Alles was sie zum Einzelunternehmen wissen müssen!

Den Steckbrief als pdf-Download gibt es hier.

Was muss ich bei der Gründung eines Einzelunternehmens beachten?

Wenn Sie gemeinsam mit Ihrem Berater Ihre künftige Rechtsform festlegen, sollten Sie zunächst das Einzelunternehmen in Betracht ziehen. Fast zwei Drittel der deutschen Unternehmen sind Einzelunternehmen. Dies zeigt bereits die große Bedeutung der Rechtsform für Einzelkaufleute. Doch was genau ist ein Einzelunternehmen eigentlich und worauf ist bei der Gründung zu achten? Auf diese und viele weitere Fragen möchte ich Ihnen heute die notwendigen Antworten geben.

Welche Gründungsvoraussetzungen gibt es?

Quasi jeder deutsche Bürger kann ein Einzelunternehmen gründen. Hierfür sind keine großartigen Bürokratieschritte zu erledigen – durch die Aufnahme einer selbstständigen Tätigkeit als alleiniger Inhaber sind Sie automatisch Einzelunternehmer und müssen sich nur beim Finanzamt melden. Handelt es sich um ein Gewerbe, benötigen Sie lediglich einen Gewerbeschein. Sie müssen weder ein Mindestkapital mitbringen noch spezielle Verträge aufsetzen. Bei Kaufleuten gemäß HGB kann allerdings die Eintragung in das Handelsregister notwendig werden, womit auch die Buchführungspflicht einherginge.

Geschäftsführung und Vertretung: Was muss ich beachten?

Als alleiniger Inhaber führen Sie Ihre Geschäfte im eigenen Namen und vertreten Ihr Unternehmen nach außen hin. Selbstverständlich steht es Ihnen auch offen, einen Arbeitnehmer als Geschäftsführer einzustellen, der diese Aufgaben per Bevollmächtigung übernimmt.

Was sollte ich zur Haftung wissen?

Als Einzelunternehmer haften Sie unbeschränkt und unmittelbar mit Ihrem gesamten Geschäfts- und Privatvermögen – lediglich die gesetzlichen Pfändungsgrenzen bleiben ggf. außen vor. Die fehlende Haftungsbeschränkung kann für Existenzgründer ein großes Risiko darstellen. Gelder, die dem Unternehmen zur Verfügung gestellt werden, werden automatisch zum Betriebsvermögen gezählt.

Welchen Kapitalbedarf habe ich?

An ein Einzelunternehmen werden keinerlei Vorschriften bezüglich eines Mindestkapitals gelegt. Dies wird besonders deutlich, wenn beispielsweise Freiberufler gründen, die von zuhause aus arbeiten und dafür nur einen Computer benötigen. Sie können im Prinzip mit einem Grundkapital von 0 Euro starten, wenn sie den PC aus dem Privatvermögen überführen.

Was muss ich bei Beendigung eines Einzelunternehmens beachten?

Soll ein Einzelunternehmen geschlossen werden, kann dies ebenfalls relativ formlos erfolgen. Sie melden das Gewerbe ab (siehe Gewerbeabmeldung), zeigen die Beendigung dem Finanzamt an und informieren ggf. das Handelsregister. Das Betriebsvermögen wird veräußert oder aber als Privatvermögen weitergeführt.

Welche Vorteile hat das Einzelunternehmen?

Nicht umsonst wird das Einzelunternehmen so oft gewählt – es bringt zahlreiche Vorteile mit sich:

  • kein Mindestkapital notwendig
  • sehr einfache Gründung, nur wenige Formalitäten (siehe Gewerbeanmeldung!)
  • klare Verhältnisse bei Vertretung und Geschäftsführung
  • schnelle Entscheidungen
  • kein Konfliktpotential mit anderen Gesellschaftern
  • Inhaber kann alleine über die Verwendung der Gewinne entscheiden
  • kaum Kosten in Zusammenhang mit der Gründung (kein Notar erforderlich)
  • gute Position bei Kreditverhandlungen mit Banken wegen unbeschränkter Haftung

Welche Nachteile hat das Einzelunternehmen?

Selbstverständlich gibt es auch Nachteile, die nicht verschwiegen werden sollen:

  • große Abhängigkeit vom Inhaber (Schwierigkeiten z. B. bei fehlendem Know-how, Krankheit)
  • unbeschränkte Haftung, im schlimmsten Fall kann das gesamte Privat- und Geschäftsvermögen verloren gehen
  • keine Aufnahme von Gesellschaftern möglich (damit auch keine Erhöhung der Kapitalkraft)
  • meist nur Einräumung von kleinem Kreditrahmen
  • Unternehmerlohn stellt keine Betriebsausgabe dar
  • langfristig kann die Firmennachfolge Schwierigkeiten bereiten

Für wen ist das Einzelunternehmen geeignet?

