Am von Torsten in kurz notiert geschrieben
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Azubimangel

Lehrlingsmangel statt Lehrstellenmangel

Noch vor nicht allzu langer Zeit hieß es in einschlägigen Schlagzeilen und Zeitungsberichten: „Lehrstellenmangel – Deutsche Schulabgänger stehen auf der Straße!“. Heute haben sich die Titel der Lehrstellenberichte geändert, denn inzwischen sind es nicht mehr die Lehrstellen, die in Handwerk, Einzelhandel, Industrie, Gastronomie und im Dienstleistungsgewerbe fehlen, sondern die Auszubildenden.

Karrikatur: Berufsbilder: Friseur
© Stefan Bayer / pixelio.de

Erfurt, 05.06.19 - Schulabgänger gibt es mehr als genug – doch leider sind immer mehr Schulabgänger nicht ausbildungsfähig, wenn sie ihre Schulausbildung beenden.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Industriebetrieb bildet in mehreren technischen Berufen aus, vertreten sind Industriemechaniker, Zerspanungsmechaniker und Maschinen- und Anlagenführer. Jedes Jahr sollen zehn neue Auszubildende eingestellt werden. Das Unternehmen genießt einen Ruf als hervorragender Ausbilder. Und trotzdem ist seit Jahren ein ganz bestimmter Trend erkennbar: Die Lehrstellen bleiben immer mehr unbesetzt oder werden „in der Not“ mit Bewerbern besetzt, die nicht optimal geeignet sind.

Woran das liegt? Hier einige Gründe, an denen die Einstellung von Lehrlingen in der Praxis scheitert:

  • Es hapert bereits an den elementaren Grundlagen des Schulstoffs wie einer adäquaten Rechtschreibung, Grundkenntnissen der Mathematik oder gar am Lesen.
  • Jugendliche legen teilweise sehr schlechte Umgangsformen an den Tag.
  • Oft ist keine Verlässlichkeit gegeben – Termine werden „vergessen“, Berufsschulunterrichte geschwänzt oder Berichtshefte nicht geschrieben.
  • Viele Jugendliche sind nicht bereit, sich in die Strukturen eines Betriebs einzuordnen oder sich gar „befehlen“ zu lassen.
  • Wichtige Schlüsselqualifikationen wie Toleranz, Lernbereitschaft, Durchhaltevermögen oder Konzentrationsfähigkeit fehlen.
  • Nur allzu oft scheitert die Einstellung tatsächlich an einem mangelnden Interesse daran, ob man eine Lehrstelle bekommt.
  • Besonders die Kinder von Mitarbeitern verlassen sich darauf, dass die Eltern sie schon im Betrieb „unterbringen“, wenn ihnen anderweitig keine Stelle zugeflogen kommt.
  • Eingestellte Jugendliche sagen kurz vor Ausbildungsbeginn ab oder erscheinen einfach nicht zum ersten Arbeitstag. Ein Ersatz ist auf die Schnelle oft nicht mehr zu finden.

Warum Stellen nicht besetzt werden

Die DIHK führte vor einigen Jahren online eine Befragung unter Mitgliedsunternehmen durch und wollte wissen, warum sie ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen konnten. Die Ergebnisse sind erschütternd:

  • 71% der Unternehmen klagten über zu wenige geeignete Bewerbungen.
  • Bei 23% kam es soweit, dass bereits eingestellte Auszubildende ihre Lehrstelle nicht antraten.
  • In 16% der befragten Unternehmen kündigten die Lehrlinge ihre Ausbildungsstelle noch während der Probezeit.
  • 8% der Unternehmen sahen sich damit konfrontiert, überhaupt erst gar keine Bewerbungen bekommen zu haben.

Was das für Sie bedeutet

Vielleicht ist Ihr Unternehmen von der Problematik auch schon betroffen – stellen Sie sich zumindest darauf ein, dass dieses Schicksal in Zukunft auch Ihr Unternehmen erreichen wird. Wichtig ist daher, dass Sie bereits heute damit beginnen, dieser Entwicklung entgegenwirken.

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Azubimangel: “Es fehlt vorn und hinten” - Was fehlt wirklich?

Nachrichten wie “Lehrlingsmangel statt Lehrstellenmangel” haben in letzter Zeit häufiger die Runde gemacht. Auch das Fachkräfte in bestimmten Teilen der Wirtschaft fehlen, ist sicherlich nicht neu. Laut einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln (IU) hat sich die Zahl der unbesetzten Lehrstellen in den letzten 10 Jahren verdreifacht.