Wie unterscheiden sich Kleinstunternehmen, Kleinunternehmen, Einzelunternehmen und Nebengewerbe?

Der Unterschied zwischen Kleinstunternehmen, Kleinunternehmen, Einzelunternehmen und Nebengewerbe liegt einmal im sprachlichen Gebrauch der einzelnen Bezeichnungen. Andererseits definieren die verschiedenen Institutionen mit Hilfe ihrer eigenen Klassifikation, Unternehmen auf unterschiedliche Weise. Im folgenden Beitrag wollen wir erläutern, wie sich die einzelnen Bezeichnungen beim Finanzamt, der Bundesagentur für Arbeit, der EU (Europäischen Union) und den Krankenkassen von einander abgrenzen und wo mit unterschiedlichen Benennungen exakt das gleiche gemeint ist.

Wie wird ein Kleinstunternehmen definiert?

EU

Die EU legt für ihre Förderprogramme fest, dass ein Kleinstunternehmen weniger als 10 Mitarbeiter beschäftigt und dessen Umsatz oder Jahresbilanz zwei Million Euro nicht überschreitet.

Krankenkassen, Bundesagentur für Arbeit und Finanzamt

Für die Krankenkassen, die Bundesagentur für Arbeit und das Finanzamt existiert der Begriff Kleinstunternehmen nicht.

Wie wird ein Kleinunternehmen definiert?

EU

Um entsprechende Förderprogramme aufzulegen, klassifiziert die EU kleine Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitern und einem Umsatz oder Jahresbilanz von bis zu 10 Millionen Euro.

Krankenkassen und Bundesagentur für Arbeit

Die Krankenkassen und die Bundesagentur für Arbeit nehmen keine Klassifikation in Kleinunternehmen vor.

Finanzamt

Unternehmer, die einen Jahresumsatz von 22.000,- EUR nicht überschreiten, können lt. Umsatzsteuergesetz die Erleichterung der Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen. Bis 31.12.2019 galt eine Umsatzgrenze von 17.500,- EUR. Tipp: Kleinunternehmerregelung endlich verstehen! Jetzt mein Seminar besuchen!

Dadurch müssen sie auf ihren Ausgangsrechnungen keine Umsatzsteuer ausweisen und im laufenden Jahr keine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben.

Für die Einkommensteuer und Gewerbesteuer existiert diese Einteilung oder das Kleinunternehmen jedoch nicht. In der Einkommensteuer wird der Gewinn aus dem Gewerbebetrieb als Einkunftsart hinzugerechnet. Die Gewerbesteuer wird ebenfalls auf den erwirtschafteten Gewinn berechnet.

Wie ist ein Nebengewerbe definiert?

EU

Förderprogramme werden in der Regel nur für hauptberuflich Selbständige aufgelegt, daher ist hier eine Definition nicht nötig.

Krankenkassen

Um für die Krankenkassen als nebenberuflich Selbständig zu gelten, müssen folgende Faktoren beachtet werden. Die Krankenkasse prüft ab, welche Tätigkeit zeitlich und wirtschaftlich überwiegt und den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit ausmacht. Das Nebengewerbe darf den Hauptberuf wirtschaftlich nicht übertreffen. Die wöchentliche Arbeitszeit des Nebengewerbes darf höchstens 18 Stunden betragen. Weiterhin darf der nebenberuflich Selbständige keinen Arbeitnehmer mehr als nur geringfügig beschäftigen.

Finanzamt

Für die Einkommensteuer und die Gewerbesteuer zählt auch bei einem Nebengewerbe nur der erwirtschaftete Gewinn. Umsatzsteuerlich können Unternehmer mit einem Nebengewerbe ebenfalls die Kleinunternehmerregelung (Jetzt mein Seminar besuchen!) in Anspruch nehmen.

Bundesagentur für Arbeit

Bis zu einer wöchentlichen Arbeitszeit von 15 Stunden gilt der Unternehmer bei der Bundesagentur für Arbeit als nebenberuflich Selbständig. Damit hat er trotz Nebengewerbe Anspruch auf ALG 1 bzw. ALG 2.

Wie ist ein Einzelunternehmen definiert?

