Ausländer als Existenzgründer - was ist zu beachten?

Immer mehr Migranten, das sind nicht in Deutschland geborene Menschen, machen sich selbstständig. Dies geschieht häufig jedoch aus Mangel an Alternativen. Rund sieben Prozent wagten in den letzten dreieinhalb Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit. Damit werden deutlich mehr Einwanderer als Deutsche ihr eigener Chef.

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Das Aufenthaltsgesetz und das Freizügigkeitzgesetz Europäische Union regelt in Deutschland die Frage, wer als Ausländer eine selbstständige Tätigkeit ausüben darf und wer nicht. Hierbei sind grundsätzlich zwei Gruppen von Ausländern zu unterscheiden.

Ausländer aus Mitgliedsländern der Europäischen Union

EU-Bürger dürfen in allen EU-Mitgliedstaaten ein Unternehmen gründen. Ausländer aus Mitgliedsländern der Europäischen Union oder aus Ländern, die den europäischen Wirtschaftsraum betreffen, sowie der Schweiz und Norwegen müssen die gleichen Regeln befolgen, wie deutsche Unternehmensgründer. Sie sind den Deutschen also gleichgestellt. Dieser Personenkreis genießt die sogenannte Niederlassungsfreiheit. Somit ist jederzeit die selbstständige Tätigkeit in freiberuflicher Form oder mit Gewerbeabsicht möglich.

Für EU-Bürger, die aufgrund der gemeinschaftsrechtlichen Vorschriften Freizügigkeit genießen, gilt das Ausländerrecht nicht. Da alle EU-Bürger die Niederlassungsfreiheit besitzen, verfügen sie somit über das dauerhafte Aufenthaltsrecht in Deutschland. Eine Aufenthaltsgenehmigung wird somit von Rechts wegen erteilt.

Ausländer aus Nicht-Mitgliedsländern der Europäischen Union

Wenn in der Aufenthaltsgenehmigung nicht ausdrücklich die selbstständige Erwerbstätigkeit für Ausländer aus Nicht-Mitgliedsländern der Europäischen Union gestattet ist, muss ein entsprechender Antrag bei der zuständigen Ausländerbehörde gestellt werden. Wer drei Jahre mit einer Deutschen oder einem Deutschen verheiratet ist, kann sich danach jederzeit selbstständig machen. Wer innerhalb der ersten drei Jahre der Eheschließung ein Unternehmen gründen will, muss eine entsprechende Aufenthaltsgenehmigung bei der Ausländerbehörde beantragen. Wenn einübergeordnetes, wirtschaftliches oder ein besonderes regionales Interesse an einem Aufenthalt in Deutschland besteht, erhalten Nicht EU-Bürger eine Aufenthaltserlaubnis zur Ausübung einer selbstständigen Tätigkeit. Wer bereits eine Niederlassungserlaubnis besitzt, kann sich jederzeit selbstständig machen.

Das Aufenthaltsgesetz unterscheidet bei Nicht EU-Bürgern zwischen vier sogenannten Aufenthaltstiteln, nämlich dem Visum, der befristeten Aufenthaltserlaubnis, der unbefristeten Niederlassungserlaubnis und der unbefristeten Erlaubnis zum Daueraufenthalt-EG. Damit sind dem Nicht EU-Bürger, entgegen dem EU-Bürger, bei der Aufenthaltserlaubnis bestimmte Regeln und Normen auferlegt. 

Was ist sonst noch zu beachten?

Eine Duldung begründet keinen rechtmäßigen Aufenthalt in Deutschland. Sie ist eine vorübergehende Aussetzung der Abschiebung. Geduldeten Personen kann die Arbeitserlaubnis jederzeit entzogen werden. Ebenso wie deutsche Staatsbürger können auch ausländische Existenzgründer im Rahmen der SelbstständigkeitFördermittel beantragen. Bei der Gründung eines Unternehmens durch ausländische Mitmenschen sind jede Menge an gesetzlichen Formalitäten und Vorschriften zu beachten. Jeder ausländische Existenzgründer sollte eine entsprechende Beratung in Anspruch nehmen, um mit allen Rechten und Pflichten der deutschen Selbstständigkeit vertraut zu sein. Diese Existenzgründerseminare werden auch speziell für Migranten angeboten und sind dringend zu empfehlen.

Eine Erfolgsgeschichte zum nachlesen: Asylant erhält Arbeitserlaubnis

Ausländische Unternehmensgründer sollten selbstverständlich die deutsche Sprache beherschen, wenn sie sich in Deutschland selbstständig machen wollen. Unterschiedliche Mentalitäten können zu Problemen führen, wenn sich ein ausländischer Existenzgründer zum Beispiel in seinen Rechten bestätigt sieht, obwohl die deutschen Behörden anderer Meinung sind. Dann kommt es darauf an, dies nicht als persönlichen Angriff zu deuten. Hier ist Feingefühl gefragt. Wie jeder Selbstständige, muss sich auch der ausländische Gründer beispielsweise mit der Frage der Rechtsform des Unternehmens, freiberuflicher Tätigkeit oder Gewerbebetrieb, Steuern (Rücklagenbildung), Versicherungen, Vorsorge, Recht und Verträgen sowie Marketing und Firmenauftritt beschäftigen.

Fazit

Migranten heben sich häufig aus der Masse des deutschen Unternehmertums hervor, da sie sehr häufig ein anderes Konzept haben, als etwas typisch Deutsches. Dieses Konzept ist für viele selbstständige Ausländer der Schlüssel zum Erfolg. Außerdem verfügen sie in ihrem familiären Umfeld in den meisten Fällen über stabile soziale Netzwerke, die ihnen ein erfolgreiches Fortkommen im Geschäftsleben ermöglichen.
 



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