Am von Torsten in kurz notiert geschrieben
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Serie zur Berufsfindung

Banker werden ist nicht schwer, Banker bleiben dafür sehr

Was willst du mal werden? Wurden wir das nicht alle gefragt. Wir hatten keine Ahnung, was ein Beamter oder Angestellter tatsächlich 8 Stunden pro Tag tut. Wir hatten unsere eigenen Theorien, oder eben keine, wie in meinem Fall. Mir wurde immer beigebracht, dass ich einen vernünftigen Job bräuchte. Warum? Sicher um gutes Geld zu verdienen und ein gut bürgerliches Leben führen zu können, eine Familie ernähren zu können. So wie es sich eben gehört.

Baby sitzt in Bürostuhl
Auch klein, kann ganz groß träumen.
© Courtany / pixabay.com

Berlin, 30. Oktober 2018 - Banker, ein bürgerlicher Traumjob? Mir wurde diese Frage natürlich auch gestellt. Und was habe ich geantwortet? Bankangestellter, so wie es damals noch hieß. Heute heißt das Banker und hat eine eher negative Intonation. Würde ich die gleiche Frage heute auch noch so beantworten? Dazu später mehr. 

FRANKFURT am Main oder an der Oder? Diese Frage bekommt man in Berlin oft zu hören. Im Rest der Republik geht man doch davon aus, daß von dem Frankfurt mit den Hochhäusern die Rede ist. Viele wissen gar nicht, daß es überhaupt ein anderes Frankfurt gibt. Viel mehr als von den Hochhäusern der Bankenzentralen wusste ich auch nicht. Doch bewarb ich mich um eine Stelle im Back Office und fuhr zum anschliessenden Vorstellungsgespräch. Ich wurde genommen und begann dort im Juli 1999 an zu arbeiten. 

Karrierestart mit Wertpapieren und Aktien

Ich war nicht grad ein ausgebildeter Banker, aber das machte nichts. Die Bank brauchte Leute, die die Arbeit machen konnten. Die Arbeit, das ist bzw. war das Abrechnen von Aktiengeschäften, Käufen und Verkäufen von Wertpapieren von ausländischen Aktien; im Ausland. Meine Aufgabe  war es die Geschäfte manuell im System zu erfassen, als auch die entsprechende Währungskonvertierung (es gab noch keinen Euro). Ich sprach mit den Händlern, heute Trader genannt, wenn es Probleme gab und fühlte mich, als wäre ich wichtig und Teil etwas ganz Großen.

Ich arbeitete sehr hart und lang. Schließlich wollte ich Karriere machen und viel Geld verdienen. Aber der Weg nach oben war verbaut, meine Chefs klammerten sich an ihre Sitze. Sie waren da schon lange und wollten da auch noch lange bleiben. Also musste ich andere Wege finden. Umwege. Und dies führte mich dann zu der nächsten Abteilung, da wo die schmutzige Wäsche gewaschen wird. Die Aktiengeschäfte, die nicht durchliefen, die nicht "settelten" (so hieß das in der Fachsprache). Erstmalig war Englisch das Instrument der Kommunikation, da man ständig mit der Depotbank im Ausland und dem Kontrahenten, also der Gegenseite (die die die Aktien entweder von uns gekauft oder an uns verkauft hat). 

Nur wenige Monate später fing ich an dort zu arbeiten, aber zunächst erstmal in Frankfurt. Die Bank, für die ich nun arbeitete, war umso größer, professioneller und erfolgreicher. Ich war Teil eines 2 Mann-Teams; die Arbeit machte Spaß. Ich wäre gern geblieben, aber ich wollte nach London. Dann kam 9/11, der Anschlag auf das größte Finanzzentrum der Welt. Ich sah die schrecklichen Bilder, wie Leute sterben mussten. Und ich kannte Leute, die an diesem und an den folgenden Tagen viel Geld verloren, aber auch viel Geld machten. Geld machen mit Katastrophen und Terroranschlägen? Wie unmenschlich ist das denn? Oder ist das normal im Kapitalismus, in der Finanzwelt? Muss man das so machen, wenn man erfolgreicher Banker sein will?

Investmentbanking

Ein ganz wichtiges Geschäftsfeld ist das Investmentbanking. Hier sitzen sogenannte 'Trader', die mit dem 'Traden' oder Handeln von Finanzprodukten Geld für die Banken verdienen. Gehandelt wird alles, angefangen von Aktien, über Anleihen (oder 'Bonds'), Währungen, Rohstoffe bis hin zu Krediten. Ja, sie haben richtig gelesen; Kredite. Nein, es handelt sich nicht um die Vergabe von Krediten, sondern um den Handel mit bereits vergebenen bzw. existierenden Krediten. Wie geht das, fragen sie sich? Jeder Kredit hat einen Wert für die Bank. Dies muss nicht unbedingt der Restbetrag sein, sondern der Wert kann auch darunter liegen, wenn Zweifel bestehen, daß der Schuldner den Restbetrag zurückzahlen kann. Also packt man all die Kredite, bei denen eine gewisse Unsicherheit besteht, in ein Paket, wickelt ein bisschen Geschenkpapier drumherum (ich werde metaphorisch), gibt dem Paket einen interessant klingenden Namen und verkauft es als Produkt.