Das Einzelunternehmen ist aufgrund der geringen Einstiegshürden und kaum vorhandenen bürokratischen Pflichten der ideale Einstieg für Existenzgründer, weil sie mit dieser Rechtsform quasi sofort loslegen können. Sie müssen nicht erst monatelang Vorbereitungen treffen, Notartermine erledigen und Verträge aushandeln. Wer mit wenig Geld startet und auch privat wenig besitzt, kann mit dem Einzelunternehmen auf die Schnelle nichts falsch machen.

Ganz anders sieht es hingegen aus, wenn bei Ihnen Vermögenswerte vorhanden sind. Besitzen Sie beispielsweise ein Haus oder Barvermögen, das Sie nicht in das Unternehmen einbringen möchten, ist das Einzelunternehmen keine gute Wahl. Im Falle der Zahlungsunfähigkeit dürften sich Ihre Gläubiger dann nämlich an Ihrem Privatvermögen bedienen, was in der Praxis häufig den Verlust von Haus und Hof bedeutet.

Oft werden Einzelunternehmen später in andere Rechtsformen umgewandelt, beispielsweise durch die Aufnahme von Gesellschaftern in eine GbR oder in eine GmbH, um die Haftung zu beschränken.

Häufig gestellte Fragen:

Sollte ich freiberufliche oder gewerbetreibend gründen?

Die finale Entscheidung hinsichtlich der Rechtsform ist gewissermaßen vom Finanzamt abhängig, bzw. ist gesetzlich geregelt. Zum einen gibt es sogenannte Katalogberufe, die im Einkommenssteuergesetz (EStG) verankert sind. In diesem Register sind Berufe, gelistet die als eine freiberufliche Arbeit eingestuft werden, wie zum Beispiel Künstler, Journalisten, Ärzte oder Steuerberater. Somit haben Personen keine wirkliche Wahl, infolge der auszuübenden Arbeit, die verübt wird.

Die Grenze zwischen Freiberufler und Einzelunternehmer ist manchmal nicht eindeutig, sodass im Zweifelsfall das Finanzamt situativ, entsprechend der persönlichen Lage und anhand geltender Gesetze entscheidet.
 

Was ist der USP und wieso ist dieser wichtig?

Auch wenn die Motivation überaus groß ist, so gilt es auf eine ausreichende Vorbereitung zu achten, damit die Selbstständigkeit ein solides Fundament hat. In erster Instanz gilt es für jeden Unternehmern den USP in den Fokus zu nehmen. Das Akronym „USP“ steht für „Unique Selling Proposition“ und stammt aus dem englischen Sprachraum. Es bezieht sich auf das Alleinstellungsmerkmal eines Produktes.

Der USP gibt darüber Auskunft, wie erfolgreich ein Produkt oder eine Idee auf dem Markt sein wird, aufgrund der Einzigartigkeit. Deshalb ist es wichtig zu ergründen, inwieweit sich die Idee umsetzen lässt in Angesicht der Konkurrenz. Denn selbst wenn das Produkte qualitativ hochwertig ist, kann es aufgrund des Konkurrenzmarktes in der Masse untergehen, weil es keine signifikanten Unterschiede gibt. Für einen Einzelunternehmer ist der USP somit ein Indikator für den Erfolg der zukünftigen Geschäftsidee.
 

Wie wird eine Tätigkeit als Einzelunternehmer angemeldet?

Die Art der Anmeldung steht in Abhängigkeit zur Rechtsform. Es ist entscheidend ob eine Tätigkeit als Freiberufler oder als Gewerbetreibender ausgeführt werden soll.

Freiberufler
Als Freiberufler ist die Anmeldung verhältnismäßig schlicht. Denn Freiberufler müssen beispielsweise nicht zum Gewerbeamt und diesbezüglich auch keine Gewerbesteuer entrichten. Die Anmeldung einer freiberuflichen Tätigkeit erfolgt über das Finanzamt, welches die notwendigen Anmeldeformulare ausstellt.

Eine weitere Anmeldung ist grundsätzlich nicht notwendig, es sei denn es handelt sich um sogenannte Kammerberufe. Denn hier ist eine Anmeldung, bzw. Mitgliedschaft bei der Handelskammer Pflicht. Die jeweils zuständigen Kammern sind zuständig für die Qualitätssicherung der Tätigkeit als auch der Standardisierung. Dies betrifft beispielsweise Ärzte, Rechtsanwälte oder Wirtschaftsprüfer und weitere Berufe.