Ein Einzelunternehmen entsteht, wenn eine natürliche Person eine Tätigkeit als Gewerbetreibender oder Freiberufler aufnimmt. Als Einstieg in das Geschäftsleben eignet sich die Rechtsform des Einzelunternehmens besonders gut, weil der Gründer im Gegensatz bspw. zur GmbH Gründung über kein Startkapital verfügen muss. Der Einzelunternehmer entscheidet allein, trägt allein die volle Verantwortung und haftet mit seinem gesamten Vermögen. Ein Einzelunternehmen kann als Haupt- oder Nebengewerbe betrieben werden.

 

Häufig gestellte Fragen

Wer ist Kleinunternehmer und welche Rahmenbedingungen bestehen hinsichtlich dieser Regelung?

Die Kleinunternehmerregelung ist im Umsatzsteuergesetz geregelt und unterliegt bestimmten gesetzlichen Rahmenbedingungen, um die Regelung zu beanspruchen. Kleinunternehmer ist nach §19 UStG ein Unternehmer, der bei Beantragung der Regelung, nicht mehr als 22 000 € Umsatz erzielen wird und im darauf folgenden Jahr die Umsätze nicht mehr als 50 000 € betragen. Die Einkommensgrenzen können variieren, bzw. lagen in der Vergangenheit in der Anmeldephase bei 17 500 €. Infolge dessen ist es wichtig in Eigenverantwortung die aktuellen Einkommensgrenzen beim Finanzamt zu erfragen oder selbst auf behördlichen Seiten zu recherchieren.

Welche Vorteile gehen mit der Regelung einher?

Die Kleinunternehmerregelung ist besonders bei Unternehmern beliebt, die in der Gründungsphase sind, weil innerhalb der Gründungszeit die Einnahmen ohnehin noch gewisse Grenzen nicht überschreiten und diesbezüglich einige Formalitäten entfallen. Es ist somit ein Vorteil für Neueinsteiger. Es vereinfacht die Abläufe, weil Kleinunternehmer keine Umsatzsteuervorauszahlungen leisten müssen, bzw. diese nicht an das Finanzamt abführen müssen.

Aufgrund dessen ist ein Ausweisen dieser Steuer auf Rechnungen nicht vonnöten. Dadurch lassen sich gewisse Produkte und Dienstleistungen zu günstigeren Preisen verkaufen, weil die Steuer in Höhe von 19 % entfällt. Der Kleinunternehmer ist verpflichtet auf Rechnungen auszuweisen, dass die Mehrwertsteuer nicht in Rechnung gestellt werden muss, weil die Kleinunternehmerregelung nach §19 UStG Anwendung findet. Anderenfalls können Kunden, insbesondere Firmenkunden, eine neue Rechnung verlangen, weil diese nicht valide ist, bzw. vom Finanzamt nicht anerkannt wird.

Welche Nachteile können sich bei Anwendung des §19 UStG ergeben?

Auch wenn die Ausweisung der Umsatzsteuer den Preis für den Kunden erhöht, so ist diese durchaus vorteilhaft. Zudem können gewerbliche Kunden die bezahlte Mehrwertsteuer steuerlich absetzen, weshalb es für andere Firmen von sekundärer Relevanz ist, inwieweit eine Umsatzsteuer in der Rechnung ausgewiesen wird oder nicht.

Sofern ein Unternehmer somit umsatzsteuerberechtigt ist, kann er Anschaffungen für das Unternehmen steuerlich geltend machen, bzw. dieser bekommt die komplette Mehrwertsteuer erstattet. Von diesem Privileg sind Kleinunternehmer ausgeschlossen, weil diese keine Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen und somit auch nicht berechtigt sind die Umsatzsteuer erstattet zu bekommen.

Des Weiteren wirken sich die Umsatzgrenzen der Kleinunternehmerregelung nachteilig auf das Wachstum des Unternehmens auf, denn die festgelegten Grenzen dürfen keinesfalls überschritten werden, wenn die Absicht besteht von der Regelung dauerhaft Gebrauch zu machen. Besteht kein Bedarf größere Gewinne zu erzielen, so ist die Regelung durchaus im Sinne des Kleinunternehmers. Jedoch ist damit keine Expansion möglich. Es kann sowohl ein Vorteil als auch ein Nachteil sein, je nach Situation.

Was passiert, wenn Umsatzgrenzen überschritten werden?

