Häufige Fragen zur Differenzbesteuerung

In der Vergangenheit wurden unzählige Fragen zum Thema Differenzbesteuerung an mich herangetragen, so dass ich nun die wichtigsten davon beantworten möchte.

Ihre Fragen zur Differenzbesteuerung:

Was bedeutet Differenzbesteuerung?

Differenzbesteuerung bedeutet, dass ein Unternehmer unter bestimmten Voraussetzungen beim Wiederverkauf von Gegenständen weniger Umsatzsteuer abführen muss.

Erste Bedingung dafür ist, dass es sich beim Unternehmer um einen gewerbsmäßigen Wiederverkäufer handeln muss – beispielsweise ein Gebrauchtwagenhändler. Als zweite Voraussetzung muss dieser einen beweglichen Gegenstand (z. B. Auto oder Motorrad) für sein Unternehmen kaufen, von dem er keine Vorsteuer geltend machen kann – etwa weil der Verkäufer eine Privatperson oder ein Kleinunternehmer ist. Wird dieser bewegliche Gegenstand weiterverkauft, so muss der Unternehmer nicht den kompletten Verkaufspreis der Umsatzsteuer unterwerfen, sondern nur die Differenz zwischen Wiederverkaufspreis und Ankaufspreis – daher die Bezeichnung Differenzbesteuerung. Mit der Differenzbesteuerung soll vermieden werden, dass ein gebrauchter Gegenstand nochmals komplett umsatzversteuert wird.

Quelle: DWilliams / pixabay.com

Differenzbesteuerung Auto: Wie funktioniert’s im Kfz-Handel?

Die “Differenzbesteuerung Auto” ist der Klassiker. Das liegt zum einen daran, dass es sehr simpel zu verstehen ist. Zum anderen, weil es gerade in der Kfz-Branche sehr häufig vorkommt. Denn nochmal zur Erinnerung - Die Voraussetzungen für die Differenzbesteuerung sind unter anderem:

  • Kauf des beweglichen Gegenstandes, in dem Fall Auto, im Inland bzw. Gemeinschaftsgebiet
  • Der Erwerb, sprich das gekaufte Auto, darf kein Vorsteuerabzugsrecht besitzen

Vor allem im Gebrauchtwagenhandel kommt es zur Differenzbesteuerung bei Autos. Häufig kauft der Händler ja die Gebrauchtwagen von Privatpersonen, die ja keine Umsatzsteuer berechnen. Damit der Kfz-Händler nun aber nicht auf den gesamten Betrag Umsatzsteuer zahlt, greift die Differenzbesteuerung bei Autos. Wie in einem späteren Beispiel noch detailliert erläutert, kommt nur die Differenz zwischen Ein- und Verkaufspreis bei der Berechnung der Umsatzsteuer zum Tragen.

Beispiel: Kauf des Gebrauchtwagens für 4.000 Euro, Verkauf für 6.000 Euro. Der Umsatzsteuer unterliegt nur die Differenz von 2.000 Euro. Der Autohändler muss - bzw. darf. - natürlich beim Weiterverkauf auf seiner Rechnung nicht den Umsatzsteuerbetrag angeben. Denn ansonsten könnte der Käufer ja sehen, wie hoch die Marge des Händlers ist.

Wie ist die Differenzbesteuerung bei Handy oder Smartphone zu verstehen?

Die Differenzbesteuerung kann natürlich nicht nur auf Autos, sondern auch auf andere bewegliche Güter angewandt werden, wie eben Handys oder Smartphones. Die Funktionsweise bei der Differenzbesteuerung Handy ist genauso wie bei jeder anderen Anwendung der Differenzbesteuerung auch. Der Händler kauft das Handy, es spielt dabei keine Rolle, ob es Neu- oder Gebrauchtware ist, zum Beispiel von einer Privatperson und verkauft es für einen höheren Wert weiter. Die Differenz zwischen An- und Verkaufspreis unterliegt der Umsatzsteuer.