Freiberufliche Unternehmer müssen der Kammer glaubhaft machen, bzw. nachweisen, dass entsprechende Qualifikationen vorhanden sind, um diese Tätigkeit ausüben zu können. Zudem ist eine Kammergebühr zu entrichten für die Pflichtmitgliedschaft, jedoch leistet die Kammer Hilfe und agiert als Interessensvertretung der Mitglieder.


Gewerbetreibende
Im Gegensatz dazu müssen Gewerbetreibende ihre Arbeit dem Gewerbeamt melden als auch dem Finanzamt. Der formale Aufwand ist verhältnismäßig hoch, doch durchaus wichtig und aufgrund der möglichen beschränkten Haftung von Vorteil. Darüber hinaus sind weitere Ämter in die Anmeldung involviert, wie zum Beispiel die Berufsgenossenschaft und die IHK. Im Regelfall leitet das Gewerbeamt die Anmeldung an die jeweiligen Zwischeninstanzen weiter, sodass diese sich postalisch beim Gewerbetreibenden melden.

Sofern die Selbstständigkeit als Kaufmann erfolgt ist ein Eintragen im Handelsregister vonnöten, sofern gewisse Einkommensgrenzen überschritten werden. Im Gegensatz zur freiberuflichen Arbeit, ist für die Arbeit eine Gewerbesteuer an das Finanzamt abzuführen, neben der Einkommenssteuer und der gegebenenfalls vorgeschriebenen Umsatzsteuer. Es ist somit steuerrechtlich komplexer, weshalb unter Umständen ein Steuerberater von substanzieller Bedeutung ist.

Wie ist die rechtliche Lage bezüglich der Haftung?

Ein Einzelunternehmer haftet grundsätzlich mit seinem privaten Vermögen und trägt somit das volle finanzielle Risiko. Kommt es zu einem finanziellen Fiasko, so ist dies gleichbedeutend mit einem Ende des Unternehmens, sofern die Schulden nicht mehr beglichen werden können, infolge mangelnder Liquidität. Es kann auch keine Insolvenz eingeleitet werden, weil hierfür eine Gründung einer GmbH u.Ä. vonnöten ist.

Doch Personen, bzw. Kaufleute und andere Einzelunternehmer können auch eine GmbH gründen, die mit immensen Vorteilen einhergeht, weil
Kaufleute, bzw. Gewerbetreibende dann nicht mit ihrem Privatvermögen haften. Besonders bei Gründern, die Immobilien besitzen und eine Familie haben, sind die Haftungsformen von essenzieller Bedeutung. Denn bei einer GmbH ist bei Zahlungsunfähigkeit die Einleitung eines Insolvenzverfahrens möglich. Der Vorteil liegt in der Tatsache begründet, dass Wertsachen und Immobilien nicht verpfändet werden dürfen aus rechtlicher Sicht, es sei denn es liegt grob fahrlässiges Handeln vor.
 

Soll ich eine GmbH gründen?

Die Gründung einer GmbH geht mit einigen gesetzlichen Auflagen einher, die zudem Zusatzkosten verursachen und es ist von Fall zu Fall zu entscheiden, inwieweit die Gründung eine Notwendigkeit darstellt. Doch je größer die Umsätze eines Unternehmens sind, desto wichtiger ist die Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, denn hier sind die Gefahren einer Verschuldung im höheren Bereich besonders groß.

Kleingewerbetreibende können jedoch auf die Gründung einer GmbH verzichten, aufgrund der geringeren Einnahmen, denn Kleingewerbetreibende können sich zudem nebenberuflich selbstständig machen und das Risiko damit minimieren und müssen sich zusätzlich nicht im Handelsregister eintragen lassen, was die Tätigkeit rechtlich vereinfacht.
 

Welche Steuern müssen als Einzelunternehmer abgeführt werden?

Freiberufliche Arbeit
Ein freiberuflicher Einzelunternehmer zahlt eine Einkommenssteuer, sofern er den Freibetrag von derzeitig 9408 € überschreitet und zusätzlich eine Umsatzsteuer, sofern er umsatzsteuerpflichtig ist. Die Umsatzsteuerpflicht besteht bei höheren Einkünften und entfällt nur bei Gebrauch der Kleinunternehmerregelung. Laut § 19 UStG ist Kleinunternehmer derjenige, der bei Antragstellung die Umsatzgrenze von derzeitig 22 000 € nicht überschreitet und im darauf folgendem Jahr nicht mehr als 50 000 € Umsatz generiert.