Je nach Zeitspanne kann es sich mehr oder weniger gravierend auf das Unternehmen in finanzieller Hinsicht auswirken. Wenn die Einnahmen über einen größeren Zeitraum hinweg wesentlich höher ausgefallen sind, kann es zu immensen Nachzahlungen kommen. Das Finanzamt wird im Zuge dessen die Gesamteinkünfte berechnen und diese mit der Mehrwertsteuer verrechnen und die Summe einfordern. Es kann schnell passieren, dass Rückzahlungen von mehreren tausend Euro eingefordert werden.

Mit einem bürokratischen Mehraufwand lässt sich jedoch der finanzielle Schade eindämmen, denn es besteht die Möglichkeit Rechnungen zu korrigieren, sodass die Kunden die Mehrwertsteuer nachzahlen. Gewerbliche Kunden, bzw. Firmen haben hiermit grundsätzlich kein Problem, weil ihnen die Mehrwertsteuer ohnehin vom Finanzamt erstattet wird. Somit kann der finanzielle Ballast abgefedert werden.

In Anbetracht dieser Tatsache ist es wichtig verantwortungsvoll in regelmäßigen Zeitabständen zu prüfen, inwieweit die Umsätze gewisse Grenzen zu überschreiten drohen, um Vorfälle dieser Art zu vermeiden, damit keine Probleme mit der Rechtsform entstehen. Es bedarf somit Vorsicht und akribischer Kalkulation, um ein Unternehmen erfolgreich und vor allem gewinnbringend zu gründen.
 

Wann muss die Einkommenssteuer abgeführt werden?

Neben der Umsatzsteuer gibt es auch sogenannte Einkommensteuervorauszahlungen, die an das Finanzamt abzuführen sind. Es ist vergleichbar mit der steuerlichen Abführung ähnlich einem Angestelltenverhältnis. Bei einem geringen jährlichen Umsatz kann eine steuerliche Vorauszahlung entfallen. Das Finanzamt ermittelt die Summe mithilfe des Steuerbescheides.

Darüber hinaus entfällt die Einkommenssteuer gänzlich, wenn das Jahreseinkommen nicht die Grenze von 9408 € überschreitet. Auch hier gilt es fortwährend zu prüfen, inwieweit es Veränderungen gibt. Liegt das Gehalt über dieser Grenze, so wird nicht die ganze Summe einkommensteuerpflichtig, sondern nur der Betrag, der über die 9480 € hinaus geht. Je nach Umsatzhöhe erhöht sich der prozentuale Steuersatz und ab einem gewissen Wert wird sogar eine Reichensteuer fällig. Die Einkommenssteuer als auch die eventuelle Reichensteuer ist somit unumgänglich, unabhängig von der Rechtsform, sobald die Freigrenze überschritten wird.

Was ist eine Scheinselbständigkeit und welche Risiken bestehen?

Bei einer Scheinselbstständigkeit handelt es sich um eine Tätigkeit, die dem Finanzamt als eine selbstständige Tätigkeit deklariert wurde, die jedoch infolge einer Prüfung angestelltenähnliche Merkmale aufweist. Infolge dessen wird der Status aberkannt, sodass ein Kleinunternehmer rechtlich als Angestellter angesehen wird und mit hohen Kosten zu rechnen hat, weil beispielsweise die Lohnsteuer als auch die Sozialversicherungsbeiträge nicht bezahlt worden sind.

Doch wie kommt es dazu und wie lassen sich diese Gefahren vermeiden? Erzielt ein Unternehmer seine Umsätze ausschließlich oder hauptsächlich über einen Kunden, so steht er in finanzieller Abhängigkeit zu diesen. Es ist somit ein Nachteil, selbst wenn dieser Kunde gute Umsätze generieren lässt. Des Weiteren können Formalitäten oder Verträge jeglicher Art dazu beitragen, dass der Verdacht entsteht, es handelt sich um eine Scheinselbstständigkeit. Denn Verträge enthalten Verbindlichkeiten und können Ähnlichkeiten mit einem Arbeitsvertrag aufweisen.