Aktiengeschäfte

Nun zurück zu meinen Erfahrungen. Ich arbeitete die ersten 1,5 Jahre meiner Zeit im Bankgewerbe bei einer Bank in Frankfurt/Main, die es heute so nicht mehr gibt. Hier war ich zuständig für die Abwicklung von Aktiengeschäften, die von Kunden der Bank in Deutschland ausgeführt wurden, aber auf ausländischen Börsenplatz. Jedes Geschäft musste zu der Zeit (1999) manuell im System erfasst werden. Und wo immer manuelle Arbeit anfällt, entstehen viele Fehler. Aber für das Beheben von Fehlern war keine Zeit, denn der Markt boomte und das Tagesgeschäft hatte Priorität. Wir arbeiten viele Stunden, nur um mit dem Berg an 'Ordern' (so hießen Verkaufsaufträge und Kaufaufträge) fertig zu werden. Und so fielen in unserer Abteilung - der Abwicklung von ausländischen Aktiengeschäften (mit 50 Leuten) - hunderte von Differenzen pro Monat an, die keiner bearbeiten konnte. Später hat man eine 'Task-Force' (so hieß das Team, das sich darum kümmerte) angeheuert, die die meisten der Differenzen eben einfach auf ein Differenzkonto umbuchte. 

Traumjob Bankkarriere

In diesem Job brauchte ich auch das erste Mal in meinem Leben Englisch. Schließlich war man ja die meiste Zeit am Telefon mit Korrespondenzbanken in der ganzen Welt, um über die Abwicklung von Aktiengeschäften zu sprechen. Ich fühlte mich, als wäre ich in der großen, weiten Welt angekommen. Als dann auch noch 'Contractors' (also Zeitarbeiter) aus England ins Team kamen, mit welchem man sich nur auf Englisch verständigen konnte, war das Gefühl komplett. Und ich schnüffelte Luft, von der ich noch mehr schnüffeln wollte. Meinen Job hatte ich verstanden, ich war nicht schlecht darin, viele Dinge gleichzeitig zu machen; 'Deadlines' (also Zeitgrenzen) einzuhalten und Gelder rechtzeitig in die richtige Richtung zu senden. Der Traum von der großen Bankkarriere war geboren. Ich träumte von einem Apartment mit einem schönen Blick, von einem großen, schicken Auto und

Auf zur blauen Bank nach London

So musste ich den nächsten Schritt machen. Und es sollte ein Großer werden. Die eigentlichen Gelder in der Bank, in der ich arbeitete wurden auch schon damals in London gemacht: London war und ist der größte Finanzplatz Europas. Dort sitzen die Investmentbanken und schlagen jeden Tag Milliarden von Euro um.

Ich kannte damals (2000) eine deutsche Freundin, die es dort hinzog. Also besuchte ich sie mal und fand die Stadt einfach faszinierend; größer, aufregender, internationaler und spektakulärer als Frankfurt. Also fasste ich den Entschluss, dass ich nach London wollte. Direkt am nächsten Tag verfasste ich meinen Lebenslauf auf Englisch und schickte ihn an ein paar Agenturen in London. Relativ schnell hörte ich von der ersten Agentur, die mich am Telefon über meine Kenntnisse ausfragte.

Auf zum Vorstellungsgespräch nach London

Nur 2 Wochen später wurde ich zu einem Vorstellungsgespräch beim deutschen Branchenprimus in die Londoner Zentrale eingeladen. Vorher hatte ich noch ein Gespräch mit der Agentur, die mich über den Job und den Chef aufklärte. Dies ist normale Prozedur, die ich in den Jahren danach noch öfter durchmachen würde. Der Chef der Abteilung begrüßte mich in Jeans und Shirt, während ich in Anzug und Krawatte gekleidet war. Die Kleiderordnung war etwas lockerer als in Frankfurt, die Professionalität schien darunter aber keineswegs zu leiden. Das Gespräch lief gut, und ich traf den gleichen Chef eine Woche später in Frankfurt wieder, wo er mich zunächst für seine Abteilung dort haben wollte um mich dann später nach London zu transferieren. Es war leider nicht ganz das, was ich wollte. Ich nahm mir einige Bedenkzeit, machte den Schritt letztenendes dann doch.

Von der grünen zur blauen Bank

Ich wechselte die Seiten; von der grünen zur blauen Bank. Ein Jahr zuvor feierte ich mit meinen Kollegen von der grünen Bank noch ausgelassen die gescheiterte Fusion. Das Motto war: „Mit den arroganten Bankern von der blauen Bank wollen wir nichts zu tun haben“. Und nun wurde ich Angestellter der blauen, arroganten Bank, bezog ein sehr nettes Büro im Tower nebenan und bekam einen sehr netten Kollegen und „Teamleader“, mit dem ich heute noch sehr gut befreundet bin. Ich lieferte saubere und gute Arbeit, und wurde dafür von meinen Chefs und Kollegen immer gelobt. Für mich war es vor allem der Transfer nach London, den ich mir erarbeiten wollte.

Die besten wurden abgeworben

Nach ein paar Monaten in meiner neuen Stelle hieß es eines Morgens, dass unsere Chefs und „Trader“ alle die Bank verlassen würden. Eine ganz neue Situation, von der ich vorher noch nie gehört hatte. Die Kollegen wohl auch nicht, denn alle fragten sich wie es weitergehen würde. Kaum jemand konnte sich auf das Tagesgeschäft konzentrieren. Wie sich später herausstellte, war das Gerücht war. Ein ganzes Team von wichtigen Personen unserer Abteilung, wurde einfach von einer anderen Bank abgeworben. Aber nicht irgendeiner Bank. Es sollte die Bank sein, für die ich vorher arbeitete. Freuen Sie sich auf den zweiten Teil meiner Geschichte.

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