GmbH-Haftung – Geschäftsführer in der Wissensfalle

Die Geschäftsführer der GmbH sind nicht annähernd so sicher vor der Haftung mit dem Privatvermögen, wie manche zu glauben scheinen. Vielmehr hängt die Frage, ob die Haftung beschränkt ist oder vollumfänglich erfolgt, von der Frage ab, ob der Geschäftsführer seinen Pflichten nachgekommen ist.

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Urteil des OLG: Delegieren befreit nicht

Ein Urteil des OLG Schleswig-Holstein (Az. 5U 60/09) sorgte im Bereich der GmbH-Geschäftsführer-Haftung für Furore. Es ging in dem Fall darum, ob sich ein Geschäftsführer von seinen Haftungspflichten befreien kann, wenn er Aufgaben wie die Erstellung eines Jahresabschlusses an einen Steuerberater delegiert. Dies wurde von den Richtern klar verneint. Ihrem Urteil gemäß muss ein Geschäftsführer in der Lage sein, die vom Steuerberater erstellte Jahresbilanz auf ihre Plausibilität und die Richtigkeit der Kernaussagen hin zu überprüfen. Wenn er die erforderlichen steuer- und handelsrechtlichen Kenntnisse nicht besitzt, so ist der verpflichtet, sich diese anzueignen, wenn er das Amt eines Geschäftsführers ausüben möchte.

„Aus dem Schneider“ ist der Geschäftsführer nur dann, wenn er den durch den Steuerberater erstellten Jahresabschluss umfassend genug geprüft hat.

Folgen des Urteils

Dieses Urteil hat weitreichende Folgen für die Haftung des GmbH-Geschäftsführers und ist für die Praxis maßgeblich geworden. Es gilt nicht nur für die Erstellung von Jahresabschlüssen. Auch Steuerrückstände oder unkorrekt abgeführte Sozialversicherungsbeiträge sowie Verstöße gegen Pflichtveröffentlichungsvorschriften können für den GmbH-Geschäftsführer zum Fallstrick werden, wenn er seinen Kontrollpflichten nicht nachkommt.

Es empfiehlt sich daher, stets eine Kontrolle durchzuführen. Es sollte mit dem Steuerberater ein Gespräch über die Erstellung des Abschlusses durchgeführt werden, wobei dieses Gespräch am besten schriftlich protokolliert wird. Wenn der Geschäftsführer Bedenken hat, ob die jeweilige Aufgabe korrekt erledigt wurde, sollte er sich darum bemühen, den Sachverhalt durch einen unabhängigen Dritten kontrollieren zu lassen, bevor er sich in das Fahrwasser der Haftung mit seinem Privatvermögen begibt.



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