Handelskalkulation mit Vorwärtskalkulation, Rückwärtskalkulation und Differenzkalkulation

Ein guter Unternehmer verkauft seine Waren und Dienstleistungen teurer als er sie einkauft. Die Differenz ist sein Gewinn. Deshalb ist die Handelskalkulation für ihn eines der wichtigsten Instrumente im Rahmen Opens internal link in current windowder Preiskalkulation, um seine Existenz zu sichern. Die jeweils aktuelle Situation des Unternehmers ergibt sich aus folgender Fallunterscheidung:

  1. Der Unternehmer verkauft seine Waren nach seiner letzten Handelskalkulation problemlos an seine Kunden. Der errechnete Preis wird akzeptiert. Gleichartige Waren seiner Mitbewerber gibt es nicht. Er berechnet seine Verkaufspreise über die Vorwärtskalkulation. Um seinen Gewinn zu maximieren, bemüht er sich, möglichst günstig einzukaufen.
  2. Der Unternehmer muss sich mit seinen Verkaufspreisen an den Mitbewerbern orientieren. Die Differenz zwischen seinen Preisen und denen der Mitbewerber darf auch mit einem besseren Service oder einer höheren Qualität nur gering ausfallen. Hier wird er über die Rückwärtskalkulation einen Einkaufspreis errechnen, der mit dem Lieferanten zu realisieren ist.
  3. Der Unternehmer muss sich mit seinen Verkaufspreisen an den Mitbewerbern orientieren. Seine Kunden akzeptieren keine höheren Preise. Gleichzeitig wird sein Einkaufspreis durch die Lieferanten bestimmt. Nun kann er mit der Differenzkalkulation berechnen, wie hoch sein Gewinn ausfällt. Anhand dieser Zahlen entscheidet er, ob er diese Ware oder diese Dienstleistung anbieten kann oder nicht.

Die Handelskalkulation

Mit einer detaillierten Preiskalkulation berechnet ein Existenzgründer die relevanten Kosten für den Einkauf und für den Verkauf. Dieses Vorgehen bezeichnet man als Handelskalkulation. Die Handelskalkulation besteht im einzelnen aus der Bezugskalkulation, der Selbstkostenkalkulation und der Verkaufskalkulation. Insgesamt berücksichtigt die Handelskalkulation

  • den Lieferantenrabatt und das Lieferantenskonto,
  • die Bezugskosten,
  • den Handlungskostenaufschlag,
  • die Verwaltungskosten,
  • die Verpackungskosten,
  • den Gewinn- oder Kalkulationsaufschlag und
  • die Umsatzsteuer.

In der Handelskalkulation rechnet man zum Einkaufspreis der Ware oder der Dienstleistung die Kosten hinzu, die der Einkauf, die Lagerung und der Vertrieb verursachen. Falls der Endpreis zu hoch ist, erkennt der Unternehmer, dass er am Einkaufspreis oder an der Höhe der Bezugskosten noch etwas ändern muss.

Was zählt zu den Verpackungskosten?

Unter Verpackungskosten versteht man die Kosten für die Verpackung eines Warengutes. Dazu gehören Zahlungen an andere Betriebe, die die Verpackung vornehmen, genauso wie die Kosten für Verpackungsmaterial und Kosten der betriebseigenen Verpackungsstelle, unterteilt in Einrichtung, Unterhalt und Verwaltung derselben.

Unterteilung der Verpackungskosten

Die Verpackungskosten werden unterteilt in Warenverpackungskosten und Versandverpackungskosten. Die Warenverpackungskosten trägt laut Gesetz der Unternehmer. Die Versandverpackungskosten trägt der Käufer. Die beiden Arten der Verpackungskosten werden deshalb unterschiedlich behandelt.

