Sozialversicherung während der Erziehungszeit

Wird ein Kind geboren, entscheiden sich viele Elternpaare, den Erziehungsurlaub in Anspruch zu nehmen. Dafür erhalten sie das so genannte Elterngeld. Meistens wird der Schutz in der Sozialversicherung dabei fortgeführt, ohne dass hierfür Beiträge zu entrichten sind. Insbesondere in der Krankenversicherung ergeben sich hierbei verschiedene Konstellationen, die wir Ihnen kurz erläutern wollen.

Bild: geralt / pixabay.com

Krankenversicherung während der Erziehungszeit

Bei der Krankenversicherung kommt es immer darauf an, wie der erziehende Elternteil, aber auch der andere Elternteil vor dem Antrag auf Elterngeld versichert waren. Die folgende Tabelle gibt Aufschluss über die Möglichkeiten der Eltern- und Kinderversicherung bei verschiedenen Fallkonstellationen:

Versicherung des erziehenden Elternteils Versicherung des Ehegatten Versicherung der Eltern Versicherung des Kindes
vor der Erziehungszeit während der Erziehungszeit
       
Pflichtversicherung in der GKV Pflicht- oder freiwillige Versicherung in der GKV Beitragsfreie Fortführung der Krankenversicherung für den erziehenden Elternteil Beitragsfreie Familienversicherung bei einem der beiden Elternteile
Pflichtversicherung in der GKV Privatversicherung Beitragsfreie Fortführung der Krankenversicherung für den erziehenden Elternteil Beitragsfreie Familienversicherung, sofern das Einkommen des nicht erziehenden Ehegatten die Jahresarbeitsentgeltgrenze von 49.950 Euro / Jahr nicht übersteigt
Familienversicherung über Ehegatten in der GKV Pflicht- oder freiwillige Versicherung in der GKV Beitragsfreie Fortführung der Krankenversicherung für den erziehenden Elternteil Beitragsfreie Familienversicherung
Freiwillige Versicherung in der GKV Pflicht- oder freiwillige Versicherung in der GKV Beitragsfreie Fortführung der Krankenversicherung für den erziehenden Elternteil Beitragsfreie Familienversicherung bei einem der beiden Elternteile
Freiwillige Versicherung in der GKV Familienversicherung in der GKV Fortführung der Krankenversicherung des erziehenden Elternteils, sowie der Familienversicherung des Gatten gegen einen Mindestbeitrag von 138,40 Euro pro Monat für KV und PV Beitragsfreie Familienversicherung
Freiwillige Versicherung in der GKV Privatversicherung Beitragspflichtige Fortführung der Krankenversicherung für das erziehende Elternteil – zugrunde gelegt wird neben dem eigenen beitragspflichtigen Einkommen, auch das beitragspflichtige Einkommen des Ehegatten Beitragsfreie Familienversicherung, sofern das Einkommen des nicht erziehenden Ehegatten die Jahresarbeitsentgeltgrenze von 49.950 Euro / Jahr nicht übersteigt
Privatversicherung Pflicht- oder freiwillige Versicherung in der GKV -    Beitragspflichtige Fortführung der Privatversicherung
-    Ausnahme: Nachgehen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung während der Erziehungszeit – dann Pflichtversicherung in der GKV
Beitragsfreie Familienversicherung, sofern das Einkommen des nicht erziehenden Ehegatten die Jahresarbeitsentgeltgrenze von 49.950 Euro / Jahr nicht übersteigt
Privatversicherung Privatversicherung -    Beitragspflichtige Fortführung der Privatversicherung
-    Ausnahme: Nachgehen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung während der Erziehungszeit – dann Pflichtversicherung in der GKV
-    Regelmäßig über die Privatversicherung
-    Ausnahmen: der erziehende Elternteil geht einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach, dann gilt: Beitragsfreie Familienversicherung, sofern das Einkommen des nicht erziehenden Ehegatten die Jahresarbeitsentgeltgrenze von 49.950 Euro / Jahr nicht übersteigt

Besonderheiten gelten immer dann, wenn zusätzliche beitragspflichtige Einnahmen durch den erziehenden Elternteil erzielt werden. In diesen Fällen müssen auch bei einer eigentlich beitragsfreien Fortführung der Krankenversicherung in der GKV entsprechende Beiträge gezahlt werden. Das gilt genauso für alleinerziehende Eltern. Ebenfalls gelten Besonderheiten für Alleinerziehende bzw. ledige Eltern, wie die folgende Tabelle zeigt:

