Am von Torsten in Urteile geschrieben und am 26.05.2020 um 12:12 aktualisiert
Fördermittel

Das war´s BAFA Zuschuss: Viele Unternehmer in der Corona-Krise gehen leer aus

Im Zusammenhang mit der Corona-Krise stellt das BAFA eine Vollförderung für Beraterleistungen zur Verfügung. Kleine und mittlere Unternehmen sowie Einzelunternehmer können jetzt eine Unternehmensberatung im Wert von 4000 € in Anspruch nehmen, wobei der Staat die Beraterkosten zu 100 Prozent übernehmen kann.

Beratung durch eine Frau mit weißem Oberteil am Tisch, hier: Beratung durch BAFA Zuschuss
Sicher verdienen nur die Berater an diesem Beratungszuschuss, und zwar richtig gut.
© nastya_gepp / pixabay.com

+++ Aktualisierung vom 26.05.2020 um 11:35 Uhr +++ 

Laut einem Bericht der Tagesschau ist der BAFA Beratungszuschuss vorerst auf Eis gelegt. Gelder wurden bis dato noch nicht ausgezahlt. Hintergrund ist die einerseits unerwartet hohe Nachfrage nach der Förderung und andererseits eine Vielzahl an unseriösen Angeboten, die zum Missbrauch der Hilfen führen würden. In Gesprächen mit Lesern des Gründerlexikons wurde ebenfalls bestätigt, dass die Zahlungen zunächst ausgesetzt sind.

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Die Corona-Krise ist eine noch nie da gewesene Herausforderung für alle. Ob privat oder wirtschaftlich, alle unsere Lebensbereiche sind gleichermaßen betroffen. Viele Unternehmer stehen jetzt ratlos da, denn ihr bisheriges Geschäftsmodell greift in diesen schweren Zeiten von heute auf morgen nicht mehr. Distributionswege werden durch Kontaktverbote eingeschränkt, zuverlässige Kundenbeziehungen sind quasi von jetzt auf gleich verebbt. 

Doch auch wenn es so scheinen mag, die Welt steht nach wie vor nicht still. Wer jetzt clever ist und kreativ, der kann sein bisheriges Businessmodell auf den Prüfstand stellen und die Krise als Chance begreifen. 

Hilfreich beim Durchleuchten und Ausmisten ineffizienter Strukturen ist ein Unternehmensberater. Mit seinem Input wird in kurzer Zeit der aktuelle Stand im Unternehmen bestimmt, Probleme identifiziert und ein angepasstes Überlebens-Szenario zur aktuellen Krisenlage kreiert. 

„Förderung unternehmerischen Know-hows“ - Staatlich geförderte Krisenhilfe durch das BAFA

Das alle Firmen dieselben Chancen haben, die Krise zu meistern, stellt der Staat diverse Hilfsprogramme für kleine und mittlere Unternehmen, die aufgrund der Corona-Krise in eine existenzielle Notlage gelangt sind, zur Verfügung. 

Ab sofort können Beratungen, bis zu einem Beratungswert von 4.000 Euro für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) einschließlich Freiberufler durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) gefördert werden. Das zugehörige Programm heißt „Förderung unternehmerischen Know-hows“. Im Zuge der Corona-Krise wurden die Förderbedingungen gegenüber den alten Richtlinien der Vorgängerprogramme angepasst. So wird jetzt die Beraterrechnung zu hundert Prozent vom Staat bezahlt. Das bedeutet für Unternehmer ist die Beratung kostenfrei!

Wie kann so eine durch das BAFA geförderte Beratung aussehen?

Zusammen mit dem Profi wird zunächst einen Überblick über die aktuelle Lage erarbeitet. Ein Kosten- und Liquiditätsplan ist hierfür das richtige Instrument. Der Berater nimmt mit die Kostenstruktur unter die Lupe und beurteilt die bestehenden Vertriebswege. Man überlegt gemeinsam, wie diese an die besonderen Bedingungen der Corona-Krise angepasst werden können. Im Einzelhandel müssen beispielsweise Verkäufe im Ladengeschäft durch Lieferungen ersetzt werden.

Welche Möglichkeiten hat ein Dienstleistungsunternehmen, das bislang eine personelle Dienstleistung erbracht hat? Kann ein Friseur, eine Nageldesignerin oder eine Yoga-Lehrerin auch mit Kontaktverbot den Beruf ausüben? Auch hierfür gibt es Lösungsansätze, die zwar ein wenig Flexibilität bei Kunde und Dienstleister gleichermaßen voraussetzt, aber schließlich darf man am Ende eins nicht vergessen: Nicht nur die Unternehmen als Dienstleister haben ein Problem, auch die Kunden haben einen unerfüllten Bedarf. Zusammen mit dem Unternehmensberater werden Wege gefunden, diesen Bedarf trotz Krise zu bedienen. 

