Am von Torsten in kurz notiert geschrieben und am 08.06.2017 um 13:33 aktualisiert
Lehrlingsmangel

Azubimangel: “Es fehlt vorn und hinten” - Was fehlt wirklich?

Nachrichten wie “Lehrlingsmangel statt Lehrstellenmangel” haben in letzter Zeit häufiger die Runde gemacht. Auch das Fachkräfte in bestimmten Teilen der Wirtschaft fehlen, ist sicherlich nicht neu. Laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IU) hat sich die Zahl der unbesetzten Lehrstellen in den letzten 10 Jahren verdreifacht.

Azubi und Meister in einer Kfz-Werkstatt
© Stefan Bayer / pixelio.de

Berlin, 08. Januar 2015 - Woran liegt das? Hat es damit etwas zu tun, dass die Wirtschaft brummt und es einfach zu wenig Jugendliche gibt? Nur teilweise. Die Antwort ist natürlich ein wenig komplexer. Das IU untersuchte die Zusammenhänge und stellte fest, dass es hauptsächlich auf 2 Aspekte ankommt:

    1. Die Region

Je nach Region unterscheidet sich das “Ausmaß” des Lehrlingsmangels. In den neuen Bundesländern blieben viele Stellen unbesetzt, weil die Zahl der Schulabgänger sank. In Bayern hingegen besteht aufgrund des Wirtschaftswachstums eine erhöhte Nachfrage nach Azubis.

    1. Das Berufsfeld

Das Berufsumfeld spielt eine weitere wichtige Rolle, ob Unternehmer leichter oder schwerer Azubis finden. Während es im Berufsfeld “Technische Forschung und Entwicklung” kaum Probleme gab, mussten in der Lebensmittelbranche (beispielsweise Köche oder Bäcker) 2014 fast 20 Prozent der Lehrstellen unbesetzt bleiben, da man nicht genügend geeignete Bewerber fand. Interessanterweise gibt es auch im Bereich “Verwaltung” kaum Probleme mit geeigneten Azubis.

Und da taucht auch ein tiefgreifenderes Problem auf: Es mag Regionen geben, wo es Schlicht und Ergreifend einfach zu wenig Bewerber “mangels Masse” gibt. Doch häufig klagen Unternehmer über geeignete Bewerber. Im oben genannten Artikel “Lehrlingsmangel statt Lehrstellenmangel” werden 8 Gründe angeführt, woran es bei Bewerbern mangelt.

Was bedeutet das für Existenzgründer?

Existenzgründer sehen sich jetzt vielleicht nicht unmittelbar mit dieser Herausforderung konfrontiert. Doch in Zukunft wird dieses Problem auch auf sie zukommen. Der eine oder andere Jungunternehmer ist sicherlich bereits jetzt schon von dieser Problematik betroffen. Jetzt könnte man meckern über die mangelnde Bereitschaft vieler Jugendliche sich für’s Unternehmen einzusetzen. Doch besser wird’s dadurch auch nicht. Wichtiger ist, den Menschen dahinter zu verstehen und darauf aufbauend zu agieren. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass jede Generation von bestimmten Merkmalen geprägt ist. So wurde die Generation nach dem 2. Weltkrieg als “Baby-Boom-Generation” bezeichnet. Menschen die zwischen 1980 und 1999 geboren wurden, werden als “Generation Y” bezeichnet. Laut Wikipedia ist diese Generation wie folgt geprägt:

“Sie zeichnet sich durch eine technologieaffine Lebensweise aus… Nicht erst nach der Arbeit beginnt für die Generation Y der Spaß, sondern sie möchte schon während der Arbeit glücklich sein – durch einen Job, der ihr einen Sinn bietet.”