Um ein Unternehmen zu gründen ist es wichtig auf diese Dinge zu achten, auch wenn andere Auftraggeber lukrative Angebote machen, so sollte auf eine schriftliche Vereinbarung möglichst verzichtet werden, um Probleme hinsichtlich der Selbstständigkeit zu vermeiden. Desto größer der Kundenkreis und je freie die Arbeit erfolgt, umso weniger die Gefahr, dass es zu Konflikten mit dem Finanzamt kommt. Selbstverständlich tun vertragliche Vereinbarungen keinen Abbruch dem Unternehmen und können bis zu einem gewissen Grad abgeschlossen werden, jedoch mit Bedacht und Vorsicht.

In Bezug auf die Scheinselbständigkeit können zudem nicht nur finanzielle Einbußen negativ zu Buche schlagen, sondern auch strafrechtliche Konsequenzen drohen. Aus rechtlicher Sicht des Finanzamtes hat ein Angestellter von den Vorteilen der Selbstständigkeit profitiert, sodass es als Steuerhinterziehung gilt, unabhängig davon, ob hier tatsächlich mutwillig gehandelt worden ist oder nicht. Hat der „Unternehmer“ diesbezüglich noch weitere Mitarbeiter angestellt, so wird die rechtliche Sache noch komplizierter und die Nachzahlungen werden umso höher steigen.

Ist ein Steuerberater notwendig oder sogar verpflichtend?

In Anbetracht der möglichen Risiken, ist es ratsam bei rechtlichen Fragen auf einen kompetenten Steuerberater zurückzugreifen. Doch grundsätzlicher ist dieser nicht verpflichtend, denn Unternehmer, welche die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen, müssen keine doppelte Buchführung machen, bzw. es besteht lediglich die Pflicht am Ende des Jahres eine Einnahmen-Überschuss-Rechnung zu erstellen.

Es liegt im eigenen Ermessen zu prüfen, inwieweit die Bewältigung und Gründung ohne Steuerberater reibungslos funktioniert, wobei es tendenziell besser ist einen Ansprechpartner zu haben, unabhängig davon wie viel Wissen im Steuerrecht vorhanden ist. Denn ein Steuerberater nimmt viel Arbeit ab und entlastet, sodass ein Unternehmer sich vollumfänglich seiner Kernkompetenz, bzw. seinem Unternehmen, widmen kann.

Zusätzlich wird ein Steuerberater frühzeitig auf ändernde Gesetze aufmerksam machen, sodass mögliche Gefahren einer Umsatzüberschreitung und dergleichen ausgeschlossen werden. Zudem kann ein Steuerberater die finanziellen Mittel und die eigenen Pläne begutachten und ein Résumé ziehen, inwieweit der Businessplan Bestand hat, bzw. sich realisieren lässt. Denn ein Steuerberater kennt versteckte Kosten und hat mehr Erfahrungswerte, aufgrund der Kooperation mit anderen Unternehmern, sodass dadurch die eigenen Vorhaben optimiert und adaptiert werden können, um erfolgreich wirtschaften zu können.

Der Weg zum Steuerberater ist somit mit vielen Vorteilen verbunden und selbst wenn es keine Verpflichtung gibt einen Steuerberater miteinzubeziehen, so kann es doch überaus hilfreich sein in regelmäßigen Kontakt zu bleiben, um Probleme anzusprechen und rechtlich bindende Auskünfte einzuholen, denn das deutsche Steuerrecht ist überaus komplex.

Fazit

Kleinstunternehmen, Kleinunternehmen, Einzelunternehmen und Nebengewerbe sind Unternehmen. Die unterschiedlichen Namen sind hauptsächlich im Volksmund entstanden, um Unternehmensgrößen ausdrücken zu können. Für das Finanzamt spielen die unterschiedlichen Bezeichnungen keine Rolle. Einzig die Bundesagentur für Arbeit und die Krankenkassen legen bei der Abgrenzung des Nebengewerbes einen Wert auf die wöchentliche Arbeitszeit.

Meine Name ist Torsten Montag, ich bin Betriebswirt, Internetcoach und betreibe seit 2004 das Gründerlexikon. Ich werde Ihnen durch meine Artikel den richtigen Weg als Unternehmer zeigen. Sollten Sie Fragen haben, kommen Sie gern in die Gründerlexikon Facebook Gruppe - dort erhalten Sie unbürokratische Hilfe.

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