Pauschalvergütung oder Stundensatz: Abrechnung für Dienstleister und Handwerker

Wenn eine Handwerkerleistung oder eine Dienstleistung angeboten werden soll, sind sich Auftraggeber und -nehmer häufig darüber uneinig, welcher Abrechnungsmodus vereinbart werden soll. Beide Parteien verfolgen nämlich dieselben, sich gleichzeitig entgegenstehenden Ziele: ein möglichst geringes Risiko.

Laptop, Brille, Taschenrechner, Geld auf einem Holztisch
Bild: yourschantz / pixabay.com

Das Problem: Risikominimierung auf beiden Seiten

Sowohl der Auftraggeber als auch der Auftragnehmer möchte sein individuelles Risiko minimieren. Das Risiko liegt insbesondere darin, dass der Aufwand höher ausfallen könnte als geplant. Der Auftraggeber möchte sicherstellen, dass er nicht zu viel bezahlt und nicht plötzlich von einer überhöhten Endrechnung überrascht wird. Deshalb wird er immer darauf aus sein, einen festen Pauschalpreis auszuhandeln, auf den er sich zu 100 Prozent verlassen kann.

Der Auftragnehmer hingegen möchte natürlich nicht draufzahlen, wenn etwas Unvorhergesehenes hinzukommt (z. B. Nacharbeiten, weitere Entwürfe oder Korrekturschleifen). Ein Pauschalpreis ermöglicht es ihm nicht, einen entstandenen Mehraufwand flexibel zu berechnen. Deshalb wünschen sich Kreative ebenso wie Handwerker eher eine Abrechnung auf Basis eines Stunden- oder Tagessatzes. Der Kunde ginge damit aber das Risiko ein, dass die Rechnung am Ende deutlich teurer wird als geplant.

Arten der Abrechnung für Selbstständige und Handwerker

Betrachten wir zunächst, welche Preisvarianten Ihnen zur Verfügung stehen:

  • Festpreis: Sie definieren die zu erledigenden Aufträge möglichst genau und legen hierfür einen Festpreis an, von dem der Auftragnehmer nicht abweichen darf. Für den Auftraggeber bietet diese Variante besonders viel Sicherheit. Für den Auftragnehmer lässt der Festpreis allerdings keinen Spielraum. In der Regel wird der Unternehmer in eine Pauschalvereinbarung deshalb einen Risikoaufschlag einrechnen. Für den Auftraggeber wird die Leistung deshalb unter Umständen teurer als sie es hätte sein müssen.
  • Stundensatz: Beim Stundensatz rechnet der Dienstleister nach tatsächlichem Aufwand ab, wobei Opens internal link in current windowjede Stunde einen festgelegten Preis kostet. Für den Auftragnehmer ist diese Variante besonders transparent und flexibel, er zahlt nicht drauf. Der Kunde hat hier keine Chance, den Aufwand realistisch abzuschätzen.
  • Tagessatz: Der Tagessatz ist im Endeffekt eine Ableitung des Stundensatzes, denn er errechnet sich durch die Multiplikation des Stundensatzes mit der Arbeitszeit pro Tag. Meist wird der Stundensatz für die Berechnung eines Tagessatzes aufgrund der Vollauslastung ein wenig nach unten korrigiert. Für den Auftraggeber ist er ähnlich intransparent wie der Stundensatz. Für den Auftragnehmer bietet er die Chance, leichter einen Zeitpuffer einzukalkulieren.
passfoto torsten montag

Hinweis

Bei der Abrechnung auf Basis eines Stunden- oder Tagessatzes ist es üblich, einen Kostenvoranschlag zu erstellen. Davon darf der Auftragnehmer allerdings um Opens internal link in current window10 bis 20 Prozent auch nach oben abweichen. Er ist deshalb nur eine grobe Orientierungsrichtung.

Beispiel: Logoerstellung beim Grafiker

Das Ganze lässt sich leichter an einem Beispiel verdeutlichen. Ein Unternehmer möchte ein neues Firmenlogo kreieren lassen und beauftragt hierfür einen Grafiker mit der Erstellung eines Firmenlogos sowie ggf. zwei weiteren Entwürfen. Der Auftraggeber hat ein Budget von 2.000 Euro, das er keinesfalls überschreiten möchte. Der Auftragnehmer kalkuliert nun zunächst seinen zeitlichen Aufwand. Er geht davon aus, dass er für jedes Logo inklusive aller Vor- und Nacharbeiten einen Aufwand von 9 Stunden haben wird, insgesamt also 27 Stunden. Er hat nun mehrere Kalkulationsmöglichkeiten:

  • Stundensatz: 27 Stunden x 70 Euro Stundensatz = 1.890 Euro (Chance, bis zu 20 Prozent mehr zu verrechnen bei Mehraufwand, also bis zu 2.268 Euro)
  • Tagessatz: 5 Arbeitstage x 450 Euro = 2.250 Euro
  • Pauschalvereinbarung: 2.000 Euro (etwas mehr als der Stundensatz, um ein wenig Puffer für Unvorhergesehenes zu haben)

Am attraktivsten ist für den Auftragnehmer meist die Variante Tagessatz, da er hier am einfachsten einen Puffer einkalkulieren kann. Mit den 1.890 Euro läge der Auftragnehmer sogar im Budget des Auftraggebers – doch was passiert, wenn er nun doch länger braucht? Dieser Unsicherheitsfaktor ist es, der die Preisverhandlungen erschwert.

Ein möglicher Lösungsweg: Der nach unten offene Festpreis

Eine wirkliche Lösung für dieses Problem gibt es nicht – es wird immer auf eine Verhandlung zwischen beiden Parteien hinauslaufen. Dennoch besteht eine Möglichkeit, wie die Zusammenarbeit für beide Seiten fair ablaufen kann. Der Handwerker oder Dienstleister kalkuliert für das Angebot zunächst die Anzahl der Arbeitsstunden, die er regulär brauchen wird, um den Auftrag zu erledigen. Anschließend schlägt er einen Sicherheitszuschlag auf, damit er auch bei unvorhergesehenen Geschehnissen noch agieren kann. Dieser Preis ist nun fix, es läuft also auf den ersten Blick auf eine Pauschalvereinbarung hinaus. Braucht der Dienstleister noch mehr Stunden, ist das sein Problem.

Allerdings rechnet er rein nach tatsächlich angefallenem Arbeitsaufwand ab. Ist der Aufwand also geringer, darf sich der Kunde über ein günstigeres Honorar freuen. Ist er höher als trotz Sicherheitszuschlag kalkuliert, kommt der vereinbarte pauschale Maximalpreis zum Tragen. So verteilt sich das Risiko gewissermaßen auf zwei Schultern und keiner der Partner ist über die Gebühr benachteiligt. Diese Vereinbarung bedarf allerdings auch eines entsprechenden Vertrauensverhältnisses: Der Auftraggeber muss nämlich darauf vertrauen, dass der Auftragnehmer ehrlich ist und tatsächlich nur nach angefallenen Stunden abrechnet.

Auf das obige Rechenbeispiel bezogen würde der Grafiker nun 30 Stunden (27 Stunden + 3 Stunden Sicherheitszuschlag) zu je 70 Euro, also 2.100 Euro als Honorar anbieten. Tatsächlich ist er bei dem dritten Logo schneller und braucht nur 26 Stunden. Der Kunde bezahlt also im Endeffekt nur 1.820 Euro.

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