Das erklärt auch, warum es in technischen Berufsfeldern kaum Probleme gibt, geeignete Bewerber zu finden. Viele Bewerber um Azubistellen gehören heute jedoch schon der “Generation Z” an (Geburtenjahr ab ca. 1995). Ein Artikel der Computerwoche sagt dazu: “Die Generation Z will ihr Privatleben. ... Da ist vorstellbar, warum "Führungsverantwortung" für diese Gruppe ein Unwort ist: Sie will weder die psychologischen Probleme der Führung auf sich nehmen, noch nach 17 Uhr an ihre "Verantwortung" für irgendetwas oder irgendjemanden erinnert werden.” Weiter heißt es: “Eine vielsagende Studie aus Australien zum Thema Generation Z trägt den Titel "Don’t manage me - understand me". Hatte die Generation Y noch auf beruflichen Aufstieg spekuliert, reicht es der Generation Z aus, gelegentlich gelobt zu werden. Was die junge Generation partout nicht will, ist eine väterliche (oder mütterliche) Führungskraft, die sich aus "innerer Weisheit" heraus befleißigt fühlt, das Talent der Mitarbeiter zu managen. Die Generation Z will auch … schlicht ein Festgehalt mit Wachstumsgarantie [keine variable Vergütung].”

Worauf sollten sich Existenzgründer einstellen?

Dieses Wissen können und sollten sich Existenzgründer und Unternehmer zu Nutze machen. Wie? Ein ganz simples Beispiel:

  • Flexible Arbeitszeiten
  • Vergütung bei dem sich Leistung lohnt
  • Schnelle Führungsverantwortung

Diese Punkte mögen auf den ersten Blick attraktiv klingen. Doch mit dem Wissen im Hinterkopf, dass die “Generation Z” im Allgemeinen auf diese Aspekte wenig Wert legt, sollten Unternehmer ihre Firma wie folgt darstellen:

  • Geregelte Arbeitszeiten (Unter “Flexibel” wird häufig verstanden: 24/7 Bereitschaft für das Unternehmen)
  • Festgehalt
  • Aufstiegsmöglichkeiten auch jenseits von Führungskarriere

Jetzt wird auch verständlich, warum es im Berufsfeld “Verwaltung” kaum Probleme an geeigneten Bewerbern gibt. Für die “Generation Z” sind das die idealen Arbeitsbedingungen. Wenn Unternehmer diese Aspekte beachten, erscheint ihr Unternehmen für Auszubildende attraktiver. Existenzgründer werden leichter geeignete Bewerber finden. Kleinere Unternehmen haben diesbezüglich sogar einen Vorteil gegenüber großen Konzernen. Sicher, ein Existenzgründer oder Jungunternehmer kann nicht mit dem Fachwissen und den finanziellen Ressourcen mithalten. Doch dafür sind sie wesentlich flexibler! Kleinere Unternehmen müssen sich nicht an starre Strukturen und Programme halten, sondern können ganz gezielt auf jeden Mitarbeiter individuell eingehen. Unternehmer sollten auch nicht nur Azubis aus ihrem direkten lokalen Umfeld suchen, sondern einen Schritt weiter gehen. Welche Möglichkeiten es noch gibt, kann auch hier nachgelesen werden: So finden Sie Auszubildende auf unkonventionelle Art und Weise.

Noch einen Schritt weiterdenken!

Das Verständnis, wie junge Menschen denken ist nicht nur für das Personalmanagement wichtig. Dieses Wissen hilft auch enorm bei der Definition und Einschätzung einer potentiellen Zielgruppe! Unternehmer, die sich detailliert informieren, wissen was ihre Kunden von morgen (teilweise auch schon von heute!) wollen. Da die Kommunikationspolitik ein wesentlicher Pfeiler im Marketingmix ist, sollten Existenzgründer sich dieses Wissen ebenfalls zu Nutze machen. An dieser Stelle noch ein kurzer Tipp! Tendenziell besteht immer eine große Konkurrenz um junge Kunden. Unternehmer und Existenzgründer die junge Menschen als Zielgruppe haben, sollten daher eher versuchen, sich in einer Marktnische (oder in einem Markt mit wenig Konkurrenz) zu bewegen.

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