Kugelschreiber via Telefonterror verkaufen hat einen Namen

"Wenn Kugelschreiber Flügel bekommen, sollte man Sie wegschmeißen." so hätte auch der Titel dieses Artikels lauten können, aber langsam. Es ist allseits bekannt, dass man als Unternehmer auch Werbung machen sollte und das diese in einem seriösen und geordneten Rahmen platziert wird. Durch Werbung wird versucht die Aufmerksamkeit der Zielgruppe zu erregen, um so zum Kauf anzuregen.

Bild: Robert Müller / pixelio.de

Geeignet platzierte Werbung soll also einen verkaufsfördernden Effekt erzielen, um so durch die positive Beeinflussung der potenziellen Kunden mehr Umsatz zu erzielen, eines der wichtigsten Ziele im Unternehmen. Neben den verschiedenen Werbeträgern gibt es auch die bei vielen Unternehmen (vor allem aber bei den Endverbrauchern) beliebten Give aways auch bekannt als Werbegeschenke. Kugelschreiber, Feuerzeuge uvam.

Der Privatkunde freut sich, wenn er nützliche Dinge geschenkt bekommt, die daneben noch eine so hohe Qualität aufweisen, das diese kleinen Geschenke auch tatsächlich zu gebrauchen sind, was heutzutage beileibe nicht mehr den Standard der Werbebranche darstellt.

Für den Unternehmer steht sein Firmenname, sein Logo und der damit erzielte Wiedererkennungseffekt seines Firmenimages im Vordergrund. Daher sind beim Unternehmer die give aways sehr beliebt, die a) noch sehr unbekannt sind b) einen überdurchschnittlichen Nutzen beim Beschenkten erzeugen, also äußerst praktisch sind und c) daneben gut zu verteilen und kostengünstig sind. Mehr zur erzielten Werbewirkung haben wir bereits in einem früheren Artikel geschrieben, den Sie hier nachlesen können.

Leider übertreiben es manche Unternehmen nicht mit der Qualität, sondern mit der Aggressivität Ihre Produkte beim Unternehmer loszuwerden, Bestellungen zu generieren, per Telefon nachzufassen usw. - sie erreichen damit jedoch einzig und allein das “Vergraulen” der potenziellen Kunden. Wir haben so etwas selbst erlebt und möchten darüber berichten.

Wie man es nicht machen sollte

Wir haben vor einiger Zeit von der Adler Vertriebs GmbH & Co ein Päckchen bekommen. Adler ist ein Unternehmen, welches Werbeartikel anbietet und individuell bedruckt und letztlich verkauft. 

Es handelte sich dabei um einen Kugelschreiber nebst Werbeanschreiben und Supersonderangebot für unsere erste Bestellung im Hause Adler. Eigentlich nichts Verwerfliches daran zu finden. Toll, wir konnten die Qualität der Kugelschreiber vorher gratis begutachten und dann ggf. bestellen, also keine Katze im Sack, dachten wir. Gute Strategie, um neue Kunden zu gewinnen.

Doch beim zweiten Hinsehen musste ich leider feststellen, dass bei Adler anscheinend Legastheniker arbeiteten, denn man hatte unsere Firmenbezeichnung falsch geschrieben. Im Anschreiben stand darüber hinaus, dass der Anbieter uns diesen Stift schenkt und wir das zeitlich begrenzte Sonderangebot nutzen sollten, eine gewisse Anzahl von Kugelschreibern für einen einmalig ermäßigten Preis zu kaufen. Uns war von Anfang an bewusst, dass wir so ein Angebot nicht nutzen möchten und antworteten nicht auf das Schreiben, denn wer verschenkt schon gern einen Kugelschreiber mit Fehler drauf. Und wenn die bei Adler nicht mal einen Kugelschreiber richtig bedrucken können, wie soll das dann bei 1.000 dieser Art werden, dachten wir.

Erster Akquiseversuch

Die Firma Adler hat sich dann nach einiger Zeit telefonisch bei uns gemeldet. Ein Mitarbeiter hakte nach, ob das Angebot in Frage käme. Wir erwiderten, dass es für uns nicht passend sei. Die größte Rolle würde dabei der geschenkte Stift, der schon einen Fehler beinhaltet, spielen. Der Mitarbeiter erklärte uns, es sei eine “Masche” Kuli’s mit Druckfehler zu verschicken, damit diese nicht von uns weiterverschenkt werden können.

Wir finden, es ist vollkommen sinnfrei und albern so etwas zutun. Wie sollen wir denn von der Werbequalität überzeugt sein, wenn uns das Produkt negativ auffällt, wir es so gar nicht verschenken würden? Auf diese Weise haben wir als Kunde von vornherein ein negatives Gefühl mit dem Produkt und genau dann kauft man auch nicht. Also Adler: Ziel verfehlt, 6 setzen!

Es wäre beispielsweise wesentlich sinnvoller gewesen einen korrekt bedruckten Stift mit der Aufschrift “sponsored by Adler” auf der Rückseite, zu verschenken. So hätte Adler eine doppelte Werbewirkung erzielt, denn der Name Adler gelangt auf diese Weise nicht nur zu uns als Kunden, sondern auch zu weiteren, von uns beschenkten, potentiellen Kunden. Ob es also wirklich von Nöten ist, durch das falsche Bedrucken eines Stiftes, das Weiterschenken zu verhindern und damit im Hause Adler Geld zu sparen, ist also sehr fraglich. Sicher ist das aber notwendig um die Masse an Handelsvertretern, die ähnlich einer Drückerkolonne täglich hunderte von Leuten mit Ihren Kugelschreibern auf die Nerven gehen, am Telefon bezahlen zu können.

