu starten, dann lassen Sie es mich wissen.

Häufig gestellte Fragen:

Was ist der Unterschied von Hauptberuf und Nebenbeschäftigung?

Bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von mehr als zwanzig Stunden und einem höheren Durchschnittseinkommen wird von einem Hauptberuf ausgegangen. Der Unterschied ist sozialversicherungsrechtlich geregelt.
Von einem Nebengewerbe spricht man, wenn das angemeldete Gewerbe nicht in Vollzeit - unter zwanzig Wochenstunden – ausgeübt wird.

Welche Bereiche von Nebenerwerb unterscheidet man?

Die nebenberufliche Erwerbstätigkeit lässt sich in drei Bereiche unterteilen: gegen Bezahlung, in Selbstständigkeit und als Ehrenamt. Prinzipiell kann jedes Gewerbe nebenberuflich ausgeübt werden.
Als bezahlter Nebenerwerb kommen mehrere Alternativen infrage. So zum Beispiel: ein Gewerbe, eine Selbständigkeit, ein Angestelltenverhältnis, zum Beispiel ein Minijob.

Darf jeder eine Nebenbeschäftigung ausüben?

Gesetzlich ist eine nebenberufliche Tätigkeit nicht verboten. Prinzipiell besteht keine Meldepflicht beim Arbeitgeber, es sei denn in Ihrem Arbeitsvertrag ist eine Genehmigungspflicht explizit verankert. Es empfiehlt sich generell, zuerst mit Ihrem Arbeitgeber zu klären, ob er mit einer Nebentätigkeit einverstanden ist. Wenn dieser Nebenjob Ihren Hauptberuf nicht tangiert, sind die meisten Arbeitgeber damit einverstanden. Das heißt, Sie dürfen dadurch in Ihrer Leistungsfähigkeit bei Ihrem Beruf nicht beeinträchtigt werden. Auch Arbeiten für die Konkurrenz würde sicherlich nicht erlaubt werden. Eine elfstündige Ruhepause zwischen den täglichen Arbeitszeiten muss eingehalten werden. Wer also bis spät in die Nacht in seinem Nebenjob arbeitet und morgens früh zu seinem Hauptberuf muss, läuft Gefahr diese Ruhepause nicht einzuhalten. Der Hauptarbeitgeber kann diese Nebenbeschäftigung untersagen.

Welche Rolle spielt das Arbeitszeitgesetz bei einem Nebenjob?

Nach Paragraph drei des Arbeitszeitgesetzes dürfen Arbeitnehmer werktags nur maximal acht, in Ausnahmefällen zehn Stunden arbeiten. Wer also in Vollzeit arbeitet, dürfte gesetzlich keine zusätzliche nebenberufliche Beschäftigung ausüben.

Wie viel darf man bei einem Nebenerwerb verdienen?

Die Einnahmen aus Ihrem Hauptberuf dürfen nicht geringer sein als die aus Ihrer nebenberuflichen Tätigkeit. Sonderregelungen gibt es zum Beispiel, wenn Sie Arbeitslosengeld I erhalten. Dann dürfen nur 165 Euro ohne Abzug hinzu verdient werden. BaföG-Empfänger dürfen nur circa 400 Euro im Monat aus dem Nebenerwerb erwirtschaften.
Steuerlich müssen Sie alle Einnahmen aus der Nebenbeschäftigung angeben. Steuerfreibeträge gibt es hierbei nicht. Das zuständige Finanzamt entscheidet, ob und wie viel Steuern Sie zahlen müssen.

Muss ich eine Steuererklärung für meine Nebenbeschäftigung machen?

Alle Einnahmen, die aus Ihrer Haupt- und die aus Ihrer Nebentätigkeit, werden gemeinsam veranlagt und sind meldepflichtig. Das heißt, Sie geben bei Ihrer Steuererklärung dem Finanzamt alle Einnahmen eines Kalenderjahres an. Bei einer nebenberuflichen Selbständigkeit könnten sogar noch weitere Steuerarten wie Umsatz- oder Gewerbesteuer anfallen.

Welche Rolle spielt das Gewerbeamt?

Wenn Sie ein Unternehmen gründen wollen, müssen Sie dies beim Gewerbeamt anmelden. Es besteht eine Meldepflicht. Sie sollten Ihr angestrebtes Gewerbe weitestgehend genau beschreiben. Sie werden im sogenannten Gewerberegister eingetragen und erhalten einen Gewerbeschein.