Warenverpackungskosten

Warenverpackungskosten sind die Kosten für die Warenverpackungen, die dem Schutz, der Portionierung und der Lagerung sowie der physischen Manipulation (Anfassen, Begutachtung durch den Kunden) des Warengutes dienen. Zur Verpackung zählen hier Packmittel, Verpackungsstoff und Verpackungshilfsmittel. Diese Kosten müssen in die Preiskalkulation einfließen.

Versandverpackungskosten

Versandverpackungskosten sind alle Aufwendungen für die Transportverpackung, die entstehen, um die Ware versand- und transportfähig zu machen. Dazu zählen die Umverpackung und die Hilfsmittel, die der Absicherung und dem Transportschutz dienen.
Da ein Käufer die Versandverpackungskosten trägt, müssen diese auf der Rechnung ausgewiesen werden. Dies kann auf unterschiedliche Art geschehen. Entweder als eigene Position, neben den Versandkosten oder als zusammengefasste Position Verpackung und Versand, wobei dann den reinen Versandkosten ein angemessener Betrag für die Versandverpackung zugerechnet wird.

Sparpotenzial Verpackungskosten

Verpackungskosten stellen eine beträchtliche Ausgabenposition dar. Verpackungen müssen jedoch ihren Zweck erfüllen und vom versicherungstechnischen her den gewöhnlichen Ereignissen auf dem Transportweg standhalten. Deshalb müssen sie angemessen sein.
Aber hinsichtlich der Materialauswahl, der Kosten für Verpackungsmittel- und Hilfsmittel, der Verpackungsgröße, der Organisation der betriebseigenen Verpackungsstellen und anderer Faktoren gibt es beträchtliche Preis- und Kostenunterschiede. Der sorgfältige Vergleich von Angeboten und eine genaue Kostenartenrechnung sparen Verpackungskosten. 

Was ist der Handelswarenzuschlag?

Unter den Begriff Handelsware fallen all diejenigen Sachgüter, die ein Unternehmen bereits absatzfähig bezieht und weiterverkauft. Handelswaren werden unter Umständen zuvor durch den Betrieb gelagert, sortiert, gemischt, mit Markierungen und Verpackungen versehen. Sie werden jedoch weder bearbeitet noch verarbeitet, wodurch sie sich von Rohstoffen sowie Halb- und Fertigerzeugnissen unterscheiden.

Handelswaren werden in der Regel zu einem über dem Einkaufspreis liegenden Verkaufspreis veräußert, woraus sich ein Unternehmensertrag generiert. Berechnung des Verkaufspreises einer Handelsware ist Aufgabe der Preisdisposition, die im Rahmen ihrer Verkaufskalkulation einen angemessenen Angebotspreis für das Sachgut errechnet.

Die Differenz zwischen dem Verkaufs- und dem Einkaufspreis wird in der Kalkulation als Handelswarenzuschlag bezeichnet.

Der Handelswarenzuschlag (auch: als Kalkulationsaufschlag) umfasst den Zuschlag für die im Zusammenhang mit dem Verkauf der Handelsware entstehenden Gemeinkosten, den angestrebten Gewinn und zu gewährende Kundenskonti oder -rabatte.

Der Verkaufspreis für Handelsware wird nach folgendem Schema kalkuliert:

  1. Einstandspreis + Gemeinkostenzuschlag für Handelsware = Selbstkostenpreis
  2. Selbstkostenpreis + Gewinn + Kundenskonti/Kundenrabatte = Listenverkaufspreis

Prozentualer Handelswarenzuschlag:

Zur Vereinfachung der Kalkulation wird der Handelswarenzuschlag prozentual ermittelt, in dem der Listenverkaufspreis und der Einstandspreis zueinander ins Verhältnis gesetzt werden:

Handelswarenzuschlag = (Listenverkaufspreis - Einstandspreis) x 100 / Einstandspreis

In den folgenden Kalkulationen für Handelsware werden nunmehr die Gemeinkosten, Gewinn und Kundenrabatte nicht mehr detailliert berechnet, sondern pauschal ein Kalkulationsaufschlag von 50% vorgenommen:

Listenverkaufspreis = Einstandspreis x Handelswarenzuschlag.

