Am von Torsten in kurz notiert geschrieben
Bewerten Sie jetzt!
KfW Beratung

1/4 der KfW-Berater sind zum Subventionsbetrug bereit

Schon vor einiger Zeit hat das Gründerlexikon darüber berichtet, dass die KfW neue Vorschriften festgelegt hat, mit der sie ihre in der KfW-Beraterbörse eingetragenen Berater ärgert und sie somit zum Betrug treibt.

Diagramm zur KfW
Die Situation ist ein Witz.
© T. Montag / Gründerlexikon

Dingelständt,10. Oktober 2018 - Unternehmer müssen regelmäßig zwei aktuelle Referenzen nachweisen, um ihre Listung in der Börse aufrecht erhalten zu können (mehr dazu lesen Interessenten hier und hier). Schon damals hat das Grnderlexikon festgestellt, dass die Berater dadurch immer mehr unter Druck geraten, da ihnen die KfW vorschreibt, wie viele Beratungen sie durchführen müssen, um ihre Zulassung zu behalten. Die Redaktion hat sich gefragt, wie viele Berater wohl bereit sind, illegale Wege zu beschreiten, um ihre Listung in der KfW-Beraterbörse nicht zu verlieren. Daher hat sich das Gründerlexikon dazu entschieden, die Redlichkeit der deutschen Gründerberater zu testen.

KfW-Berater im Test

Es wurden anonym insgesamt 204 Berater per Email kontaktiert. Die Redakteure gaben an, sich  selbstständig machen zu wollen und teilten mit, dass man zwar das KfW Gründercoaching nutzen, aber keine Beratung in Anspruch nehmen wollte. Konkret schlugen die Redakteure vor, gemeinsam mit dem Berater das KfW Gründercoaching zu beantragen und anschließend jeweils zur Hälfte zu teilen. Würde ein Berater darauf eingehen, läge ganz klar der Tatbestand des Subventionsbetrugs vor. Nachdem die Redaktion die Kontaktmails abgeschickt hatte, wartete man gespannt auf die Reaktionen der Berater – und das Gründerlexiko wurde nicht enttäuscht.

Erschreckende Ergebnisse

Es dauerte nicht lange und schon trudelten die ersten Antworten ein. Die Redaktion hat die Ergebnisse der kompletten Aktion im obenstehenden Diagramm festgehalten.

Von den 204 befragten Beratern haben sich 44 gar nicht erst die Mühe gemacht, zu antworten (22 Prozent). 6 Berater schickten allgemeines Informationsmaterial zur KfW-Beratung zu, gingen aber nicht auf das „Anliegen“ ein (3 Prozent). 68 Berater (33 Prozent) haben die von der Redaktion vorgeschlagene Vorgehensweise abgelehnt. 32 Berater (16 Prozent) lehnten die Anfrage kategorisch ab und distanzierten sich von dem Vorschlag, gemeinsam einen Betrug zu begehen. Somit ließ knapp die Hälfte der befragten Berater das Gründerlexikon abblitzen.

Nun wurde es aber erst richtig interessant. 21 Berater (10 Prozent) äußerten sich zwar nicht zum Subventionsbetrug, ließen aber Informationen zukommen und baten um ein persönliches Erstgespräch oder ein Telefonat. 33 Berater (16 Prozent) hatten keine Skrupel, sofort zu einem Telefongespräch einzuladen. Somit ist über ein Viertel der deutschen KfW-Berater offenbar nicht abgeneigt, sich über einen derartigen Subventionsbetrug das schnelle Geld zu verschaffen, ohne dafür arbeiten zu müssen. Denn wer grundsätzlich gegen solche illegalen Aktionen ist, wird dies sicherlich gleich kundtun und nicht erst noch Telefongespräche führen.

