Am von Ruben in Studien geschrieben
Lange Lieferzeiten & Unsicherheiten

Der Online-Handel in der Coronakrise: 70% aller Online-Shops betroffen

Man könnte meinen, dass die Deutschen ihre Käufe nun mehr und mehr ins Internet verlagern. Doch laut einer Studie des Händlerbundes erwarten über 50% der befragten Online-Händler Einbußen aufgrund der Auswirkungen des Coronavirus. Welche Gründe hat das und was müssen Online-Händler in puncto Lieferzeit und AGB aus rechtlicher Sicht beachten?

Studie des Händlerbundes: Online-Handel in der Coronakrise
Online-Handel in der Coronakrise: Wie sieht die Zukunft aus?
© Händlerbund / www.haendlerbund.de

Leipzig, 21. April 2020 - Der Händlerbund hat in einer Studie von Anfang März dieses Jahres aufgezeigt, was die Ursachen dafür sind, dass aufgrund der Coronakrise mehr als die Hälfte aller Online-Händler davon ausgehen bzw. bereits spüren, dass ihre Umsätze zurückgehen. Die Gründe sind im Wesentlichen die Folgenden:

  • Kaufkraft der Verbraucher sinkt
  • Nachlassende Kaufbereitschaft der Verbraucher
  • Absage von Veranstaltungen, wie beispielsweise Messen
  • Probleme bei Zulieferern

Nur wenige Online-Händler spüren eine Zunahme ihres Geschäfts in der Coronakrise. Hier handelt es sich offensichtlich um Unternehmen, deren Angebote aktuell besonders stark gefragt sind wie Lebensmittel, Hygieneartikel oder Arzneimittel.

Doch in vielen anderen Bereichen sind Verbraucher zunächst vorsichtig und versuchen weniger Geld auszugeben. Die Verlagerung von Käufen in die Zukunft stellt auch Online-Unternehmer vor großen Herausforderungen.

Ein nicht zu unterschätzender Aspekt sind Probleme bei Zulieferern oder Partnern. Eine ganze Reihe von Firmen bezieht Waren aus China. Hier werden Container derzeit entweder gar nicht oder nur mit deutlich längerer Versandzeit verschifft. Ein zweites Hindernis sind Grenzschließungen oder Restriktionen an Grenzübergängen. Auch aufgrund dieser Verkettungen geraten Online-Händler in Schwierigkeiten.

Das wiederum führt zu neuen Fragen wie: Was muss ich rechtlich beachten, wenn ich aufgrund der Coronakrise nicht rechtzeitig oder gar nicht liefern kann?

AGB, Lieferzeit & Schadenersatz: Was aus rechtlicher Sicht beachten?

Auch in puncto Recht gibt der Händlerbund Antworten auf die wichtigsten Fragen. Da, wie bereits erwähnt, Online-Händler aufgrund von Zulieferer-Schwierigkeiten ebenfalls Probleme beim rechtzeitigen Versand bekommen, entstehen Fragen wie zum Beispiel, ob der Kunde Schadensersatz verlangen kann oder ob man die AGB anpassen sollte.

Keine Anpassungen der AGB wegen Corona notwendig

Eine separate Corona-Klausel in den AGB ist nicht erforderlich. Sollte es zu Lieferschwierigkeiten kommen, sind Online-Händler durch das Gesetz bereits gut abgesichert. Wenn es einfach nicht möglich ist, die Bestellung zu liefern oder nur mit einem deutlichen Missverhältnis zum Interesse des Käufers, dann spricht das Gesetz von Unmöglichkeit. In diesem Fall kann der Verkäufer die Lieferung verweigern. Beide Vertragsparteien sind dann von ihren Pflichten befreit. Bereits geleistete Zahlungen müssen natürlich erstattet werden.

Lieferzeiten anpassen und Schadensersatz des Kunden

Händler die wissen, wann eine bestellte Ware wieder geliefert werden kann, können ihre Lieferzeiten anpassen. Dabei sollten Unternehmer allerdings beachten, dass bei Produkten des täglichen Bedarfs eine zu lange Lieferzeit rechtswidrig ist (das Landgericht Bochum befand 3 Wochen als zu lange). In dem Fall ist es besser, die Waren derzeit einfach aus dem Sortiment zu nehmen bzw. sie im Online-Shop zu deaktivieren.

Schadensersatz aufgrund der Coronakrise können Verbraucher nicht einklagen. Es gelten dabei folgende Grundsätze: Beruft sich der Händler auf Unmöglichkeit und konnte bei Vertragsabschluss nicht absehen, dass er die Ware, beispielsweise aufgrund von Lieferengpässen, nicht liefern kann, so steht dem Verbraucher kein Schadensersatz zu.

Konnte der Händler die Umstände jedoch absehen, kann sich der Unternehmer zwar dennoch auf Unmöglichkeit berufen, muss allerdings einen Schadensersatz zahlen.

Lesen Sie hier, was Sie beachten sollten, wenn Sie mit Ihrem Onlineshop Geld verdienen möchten.

Wie wird die Zukunft des Online-Handels aussehen?

Vermutlich werden in Zukunft, auch nach der Coronakrise, mehr und mehr Menschen online einkaufen. Dies betrifft vor allem auch Waren, die man bis jetzt üblicherweise in Supermärkten oder Drogerien kauft. Da die Einschränkungen vermutlich noch einige Wochen andauern werden, gewöhnen sich Verbraucher an dieses Einkaufsverhalten, was für einige Verbraucher teilweise auch deutlich praktischer ist. Wahrscheinlich werden auch Supermärkte in Zukunft noch verstärkter auf den Versand von Lebensmitteln setzen.

Es werden Online-Unternehmen, unabhängig von der Branche, durch die Coronakrise Insolvenz anmelden. Da Verbraucher ihre Käufe und Investitionen aber nur zeitlich nach hinten verschieben und nicht gänzlich aufgeben, übernimmt dann die Konkurrenz, die die Krise übersteht, das Geschäft. Dazu gehören die großen Player wie Amazon. Aber auch kleinere Unternehmen, die wirtschaftlich gesund sind und eine gewisse Durststrecke überleben können. Eine Reduzierung der Anzahl an Online-Shops ist die Folge, so unsere Ansicht.

Hier geht´s zur Studie vom händlerbund.

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