Die Vorwärtskalkulation

Bei der Vorwärtskalkulation rechnet der Unternehmer vom Einkaufspreis zum Verkaufspreis. Anhand eines Kataloges oder einer Preisliste ermittelt der Unternehmer den Preis einer Ware. Möglicherweise gelingt es ihm, über bestimmte Rabatte oder Nachverhandlungen einen günstigeren Einkaufspreis zu erzielen. Dieser Zieleinkaufspreis setzt sich aus der Differenz zwischen dem Listeneinkaufspreis und dem Lieferantenrabatt zusammen. Weiterhin erhält ein Unternehmer oft die Möglichkeit, den Zieleinkaufspreis noch einmal durch eine vorzeitige Begleichung der Rechnung des Lieferanten um den angebotenen Skontobetrag zu reduzieren. Damit erhält er den Bareinkaufspreis.

Beim Transport der Waren vom Lieferanten zum Unternehmer fallen eventuell Kosten an, die man Bezugskosten nennt. Diese Bezugskosten werden zum Bareinkaufspreis addiert. Nun erhält der Unternehmer den Bezugs- oder Einstandspreis. Die Ware wird im Unternehmen gelagert und verkauft. Diese Handlungen produzieren Kosten, die Allgemeine Handlungskosten genannt werden. Durch diese Addition erhält der Unternehmer den Selbstkostenpreis. Der Unternehmer rechnet seinen gewünschten Gewinn hinzu und erhält den Barverkaufspreis. Wenn der Unternehmer seinen Kunden ein Skonto gewähren möchte, wird dieser Betrag auf den Barverkaufspreis addiert und er erhält den Zielverkaufspreis. Weiterhin gewährt er den Kunden möglicherweise einen Rabatt und zählt diesen seinem Zielverkaufspreis hinzu. Das Ergebnis ist der Listenverkaufspreis.

Die Rückwärtskalkulation

Anhand von Katalogen, Preislisten oder einer Marktanalyse legt der Unternehmer einen wahrscheinlich von den Kunden akzeptierten Verkaufspreis fest. Die Berechnung erfolgt genauso wie bei der Vorwärtskalkulation, nur in umgekehrter Reihenfolge. Hier wird der Gewinn oft mit Hilfe eines prozentualen Gewinnzuschlagsatzes kalkuliert und orientiert sich anhand bisheriger Erfahrungen sowie einer Kunden-, Markt- und Branchenanalyse. Wenn eine Ware zum Selbstkostenpreis erstanden wurde, erzielt der Unternehmer damit keinen Gewinn.

passfoto torsten montag

Tipp

Wie eine Kalkulation für den eBay Handel aussehen könnte, habe ich ebenso beschrieben. Ein ganz konkretes Beispiel mit Zahlen finden Sie im Artikel zur Kalkulation mit und ohne Umsatzsteuer.

Die Differenzkalkulation

Der Unternehmer rechnet bis zu seinem Gewinn mit der Vorwärtskalkulation und in der anderen Richtung mit der Rückwärtskalkulation. Danach vergleicht er die beiden errechneten Zahlen und ermittelt aus der Differenz zwischen dem Barverkaufspreis und dem Selbstkostenpreis den Gewinn. Der Gewinnzuschlagsatz errechnet sich aus der Formel

100 * Gewinn / Selbstkostenpreis.

Umsatzsteuer nicht vergessen!

Letzten Endes muss natürlich noch die Umsatzsteuer in der Kalkulation berücksichtigt werden. Da diese jedoch kalkulationsneutral ist, wurde sie im Einzelnen hier nicht aufgeführt.

Was ist die Nachkalkulation?

