Lesen Sie die häufigsten Fragen zum Kleingewerbe!

Als Kleingewerbe werden umgangssprachlich insbesondere die Unternehmen bezeichnet, die die Kleinunternehmerregelung des Umsatzsteuergesetzes in Anspruch nehmen. Der Umsatz muss dabei unter 22.000 Euro pro Jahr liegen.

Weder das HGB (Handelsgesetzbuch) noch das BGB (Bürgerliches Gesetzbuch) kennen den Begriff des Kleingewerbes. Daher gibt es auch keine Rechtsform, welche Kleingewerbe heißt. Synonym für das Kleingewerbe werden häufig auch die Begriffe Kleinstgewerbe, Kleinunternehmen sowie Nebengewerbe verwendet.

Im Allgemeinen ist ein Unternehmer, der nicht nach dem Handelsgesetzbuch als Kaufmann bezeichnet werden kann, Kleingewerbetreibender. Er ist somit nicht verpflichtet die Rechte und Pflichten der Kaufleute auszuleben. Beispielsweise besteht für ihn nicht die Pflichten zur Buchführung, sofern Umsatz- und Gewinngrenzen nicht überschritten werden. Von einem Kleingewerbe kann man auch ausgehen, wenn der Unternehmer die Kleinunternehmerregelung anwendet und somit ein Kleinunternehmer im Sinne der deutschen Umsatzsteuer ist (Kleinunternehmerregelung endlich verstehen! Jetzt mein Seminar besuchen!).

Die Bezeichnung Kleingewerbe gibt daher keine unternehmerische Auskunft über den Umfang hinsichtlich Zeit, Arbeitsaufwand oder Mitarbeiterzahl. Rein steuerrechtlich kann nur auf die obige Regelung im Sinne der Umsatzsteuer hingewiesen werden, sodass das Kleingewerbe an bestehende steuerliche Gesetzgebung angelehnt wird. Dieser Artikel gibt weitere Antworten für Kleingewerbetreibende und Kleinunternehmer.

Was ist der Unterschied zwischen Kleingewerbe und Kleinunternehmer?

Obwohl beides häufig synonym verwendet wird, ist es doch nicht das Gleiche. Als Kleinunternehmer wird ein Unternehmer bezeichnet, der unter einer gewissen Umsatzschwelle liegt (< 22.000 Euro pro Jahr) und sich auch bewusst für die sogenannte Kleinunternehmerregelung entscheidet. Die Folge ist, dass er keine Umsatzsteuer abführen braucht, im Gegenzug aber auch keine gezahlte Vorsteuer gegenrechnen kann. Auch ein Freiberufler kann diese Vorteile nutzen.

Ein Kleingewerbetreibender kann - wenn er das möchte - die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen, er muss das aber nicht. Insbesondere bei hohen Ausgaben mag es sinnvoll sein, sich nicht als Kleinunternehmer eintragen zu lassen. In dem Fall hätten Sie dann ein Kleingewerbe, wäre aber kein Kleinunternehmer. 

Andersherum ist in fast allen Fällen (abhängig von der Rechtsform) ein Kleinunternehmer auch gleichzeitig Kleingewerbetreibender, sofern er nicht ausschließlich als Freiberufler tätig ist.

Wie lauten die Regeln zum Kleingewerbe?

  1. Kleingewerbetreibende müssen keine doppelte Buchführung erstellen, sondern eine einfache Einnahmen-Überschuss-Rechnung.
  2. Auch wenn der Umfang der Tätigkeit, der Gewinn, der Umsatz und ggf. auch die Umsatzsteuer gering ausfallen werden, ist eine Gewerbeanmeldung unumgänglich. (Was kostet eine Gewerbeanmeldung?)
  3. Der Umsatz, also die Einnahmen sind bei der Umsatzsteuer des Kleingewerbes entscheidend, nicht die Ausgaben oder der Gewinn.
  4. Der Kleingewerbetreibende ist kein Kaufmann, daher besteht gegenüber dem Finanzamt keine Buchführungspflicht.
  5. Buchführung wird beim Kleingewerbe für gewöhnlich die Tätigkeit bezeichnet, die Erfassung von Einnahmen und Ausgaben darstellt, Beispiel: Ablage der Rechnungen.
  6. Woher das Geld zur Bezahlung der Rechnungen stammt, ist dem Finanzamt daher egal. 