Während es im Kfz-Handel nun eher selten vorkommt, dass ein Privatmann einen Neuwagen verkauft, kommt das im Handy-Geschäft schon eher vor. Insbesondere bei Vertragsverlängerungen oder Neuverträgen erhalten Kunden neue Handys. Diese verkaufen sie dann meist weiter. Kauft ein gewerbsmäßiger Händler diese und verkauft sie anschließend weiter, unterliegen sie Differenzbesteuerung.

Wie lautet ein Beispiel zur Differenzbesteuerung?

Autohändler A kauft von B ein 10 Jahre altes Auto für 5.000 Euro. Da es sich bei B um eine Privatperson handelt, kann A keine Vorsteuer abziehen. Nach einiger Zeit verkauft A den Wagen für 7.000 Euro an den Kunden C weiter. Die Differenzbesteuerung erfolgt folgendermaßen:

7.000 Euro Wiederverkaufspreis ./. 5.000 Euro Ankaufspreis = 2.000 Euro
2.000 Euro x 19/119 = 319,33 Euro

A muss nur Umsatzsteuer in Höhe von 319,33 Euro an das Finanzamt ausführen. Er darf diese aber nicht gesondert in seiner Rechnung an C ausweisen, sondern nur den Gesamtbetrag inklusive Umsatzsteuer. 

Quelle: FirmBee / pixabay.com

Was müssen Unternehmer bei der Differenzbesteuerung und Ihren Rechnungen beachten?

Bei Anwendung der Differenzbesteuerung muss einiges in puncto Rechnung beachtet werden. Im Prinzip muss der Händler zwei wesentliche Punkte beachten:

  • Auf der Rechnung darf keine Umsatzsteuer gesondert ausgewiesen werden
  • Es muss ein Hinweis auf der Rechnung zur Differenzbesteuerung enthalten sein

Weist der Unternehmer trotzdem gesondert die Höhe der Umsatzsteuer aus, so schuldet er dem Finanzamt einerseits die ausgewiesene Umsatzsteuer als auch den Betrag, der sich aus der Differenzbesteuerung ergibt. Er müsste also doppelt zahlen. Das Verbot des Ausweins des Betrags gilt auch dann, wenn der neue Käufer seinerseits zum Vorsteuerabzug berechtigt wäre.

Die IHK München macht in einem Merkblatt darauf aufmerksam, dass ein gesonderter Hinweis auf Anwendung der Differenzbesteuerung auf der Rechnung erscheinen muss. Je nach Fall wären da: „Gebrauchtgegenstände/Sonderregelung“, „Kunstgegenstände/Sonderregelung“ oder "Sammlungsstücke und Antiquitäten/Sonderregelung“.

Differenzbesteuerung Vorsteuerabzug: Was muss beim Kauf von differenzbesteuerten Waren beachtet werden?

Wie bereits in den vorherigen Abschnitten erwähnt, darf der Verkäufer bei Anwendung der Differenzbesteuerung keinen gesonderten Ausweis auf der Rechnung zur Höhe der Umsatzsteuer schreiben. Da der Händler beim Kauf des Gegenstandes ja auch keine Umsatzsteuer gezahlt hat, kann er keine Vorsteuer geltend machen, er hat ja auch keine gezahlt.

Wie sieht die Sache aber aus, wenn zum Beispiel ein Unternehmer, der zum Vorsteuerabzug berechtigt ist, Ware kauft, die differenzbesteuert ist? Welchen Vorsteuerabzug kann er dann ansetzen? Die Antwort lautet: Keine. Da die Höhe der Vorsteuer ja nicht auf der Rechnung ausgewiesen ist, kann der Käufer auch keinen Vorsteuerabzug geltend machen. Beim Kauf der Ware muss der Verkäufer jedoch darauf hinweisen, dass hier die Anwendung der Differenzbesteuerung zum Tragen kommt. Zu bemerken sei hier noch, dass es keine Pflicht für den Verkäufer gibt, die Differenzbesteuerung anzuwenden. Insbesondere wenn er seinerseits an andere zum Vorsteuerabzug berechtigte Unternehmer weiter verkauft, kann er auch auf die Anwendung der Differenzbesteuerung verzichten.

In dem Fall unterliegt dann natürlich auch der ursprüngliche Kauf der Umsatzsteuer. Der Händler kann jedoch seine Marge auf den Kaufpreis hinzurechnen und die gesamte Umsatzsteuer dem Käufer in Rechnung stellen. So steht der Händler finanziell nicht schlechter da und der Käufer kann die Vorsteuer geltend machen.