Versicherung des erziehenden Elternteils vor der Elternzeit Versicherung des erziehenden Elternteils während der Elternzeit Versicherung des Kindes
     
Pflichtversicherung in der GKV Beitragsfreie Fortführung der Versicherung Beitragsfreie Familienversicherung
Freiwillige Versicherung in der GKV Fortführung der Versicherung gegen einen Mindestbeitrag von 138,40 Euro für die Kranken- und Pflegeversicherung Beitragsfreie Familienversicherung
Familienversicherung über die Eltern -    Beitragsfreie Fortführung der Versicherung, wenn das 23. Lebensjahr noch nicht vollendet wurde und keine Erwerbstätigkeit vorliegt, bzw. das 25. Lebensjahr noch nicht vollendet wurde, sofern der erziehende Elternteil in einer Schul- oder Berufsausbildung steht
-    andernfalls beitragspflichtige freiwillige Versicherung in der GKV oder Privatversicherung
-    Ausnahme: Nachgehen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung – dann Pflichtversicherung in der GKV
Beitragsfreie Familienversicherung, sofern der erziehende Elternteil gesetzlich versichert ist
Privatversicherung -    Beitragspflichtige Fortführung der Privatversicherung
-    Ausnahme: Nachgehen einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung – dann Pflichtversicherung in der GKV
-    Privatversicherung muss abgeschlossen werden
-    Ausnahme: Der andere Elternteil ist gesetzlich versichert, dann ist eine Familienversicherung möglich

Rentenversicherung während der Erziehungszeit

Für die gesetzliche Rentenversicherung fallen während der Erziehungszeit keine Beiträge an, sofern lediglich das Elterngeld als Einnahme erzielt wird. Dabei werden aber Kindererziehungszeiten oder Kinderberücksichtigungszeiten angerechnet.

Die Kindererziehungszeit gilt für die ersten drei Lebensjahre des Kindes. Sie muss beantragt werden, kann aber auf beide Elternteile aufgeteilt werden. Dafür erhalten die Erziehenden jeweils einen Entgeltpunkt pro Jahr der Kindererziehungszeit. Zu beachten ist, dass die Rentenansprüche erhöht werden können, wenn neben dem Elterngeldbezug auch Einnahmen aus einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung erzielt werden.

Die Kinderberücksichtigungszeit kann nur einmal in Anspruch genommen werden. Sie gilt bis zum zehnten Lebensjahr des Kindes. Zwar werden hier keine Rentenansprüche erworben, allerdings gilt sie als Verlängerungstatbestand und kann auf die Wartezeit für eine Altersrente für langjährig Versicherte angerechnet werden. Hierfür ist ebenfalls ein Antrag einzureichen.

Arbeitslosenversicherung während der Elternzeit

Eine beitragsfreie Weiterversicherung in der gesetzlichen Arbeitslosenversicherung ist für alle Eltern möglich, die vor dem Elterngeldbezug sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren oder Arbeitslosengeld bezogen haben. Die beitragsfreie Weiterversicherung ist für maximal drei Jahre möglich, wodurch auch ein erneuter Anspruch auf Arbeitslosengeld erworben werden kann.

Bei der Berechnung des Arbeitslosengeldes, das nach dem Elterngeldbezug beantragt wird, werden 67 Prozent des pauschalierten Nettoeinkommens zugrunde gelegt. Als Nettoeinkommen gilt das Einkommen aus einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung vor dem Elterngeldbezug, sofern diese über mindestens fünf Monate bestanden hatte. Andernfalls werden fiktive Entgelte als Bemessungsgrundlage angenommen, die sich in vier verschiedene Kategorien einteilen lassen. Die Kategorien gliedern sich nach der Qualifikation des erziehenden Elternteils. Dabei ist in folgende vier Gruppen zu unterscheiden, wobei die Beträge für das Jahr 2010 festgesetzt wurden:

Gruppe Qualifikation Fiktives Bruttoentgelt
    alte Bundesländer neue Bundesländer
       
1 Hochschul- oder Fachhochschulausbildung 3.066 EUR 2.604 EUR
2 Fachschulausbildung, Qualifikation als Meister 2.555 EUR 2.170 EUR
3 abgeschlossene Ausbildung in einem Ausbildungsberuf 2.044 EUR 1.736 EUR
4 keine abgeschlossene Ausbildung 1.533 EUR 1.302 EUR


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