Schleichwerbung – Wenn Kunden hinters Licht geführt werden

Damit Werbung nicht sofort unbesehen im Müll landet, gehen viele Marketingstrategien andere Wege um potenzielle Kunden etwas weniger auffällig auf Produkte oder Dienstleistungen aufmerksam zu machen. Allerdings ist Vorsicht geboten, denn schnell wird aus der anscheinend so ausgeklügelten Marketingkampagne Schleichwerbung und die ist als Irreführung des Verbrauchers verboten.

Bild: KRiemer / pixabay.com

Wann die Werbung zur Schleichwerbung wird

Wann eine Werbemaßnahme als Schleichwerbung eingestuft wird, ist im „Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb“ (UWG) festgelegt. Im § 4 werden unlautere geschäftliche Handlungen beschrieben, Satz Nr. 3 nennt als Tatbestand die Verschleierung des Werbecharakters von geschäftlichen Handlungen. Häufig tritt dieser Fall ein, wenn es um die Kontaktaufnahme zum potenziellen Kunden geht. Wird dieser Kontakt scheinbar aus nichtgeschäftlichen Gründen aufgenommen und stellt sich später heraus, dass es eigentlich darum geht, dem Kunden etwas zu verkaufen, wird bereits von Schleichwerbung gesprochen. Ein klassisches Beispiel sind die „Kaffeefahrten“. Bei diesen Veranstaltungen wird vielen Teilnehmern erst dann klar, dass es sich um eine Werbekampagne handelt, wenn sie in Werbeveranstaltung sitzen.

Schleichwerbung in Printmedien und online

Im Online- und Printbereich findet ebenfalls Schleichwerbung statt. Immer dann, wenn eine Werbeanzeige wie ein redaktioneller Beitrag wirkt, in Wirklichkeit aber eine bezahlte Anzeige ist, muss diese gekennzeichnet werden. Unterbleibt dies und wird die Anzeige nicht unmissverständlich gekennzeichnet, dann handelt es sich auch hier um Schleichwerbung, denn der Leser wird in die Irre geführt. Dabei handelt es sich um einen klaren Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht.

Um rechtliche Konsequenzen zu vermeiden, sollte der Seitenbetreiber eine solche redaktionell gestaltete Anzeige immer kennzeichnen, am besten mit dem Hinweistext „Anzeige“ oder einem gleichwertigen Ausdruck wie zum Beispiel „Werbeinformation“. Weiter entfernte Begriffe wie „Sonderveröffentlichung“, „PR-Anzeige“ oder „Werbereportage“ sind möglich, werden aber von einem Gericht im Klagefall nicht unbedingt als ausreichend anerkannt.

Die Schleichwerbung und ihre rechtlichen Folgen

Wenn ein Unternehmen absichtlich oder auch versehentlich mit Schleichwerbung arbeitet, kann das weitreichende Konsequenzen haben. So können Abmahnungen und einstweilige Verfügungen von Wettbewerbszentralen und Mitbewerbern folgen, hier können Kosten von 1.000 bis 2.000 Euro entstehen. In schweren Fällen muss die ganze Werbekampagne eliminiert werden, das bereits investierte Geld ist damit weg. Nicht zuletzt ist die Seriosität der Firma angekratzt, Verbraucher und Kunden reagieren empfindlich, wenn sie sich betrogen oder getäuscht fühlen.

Damit Sie als Unternehmer und Selbstständiger hier auf der sicheren Seite ist, finden Sie hier Auswahlkriterien für professionelle Dienstleister, mit denen wirksame Werbekampagnen entwickelt und umgesetzt werden können.

Wikipediabeiträge als Schleichwerbung

Im Online-Bereich kann auf ein Unternehmen noch eine ganz besondere Hürde zukommen. Wer mit einem Wikipediaartikel auf das eigene Unternehmen aufmerksam macht, kann nach Auffassung des OLG München ebenfalls Schleichwerbung betreiben. In einem Urteil vom Mai 2012 (Az.: 29 U 515/12) stellte das Gericht fest, dass Wikipediabeiträge, aber auch die Kritik an Mitbewerbern den Tatbestand der Schleichwerbung erfüllen kann. 

Im speziellen Fall äußerte sich ein Geschäftsführer in einem Wikipedia-Artikel negativ über die Produkte eines Konkurrenten. Das Gericht war in dieser Sache folgender Auffassung: Wenn ein Beitrag in Wikipedia sich positiv über ein Unternehmen äußert, dann stellt dies Werbung dar. Für Unternehmen bedeutet dies, dass alle Beiträge auf Wikipedia, die auch nur andeutungsweise zugunsten des Unternehmens dargestellt sind, schon als Schleichwerbung gelten. Rechtsexperten raten deshalb generell davon ab, solche Beiträge auf dem Wissensportal zu veröffentlichen.



Sind Sie der geborene Unternehmer? Jetzt testen!