Welche Steuererklärungen muss ich überhaupt abgeben? FAQ 22

Mit dieser Frage beschäftigen sich Gründer oft schon vor dem eigentlichen Start in die Selbständigkeit. Die Angst beim Finanzamt etwas falsch zu machen oder ein Formular nicht oder zu spät abzugeben, sitzt bei den meisten Unternehmern tief. Im nachfolgenden erläutern wir, wann ein Unternehmer verpflichtet ist, eine Erklärung zur Einkommensteuer, Umsatzsteuer und Gewerbesteuer, abzugeben.

Einkommensteuererklärung

Unternehmer, die Einkünfte aus Gewerbebetrieb, freiberuflicher Tätigkeit oder aus Land- und Forstwirtschaft bezogen haben, sind verpflichtet eine Einkommenssteuererklärung abzugeben. Die Abgabe der Erklärung bedeutet nicht, dass auch Einkommensteuer gezahlt werden muss. Liegen die Einkünfte bspw. unter 410,- EUR pro Jahr, fallen sie unter den so genannten Härteausgleich.

Zwischenfazit

Selbst wenn keine Einkommensteuer gezahlt werden muss, besteht die Verpflichtung zur Abgabe der Einkommenssteuererklärung.

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Anlage S

In Anlage S werden den Finanzbehörden Auskünfte über Gewinne aus selbstständiger Tätigkeit erteilt. Darunter fasst der Fiskus alle freiberuflichen Tätigkeiten gemäß § 18 EStG zusammen.

Der Freiberufler hat somit Angaben über seine

  • Gewinne aus selbstständiger Tätigkeit als Einzelunternehmer, Mitunternehmer und Gesellschafter
  • Veräußerungsgewinne bei Aufgabe von Betrieben sowie Anteilen als Mitunternehmer sowie
  • Entnahmen, Einlagen und Schuldzinsen

in dieser Anlage zu erfassen.

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Umsatzsteuererklärung

Die Umsatzsteuer entsteht gem. § 1 UStG, wenn ein Unternehmer im Sinne des § 2 UStG Lieferungen und sonstigen Leistungen, im Inland gegen Entgelt im Rahmen seines Unternehmens ausführt.

Zur Abgabe einer Umsatzsteuererklärung ist jeder Unternehmer verpflichtet. Ausgenommen davon sind nur die Unternehmer, die Umsätze ausführen, die gem. § 4 UStG steuerbefreit sind bspw. Versicherungsvertreter oder Ärzte. Für die Pflicht zur Abgabe der Umsatzsteuererklärung ist es nicht ausschlaggebend, ob während des Jahres Umsatzsteuervoranmeldungen (UStVA) beim Finanzamt abgegeben wurden.

Umsatzsteuervoranmeldungen

Umsatzsteuervoranmeldungen müssen nur beim Überschreiten gewisser Grenzen der Umsatzsteuerschuld aus dem Vorjahr abgegeben werden. So müssen Unternehmer monatlich eine UStVA abgeben, wenn die Umsatzsteuerschuld aus dem Vorjahr mehr als 7.500,- EUR betragen hat. Vierteljährlich muss der Unternehmer die UStVA abgeben, wenn die Umsatzsteuerschuld aus dem Vorjahr zwischen 1.000,- und 7.500,- EUR lag. Unternehmer mit einer Umsatzsteuerschuld unter 1.000,- EUR im Vorjahr müssen keine UStVA abgeben. Weitere Fakten können im folgenden Artikel nachgelesen werden: Opens internal link in current windowWann muss ich eine Steuererklärung abgeben FAQ 20

Kleinunternehmer

Unternehmer, die die Kleinunternehmerregelung gem. § 19 UStG anwenden, müssen ebenfalls eine Umsatzsteuererklärung abgeben. Der Kleinunternehmer muss allerdings nur den Umsatz aus dem Jahr der Erklärung und dem Vorjahr auf der ersten Seite der Erklärung eintragen.

Innergemeinschaftlicher Lieferverkehr

Werden von einem Unternehmer Waren in einen anderen EU Staat geliefert, ist diese Lieferung unter der Einhaltung bestimmter Voraussetzungen als innergemeinschaftliche Lieferung steuerfrei gem. § 4 Nr. 1 i.V.m. § 6a UStG. Diese Umsätze sind in der Anlage UR zur Umsatzsteuererklärung zu erfassen.

Umsatzsteuerfreie Berufe

Die Umsätze bestimmter Berufe sind umsatzsteuerbefreit gem. § 4 UStG. Zu diesen Berufen zählen u.a. Hebammen, Ärzte oder Versicherungsvertreter.

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Was ist eigentlich ein Feststellungsbescheid?

Ein Feststellungsbescheid ist ein Verwaltungsakt gegen einen Steuerpflichtigen, um die Besteuerungsgrundlagen festzustellen. Der Feststellungsbescheid ist für Folgebescheide (Steuerbescheide) bindend. Er ist durch Einspruch selbstständig anfechtbar.

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Formularwegweiser für das Finanzamt

Wer sparen und seine Steuererklärung selbst erstellen möchte, dem steht unser „Formularwegweiser für das Finanzamt“ als Orientierungshilfe zur Seite. Die Checkliste listet alle Formulare, die ein Unternehmer für seine Steuererklärung benötigt, sowie alternative Vorlagen, die er gegebenenfalls auch verwenden kann, in tabellarischer Form auf.

