Pistole auf der Brust: Beratung oder Löschung für die KfW-Berater

Schon vor einiger Zeit hat die KfW-Beraterbörse die an und für sich nützliche Änderung eingeführt, dass Berater ihre Qualifikation regelmäßig anhand von mindestens zwei Referenzberatungen nachweisen müssen. Regelmäßig bedeutet: Es müssen immer mindestens zwei Referenzen vorliegen, die nicht älter als ein Jahr sein dürfen. Ist dies nicht der Fall, wird der jeweilige Berater aus der KfW-Beraterbörse gelöscht und kann nicht mehr im Rahmen eines Gründercoachings tätig werden.

Bild: Jürgen Hüsmert / pixelio.de

Beratungszwang

Auch wir wurden vor wenigen Tagen per Email dazu aufgefordert, unsere Referenzen zu aktualisieren. Wenn wir dies nicht täten, würden wir aus der KfW-Beraterbörse entfernt und verlören unsere Lizenz. Man bekommt also automatisch die Pistole auf die Brust gesetzt: „Berate gefälligst oder nimm die Löschung in Kauf!“.

Man kann es sich also als selbstständiger Existenzgründerberater heutzutage nicht mehr selbst aussuchen, wann man einen Kunden annehmen möchte oder auch nicht. Schließlich ist man auf die Referenzen angewiesen, um seine Opens internal link in current windowStellung als KfW-Berater zu behalten. Beraten kann man natürlich auch ohne die KfW. Allerdings gibt es dann für den Gründer keine Förderung im Rahmen des Gründercoachings, was für viele Existenzgründer die Finanzierung schwieriger macht. Die Folge: Sie wandern zu anderen Beratern ab, die die Referenzvorgaben erfüllt haben und daher in der Beraterbörse verbleiben durften.

Einladung zum Betrügen

Diese Vorgehensweise öffnet Betrügereien Tür und Tor. Denn sicherlich wird nicht jeder eingetragene Berater immer passende Referenzen zur Hand haben. Also werden eben postwendend welche erfunden. Die Fälle werden zunächst einmal nicht wirklich geprüft, sondern lediglich einer Plausibilitätsprüfung unterworfen (wie auch immer die geartet sein mag).

Um Betrug zu verhindern, führt die KfW Bank natürlich stichprobenartige Überprüfungen durch, bei denen auch die einzelnen Referenzen überprüft werden. In unserem Interview mit der KfW-Beraterbörse fanden wir heraus, dass es sich dabei jedoch nur um Kleinstmengen handelt – 50 Berater wurden damals geprüft. Aktuell gibt es in der Datenbank über 14.300 Einträge. Die Wahrscheinlichkeit, entdeckt zu werden, liegt also gerade einmal bei 0,34 Prozent. Da ist es doch für viele Berater naheliegend, einfach etwas zu erfinden, da sie wahrscheinlich ohnehin nicht erwischt werden. Und sobald sie dann wieder einen Kunden hatten, können sie ja einfach die gefälschten Referenzen wieder entfernen.

Wer gewinnt dadurch?

Wir fragen uns ernsthaft, wer von dieser Regelung nun profitiert. Scheinbar hat die KfW-Bank kein wirkliches Interesse daran, Qualität aufzubauen, weil es einfach viel zu viele Berater gibt, die geprüft werden müssten. So lässt man sich eben darauf ein, dass die KfW-Beraterbörse mehr und mehr verkommt. Und wer hat das Nachsehen? Der Kunde, der sich darauf verlässt, dass ein Berater in bestimmten Spezialbereichen Kenntnisse hat, die er vielleicht tatsächlich gar nicht aufweisen kann. Und das nur aufgrund der lästigen Vorschriften der KfW-Beraterbörse, die die Berater beinahe zum Lügen „zwingt“, wenn sie ihre Existenzgrundlage nicht verlieren wollen.

Wir lügen auf jeden Fall nicht mit und verlieren also bald unseren Status des zugelassenen KfW Beraters. Mal sehen wie groß die KfW Beraterbörse in einem Jahr ist, wenn vielleicht noch mehr Berater der KfW den Rücken kehren. Na herzlichen Glückwunsch liebe KfW Bank.



Sind Sie der geborene Unternehmer? Machen Sie jetzt den Test!