Welche Rechtsform kann bzw. muss ich im Kleingewerbe wählen?

Sie können die Rechtsform des Einzelunternehmers wählen, wenn Sie allein gründen. Wenn Sie nicht bewusst eine andere Rechtsform wählen, dann sind Sie in der Regel immer Einzelunternehmer. Sofern Sie eine Gründung mit anderen Kollegen durchführen möchten, dann können Sie sich für eine GbR entscheiden. Die Grundlage für ein Kleingewerbe ist dabei das BGB sein.

Nicht möglich dagegen ist eine Gründung nach HGB (Handelsgesetzbuch). Rechtsformen die im Handelsregister eingetragen werden, sind beispielsweise Einzelkaufmann, OHG, KG oder auch eine GmbH. Im Gegensatz zum Kleingewerbe ist hier das HGB die Grundlage.

Wie kann ich ein Kleingewerbe anmelden?

Das Finanzamt macht hinsichtlich der Anmeldung des Gewerbes keinen Unterschied zwischen einem hauptberuflich Selbstständigen und einem Selbstständigen in der Nebentätigkeit. Das Kleingewerbe, was häufig von nebenberuflich Selbstständigen aufgrund der Möglichkeit der Umsatzsteuerbefreiung gewählt wird, stellt keine Ausnahme dar. Jeder, der eine Tätigkeit regelmäßig ausübt, muss diese beim Gewerbeamt anmelden. Lesen Sie dazu die Aufgaben zur Gewerbeanmeldung.

Was muss ich hinsichtlich Krankenkasse und Kleingewerbe beachten?

Das hängt von Ihrer individuellen Situation ab. Wenn Sie im Hauptberuf als Angestellter und nur nebenbei als Kleingewerbetreibender tätig sind, so müssen Sie höchstwahrscheinlich keine zusätzlichen Beiträge zur Krankenkasse zahlen. Entscheidend hierbei ist vor allem die wöchentliche Arbeitszeit im Nebengewerbe und Hauptgewerbe. Zusätzliche Beiträge zur Krankenkasse werden dann fällig, wenn Sie rund 20 Stunden oder mehr in der Woche als Kleingewerbetreibender tätig sind. 

Muss das Kleingewerbe beim Finanzamt und in der Steuererklärung angegeben werden?

Selbstverständlich muss das Kleingewerbe in ihrer Steuererklärung am Jahresende beim Finanzamt angegeben sein. Wie bereits oben erläutert wurde, gibt es für das Finanzamt keinen Unterschied zwischen Kleingewerbe und herkömmlichen Unternehmen. Es handelt sich in beiden Fällen um eine unternehmerische Tätigkeit, die Einkünfte aus Gewerbebetrieb oder Einkünfte aus freiberuflicher Tätigkeit nach sich ziehen, genau diese müssen in der Steuererklärung angegeben werden. Dazu ist eine Einnahmenüberschussrechnung (EÜR) zu erstellen. Das heißt natürlich nicht, dass Sie automatisch Gewerbesteuer abführen müssen. Das würde erst ab einem gewissen Umfang Ihrer Umsätze und Einnahmen anfallen.

Welche Probleme können sich gegebenenfalls mit dem Kleingewerbe ergeben?

Die Probleme sind unter dem Stichwort Liebhaberei (wenn das Gewerbe nur wegen der Verluste betrieben wird) und auch Scheinselbständigkeit (wenn das Gewerbe nur betrieben wird, um Sozialversicherungsbeiträge des ehemaligen Arbeitgebers zu sparen) zu sehen. Ansonsten sollte es keine Probleme geben, sofern Sie die Einnahmen in der Steuerklärung angeben.