Eine besondere Herausforderung sind Mitarbeiter, die im Unternehmen beschäftigt werden. Kein verantwortungsvoller Unternehmer möchte sein Personal unnötig wirtschaftlich belasten. Das Ziel ist alle möglichst unbeschadet durch die Krise zu bringen. Hier hilft der Unternehmensberater, indem er Wege aufzeigt, die Personalkosten zu senken, ohne Mitarbeiter entlassen müssen, beispielsweise indem man Kurzarbeit beantragt.

Unternehmerinnen und Unternehmer, die bereits eine Idee im Kopf haben, wie die Krise zu meistern wäre, denen aber aktuell das Know-how zur Organisation und Umsetzung fehlt, profitieren von der Erfahrung eines Coaches. Wie muss die Organisation umstrukturiert werden, um das Ziel zu erreichen, welche Möglichkeiten der Finanzierung bieten sich an und wie erhalten ich diese möglichst schnell. 

Wer erhält die BAFA „Förderung unternehmerischen Know-hows”?

Gefördert werden kleine und mittlere Jungunternehmen und Bestandsunternehmen, die sich bedingt durch die Corona-Krise in wirtschaftlichen Schwierigkeiten befinden. Der Zusammenhang der Notlage mit der Corona-Krise muss durch den Berater im Beratungsbericht schlüssig dargestellt werden. 

Der Unternehmenssitz des Antragstellers muss in der Bundesrepublik Deutschland liegen. 

Es darf kein Insolvenzverfahren gegen das Unternehmen eröffnet sein oder schon vor der Corona-Krise eine wirtschaftliche Notlage bestanden haben. 

Die Unternehmen und Freiberufler müssen zudem die Bedingungen der KMU- und De-minimis Regelungen erfüllen. 

Wer darf eine Beratung durchführen?

Um die Förderung beantragen zu können, muss der Berater für das BAFA-Programm zugelassen sein. Dafür muss sie oder er bestimmte Voraussetzungen erfüllen und gegenüber dem BAFA nachweisen. Unter anderem muss der Berater seine überwiegenden Einkünfte aus einer Beratertätigkeit ziehen und auch Qualitätsnachweise zu seiner Befähigung erbringen.

Schwarze Schafe erkennen

Unternehmensberater ist kein geschützter Beruf. In schwierigen Zeiten, wie der Corona-Krise kommt es durchaus vor, dass sich nun so manch einer zum Berater aufschwingt, um schnelles Geld zu verdienen. Daher sollte man ganz genau hinschauen, wem man sein Vertrauen schenkt. Folgende Punkte sind zu beachten, um einen seriösen Berater zu finden:

Achtung!

Diese Fragen sind wichtig

Die richtigen Antworten des Beraters

Der Berater weist keine Referenzen auf und hat einen branchenfremden Hintergrund.

  • Wie lange sind Sie als Berater tätig?
  • Haben Sie Referenzen?
  • Was haben Sie davor gemacht/gelernt?
  • Nennung von belegbaren Referenzen
  • Ausbildung/Berufserfahrung zum Beispiel BWL-Studium, Steuerbranche, Rechtanwalt, Banker

Der Berater bietet zusätzliche Produkte an, die man erwerben kann

  • Verdient der Berater mit diesem Produkt Geld?
  • Zielt die Beratung in Richtung Produktverkauf ab?
  • Der Berater spricht lediglich eine Empfehlung aus für ein Produkt, die er gut begründen kann: Beispiel ein Tool zur Rechnungsabwicklung
  • Der Berater verdient kein Geld mit der Empfehlung oder beim Kauf. 
  • Die Beratung kann auch ohne dessen Erwerb ganz normal durchgeführt werden.

Der Berater hat keine Webpräsenz, keine Visitenkarten, kein Briefpaper mit Briefkopf

  • Den Berater direkt darauf ansprechen
  • Im Grunde können hier nur technische Probleme ins Feld geführt werden, denn ein Berater ohne Webpräsenz oder Visitenkarten/Briefkopf ist eigentlich ein No-Go.

Der Berater berät ohne Auftrag

  • Agiert der Berater in den vorher vereinbarten Beratungsfeldern oder fängt er an, ungefragt das Business an anderen Punkten in Frage zu stellen.
  • Den Berater direkt darauf ansprechen
  • Wird der Unternehmer über die Maße kritisiert, die Arbeit als ineffizient hingestellt und der Beraterbedarf ständig erwähnt?
  • Finger weg
  • Der Berater reagiert verständnisvoll und kann schlüssig begründen, warum er neue Beratungsfelder miteinbeziehen will. 

Darüber hinaus gibt es noch ein paar mehr Warnsignale, die aber im Grunde bei gesundem Menschenverstand jedem auffallen sollten:

  • Unpassende Kleidung und ungepflegtes Äußeres: Wie stellt man sich einen Berater vor? Richtig, seriös und gepflegt. Wer mit wilden Haaren, Dreitagebart oder zerknitterter Kleidung zum Termin erscheint, erweckt kein Vertrauen.
  • Unpassende Sprache: Natürlich dürfen auch Berater witzig und frisch kommunizieren. Stutzig werden sollte man bei einem vertrauten „Du“ von Beginn an, einer flapsigen Ausdrucksweise und wenn der Berater im Gassenjargon daherredet.