Wer kann beim Gewerbeamt ein Gewerbe anmelden?

Grundsätzlich darf jeder nach Paragraph eins der Gewerbeordnung ein Gewerbe anmelden, wer volljährig und voll geschäftsfähig ist. Dann hängt es von dem jeweiligen Gewerbe ab, welche Voraussetzungen zusätzlich gegeben sein müssen. Unter Umständen muss ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis, ein Meisterbrief oder Ähnliches vorhanden sein.

Welche Krankenversicherung brauche ich, wenn ich eine nebenberufliche Tätigkeit annehme?

Als Arbeitnehmer oder Sozialleistungsempfänger sind Sie im Regelfall über Ihre Haupttätigkeit krankenversichert. Daher brauchen Sie keine zusätzliche Krankenversicherung.

Muss ich mich bei meinen Nebenerwerb sozialversichern?

Geringfügige Beschäftigungen - auch Minijobs genannt - bis 450 Euro monatlich oder einer zeitlichen Begrenzung auf zwei Monate oder 50 Arbeitstage im Jahr sind sozialversicherungsfrei. Mehrere geringfügige Beschäftigungen müssen addiert werden. Minijobs sind grundsätzlich rentenversicherungspflichtig. Man kann sich aber von der Rentenversicherungspflicht befreien lassen. Das heißt, der Minijobber hat dann keinerlei Abzüge von seinem Entgelt.

Sind Minijobber gesetzlich abgesichert?

Geringfügig Beschäftigte haben Anspruch auf Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder Urlaub. Ebenso sind sie bei einem Unfall auf der Arbeit oder auf dem Weg dorthin gesetzlich unfallversichert. Wenn sie sich nicht von der gesetzlichen Rentenversicherung haben befreien lassen, haben sie auch Ansprüche aus dieser Versicherung.

Wie viel Tage Urlaub stehen mir in meinem Nebenjob zu?

Wenn Sie einen Nebenjob im Angestelltenverhältnis ausüben,steht Ihnen dafür auch bezahlter Urlaub zu. Entscheidend für die Berechnung ist, wie viel Tage pro Woche Sie arbeiten. Die Formel lautet wie folgt: Arbeitstage pro Woche mal 24. Das Ergebnis teilen Sie dann durch sechs (sechs, weil dies die übliche Anzahl an Arbeitstagen ist - Montag bis Samstag). Wenn Sie also in einem Minijob zwei mal pro Woche arbeiten, ergibt sich folgende Rechnung: 2 mal 24 = 48. 48 geteilt durch 6 = 8. Sie haben also Anspruch auf acht Tage Urlaub im Jahr.

Darf ich während des Urlaubes meines Hauptberufes in meinem Nebenjob tätig sein?

Der Urlaub dient der Erholung. Also sollten Sie in dieser Zeit grundsätzlich auch nicht Ihre nebenberufliche Tätigkeit ausüben. Was jedoch der Einzelne mit Erholung verbindet, ist unterschiedlich. Bei einer leichten nebenberuflichen Tätigkeit an der frischen Luft kann man sich unter Umständen sogar von seinem schweren Beruf in zum Beispiel einer stickigen Fabrik regenerieren.

Lohnt sich ein Nebenerwerb?

Es ist ratsam, vor Aufnahme einer Nebenbeschäftigung auszurechnen, wie hoch in etwa das jährliche Einkommen insgesamt ausfällt. Möglicherweise überschreitet man durch den Mehrverdienst bestimmte Einkommensgrenzen und wird dadurch höher besteuert. Unter Umständen steht dem Zeitaufwand nur ein minimaler oder gar kein Gewinn gegenüber. Ihr gesamtes Einkommen könnte sogar durch einen höheren Steuerabzug noch verringert werden.

Fazit

Bevor sie über ein Nebengewerbe nachdenken, sollten sie sich mit allen Richtlinien und Gesetzgebungen auseinandersetzten. Beachten Sie vorgegebene Verdienstgrenzen und prüfen, ob sie richtig abgesichert sind. Auch die Kosten sollten unbedingt bedacht werden, dazu gehören auch Steuerausgaben.

Meine Name ist Torsten Montag, ich bin Betriebswirt, Internetcoach und betreibe seit 2004 das Gründerlexikon. Ich werde Ihnen durch meine Artikel den richtigen Weg als Unternehmer zeigen. Sollten Sie Fragen haben, kommen Sie gern in die Gründerlexikon Facebook Gruppe - dort erhalten Sie unbürokratische Hilfe.

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