Steuerzahlungen aufschieben: Diese Möglichkeiten haben Sie

Das vergangene Jahr hat uns gezeigt, dass die Auswirkungen der Krise auch in Deutschland zahlreiche Unternehmer sehr stark getroffen haben. Das betrifft vielleicht auch Sie. Suchen Sie nach Möglichkeiten, Ihre finanzielle Lage zu verbessern, so können Sie bei der Steuer ansetzen. Denn das Finanzamt gewährt verschiedene Möglichkeiten, Steuerzahlungen aufzuschieben, wenn hierbei bestimmte Voraussetzungen erfüllt werden.

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Stundung von Steuerzahlungen

Eine dieser Möglichkeiten ist die Stundung, die in § 222 der Abgabenordnung (AO) geregelt ist. Diese muss jedoch beantragt werden. Eine Stundung ist möglich, wenn zum Zeitpunkt des Antrags bereits klar ist, dass die Steuer zum Fälligkeitstermin nicht entrichtet werden kann. Dafür müssen jedoch eindeutige Stundungsgründe durch Sie als Unternehmer nachgewiesen werden. Ebenfalls müssen Sie stundungswürdig sein und der Steueranspruch darf nicht gefährdet werden. Die genauen Voraussetzungen schildern wir Ihnen im Folgenden:

Gründe für die Stundung

Die Stundungsgründe gliedern sich in sachliche und persönliche Stundungsgründe. Sachliche Stundungsgründe liegen dann vor, wenn Sie nicht ausreichend Zeit hatten, sich auf die Zahlung der Steuern vorzubereiten und Sie die geschuldeten Gelder nicht auf eine zumutbare Weise beschaffen können. Auch wenn Sie durch Forderungen an Kunden nachweisen können, dass die Steuerschuld mit diesen Ansprüchen gedeckt ist, liegt ein sachlicher Stundungsgrund vor. Hierbei ist häufig die Rede von einer technischen Stundung oder einer Verrechnungsstundung.

Auch persönliche Gründe können Sie beim Antrag auf Stundung angeben. Hierzu zählen Umsatz- und Gewinneinbrüche, die etwa durch Naturkatastrophen, durch eine längere Krankheit Ihrerseits und dem damit verbundenen Arbeitsausfall, sowie durch eine Wirtschaftskrise ausgelöst wurden. Es kann jedoch sein, dass das Finanzamt verlangt, dass Sie einen Nachweis Ihrer Bank erbringen, dass sämtliche Kreditlinien bereits ausgeschöpft sind.

Die Stundung der Steuerzahlung kann ganz oder teilweise erfolgen, allerdings nur dann, wenn die Steuerzahlung für Sie eine unbillige Härte darstellt. Ob dies der Fall ist, wird im Einzelfall stets genau geprüft.

Sie müssen stundungswürdig sein

Damit der Antrag auf Stundung tatsächlich gewährt wird, müssen Sie außerdem stundungswürdig sein. Dies gilt insbesondere für die Stundung aus persönlichen Gründen. Dabei müssen Sie glaubhaft darstellen, dass Sie den finanziellen Engpass nicht selbst verschuldet haben. Insbesondere zu hohe Privatentnahmen lassen das Finanzamt aufhorchen. Reichen Sie deshalb Kontoauszüge, betriebswirtschaftliche Auswertungen, sowie Ihre Auftragseingangsbücher mit ein, um den Stundungsgrund zu untermauern.

Steueranspruch darf nicht gefährdet sein

Eine weitere wichtige Voraussetzung für die Gewährung der Stundung besteht darin, dass die Steuerzahlung nicht gefährdet sein darf. Das heißt, zu einem späteren Zeitpunkt muss die Zahlung der Steuern für Sie problemlos möglich sein. Wenn die Zahlung auch dann nur schwierig oder gar nicht erfolgen kann, ist der Steueranspruch gefährdet und dem Antrag auf Stundung wird regelmäßig nicht stattgegeben.

Stundung Fazit

Die Stundung muss stets schriftlich beantragt werden. Eigentlich reicht ein formloses Schreiben, manche Finanzämter halten auch einen Vordruck bereit. Fragen Sie am besten nach. Beachten Sie, dass die Stundung lediglich einen kurzfristigen Zahlungsaufschub darstellt. Nach Ablauf des Aufschubs müssen die Steuern gezahlt werden, ebenso wie die bis dahin erneut aufgelaufenen Steuern. Zudem kann das Finanzamt Zinsen in Höhe von 0,5 Prozent des Steueranspruchs für jeden angefangenen Monat berechnen. Ausnahmen gelten, wenn eine unbillige Härte durch die Zinszahlung entstünde.

Die Stundung kann weiterhin nicht für Lohn- und Umsatzsteuerzahlungen beantragt werden. Denn diese werden von Ihnen nur treuhänderisch verwaltet und müssen direkt abgeführt werden. Lediglich Steuern, die Sie selbst betreffen, können gestundet werden.

Ratenzahlung für Steuern

Ebenfalls können Sie eine Ratenzahlung für die Steuern beantragen. Idealerweise beantragen Sie die Ratenzahlung in Verbindung mit der Stundung. Für beide Zahlungsaufschübe gelten die gleichen Voraussetzungen. Allerdings wird die Stundung bei gleichzeitigem Angebot einer Ratenzahlung oft eher gewährt.

Sie erhalten außerdem den Vorteil, dass Sie die Steuerschuld in kleinen Raten abtragen können und so keine überhöhten Kosten auf Sie zukommen.

Vorauszahlungen herabsetzen

Ob Einkommens-, Körperschafts- oder Gewerbesteuer: Bei diesen Steuerarten leisten Sie regelmäßige Vorauszahlungen auf das aktuelle Kalenderjahr. Diese richten sich nach den Einkommensnachweisen vergangener Jahre. Ist bereits absehbar, dass im laufenden Jahr die Umsätze und Gewinne stark einbrechen, können Sie eine Herabsetzung der Vorauszahlungen beantragen.

Hierfür müssen Sie jedoch ebenfalls eindeutige Nachweise, wie betriebswirtschaftliche Auswertungen, Auftragseingangsbücher und Co. vorlegen, um die schlechtere Entwicklung Ihres Unternehmens glaubhaft darzustellen.

Fazit

Sie können also mit verschiedenen Mitteln Ihre finanzielle Lage entspannen, wenn Sie Steuern später oder in Raten zahlen und Vorauszahlungen anpassen. Achten Sie jedoch immer darauf, dass Sie alle Voraussetzungen erfüllen und sich nach Kräften bemühen, Ihren Verpflichtungen nachzukommen.
 



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