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Gewerbesteuererklärung

Der Gewerbesteuer unterliegen nur Gewerbetreibende, denn jeder Gewerbetrieb (im Sinne des § 15 Abs 2 EStG), der im Inland betrieben wird, unterliegt der Gewerbesteuer gem. § 2 GewStG.
Gem. § 1 GewStG erheben die Gemeinden die Gewerbesteuer.

Muss die Gewerbesteuererklärung zur Gemeinde?

Die Gewerbesteuererklärung muss beim zuständigen Finanzamt abgegeben werden. Das Finanzamt setzt den Steuermessbetrag fest und erlässt den Messbescheid. Auf der Grundlage des Messbescheides setzt die Gemeinde die Gewerbesteuer fest.

Gibt es bei der Gewerbesteuer einen Freibetrag?

Natürlichen Personen und Personengesellschaften steht ein Freibetrag in Höhe von 24.500,- EUR zu. Das bedeutet, dass vom Gewerbeertrag der Freibetrag abgezogen wird. Liegt bspw. der Gewerbeertrag eines Unternehmens bei 18.000,- EUR abzgl. des Freibetrages von 24.500,- EUR verbleibt ein Betrag von ./. 6.500,- EUR. In dem Fall ist keine Gewerbesteuer zu zahlen. Kapitalgesellschaften wie einer GmbH oder AG steht hingegen kein Freibetrag zu.

Unterliegt ein Freiberufler auch der Gewerbesteuer?

Freiberufler im Sinne des § 18 EStG sind nicht gewerbesteuerpflichtig. Näheres zur Abgrenzung zwischen Freiberuflern und Gewerbetreibenden ist im folgenden Beitrag beschrieben:Opens internal link in current window So unterscheidet sich der Freiberufler vom Gewerbetreibenden FAQ 18.

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Der Mantelbogen 2012

Der Mantelbogen ist der Hauptbestandteil der Steuererklärung und von jedem abzugeben, ob Rentner, Angestellter oder Selbstständiger. Das Formular besteht aus vier Seiten:

Auf der ersten Seite werden allgemeine personenbezogene Informationen wie Steuer- und Identifikationsnummer, Finanzamt, Anschrift, Ehepartner und Bankverbindung eingetragen.

Sonderausgabenaußergewöhnliche Belastungen und allgemeine Ausgaben für Handwerker, haushaltsnahe Dienstleistungen und Beschäftigungsverhältnisse werden auf den Seiten zwei und drei geltend gemacht. Darüber hinaus geben Sie hier auch an welche weiteren Anlagen der Steuererklärung beigefügt sind und ob Sie Kinder haben.

Die letzte Seite dient "sonstigen Angaben und Anträgen". Hier kann z. B. eine andere Aufteilung der außergewöhnlichen Belastungen bei getrennter Veranlagung beantragt werden. Diese werden vom Finanzamt automatisch jeweils zur Hälfte berücksichtigt. Besonders wichtig ist diese Seite für Personen, die auch im Ausland tätig waren, oder die nicht in Deutschland wohnen. Hier werden weitere Nachweise und Angaben benötigt.

Nachdem Sie alle Angaben gemacht haben, unterschreiben Sie den Bogen auf der letzten Seiten und schicken ihn mit allen weiteren Anlagen an das zuständige Finanzamt.

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Antrag auf Verrechnung Steuernachzahlung

Als Unternehmer können Sie Steuerschulden mit Erstattungsansprüchen bzw. Guthaben verrechnen lassen. In der Regel erkennt das Finanzamt von sich Guthaben und Schulden und verrechnet diese,Screenshot Antrag auf Steuerverrechnung sofern sie unter derselben Steuernummer laufen. Nun kann es aber mal passieren, dass sich Vorgänge überschneiden - während Sie gerade Ihre Umsatzsteuer- und/oder Lohnsteuervoranmeldungen versendet haben trudelt der Einkommensteuerbescheid mit der Nachforderung gerade mit der Post ein. Oder Sie haben ihn schon vorliegen und müssen passenderweise Ihre Voranmeldungen in diesen Tagen abgeben. Dann stellen Sie am besten gleich einen Verrechnungsantrag, um sicherzustellen, dass keine Zahlungserinnerungen kommen. Die entsprechende Vorlage dazu können Sie hier kaufen. Sie müssen nur noch angeben welche Steuerschulden mit welchen Guthaben verrechnet werden sollen. Wer einen sogenannten Verlustvortrag aus dem vergangenen Kalenderjahr hat - dazu wird ein seperater Bescheid ausgestellt - der kann die Verrechnung bereits in der Einkommensteuererklärung beantragen. Dazu muss nur das entsprechende Kreuz gesetzt werden. Vergessen?: Dann beantragen Sie auch das nachträglich mit unserer Vorlage.

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Anlage G

Im Rahmen der Steuererklärung erfassen gewerbetreibende Einzel- und Mitunternehmer in Anlage G auf zwei Seiten:

  • Ihre Gewinne aus Gewerbebetrieben sowie Beteiligungen an Gesellschaften,
  • Für Gewerbesteuerzahler: Angaben zur Steuerermäßigung durch Gewerbesteueranrechnung nach § 35 EStG,
  • Die Summen aller weiteren positiven Einkünfte,
  • Einnahmen aus dem Verkauf aller Gewerbebetriebe unter „Veräußerungsgewinn“ und
  • sonstige Angaben über Entnahmen und Einlagen, Investitionsabzugsbeträge, steuerbegünstigte "außerordentliche Einkünfte", Bezugsrechte für Anteile an Kapitalgesellschaften, gewerbliche Tierhaltung und Termingeschäfte erteilt.
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