KfW verfehlt ihr Klassenziel

Die KfW-Bank zielte mit ihrer Neuregelung bezüglich der Vorlage von Referenzen darauf ab, die Beratungsqualität zu steigern und zu vermeiden, dass Beratungen von Beratern durchgeführt werden, die kaum Praxiserfahrung haben (mehr dazu hier). Allerdings verschlimmert sie dadurch das Problem nur noch. Wer die Referenzen nicht vorweisen kann, wird jetzt umso mehr nach einer Möglichkeit suchen, sich Referenzen zu verschaffen. Und dies funktioniert eben nicht nur über reguläre Beratungen, sondern auch über solche „gefakten“ Gründercoachings. Gleichzeitig streichen sie dadurch auch noch zusätzliches Geld ein.

Die KfW-Bank scheint überhaupt nicht zu bemerken, was hier infolge ihrer so „durchdachten“ Vorschriften passiert: Es werden Straftaten provoziert, die ohne diese Vorschriften wahrscheinlich gar nicht oder zumindest in geringerem Ausmaß geschehen wären. Die KfW-Bank ist ja in der Vergangenheit schon häufiger negativ aufgefallen (z. B. durch den Versand von Abmahnungen an die KfW-Berater). Aber dies setzt dem ganzen wieder einmal aufs Neue die Krone auf.

Die Bank ist also mal wieder am Ziel vorbeigeschrammt, denn der Betrug wird durch die Vorlage von Referenzen nicht eingedämmt, sondern im Gegenteil sogar noch ausgeweitet, indem immer mehr Berater einen Subventionsbetrug nicht ausschließen, um ihre Kosten zu decken und ihre Zulassung nicht zu verlieren.

Mathematische Hochrechnung auf ganz Deutschland

Damals (Stand: 20.09.2012, Quelle: KfW Beraterbörse/Chart auf der Startseite) waren im Bereich Existenzgründung 9.314 KfW Berater gelistet. Das Gründerlexikon hat errechnet, dass mit 95% Wahrscheinlichkeit zwischen 20 und 32% der in Deutschland gelisteten KfW Gründungsberater im Bereich Existenzgründung dubiose Absichten nachgehen, so wie es der Test gezeigt hat. Die Schätzung erfolgte dabei über die statistische Methode der Konfidenzintervalle.

Fazit 

Vielleicht sollte sich die KfW-Bank allmählich einmal wieder auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren und Gründern helfen, anstatt den Beratern mit immer noch mehr sinnlosen und zielverfehlten Ideen Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Vielleicht würden dann auch die Berater irgendwann wieder zur Normalität zurückkehren und ganz einfach nur ihrer Arbeit nachgehen. Suchen Sie sich also einen guten Berater!

vg wort pixel

Online-Kontoauszüge: Das sagt das Finanzamt

Das Online-Banking ist heute das Mittel der Wahl, wenn es um die Erledigung von Bankgeschäften geht. Dabei werden viele Banken ihren Kunden nur noch Online-Kontoauszüge zur Verfügung stellen. Wer elektronisch signierte Auszüge oder gar Kontoauszüge auf Papier erhalten möchte, der muss oftmals einen extra Antrag bei der Bank stellen und Gebühren für diese Auszüge zahlen. Deshalb wollen viele Unternehmer doch lieber die einfachen Kontoauszüge verwenden.

Für Berater bei KfW Bank keine programmspezifischen Eigenschaften mehr nötig

Die KfW Beraterbörse dient als Hilfsmittel Existenzgründer, die auf der Suche nach professioneller Hilfe sind. Denn auf dieser Plattform können Gründer oder auch etablierte Unternehmer nach Beratern und Beraterinnen recherchieren, die sie bei der Gründung oder in anderen betriebswirtschaftlichen Fragen unterstützen. Die KfW hat nun angekündigt, das Programm nach dem 30. Juni 2016 in veränderter Form fortzuführen.

Gründungszuschuss: Ein hohes Einkommen darf nicht zur Ablehnung führen

Bezieher von Arbeitslosengeld I, die ein eigenes Unternehmen gründen möchten, können einen Gründungszuschuss bei der Agentur für Arbeit beantragen. Dabei handelt es sich um eine Kann-Leistung. Der Gründer in spe hat kein Recht auf diese Leistung. Allerdings dürfen die Mitarbeiter der Agentur für Arbeit die Anträge auch nicht aus jedem beliebigen Grund ablehnen. Auch für sie gelten Vorschriften.