Achtung Soforthilfebetrüger!

Die Förderung aufgrund von Corona durch das BAFA lockt jetzt auch vermehrt Trickbetrüger an. Sie geben sich als Berater aus, wollen aber nur die Förderung abgreifen. Besonders gut aufpassen sollte man, wenn der Berater direkt auf das Unternehmen zukommt, statt andersrum: Das ist sehr verdächtig. Ein Berater ist kein Vertreter, der ungefragt seine Dienstleistung anbietet und mit einer Förderung lockt. Zumal das ein guter Berater auch gar nicht nötig hat.

Andere Betrüger suchen jetzt nach Selbständigen, die mit ihnen „Halbe-Halbe“ machen. Sie wollen die Förderung beim BAFA beantragen und dann mit Ihnen das Geld teilen, ohne dass eine Beratung erfolgt. Finger weg, das ist Subventionsbetrug!

Wie finde ich einen geeigneten Berater für meine BAFA Förderung?

Wurde schon einmal eine Unternehmensberatung in Anspruch genommen, beispielsweise bei der Gründung, dann sollte direkt dort nachgefragt werden. Der Berater ist mit dem Unternehmen bereits vertraut. 

Die beste Möglichkeit einen guten Berater für die BAFA-Förderung zu finden, ist die persönliche Empfehlung. Dabei sollten jedoch nur Menschen befragt werden, deren Urteil man vertraut. Das können Freunde, Kollegen oder Bekannte sein, aber auch der Steuerberater oder Rechtsanwalt. So findet man einen richtig guten Steuerberater!

Bei einer Empfehlung, sollte zunächst im Vorfeld geprüft werden, ob der Berater bei der BAFA qualifiziert ist und das Angebot zusagt. Professionelle Berater stehen immer für ein klärendes Gespräch vorab zur Verfügung und sind in der Lage, sich und ihre Beratungsleistung in wenigen Worten zu präsentieren. 

Auf die Inhalte der Beratung sollte geachtet werden: Die BAFA-Förderung ist attraktiv und viele Unternehmen möchten davon profitieren. Berater sollten keinesfalls eine Standardberatung durchführen, sondern auf alle Fälle ein individuelles Angebot erstellen, das sich konkret mit Ihren Problemen beschäftigt. 

Das Programm im Überblick:

Die Beratungsinhalte werden vom BAFA gefördert:

  • Liquiditätssicherung
  • Fördermittelanalyse
  • Finanzierungsberatung
  • Kostenstruktur analysieren und optimieren
  • Neue (digitale) Geschäftsfelder erschließen
  • Marketing neu ausrichten
  • Akquisestrategien entwickeln

Antragsberechtigt für die Förderung:

  • Freiberufler und Selbstständige
  • Jungunternehmen
  • Bestandsunternehmen
  • Unternehmen die in wirtschaftlicher Not aufgrund der Corona-Krise sind

Wie hoch ist die Fördersumme:

  • Für Unternehmen in wirtschaftlicher Not aufgrund der Corona-Krise werden Beraterkosten bis zu 4.000 Euro zu 100 Prozent gefördert.

Wo finde ich einen Berater:

  • Über persönliche Empfehlungen von Freunden und Bekannten. Auf Grund von Empfehlungen meines Steuerberaters oder Rechtsanwaltes oder direkt beim Gründerlexikon

Fazit: Eine durch das BAFA geförderte Beratung ist eine gute Sache, solange es dem Unternehmen dient

Seien wir ehrlich, Unternehmensberater ist ein Beruf wie jeder andere auch. Das Ziel des Beraters ist es Geld zu verdienen und nicht Mutter Theresa zu spielen. Auch wenn die BAFA Förderung zu 100 Prozent vom Staat bezahlt wird, sollte man auf jeden Fall einen kritischen Blick beibehalten und die angebotene Beratungsdienstleistung genau hinterfragen. Schließlich investiert der Unternehmer trotzdem noch viel Zeit und Energie in diese Beratung und möchte für das vorhandene Budget auch vernünftige Ergebnisse für das eigene Unternehmen nutzen. Da gerade viele Unternehmen eine Leistung in Anspruch nehmen, kann Unternehmensberatung zum Massengeschäft werden. Nur Angebote, die sich individuell mit Ihrem Unternehmen auseinandersetzen, sind sinnvoll.

Sollte man also das Gefühl haben, der gewählte Berater möchte ein vorgefertigtes Konzept andrehen und setzt sich nicht mit dem Unternehmen speziell auseinander, dann sollte besser ein anderer BAFA-Berater gesucht werden.

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