Wie unterscheidet sich die Kalkulation mit und ohne Umsatzsteuer?

Ein nicht unwichtiger Punkt den Sie im Rahmen Ihrer Existenzgründung für sich und Ihr Unternehmen klären müssen, ist die Entscheidung ob Sie die Kleinunternehmerregelung des Umsatzsteuergesetztes (§ 19 UStG) in Anspruch nehmen möchten oder nicht.

Protokoll beim Elektrotechnik Praktikum (Studium)
René Golembewski / pixelio.de

Das heißt also, Sie müssen entscheiden ob Sie Ihre Umsätze der Regelbesteuerung mit Umsatzsteuer unterwerfen, oder die Erlöse umsatzsteuerfrei belassen möchten. Natürlich müssen Sie sich vom Umfang der Umsätze in den entsprechenden Höchstgrenzen der Vorschrift bewegen, um diese Wahlmöglichkeit zu haben. Diese Frage ist vor allem aber auch bei der Kalkulation Ihres Einkaufes und Ihrer Verkaufspreise entscheidend.

Im Folgenden finden Sie Beispiele einer Kalkulation sowohl für ein Unternehmen, das der Regelbesteuerung unterliegt, als auch für einen Kleinunternehmer, um Ihnen den Unterschied zwischen beiden Varianten zu verdeutlichen.

1. Kalkulation eines umsatzsteuerpflichtigen Unternehmens:

Der umsatzsteuerpflichtige Unternehmer Mustermann handelt mit Vitrinen, versteuert seine Erlöse mit 19 % Umsatzsteuer und darf den regulären Vorsteuerabzug in Anspruch nehmen.

Bezugskalkulation:

Bezugskalkulation
Listenpreis Hersteller für 1 Vitrine 120,00 €
- Händlerrabatt 15% 18,00 €
= Rechnungswert 102,00 €
- Skontoabzug 2% 2,04 €
= Nettoeinkaufspreis 99,96 €
+ Bezugsnebenkosten (Porto, Verpackung) 9,00 €
Bezugspreis netto 108,96 €

Verkaufskalkulation:

Verkaufskalkulation
Bezugspreis netto 108,96 €
+ Handlungskosten 35% (Verwaltung, Verpackung) 38,14 €
= Selbstkosten 147,10 €
+ Gewinnaufschlag 25% 36,78 €
= Verkaufspreis netto 183,88 €
+ 19 % Umsatzsteuer 34,94 €
Verkaufspreis brutto 218,82 €

Mit dem Verkauf einer Vitrine macht Unternehmer Mustermann hier einen Gewinn von 36,78 EUR. Die vereinnahmte Umsatzsteuer von 34,94 EUR stellt für ihn nur einen durchlaufenden Posten dar, da er die Steuer nach Ablauf des jeweiligen Voranmeldungszeitraums an das Finanzamt abführen muss. Eventuell von ihm gezahlte Vorsteuer, z. B. aus dem Einkauf der Vitrine (im Beispiel 19 % von 108,96 EUR = 20,70), kann er von der Umsatzsteuer abziehen und den verminderten Betrag an das Finanzamt zahlen.

Kalkulation eines nicht umsatzsteuerpflichtigen Unternehmens (Kleinunternehmer):

In dieser Kalkulation kauft der Unternehmer Mustermann hier als Kleinunternehmer eine Vitrine beim gleichen Hersteller zu denselben Konditionen. Da er aber nicht vorsteuerabzugsberechtigt ist, muss hier die Umsatzsteuer in der Kalkulation berücksichtigt werden.

Bezugskalkulation:

Bezugskalkulation
Listenpreis Hersteller für 1 Vitrine 120,00 €
- Händlerrabatt 15% 18,00 €
= Rechnungswert 102,00 €
- Skontoabzug 2% 2,04 €
= Nettoeinkaufspreis 99,96 €
+ Bezugsnebenkosten (Porto, Verpackung) 9,00 €
Bezugspreis netto 108,96 €
+ 19% Umsatzsteuer 20,70 €
= Bezugspreis brutto 129,66 €

Verkaufskalkulation:

Verkaufskalkulation
Bezugspreis brutto 129,66 €
+ Handlungskosten 35% (Verwaltung, Verpackung) 45,38 €
= Selbstkosten 175,04 €
+ Gewinnaufschlag 25% 43,76 €
= Verkaufspreis netto 218,80 €
+ Umsatzsteuer (darf nicht ausgewiesen werden) 0,00 €
Verkaufspreis brutto 218,80 €

Der Gewinn pro verkaufte Vitrine beträgt bei dem Kleinunternehmer jetzt 43,76 EUR. Er muss keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen, darf aber im Gegenzug auch die Vorsteuer aus den Bezugskosten der Vitrine nicht geltend machen.

Auch wenn der Gewinn pro Vitrine in der Kleinunternehmer-Variante höher ist, sollten Sie bei der Entscheidung ob mit oder ohne Umsatzsteuer, natürlich auch andere Aspekte sowie die jeweiligen Vor- und Nachteile berücksichtigen.

Des Weiteren sollten Sie aber auch die Frage der Liquidität bedenken. Der umsatzsteuerpflichtige Unternehmer darf zwar die Vorsteuer aus dem Bezug der Vitrine abziehen, d. h. er bekommt sie vom Finanzamt erstattet, er muss allerdings auch die vereinnahmte Umsatzsteuer monatlich an das Finanzamt bezahlen. Die folgende Berechnung soll dies noch einmal verdeutlichen:

Verkauf mit Umsatzsteuer Verkauf ohne Umsatzsteuer

Liquiditätsvergleich
  in € in €
Einstandspreis 108,96 129,66
+ Umsatzsteuer 20,70 0,00
= Summe 129,66 129,66
- Zahlung Finanzamt 34,94 0,00
+ Erstattung Finanzamt 20,70 0,00
Summe 115,42 129,66
Gewinn 34,94 43,76

Die Zahlung an das Finanzamt ist in diesem Beispiel natürlich nicht sehr hoch. Wenn Sie aber überlegen, Unternehmer Mustermann verkauft beispielsweise pro Monat Ware für netto 50.000,00 EUR, bedeutet das, dass 9.500,00 EUR zur Zahlung an das Finanzamt fällig wären. Und dieses Geld muss Unternehmer Mustermann zahlen - auch unabhängig davon, ob seine Kunden seine Rechnung bereits bezahlt haben, oder ob er Vorsteuer in ähnlicher Höhe dagegen rechnen kann.

Ein entscheidender Faktor ist bei diesen Überlegungen vor allem auch, welche Abnehmer Sie mit Ihren Produkten erreichen wollen.

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Unternehmen die selber der Umsatzsteuer unterliegen, beziehen ihre Waren und Dienstleistungen vorzugsweise von Unternehmen, die ihnen Rechnungen mit gesondertem Steuerausweis erteilen können, da sie ja zum Vorsteuerabzug berechtigt sind. Verkaufen Sie jedoch überwiegend an private Endverbraucher oder Unternehmen die ebenfalls keine Vorsteuer abziehen dürfen (z. B. Ärzte), bietet sich die Kleinunternehmerregelung an. In diesem Fall können Sie Ihren Kunden ggf. preislich auch noch entgegenkommen und sich dadurch eventuell einen kleinen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Viel Erfolg wünscht Ihnen

Ihr Torsten vom

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