Differenzbesteuerung bei Neuware: Was muss beachtet werden?

Häufig vertreten Unternehmer die Meinung, dass die Differenzbesteuerung nur bei Gebrauchtwaren möglich ist. Allerdings sehen die entsprechenden gesetzlichen Regelungen keine Einschränkung hinsichtlich Neuware oder Gebrauchtware vor. Natürlich findet die Differenzbesteuerung häufig bei gebrauchten Gegenständen Anwendung. Doch es spricht nichts dagegen, dass die Differenzbesteuerung auch bei Neuware angewandt wird. Zum Beispiel kann der Händler die (Neu-)ware von einem Kleinunternehmer erwerben, der seinerseits ja gar nicht zum Ausweis von Umsatzsteuer berechtigt ist.

Wie in einem vorherigen Absatz erwähnt, kann es auch vorkommen, dass zum Beispiel Privatpersonen Neuware, in dem Beispiel Handys, an Unternehmer verkaufen.

Quelle: 27707 / pixabay.com

Differenzbesteuerung eBay: Welche Regeln sind hier einzuhalten?

Die Differenzbesteuerung kommt sehr häufig bei eBay zur Anwendung. Natürlich nicht direkt eBay als Firma, sondern vielmehr kaufen gewerbliche Händler bei eBay Gebrauchtgegenstände von Privatpersonen. Da diese ja keine Umsatzsteuer ausweisen, können Händler beim Weiterverkauf die Differenzbesteuerung geltend machen. Es spielt dabei keine Rolle, ob ein Händler die Ware dann ebenfalls wieder bei eBay verkauft oder woanders. Es ist auch völlig egal, ob er die Ware überhaupt bei eBay gekauft hat. Wichtig ist nur, ob die Voraussetzungen für die Anwendung zur Differenzbesteuerung gegeben sind. Der Verkaufskanal spielt dabei keine Rolle.

Unabhängig davon, ob ein Unternehmer Waren auf eBay oder woanders verkauft, muss er bei der Angabe des Preises “inklusive MwSt.” angeben. Damit wird dem Käufer bzw. Interessent deutlich, dass es sich um den Bruttopreis handelt.

Differenzbesteuerung §25a UStG: Wo finde ich das Gesetz?

Die Anwendung der Differenzbesteuerung ist in Opens external link in new window§25a des Umsatzsteuergesetzes formuliert. Die wesentlichsten Inhalte haben wir hier in diesem Artikel bereits genannt. Daneben gibt es natürlich noch weitere Sonderregelungen, wie das bestimmte Edelsteine und Edelmetalle nicht unter die Differenzbesteuerung fallen. Oder auch was Unternehmer beim grenzüberschreitenden Handel beachten müssen.

Hat die Differenzbesteuerung auch Auswirkung auf Kleinunternehmerregelung?

Einige Unternehmer, die der Kleinunternehmerregelung unterliegen, können sich die Differenzbesteuerung - sofern sie auf sie zutreffen würde - auch zu Nutze machen. Obwohl sie keine Umsatzsetuer abführen. Für die Einstufung als Kleinunternehmer gilt eine Umsatzgrenze von 17.500 Euro im Jahr. Wird diese überschritten, so kann der Unternehmer die Kleinunternehmerregelung nicht mehr in Anspruch nehmen.
Würde der Unternehmer jedoch gleichzeitig auch der Differenzbesteuerung unterliegen (weil er beispielsweise ein Autohändler ist, der von Privatpersonen Autos ankauft), so wird nicht der gesamte Umsatz gezählt, sondern nur der, der im Rahmen der Differenzbesteuerung anfallen würde.

Ein Beispiel:

Autohändler A kauft das ganze Jahr über Autos von Privatpersonen im Wert von 30.000 Euro an. Er verkauft diese im Gesamtwert von 45.000 Euro. Als Grundlage für die Kleinunternehmerregelung wird gemäß der Differenzbesteuerung der Umsatz in Höhe von 15.000 Euro genommen (45.000 Euro - 30.000 Euro).

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