Vorteile und Nachteile des Kleingewerbes

VorteileNachteile
einfache und schnelle GründungHaftung mit kompletten privaten und unternehmerischen Vermögen
kein Startkapital erforderlichschwieriger an große Aufträge heranzukommen, da man ja „nur nebenbei” arbeitet
unbürokratische Gewerbeanmeldungkeine freie Firmierung möglich
wenig Vorschriften in puncto Buchführung und Buchhaltungkeine Anziehungskraft auf Investoren
einfache EÜR ausreichend 
voraussichtlich keine Gewerbesteuer fällig 
meistens keine zusätzlichen Beiträge zur Sozialversicherung erforderlich 

In den meisten Fällen überwiegen die Vorteile des Kleingewerbes. Allerdings sollten Sie auch die Nachteile im Blick behalten. Vor allem der Aspekt, dass Sie mit Ihrem Gesamtvermögen haften, kann im Ernstfall katastrophale Auswirkungen haben. Als Beispiel sei hier Dropshipping angeführt. Der worst case sieht so aus: Die Kunden kaufen bei Ihnen ein, bezahlen die Ware und überweisen Ihnen das Geld. Sie wiederum kaufen und überweisen das Geld an den Dropshipper, aber der versendet die Ware nicht. Dann haften Sie gegenüber den Kunden, nicht der Dropshipper.

Daher sollten Sie abhängig von der Geschäftsidee Ihre Rechtsform immer gut überdenken.

Ist das Kleingewerbe nicht steuerfrei?

Das Kleingewerbe ist nicht grundsätzlich befreit von jeglichen Steuern. Sofern Sie als Kleinunternehmer agieren, das heißt, Ihr jährlicher Umsatz liegt unter 22.000 Euro, so müssen Sie keine Umsatzsteuer abführen.  (Kleinunternehmerregelung endlich verstehen! Zur Kleinunternehmerregelung.) Aber die Einnahmen müssen Sie dennoch in Ihrer Steuererklärung angeben. Daraus wiederum kann eine Einkommenssteuer resultieren. Theoretisch könnte auch Gewerbesteuer fällig werden, aber dazu müssten Sie schon einen Gewinn aus dem Gewerbebetrieb von über 24.500 Euro haben. Aber wenn Sie als Gewerbetreibender diese Einnahmen erzielen, kann wohl kaum noch vom Kleingewerbe die Rede sein. Dasselbe gilt im Übrigen auch, wenn Sie als Freiberufler ein Kleingewerbe (nebenbei) betreiben.

Wie hoch sind die Kosten bei einem Kleingewerbe?

Das kommt selbstverständlich auf das zu gründende Unternehmen an und welche Rechtsform Sie nutzen. Wenn Sie jedoch nur die reinen Gebühren der Anmeldung (Gewerbeanmeldung) meinen, ist es genauso teuer wie ein normales Gewerbe. Zusätzlich kommen selbstverständlich die Kosten Ihres Geschäftsbetriebs hinzu: Bürobedarf, Ware, Miete oder andere Betriebsausgaben. Eine eigene Krankenversicherung muss für gewöhnlich nicht bezahlt werden, da Sie bei einem Kleingewerbe über eine hauptberufliche Tätigkeit, Arbeitslosigkeit oder Angestelltenverhältnis, krankenversichert sind. Lesen Sie bitte in diesem Zusammenhang meinen Artikel Kosten einer Existenzgründung.

Wie hoch sind die Umsatzgrenzen bei einem Kleingewerbe?

Die Umsatzgrenzen hinsichtlich der Kleinunternehmerregelung weichen vom Nebengewerbe nicht ab, da es sich hierbei um dieselbe Regelung (§ 19 UStG) handelt, nämlich:

  1. Umsatz Vorjahr muss geringer als 22.000 Euro (Bis 31.12.2019: 17.500 Euro) sein und gleichzeitig
  2. Umsatz aktuelles Jahr darf nicht mehr als 50.000 Euro sein

An dieser Stelle der Hinweis: Es handelt sich hier um eine Umsatzgrenze, nicht der Gewinn! Ihre Umsätze sind immer höher als Ihr Gewinn.

Gibt es beim Kleingewerbe Einkommensgrenzen?

Nein. Das Kleingewerbe (Nebengewerbe) darf unabhängig von Einkommensgrenzen eröffnet und angemeldet werden. Solange Sie ein Hauptgewerbe betreiben oder hauptberuflich angestellt sind und damit mehr verdienen als im Kleingewerbe ist das kein Problem. Das hätte letztlich auch nur eine Auswirkung auf die Krankenversicherung. Fazit: Ein Millionär darf auch ein Kleingewerbe anmelden.

