Die Reaktionen der Finanzämter

Im großen Finanzämter-Test, der vom Management-Magazin Impulse durchgeführt wurde, wurden 575 deutsche Finanzämter getestet. Vor allem das Maß der Strenge, mit der die Finanzbeamten agieren, wurde dabei beurteilt. In diesem letzten Teil der Serie möchten wir beleuchten, wie die Finanzämter auf ihre jeweilige Ranking-Position reagiert haben.

Bild: PublicDomainPictures / pixabay.com

Die verkehrte Welt

Scheinbar sind sich die Finanzamtchefs selbst nicht wirklich klar, welche Werte nun am erstrebenswertesten sein sollten. Das Finanzamt Annaberg, das in der Studie den ersten Platz belegte und damit als strengste Finanzbehörde Deutschlands gilt, ist beispielsweise mit seiner Platzierung sehr zufrieden. Es interpretiert Strenge mit Gerechtigkeit und auch mit Unbestechlichkeit. Der Finanzminister Sachsens äußerte sich positiv darüber, dass Sachsen im Länder- Ranking den zweiten Platz belegt hatte. Er hätte es eher als schlimm empfunden, wenn „seinen“ Finanzbeamten eine zu geringe Schärfe bescheinigt worden wäre.

Interessant ist dabei, dass auch der Tabellenletzte, das Finanzamt Stuttgart III, mit diesem Ergebnis vollauf zufrieden ist. Der baden-württembergische Finanzminister freute sich darüber, dass seine Finanzämter so bürgernah seien. Baden-Württemberg landete auch im Gesamtranking der Bundesländer auf dem letzten Platz.

Fraglich ist jedoch, welche Position im Ranking denn nun am erstrebenswerten wäre? Am besten wäre wohl eine Position im guten Mittelfeld. Eine zu geringe Härte bei der Beurteilung von Steuererklärungen kann häufig Ungerechtigkeiten bedeuten, weil die Finanzbeamten versuchen, es allen recht zu machen. Ein zu strenges Vorgehen kann jedoch auch dazu führen, dass die Steuerpflichtigen unzufrieden werden, da mögliche Spielräume durch die Finanzbeamten nicht ausgenutzt werden.

Was das alles für Sie bedeutet

Seit der Durchführung der Studie scheint sich nicht allzu viel geändert zu haben. Die Finanzämter scheinen zu versuchen, ihrer ermittelten Position gerecht zu werden. Die strengen Finanzämter sind streng geblieben, die „laschen“ Finanzämter sind auch nicht strenger geblieben.

Vor allem die konstatierten Unterschiede zwischen ost- und westdeutschen Finanzämter geben Anlass zum Nachdenken. Experten sehen diese als nachteilige Standortfaktoren für die ostdeutschen Industrie- und Handelsstandorte. Dies kann unter Umständen dazu führen, dass sich diese Standorte für potentielle Investoren noch unattraktiver präsentieren als es eh schon der Fall ist.

Unternehmen (und in den meisten Fällen auch Privathaushalten) können die Informationen des Rankings auch für ihre eigenen Zwecke nutzen. Wer seinen Sitz in Regionen hat, in denen eher strenge Finanzämter angesiedelt sind, sollte noch mehr Wert darauf legen, jedes Steuerschlupfloch auszunutzen. Vor allem Gründer sollten sich genau überlegen, wo sie ihr Unternehmen eröffnen möchten. Denn gerade wenn man sich die Unterschiede zwischen den Erst- und Letztplatzierten im Ranking ansieht, wird schnell klar, dass hier der Spielraum der Finanzbeamten bei der Beurteilung der Steuererklärungen sehr groß ist.

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