Steuerfrei arbeiten: Digitaler Nomade werden, wie geht das?

Das Internet hat die Arbeitswelt verändert. Für den einen mehr, für den anderen weniger. Digitale Nomaden nutzen die Vorteile, die ihnen das Internet bietet, voll aus und arbeiten ortunabhängig von überall auf der Welt. Laptop und WLAN – mehr braucht es dafür nicht. Der ein oder andere Dauerreisende fragt sich früher oder später, ob er in Deutschland überhaupt noch Steuern zahlen muss, wenn er ohnehin das ganze Jahr unterwegs ist. Mit der Befreiung von der Steuerpflicht würde unterm Strich schließlich deutlich mehr vom Einkommen übrigbleiben.

Laptop auf dem Tisch am Ozean
Bild: AdrienBe / pixabay.com

Wer in Deutschland keine Steuern mehr zahlen will, muss das Land verlassen

Mit Ausnahme der USA und Eritrea ist die Steuerpflicht weltweit immer an den Wohnsitz (§ 8 AO) gebunden, nicht etwa an die Staatsangehörigkeit. In Deutschland ist man gemäß § 1 Abs. 1 Einkommensteuergesetz (EStG) auch dann uneingeschränkt steuerpflichtig, wenn sich hier nur der gewöhnliche Aufenthaltsort (§ 9 AO) befindet. Das ist zum Beispiel dann der Fall, wenn man sich hier mehr als sechs Monate im Jahr aufhält oder eine Wohnung besitzt.

Wer als deutscher Staatsangehöriger der hiesigen Steuerpflicht entgehen möchte, der muss also seinen Wohnsitz und damit sich selbst in Deutschland abmelden. Nach einer Abmeldung bleibt man zwar noch Staatsbürger der Bundesrepublik Deutschland, verliert aber diverse Rechte und Pflichten, die mit einer Meldung in Deutschland einhergehen. Wer trotz seiner Abmeldung in Deutschland bleibt, hat hier seinen gewöhnlichen Aufenthaltsort und ist damit weiterhin uneingeschränkt steuerpflichtig.

passfoto torsten montag

Wer sich abmeldet, verzichtet auch auf Rechte

Natürlich mag es reizvoll sein, keine Steuern mehr zahlen zu müssen – alle moralischen Aspekte, die damit verbunden sind, mal außer Acht gelassen. Bei einer Abmeldung verliert man nachvollziehbarerweise aber auch alle Rechte, die ein im Land gemeldeter Staatsbürger hat. Dazu zählen allen voran die Sozialleistungen. Ohne festen Wohnsitz können Bankkonten nur schwer eröffnet und viele Verträge häufig gar nicht erst geschlossen werden. Man kann kein eigenes Fahrzeug anmelden und die Stimmabgabe bei Wahlen ist mit Komplikationen verbunden.

Als Bürger ist man in der Pflicht den Behörden nachzuweisen, dass man in Deutschland nicht mehr steuerpflichtig ist. Dazu können Kündigungen von Dauerschuldverhältnissen im Inland dienen. Dazu zählen unter anderem Bankkonten, in Deutschland angemeldete Fahrzeuge, Mitgliedschaften (ADAC, Krankenkasse, etc.) und anderen Verträgen (Mobilfunkvertrag, etc.). Mit der Abmeldebestätigung des Einwohnermeldeamts hat man in Vertragsangelegenheiten meist ein außerordentliches Kündigungsrecht.

Brauche ich als Wohnsitzloser ein Gewerbe?

Entgegen vieler anderslautender Meinungen und auch Behördenaussagen ist es trotz Wohnsitzabmeldung möglich, in Deutschland noch ein Gewerbe zu betreiben. Gemäß § 15 Einkommensteuergesetz (EStG) ist dafür nämlich nur eine Betriebsstätte im Inland, also eine ladungsfähige Geschäftsadresse nötig. Das aber bedeutet, dass sich hierzulande der Ort der Leistungserbringung befindet und man damit in Deutschland zumindest beschränkt steuerpflichtig ist (§ 49 EStG).

Trotz der beschränkten Steuerpflicht hat es Vorteile sein Gewerbe auch nach einer Wohnsitzabmeldung in Deutschland zu haben. Man kann weiterhin rechtskonforme Rechnungen schreiben und damit seine deutschen Kunden behalten. Denn zu den gesetzlich vorgeschriebenen Pflichtangaben auf einer Rechnung zählen beispielsweise die Adresse und eine Steuernummer.

Wer jedoch die vollkommene Steuerfreiheit zum Ziel hat, der muss alle Verbindungen zu Deutschland kappen. Lässt man sich jedoch in einem anderen Land nieder, wird man in der Regel dort steuerpflichtig. Wer das umgehen möchte, muss also rumreisen, so wie es auch das Ziel vieler Digitaler Nomaden oder Perpetual Traveler ist. Ein Nachteil der Wohnsitzlosigkeit ist jedoch auch, dass man nur auf Touristenvisa zurückgreifen kann, die im Durchschnitt lediglich drei Monate gültig sind. Danach muss das Land gewechselt werden.

Wer in Deutschland keine Steuern zahlen will, der darf keine Einkünfte aus einem hier angemeldeten Gewerbebetrieb haben. Ein fehlendes Gewerbe hat den Nachteil, dass man keine ordentlichen Rechnungen schreiben kann und damit auch seine hiesigen Kunden zurücklassen muss. Wer aber beispielsweise über Jobportale tätig ist, muss in der Regel keine Rechnungen ausstellen und ist für das Versteuern seiner Einkünfte selbst verantwortlich. Er befindet sich damit in einer rechtlichen Grauzone, die die vollkommene Steuerfreiheit ermöglicht. Gleiches gilt, wenn man direkt für Kunden arbeitet, die keine Rechnung benötigen.

passfoto torsten montag

Alternative: Offeshore-Firma

Eine Alternative zur vollständigen Gewerbslosigkeit kann die Gründung einer Offshore-Firma sein. Diese sind zum Teil steuerfrei, wenn im Land, in dem sie gegründet wurden, keine Einnahmen generiert werden. Das Rechnungsproblem jedoch bleibt, denn viele europäische Finanzämter erkennen Rechnungen von klassischen Offeshore-Firmen nicht an.

Fazit: Steuerfreiheit ist möglich

Noch ist es – einer Grauzone sei Dank – tatsächlich möglich vollkommen steuerfrei zu leben und zu arbeiten. Dafür muss man aber tatsächlich alle Zelte in der Heimat abbrechen und ständig auf Reisen sein. Wer ohnehin vor hat, die nächste Zeit zu reisen, der kann von der Steuerfreiheit profitieren. Die Motivation sollte jedoch nicht sein, zu reisen um Steuern zu sparen. Es ist übrigens jederzeit problemlos möglich, sich wieder in Deutschland anzumelden. Man muss lediglich mit den Lücken in der Sozialversicherung leben. Für Selbstständige ist das aber oft ohnehin kein großes Problem.

Viel Erfolg wünscht Ihnen

Ihr Torsten vom

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