Die andere Sichtweise ist die, ob Sie als Kleingewerbetreibender mit Ihrem Kleingewerbe Einkommensgrenzen beachten müssen. Grundsätzlich können Sie als Einzelunternehmer so viel verdienen wie Sie können/möchten. Aber ab gewissen Gewinn- und Umsatzgrenzen fallen diverse Vorteile weg, wie zum Beispiel bei der Kleinunternehmerregelung. Auch Ihre Buchführung bzw. Buchhaltung müssten Sie anpassen, wenn Ihr Umsatz über 600.000 Euro pro Jahr liegt und/oder Ihr Gewinn über 60.000 Euro jährlich. Denn dann werden Sie nach HGB (Handelsgesetzbuch) eingestuft und Ihre Rechtsform ändert sich. Allerdings kann man ja bei diesen Werten wohl auch kaum noch von einem Kleingewerbe sprechen. 

Lesen Sie in diesem Zusammenhang in der Gründercheckliste den Abschnitt zur Kleinunternehmerregelung.Tipp: Kleinunternehmerregelung endlich verstehen! Jetzt mein Seminar besuchen!

Muss man mit dem Kleingewerbe Umsatzsteuer zahlen?

Nein, wenn Sie die Kleinunternehmerregelung nach § 19 Umsatzsteuergesetz anwenden, nicht. Lesen Sie dazu bitte meinen Abschnitt zur Kleinunternehmerregelung in meiner Checkliste. Sie müssen jedoch ggf. eine Umsatzsteuererklärung abgeben, um genau die Voraussetzungen (Umsatzgrenzen) nachzuweisen. Lesen Sie dazu meinen Artikel zur Umsatzsteuererklärung.

Was beim Rechnung schreiben im Kleingewerbe beachten?

Das Rechnungen schreiben als Kleingewerbetreibender unterscheidet sich nur geringfügig vom Rechnungen schreiben anderer Unternehmer. Die Pflichtangaben einer Rechnung müssen hier ebenfalls enthalten sein. Abhängig davon, ob Sie die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen, entfällt lediglich die Umsatzsteuer auf der Rechnung.

Muss ich als Freiberufler ein Kleingewerbe anmelden?

Wenn Sie eine freiberufliche Tätigkeit neu aufnehmen, dann müssen ja können Sie kein Gewerbe anmelden. Dann sind Sie ja Freiberufler und kein Gewerbetreibender.

Sollten Sie dagegen als bereits tätiger Freiberufler nun zusätzlich ein Gewerbe gründen - egal in welchem Umfang - so benötigen Sie hierfür eine Gewerbeanmeldung. Natürlich können Sie die neue Tätigkeit dann im Rahmen eines Kleingewerbes gründen.

Fazit: Kleingewerbe anmelden gar nicht so schwer

Obwohl der Eindruck entstehen könnte, dass es kompliziert sei ein Kleingewerbe anzumelden, so genügt es in der Regel, eine Gewerbeanmeldung abzugeben. Kompliziert wird es nur, wenn Sie ein Gewerbe gründen, welches noch anderen Zulassungsvoraussetzungen unterliegt, wie zum Beispiel bei einem Café.

Informieren Sie sich aber bitte auch über Kleinunternehmerregelung, die nicht das gleiche ist wie ein Kleingewerbe. Schauen Sie sich bitte auch die Nachteile an, die mit einem Kleingewerbe einhergehen. Vor allem, dass Sie mit Ihrem gesamten privaten Vermögen haften, könnte, abhängig von Ihrem konkreten Gewerbe, im Ernstfall katastrophale Folgen für Sie haben. Aber in den meisten Fällen sollte das keine Herausforderung darstellen.


Meine Name ist Torsten Montag, ich bin Betriebswirt, Internetcoach und betreibe seit 2004 das Gründerlexikon. Ich werde Ihnen durch meine Artikel den richtigen Weg als Unternehmer zeigen. Sollten Sie Fragen haben, kommen Sie gern in die Gründerlexikon Facebook Gruppe - dort erhalten Sie unbürokratische Hilfe.

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