Am von Ruben in Urteile geschrieben
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Keine Abmahnung erforderlich

Fristlose Kündigung nach eigenmächtigen Spontanurlaub gerechtfertigt

Ein Arbeitnehmer, der eigenmächtig und nicht abgesprochen Urlaub nimmt, kann vom Unternehmer fristlos gekündigt werden. Eine Abmahnung muss dieser zuvor nicht aussprechen. Eine Arbeitnehmerin hatte spontan und ohne Rücksprache per E-Mail dem Unternehmen geschrieben, dass sie sich derzeit auf Mallorca befindet und eine Woche Spontanurlaub nimmt. Das LAG Düsseldorf sieht dies als erhebliche Verletzung der vertraglichen Arbeitspflichten.

Spontanurlaub rechtfertigt fristlose Kündigung
Einfach mal spontan in den Urlaub fahren? Selbstständige können es sich “leisten” - Arbeitnehmer nicht...
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Düsseldorf, 06. August 2018 - Eine Angestellte war seit circa 3 Jahren bei der Firma beschäftigt. Sie hatte Berufsbegleitend ein Studium absolviert und für die Prüfung zwei Tage Urlaub genehmigt bekommen (für Donnerstag und Freitag, den 22.06 und 23.06.). Am Montag schrieb sie gegen Mittag dem Vorgesetzten, dass sie die Prüfung bestanden habe und ihr Vater sie mit einem Urlaub auf Mallorca überraschte, einem der Lieblingsurlaubsziele der Deutschen. Sie kann daher die ganze Woche nicht auf Arbeit erscheinen (vom 26.06. bis 30.06.). Gleichzeitig entschuldigte sie sich für die “Überrumpelung”.

Der Unternehmer antwortete ihr noch am selben Tag, dass sie unbedingt auf Arbeit erscheinen müsse. Er bot ihr an, den Freitag (30.06.) sowie den darauffolgenden Montag und Dienstag (03.07. und 04.07.) Urlaub zu nehmen. Die Arbeitnehmerin schrieb daraufhin wieder, dass sie sich bereits auf Mallorca befindet und keine Möglichkeit hat, auf Arbeit zu kommen. Was sie dann auch nicht tat. Auch am Montag, de 03.07. erschien sie nicht auf Arbeit.

Nach Rücksprache mit dem Betriebsrat wurde sie daraufhin fristgerecht zum Ende August gekündigt. Die Arbeitnehmerin ihrerseits verklagte das Unternehmen.

LAG: Auch fristlose Kündigung wäre gerechtfertigt gewesen

Das Landesarbeitsgericht führte aus, dass ein eigenmächtig in Anspruch genommener Urlaub an sich sogar eine fristlose Kündigung gerechtfertigt, die hier ja gar nicht ausgesprochen wurde. Die Angestellte gab klar zu erkennen, dass sie an ihrer Entscheidung festhält und nicht bereit ist, wieder auf Arbeit zu erscheinen.

Die Angestellte behauptete sogar, dass das Unternehmen bereits im Vorfeld einer kurzfristigen Verlängerung des Urlaubs mündlich zugestimmt hätte. Die Richter machten jedoch klar, dass sie das nicht glauben können. Grund ist, sie habe in ihren E-Mails gar nicht auf diese Abstimmung Bezug genommen. Wäre dem aber der Fall gewesen, hätte sie ihren Vorgesetzten doch sicherlich daran erinnert. Letzten Endes kam das Gericht im Urteil 8 Sa 87/18 zum Schluss, dass die Angestellte die falschen Prioritäten setzte und ihre vertraglichen Pflichten zur Arbeit beharrlich verletzte.

Der hier beschriebene Fall ist mehr oder wenig eindeutig und für Unternehmer leicht nachvollziehbar. In Sachen Mitarbeiterführung und Urlaub müssen Unternehmer jedoch allerhand berücksichtigen. Gelegentlich kann ein eigenmächtig genommener Urlaub auch rechtlich in Ordnung sein, wie das Online Portal e-recht24 ausführt.

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