Zweiter Akquiseversuch

Nach dem Telefongespräch erfolgte eine weitere Versendung solch eines Kugelschreibers von dem besagten Unternehmen. Dieses mal wurde alles ohne Fehler geschrieben, jedoch wurde eine ganz andere Firmenbezeichnung gewählt, welche so von uns niemals Verwendung findet und nicht im Rahmen der Corporate Identity kommuniziert wird. Daraufhin meldeten wir uns per Telefon bei Adler. Wir forderten, dass der Dienstleister bitte die Versendung von Werbung einstellen solle. Wir drohten auch damit, rechtliche Schritte einzuleiten und gaben nochmals zu verstehen, das wir an diesen Spielchen nicht interessiert sind. Entweder verschenke ich etwas von Herzen, um Kunden zu begeistern oder ich lasse es. Aber Geschenke derart zu verfälschen, so dass man mit dem Geschenk ja nichts anfangen kann, ist aus unserer Sicht einfach nur Kindergarten große Gruppe.

Erschreckenden Ergebnisse

Nach Recherchen im Netz, stellte sich heraus, dass viele Leute von dieser Firma belästigt werden. Hier einige Kommentare zum nachlesen. Sogar ehemalige Mitarbeiter beschweren sich und raten vom Kauf ab. Das wirft kein gutes Licht auf das Unternehmen, welches seine Seriosität beteuert oder durch auffällig erkaufte / erzwungene Bewertungen und Kommentare beteuern lässt.

Wir haben auch hier vor Ort  von Unternehmern ungefragt in Gesprächen erfahren, dass diese sich ebenfalls von dem Anbieter belästigt fühlen. Wobei sich in diesen Fällen die Frage stellt, woher die Adler Vertriebs GmbH & Co die Adressen der Unternehmer hat. Kauft die Firma etwa Adressen ein, über dieses Problem haben wir bereits in einem anderen Artikel hingewiesen. Denn das ist in Deutschland über die IHK gar nicht so schwer, wie mancher glauben mag.

Wir haben die Werbewirkung der Adler-Verkaufsstrategie analysiert

Wir vom Gründerlexikon vermuten, dass Mitarbeiter der Adler Vertriebs GmbH & Co dazu angewiesen werden, mit Druck und Aggressivität hinter jedem versendeten Legastheniekugelschreiber her zu telefonieren, um weitere Produkte zu verkaufen. Vermutlich lautet die Devise: Mit Druck und Aggression den “Kunden” zum Kauf drängen, was ja auch die Kommentare der ehemaligen Mitarbeiter auf og. Seite bestätigt.

Ich bin eine ehemalige Mitarbeiterin der Firma Adler! Ich kann nur sagen das was mit den Kunden der Firma gemacht wird, wird auch mit den Mitarbeitern gemacht! Telefonterror ist noch harmlos ausgedrückt- bis zu 20 x pro Tag wurden wir dazu angehalten Kunden zu kontaktieren! Naja und zum krönenden Abschluss schließt man einfach mal den Standort Aachen weil die Betriebsratswahl ein Dorn im Auge von Firmeninhaber Jim Adler war! 80 MA's sofort freigestellt, einige stehen vor dem nichts... Das ist nicht Fair, uns wir Schwerverbrecher zu behandeln und das ist durch das Saarbrückener Management passiert! Es sollt keiner mehr dort bestellen!

Zitat von "EX Mitarbeiter" am 16.10.2012 via tellows.de


Die Akquisenmethode der Firma Adler wird aus unserer Sicht mit großer Wahrscheinlichkeit ein negatives Bild auf die Firma Adler werfen, den Kunden nicht zum Wiederholungskauf anregen und erst recht nicht die ach so “guten Produkte” der Adler Vertriebs GmbH & Co viral zu verbreiten. Im Gegenteil, wer verschenkt schon einen einzelnen Kugelschreiber und dann noch mit Rechtschreibfehler. Aus unserer Sicht, stellt sich die Firma selbst ein Bein, in dem nicht nur potenzielle Kunden vergrault werden, sondern auch durch negative Mundpropaganda das Firmenimage massiv geschädigt wird. Aus obigen Kommentaren geht auch hervor, dass man aufgrund der Aggressivität am Telefon nicht dort bestellt, wenngleich der Kugelschreiber oder die Produkte im Allgemeinen eine gute Qualität hätten.

Unser Fazit

Wir vom Gründerlexikon finden diese Art von Werbung lästig. So geht man nicht mit Kunden um. Das Unternehmen wirbt aggressiv mit einem Produkt, ohne Rücksicht auf die Folgen. Das ist keine effektive Methode die von langfristigem Erfolg gekrönt sein wird, denn dieses Geschäftsgebaren ist mehr schädlich als umsatzfördernd.

Daher unser Tipp

Gehen Sie im Sinne der armen Handelsvertreter, die dort arbeiten müssen und im eigenen Interesse lieber nicht auf dieses, wenn für Sie auch günstiges Angebot ein. Wer so mit Kunden und Mitarbeitern umgeht, der verdient einfach nichts Besseres. Beachten Sie auch unsere Ausführungen zum Thema unerwünschte Anrufe und Meldung von Nervensägen bei der Bundesnetzagentur, wenn gleich das im Fall Adler schwierig sein dürfte, da man ja durch das Geschenk einen Anlass zum Anrufen gegeben hat. Rein rechtlich gesehen ganz clever durchdacht.



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