Die Nachkalkulation ist eine Kalkulation anhand der tatsächlich entstanden Kosten und dient vor allem der Überprüfung der Vorkalkulation. Prinzipiell kann für eine Nachkalkulation jedes Kalkulationsverfahren angewendet werden. Damit allerdings ein Vergleich mit der Vorkalkulation durchgeführt werden kann, wird generell ein einheitliches Kalkulationsverfahren verwendet.

Ziele und Aufgaben der Nachkalkulation

Generell erfüllt die Nachkalkulation folgende Ziele und Aufgaben:

  • Kostenermittlung und -kontrolle bereits abgewickelter Aufträge
  • Berechnung des Ist-Gewinns

Wurde im Unternehmen eine Vorkalkulation durchgeführt, so kann die Nachkalkulation zusätzlich verwendet werden um:

  • Kontrolle der Vorkalkulation
  • Nutzung der Ergebnisse zur Durchführung künftiger Vorkalkulationen
  • Überprüfung der Qualität bisher angewendeter Kalkulationsverfahren
  • Feststellen von Abweichungen durch Schätzfehler und Eliminierung dieser

Eine Nachkalkulation kann immer dann wiederholt werden, wenn sich Einflussfaktoren wie z.B. Kosten geändert haben. Dadurch entstehen neue Kenntnisse die wieder in die Vorkalkulation einfließen können.

Anwendung einer Nachkalkulation

Eine Nachkalkulation ist vor allem bei einer Einzel- bzw. Auftragsfertigung sinnvoll. Bei Massen- und Großserienfertigung kann im Allgemeinen auf eine Nachkalkulation verzichtet werden. Mit der Einführung und Weiterentwicklung moderner Kostenrechnungssysteme sinkt die Bedeutung der Nachkalkulation in Unternehmen. Da zufällige Schwankungen in diesen Systemen herausgerechnet werden, ist eine allgemeine Nachkalkulation überflüssig. Lediglich eine stichprobenweise durchgeführte Nachkalkulation zur Überprüfung ist weiterhin sinnvoll in der Anwendung.

Beispielrechnung Vergleich Vor- und Nachkalkulation

Für ein Produkt entstehen bei der Herstellung folgende Einzelkosten:

Fertigungsmaterial: 15,00 EUR
Fertigungslöhne: 6,00 EUR 

Bei der Vorkalkulation wurden folgende Zuschlagssätze für die Gemeinkosten angesetzt:

Material: 11,00 %
Fertigung: 41,00 %
Verwaltung: 5,50 %
Vertrieb: 6,00 %

Damit berechnen sich die Herstellkosten durch Vorkalkulation:

15 * 1,11 + 6 * 1,41 = 25,11 EUR

Die Selbstkosten nach Vorkalkulation betragen deshalb:

25,11 + 25,11 * 0,055 + 25,11 * 0,06 = 28 EUR

Aufgrund der Vorkalkulation wird der Verkaufspreis somit auf 35 Euro festegelegt, was einem prozentualen Gewinn von 25% entspricht.

Bei der Nachkalkulation wurde festgestellt, dass die folgenden Zuschlagssätze für die Gemeinkosten gelten:

Material: 10,00 %
Fertigung: 40,00 %
Verwaltung: 5,00 %
Vertrieb: 7,00 %

Damit berechnen sich die Herstellkosten zu:

15 * 1,1 + 6 * 1,4 = 24,90 EUR

Die Selbstkosten nach Vorkalkulation betragen deshalb:

24,90 + 24,90 * 0,05 + 24,90 * 0,07 = 27,89 EUR

Damit ergibt sich ein tatsächlicher prozentualer Gewinn von 25,5%.

Sehen Sie sich nun die Kalkulation für das Handwerk oder den Dienstleister an oder lesen Sie sich durch, welche Opens internal link in current windowFehler Sie bei der Preiskalulation vermeiden sollten!

Ich hoffe Ihnen qualmt nun nicht der Kopf von den ganzen Zahlen! Sorgen Sie jetzt erst einmal für Entspannung mit einer Tasse Tee!

Ihr Torsten vom

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