Nehmen Sie die Personalführung ernst!

Autokratisch? Bürokratisch? Laissez-faire? Oder partizipativ? Wenn es um die Personalführung geht, hilft alle Theorie nichts – für welchen Führungsstil Sie sich auch entscheiden, er muss zu Ihnen, Ihrem Unternehmen und vor allem der Belegschaft passen, wenn er Sie zum Erfolg führen soll. Der Grundstein für die Personalführung wird schon mit dem ersten Mitarbeiter gelegt. Erfahren Sie hier, auf welche Aspekte Sie achten sollten, damit Ihre Mitarbeiter motiviert zur Arbeit gehen und Ihrem Betrieb treu bleiben.

Führungsstil: Bewusste Wahl oder "angeboren"?

Ihr natürlicher Führungsstil wird von Ihren Werten, Ihrer Erziehung und inneren Einstellung beeinflusst. Ebenso wie er "angeboren" ist, ist er aber auch formbar – durch gezielte Weiterbildung und die Beschäftigung mit der Materie. Man unterscheidet eine Vielzahl verschiedener Führungsstile:

  • Autokratisch: Der Chef trifft alle Entscheidungen und diktiert die Marschrichtung. Für die Mitarbeiter bedeutet dies wenig Kreativität und Flexibilität, für das Unternehmen aber auch schnelle Entscheidungen.
  • Charismatisch: Die Führungskraft wird durch ihr Charisma als Vorbild gesehen. Auch sie trifft die Entscheidungen alleine.
  • Bürokratisch: Hier zählen nur die Unternehmensrichtlinien und Dienstanweisungen, die strikt zu befolgen sind. Alles ist bis ins kleinste Detail geregelt – ein eher starres System.
  • Kooperativ/demokratisch: Die Mitarbeiter erhalten die Chance, sich in die Entscheidungsfindung einzubringen. Dadurch dauern Entscheidungen länger und häufig bestehen losere Strukturen. Dies fördert allerdings das selbstständige Arbeiten und die Kreativität der Belegschaft.
  • Laissez-faire: Die Mitarbeiter können tun und lassen, was sie wollen – der Vorgesetzte mischt sich nicht in ihre Arbeit ein. Dieser Führungsstil bietet sich nur dann an, wenn das Team in der Lage ist, sich selbst zu organisieren, und über viel Erfahrung verfügt – andernfalls endet er im Chaos.
  • Situativ: Die Führungskraft wendet verschiedene Führungsstile an, je nach Mitarbeiter und Situation.

In der Praxis wird oft eine Mischung aus mehreren Führungsstilen angewandt, beispielsweise der partizipative Führungsstil. Mitarbeiter dürfen an Entscheidungen teilhaben, aber nicht so weitreichend wie bei der kooperativen Führung – es handelt sich um eine Mischform aus dem autoritären und dem kooperativen Führungsstil.

Die Rolle der Motivation

Früher ging man davon aus, dass Motivation vorrangig vom Gehalt herrührt (was wahrscheinlich in Zeiten, in denen man noch echte Notlagen kannte, sogar zutreffend war). Heute geht jedoch von finanziellen Anreizen nur noch ein kurzer Motivationsschub aus. Ob nun einmalige Prämie oder dauerhafte Lohnerhöhung, der Mitarbeiter ist zwar kurzfristig motivierter, doch lässt dieser Effekt im Regelfall schnell nach. Heute rücken für Arbeitnehmer andere Faktoren in den Mittelpunkt, die für Motivation sorgen.

9 Tipps für einen modernen Führungsstil

Ein moderner Führungsstil, der die Mitarbeiter motiviert und zugleich zum Erfolg führt, basiert auf einer Vielzahl von Einzelfaktoren, die Sie auch ohne Managementstudium oder Führungskräfteseminar ganz einfach selbst verfolgen können:

Tipp #1: Delegieren Sie Aufgaben und übertragen Sie Verantwortung.

Eine Aufgabe zu delegieren ist nicht dasselbe wie "Befehle" zu verteilen. Zum Delegieren gehört, dass der Mitarbeiter die Aufgabe komplett übernimmt und die Verantwortung für deren Erledigung übernimmt, ohne dass er ständig kontrolliert wird. In der Personalführung ist es wichtig, Verantwortung und Kompetenzen gezielt abzugeben. Prüfen Sie gemeinsam das Arbeitsergebnis – loben Sie, wenn die Arbeit gut erledigt wurde, oder üben Sie bei Bedarf sachlich und konstruktiv Kritik.

Tipp #2: Entschärfen Sie Konflikte frühzeitig.

Wo gehobelt wird, fallen Späne. Zwischenmenschliche Konflikte lassen sich im Team nicht vermeiden. Nehmen Sie die ersten Signale ernst und sprechen Sie solche Spannungen offen an. Versuchen Sie, gemeinsam Lösungen zu finden. Lassen Sie Konflikte unbehandelt, schwelen sie unter dem Deckmantel des Schweigens weiter, bis sie schließlich zum unlösbaren Problem werden.

Tipp #3: Vermeiden Sie Machtkämpfe, indem Sie Zuständigkeiten festlegen.

