Muss ich zwangsläufig Umsatz generieren, wenn ich ein Nebengewerbe angemeldet habe?

Umsatzkurve auf einer transparenten Folie mit einer Hand von hinten gemalt
Bild: Tumisu / pixabay

Die Gewinnerzielungsabsicht ist eines der Tatbestandsmerkmale für das Vorliegen eines Gewerbes. Nur wer gemäß § 15 Abs. 2 Einkommensteuergesetz (EStG) auch tatsächlich die Absicht verfolgt, mit seinem Haupt- oder Nebengewerbe auf Dauer Gewinn zu erwirtschaften, kann ein Gewerbe ausüben:

"Eine selbständige nachhaltige Betätigung, die mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, unternommen wird und sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt, ist Gewerbebetrieb, wenn die Betätigung weder als Ausübung von Land- und Forstwirtschaft noch als Ausübung eines freien Berufs noch als eine andere selbständige Arbeit anzusehen ist. Eine durch die Betätigung verursachte Minderung der Steuern vom Einkommen ist kein Gewinn im Sinne des Satzes 1. Ein Gewerbebetrieb liegt, wenn seine Voraussetzungen im Übrigen gegeben sind, auch dann vor, wenn die Gewinnerzielungsabsicht nur ein Nebenzweck ist."

Ausschlaggebend ist die Absicht Gewinn zu erzielen, nicht ob letztlich tatsächlich Gewinn erzielt wird. Voraussetzung für das Ziel des sogenannten Totalgewinns, also positiven Gesamtergebnisses des Gewerbebetriebs von der Gründung bis zur Beendigung, ist allerdings die Umsatzgenerierung. Denn ohne Einnahmen lassen sich weder Kosten begleichen noch Gewinne erwirtschaften.

Deshalb geht das Umsatzsteuergesetz (UStG) noch einen Schritt weiter und stellt in § 2 klar:

"Gewerblich oder beruflich ist jede nachhaltige Tätigkeit zur Erzielung von Einnahmen, auch wenn die Absicht, Gewinn zu erzielen, fehlt oder eine Personenvereinigung nur gegenüber ihren Mitgliedern tätig wird."

Wie viel Umsatz muss ich machen?

Da der Gesetzgeber Gewerbetreibenden nicht vorschreibt, dass sie Umsatz oder Gewinn machen müssen, sondern ihnen lediglich die Erzielungsabsicht aufzwingt, gibt es keinen Mindestumsatz, der nachgewiesen werden muss. Insbesondere in der Gründungsphase ist es vollkommen normal, dass die Einnahmen sich zunächst schleppend entwickeln. Auch, dass die Ausgaben die Einnahmen übersteigen und somit kein Gewinn erwirtschaftet, sondern Verlust gemacht wird, ist zu Beginn einer gewerblichen Tätigkeit nicht ungewöhnlich. Das wissen auch die Finanzämter und entscheiden abhängig vom Einzelfall darüber, wie lange sie negative Betriebsergebnisse dulden.

Was passiert, wenn ich über einen längeren Zeitraum keinen Umsatz mache?

Wie das Finanzamt mit einem Gewerbetreibenden umgeht, der über längere Zeit keinen Cent Umsatz macht, hängt vor allem davon ab, ob dieser während dieser Zeit Ausgaben geltend macht. So lange ein Gewerbetreibender weder Ausgaben noch Einnahmen hat, interessiert sich das Finanzamt eher weniger dafür. Gleichwohl entbindet ihn das nicht davon, eine Steuererklärung abzugeben oder, sofern er sich nicht für die Kleinunternehmerregelung entschieden hat, die regelmäßige Umsatzsteuervoranmeldung einzureichen.

Anders sieht es aus, wenn keine Umsätze generiert, dafür beim Finanzamt aber Verluste geltend gemacht werden. Das kann wie bereits erwähnt in der Anfangsphase durchaus betrieblich begründet sein. Setzt sich der Verlustvortrag allerdings über einen längeren Zeitraum fort, kann das Finanzamt von dem Gewerbetreibenden ein Konzept zur Einnahmensteigerung und damit zur Erfüllung der Gewinnerzielungsabsicht verlangen. Werden keine Anstrengungen unternommen die Ertragslage zu verbessern, geht das Finanzamt von mangelnder Gewinnerzielungsabsicht aus und nimmt Liebhaberei an.

passfoto torsten montag

Liebhaberei und ihre Folgen

Kommt das Finanzamt zu dem Schluss, dass es sich bei dem Gewerbe vielmehr um eine Freizeitbeschäftigung, als um eine Einnahmequelle handelt, können Ausgaben nicht mehr steuerlich geltend gemacht werden. Eine Liebhaberei kann auch dann angenommen werden, wenn zwar Umsätze erzielt werden, diese aber nicht über die Selbstkosten hinausgehen. Letztlich führt Liebhaberei dazu, dass das Gewerbe nicht aufrechterhalten werden kann.

Was tun, wenn mir eine umsatzfreie Zeit bevorsteht?

Das Leben hat seine eigenen Regeln, und so können bestimmte Umstände, wie eine längerfristige Erkrankung, immer mal wieder dazu führen, dass ein Gewerbetreibender über einen bestimmten Zeitraum keinen Umsatz generieren kann. Weil ihn dies aber nicht von seinen gewerblichen Pflichten entbindet, kann es sinnvoll sein, das Gewerbe ruhen zu lassen.

Rein rechtlich gesehen läuft das Gewerbe dabei weiter, weil man es beim zuständigen Gewerbeamt lediglich abmelden, aber nicht pausieren kann. Gegenüber dem Finanzamt kann eine Pause jedoch formlos angezeigt werden. Während dieser zeitlich unbegrenzten Ruhephase wird der Gewerbetreibende von seinen steuerlichen Pflichten entbunden. Er muss also beispielsweise keine Umsatzsteuervoranmeldung mehr abgeben und auch keine Vorauszahlungen mehr leisten. Mitgliedsbeiträge zu Pflichtvereinigungen entfallen ebenso, weswegen auch die zuständige Berufsgenossenschaft und Kammer über das ruhende Gewerbe informiert werden sollten.

Viel Erfolg wünscht Ihnen

Ihr Torsten vom

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