Sofern die geschäftlichen Einnahmen sich innerhalb dieser Umsatzgrenzen halten, ist ein Ausweis der Umsatzsteuer auf der Rechnung nicht notwendig. Wird diese Grenze jedoch überschritten, so besteht die Gefahr eine Nachzahlung, sofern die Überschreitung nicht zeitnah gemeldet wird. Das Finanzamt wird solchen Fällen die Einnahmen im Nachhinein mit 19 % besteuern und den Restbetrag einfordern.


Gewerbliche Arbeit
Konträr zur freiberuflichen Arbeit muss ein Gewerbetreibender zusätzlich noch die Gewerbesteuer abführen. Darüber hinaus ist ein Unternehmer, der im Handelsregister eingetragen ist zur doppelten Buchführung verpflichtet, damit das Finanzamt einen akribischen Überblick über die Gewinne und Verluste hat.

Doch selbst, wenn kein Eintrag im Handelsregister ausbleibt, ist ein Gewerbetreibender ab einem gewissen Umsatz zu einer doppelten Buchführung verpflichtet. Dies ist der Fall, wenn die Umsatzhöhe mehr als 600 000 € beträgt und der Gewinn die Grenze von 60 000 € überschreitet. Unter Einhaltung dieser Grenzen ist eine einfache Einkommensüberschussrechnung (EÜR) ausreichend. Die steuerliche Belastung ist bei einem Gewerbe somit höher angesiedelt und komplexer, aber das Gewerbe geht gleichzeitig mit Vorteilen einher, wie zum Beispiel der eingeschränkten Haftung etc.

Was ist eine Scheinselbstständigkeit und welche Gefahren birgt sie?

Schließlich gilt es darauf zu achten, dass das eigene Kleinunternehmen einer Prüfung vonseiten des Finanzamtes standhalten kann. Denn Unternehmer unterliegen der Gefahr als scheinselbstständig eingestuft zu werden, was mit strafrechtlichen Konsequenzen einhergeht als auch mit finanziellen Einbußen. Denn im Fall einer Scheinselbstständigkeit entstehen unter Umständen exorbitante Summen, die nachgezahlt werden müssen, neben dem Vorwurf der Hinterziehung von Steuern.

Vor allem Kleinunternehmer freuen sich über Kunden oder Firmen, die eine besonders hohe Summe für erbrachte Leistungen zahlen, doch dies sollte nur bedingt Teil des Geschäftsmodells sein. Anderenfalls entsteht eine Abhängig zu dieser Firma und im schlimmsten Fall wird das Finanzamt die Selbstständigkeit anzweifeln.

Unabhängig davon ist es ohnehin unvorteilhaft nur über wenige bis hin einzelne Unternehmen den Umsatz zu generieren, weil hierdurch andere potenzielle Kunden wegfallen und bei einem Ausfall der Zahlung gibt es keine Ausweichmöglichkeiten auf andere Geschäftsstunden.

Um die Wahrscheinlichkeit einer Scheinselbstständigkeit als Einzelunternehmer oder Kaufmann zu dezimieren, ist es beim Gründen wichtig darauf zu achten, die vertraglichen Verbindlichkeiten gegenüber Geschäftspartnern auf einem niedrigen Niveau zu halten. Denn vertragliche Festlegungen, können Ähnlichkeiten zu einem Arbeitsvertag aufweisen und können Angriffsfläche bieten, die ein Anzweifeln der Selbstständigkeit ermöglichen.

Schlussendlich sollte die Selbstständigkeit auf einen breiten Kundenstamm zurückgreifen unter Ausschluss vertraglicher Bindungen. Dies sind signifikante Merkmale einer selbstständigen Arbeit und sollten leitführend für das Unternehmen sein.

Fazit

Bevor Sie ein Einzelunternehmen gründen, sollten Sie sich mit allen Rahmenbedingungen vertraut machen. Sie sollten wissen auf welcher Grundlage Sie Ihr Unternehmen führen wollen und ob eine andere Rechtsform nicht besser zu Ihrem Geschäftskonzept passt.

Meine Name ist Torsten Montag, ich bin Betriebswirt, Internetcoach und betreibe seit 2004 das Gründerlexikon. Ich werde Ihnen durch meine Artikel den richtigen Weg als Unternehmer zeigen. Sollten Sie Fragen haben, kommen Sie gern in die Gründerlexikon Facebook Gruppe - dort erhalten Sie unbürokratische Hilfe.

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