Gerade bei frisch gegründeten Unternehmen müssen die Strukturen und Zuständigkeiten erst wachsen. Dennoch macht es keinen Sinn, wenn der Chef alles an sich reißt und die Mitarbeiter keine eigenen Zuständigkeitsbereiche haben. Legen Sie fest, wer welche Rolle übernimmt und wer wofür zuständig ist. Dann werden Entscheidungen auch besser akzeptiert. Zudem vermeiden Sie interne Machtkämpfe – sonst sind die Mitarbeiter mehr mit Machtdemonstrationen beschäftigt als mit der eigentlichen Arbeit.

Tipp #4: Beziehen Sie Ihre Mitarbeiter in Entscheidungen ein.

Vier Augen sehen mehr als zwei – nach diesem Grundsatz sollten Sie Ihre Mitarbeiter an Entscheidungen teilhaben lassen. Verwechseln Sie dies aber nicht mit einem Rollentausch: Ihre Mitarbeiter sollen Vorschläge und Ideen einbringen, Bedenken oder auch konstruktive Kritik äußern. Als Vorgesetzter treffen aber Sie die Entscheidung, die das Team mittragen sollte.

Tipp #5: Sehen Sie Fehler als Chance.

Eine Atmosphäre, in der Fehler schlichtweg verboten sind und schwere Konsequenzen nach sich ziehen, ist Gift für jede kreative Ader. Natürlich sollten Sie mit Ihrer Belegschaft daran arbeiten, die Fehlerhäufigkeit zu reduzieren. Statt als Problem sollten Sie Fehler aber besser als Chance zur Verbesserung und zum Lernen sehen. So bekommen Ihre Mitarbeiter das Gefühl, dass sie auch dann zu Ihnen kommen können, wenn etwas nicht nach Plan gelaufen ist.

Tipp #6: Fördern Sie Ideen und Vorschläge.

Mitarbeiter, die sich mit ihrer Arbeit identifizieren, haben immer wieder Ideen, wie sie ihre Arbeit optimieren oder das Unternehmen verbessern können. Nehmen Sie solche Vorschläge ernst und prüfen Sie sie auf Herz und Nieren. Lassen Sie den Mitarbeiter stets wissen, wie Sie sich warum entschieden haben, und animieren Sie ihn dazu, auch weiterhin Vorschläge einzureichen. Ein erfolgreich umgesetzter Vorschlag, der zum Beispiel zu finanziellen Einsparungen geführt hat, kann mit einer kleinen Prämie belohnt werden. Ein systematisches, betriebliches Vorschlagswesen lässt sich selbst in kleinen Unternehmen realisieren.

Tipp #7: Führen Sie regelmäßig Gespräche mit Ihren Mitarbeitern.

Laden Sie Ihren Mitarbeiter ein- bis zweimal pro Jahr zum Vieraugengespräch ein. Nehmen Sie sich dafür ausreichend Zeit, sprechen Sie mit ihm über das vergangene Jahr sowie über die kommenden Monate. Legen Sie gemeinsam messbare und realistische Ziele fest. Achten Sie darauf, dass Ihr Mitarbeiter einen angemessenen Redeanteil im Gespräch hat. Bleiben Sie stets sachlich, auch wenn Sie Kritik üben müssen.

Tipp #8: Loben Sie gute Arbeitsergebnisse.

Vielen Menschen fällt es schwer, ein Lob über die Lippen zu bringen. Dabei kann ein einfaches "Gut gemacht, weiter so!" sehr viel bewirken – oft sogar mehr, als es eine finanzielle Prämie könnte. Deshalb sollten Sie gute Leistungen auch mit Worten anerkennen.

Tipp #9: Bleiben Sie freundlich und menschlich

Bei allem Verständnis für den täglichen Stress sollten Sie immer darauf achten, Ihren Mitarbeitern dieselbe Freundlichkeit entgegenzubringen wie Ihren Kunden. Dazu gehört neben einem freundlichen Morgengruß auch ein nettes Lächeln beim Treffen auf dem Flur. Erkundigen Sie sich nach der Familie und denken Sie an den Geburtstag des Mitarbeiters. So sichern Sie sich den Respekt Ihres Teams.

Warum ist Mitarbeitermotivation in der Personalführung so wichtig?

Mitarbeitermotivation ist nicht einfach nur ein Wort – für Ihre erfolgreiche Personalführung ist sie der Mittelpunkt. Motivierte Mitarbeiter …

  • ... erbringen ein hohes Leistungsniveau.
  • ... versorgen Sie regelmäßig mit neuen Ideen zur Optimierung des Unternehmens oder der Produktpalette.
  • ... sind freundlich zu Ihren Kunden und fördern die Verkaufszahlen.
  • ... leisten bereitwillig Überstunden, wenn sie erforderlich sind.
  • ... sprechen positiv über Ihr Unternehmen und lassen es somit für potenzielle Kunden ebenso für Bewerber attraktiv erscheinen.
  • ... kündigen seltener und bleiben dem Betrieb treu.
  • ... fehlen seltener aufgrund einer Arbeitsunfähigkeit.

Jetzt ist es an Ihnen: Seien Sie Ihren Mitarbeitern ein Chef, auf den sie sich verlassen können, und der eine klare Linie vorgibt, ohne dabei zu streng und unflexibel zu sein. Der Rest ergibt sich im Laufe der Zeit von selbst.

Meine Name ist Torsten Montag, ich bin Betriebswirt, Internetcoach und betreibe seit 2004 das Gründerlexikon. Ich habe bereits mehr als 200 Unternehmern geholfen, einen guten Start hinzulegen und erfolgreich mit ihrem Business zu wachsen.

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