Gewährleistung und Garantie gelten auch im WWW

Im Volksmund werden die beiden Begriffe Gewährleistung und Garantie oft vermischt. Dabei handelt es sich um zwei völlig eigenständige Begriffe, die sehr unterschiedliche Merkmale aufweisen. Die Gewährleistung und Garantie gelten in allen Lebenslagen, auch wenn Sie Produkte über das Internet verkaufen, sind Sie zur Gewährleistung verpflichtet. Doch damit erst einmal klar wird, wo der Unterschied liegt, wollen wir Ihnen an dieser Stelle die wichtigsten Merkmale der beiden Rechtsbegriffe erläutern.

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Was ist eigentlich eine Garantie?

Als Garantie wird die Verpflichtung des Händlers oder Herstellers zu einem bestimmten Handeln bei Eintreten eines bestimmten Falls bezeichnet. Diese Verpflichtung ist freiwillig und erfolgt zusätzlich zur gesetzlichen Gewährleistungspflicht. Die Garantieansprüche bestehen unabhängig von den gesetzlichen Gewährleistungsansprüchen. Hat der Händler bzw. Hersteller (Garantiegeber) die Garantie gegenüber dem Kunden erklärt, ist er auch an seine Erklärung gebunden. Die Höchstdauer der gesetzlich zugelassenen Garantiedauer beträgt in Deutschland 30 Jahre.

Gewährleistung gesetzlich verankert

Die Gewährleistung ist gesetzlich vorgeschrieben. Jeder Unternehmer, der Waren verkauft, muss die Gewährleistung geben. Das regelt § 438 BGB. Die Gewährleistung beträgt laut Gesetz 24 Monate. Bei gebrauchten Waren, die verkauft werden, kann die Gewährleistung auf 12 Monate verkürzt werden, hierfür bedarf es aber einer entsprechenden Vereinbarung zwischen Käufer und Verkäufer, bzw. muss die Verkürzung der Gewährleistung für gebrauchte Waren in den AGB des Händlers geregelt werden.

Bei der Gewährleistung werden alle Mängel berücksichtigt, die bereits zum Zeitpunkt der Übergabe der Ware bestanden haben. Die Beweislast liegt in den ersten sechs Monaten nach Übergabe des Kaufgegenstands bei Ihnen als Verkäufer. Danach folgt die Beweislastumkehr, das heißt, der Käufer muss Ihnen beweisen, dass der Mangel bereits bei Übergabe der Ware bestanden hat.

Rechte aus der Gewährleistung

Stellt der Kunde fest, dass die Ware einen Mangel aufweist, der bereits bei Übergabe selbiger bestanden hat, hat er drei verschiedene Möglichkeiten:

  1. Anspruch auf Nacherfüllung
  2. Minderung
  3. Rücktrittsrecht
  4. Anspruch auf Schadensersatz

1. Anspruch auf Nacherfüllung

Im ersten Fall, dem Anspruch auf Nacherfüllung, der im § 439 BGB verankert ist, kann der Kunde die Ware zurückschicken. Sie haben nun sowohl das Recht, als auch die Pflicht, den Mangel durch Reparatur oder Lieferung einer funktionsfähigen Ware zu beheben. Grundsätzlich kann der Käufer entscheiden, welche Variante ihm lieber ist. Sie können diesen Wunsch allerdings ablehnen, wenn er mit zu hohen und unvertretbaren Kosten für Sie verbunden ist.

2. Minderung

§ 441 BGB befasst sich mit der Minderung. Kunden können bei einer mangelhaften Ware die Gewährleistung in Anspruch nehmen oder aber sich mit leichten Mängeln arrangieren. Als Beispiel sei hier eine Waschmaschine genannt. Sie funktioniert einwandfrei, hat jedoch farbliche Mängel am Gehäuse. Kunden können in diesem Fall einen Mangel geltend machen, den Sie hinzunehmen bereit sind, allerdings haben sie dann das Recht, den Kaufpreis zu mindern.

3. Rücktrittsrecht

In den §§ 440, 323 und 326 Abs. 5 des BGB wird das Rücktrittsrecht behandelt. Sollte ein Mangel vorliegen, der nicht behoben oder durch eine Zusendung eines mangelfreien Gegenstandes behoben werden kann, haben Kunden das Recht, vom Vertrag zurückzutreten. Allerdings gilt dieses Recht erst dann, wenn die Nacherfüllung gescheitert ist.

4. Anspruch auf Schadensersatz

Der § 437 Nr. 3 BGB regelt den Schadensersatz. Hierbei gilt, dass Kunden Schadensersatz für mangelhafte Waren verlangen können, sofern sie nachweisen können, dass sie diese gewinnbringend hätten verkaufen können, hätte kein Mangel vorgelegen.

Garantie ist eine freiwillige Leistung

Im Gegensatz zur Gewährleistung steht die Garantie. Sie stellt eine freiwillige Leistung dar, die meist vom Hersteller der Waren gewährt wird. Die Garantie ist gesetzlich nicht geregelt, sie kann also frei zwischen den beiden Vertragsparteien vereinbart werden. Eine Garantieleistung kann demzufolge die gesetzliche Gewährleistung im zeitlichen Rahmen sowohl unter-, als auch überschreiten.

Als Ansprechpartner gilt bei der Inanspruchnahme der Garantie aber nicht mehr der Händler, sondern der Hersteller. Dennoch sollten Sie als Händler die Garantieansprüche Ihrer Kunden im Rahmen eines umfassenden Services für die Kunden durchsetzen. Die Garantie kann die gesetzlich geregelte Gewährleistung jedoch nicht ausheben, sie kann lediglich zusätzlich zu dieser gewährt werden. Sie erstreckt sich häufig auch auf Mängel, die erst im Laufe der Zeit entstanden sind. Hierbei kann jedoch vereinbart werden, dass der Hersteller nur die Kosten für Ersatzteile bezahlt, aber weitere anfallende Kosten vom Käufer getragen werden. Das ist bei der Gewährleistung ausgeschlossen.

Fazit

Auch als Händler im World Wide Web oder bei Auktionsportalen, wie ebay, sind Sie verpflichtet, eine Gewährleistung zu erbringen. Die Garantie für bestimmte Mängel hingegen obliegt stets dem Hersteller.

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Lesen Sie nun weitere Artikel des Abschnittes: Informieren Sie sich über Ihr Recht!

Viel Erfolg wünscht Ihnen

Ihr Torsten vom

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