Am von Torsten in kurz notiert geschrieben und am 19.06.2020 um 20:33 aktualisiert
Arbeitszeit

Arbeit auf Abruf: Das müssen Arbeitgeber und Arbeitnehmer beachten

Arbeit auf Abruf ist eine besondere Form der Arbeitsvereinbarung. Die Arbeitsleistung des Arbeitnehmers passt sich dabei dem aktuellen Arbeitsanfall an. Das bedeutet auf der einen Seite Flexibilität für Arbeitgeber und -nehmer. Auf der anderen Seite gibt es auch Einiges zu beachten, denn die Regelungen betreffen Arbeitnehmerschutz und Beitragspflicht.

Ein Daumen hoch umrahmt von zwei Händen mit Geld und einer mit Stoppuhr, hier: Arbeit auf Abruf
Arbeit auf Abruf macht Arbeitgeber flexibel, ist aber nicht risikofrei
© AlexanderLesnitsky / pixabay.com

Dingelstädt, 26. Februar 2020 - Arbeit auf Abruf ist besonders für den Arbeitgeber eine gute Lösung Leistungen an den Arbeitsanfall anzupassen. Dazu wird im Idealfall eine bestimmte wöchentliche und tägliche Arbeitszeit festgelegt und ein dazugehöriger Stundenlohn. In der Realität sieht das aber oft anders aus. Dann wird nur der Stundenlohn festgelegt - weder Urlaubszeit noch festgelegte Arbeitszeit stehen im Arbeitsvertrag. So ein Vertrag ist schnell gemacht, doch es gibt bei der Abrufsarbeit Wichtiges zu beachten.

Mindestanforderungen für Arbeit auf Abruf

Gesetzlich sind bei der Arbeit auf Abruf bestimmte Mindestanforderungen zu erfüllen. So wird der Schutz des Arbeitnehmers gewährt, und gleichzeitig die vereinbarte Leistung für den Arbeitgeber gesichert. Folgende Punkte sind zu beachten, sollte keine feste Areitszeit vereinbart sein:

  • Es müssen mindestens 3 Stunden am Stück gearbeitet werden, wenn keine tägliche Arbeitszeit vereinbart ist. Das bedeutet auch aufgeteilte Arbeitszeiten, wie morgens zwei Stunden und nachmittags zwei Stunden Arbeit sind nicht zulässig.
  • Der Arbeitgeber muss mindestens 4 Tage im Vorraus den Abruf mitteilen. Das bedeutet, er ist verpflichtet die Lage des Arbeitsaufwands rechtzeitig anzukündigen, ansonsten kann der Arbeitnehmer berechtigt die Arbeit verweigern. Mehr zum Thema Recht bei Arbeitszeiten.
  • Es gibt einen Unterschied von Mindestarbeitszeit und Höchstarbeitszeit auf Abruf. Der Arbeitgeber darf bis zu 25% mehr von der vereinbarten Zeit abrufen. Allerdings darf er auch nur bis zu 20% weniger abrufen. Wenn der Arbeitgeber gar keine Leitung abruft, gilt die gesetzliche Fiktion, d.h. der Arbeitgeber muss dennoch Lohn zahlen, auch bei keiner monatlichen Leistung.

Arbeitszeit auch bei Arbeit auf Abruf vereinbaren

Für den Arbeitgeber ist es immer von Vorteil eine feste wöchentliche und tägliche Arbeitszeit zu vereinbaren. Es gibt dafür verschiedene Software zur Zeiterfassung, die Arbeitgebern bei der Einhaltung der Mindestanforderung helfen können. Ohne eine Festlegung, kann es zu ungewollten Versicherungs- und Beitragsverpflichtungen kommen. Wenn nichts außer dem Stundenlohn vereinbart wurde, gilt laut Gesetzgeber eine Wochenarbeitszeit von 20 Stunden.

Das kann für Arbeitgeber besonders gravierende Folgen haben. Denn sollte der Arbeitgeber Leistung unter drei Stunden oder den Abruf nicht vier Tage vorher ankündigen, ist er verpflichtet 20 Arbeitsstunden zum vereinbarten Stundenlohn zu entlohnen.

Das bedeutet auch, dass es eventuell zur ungewollten Versicherungs- und Beitragspflicht kommt. Denn bei 20 Wochenstunden gilt die Beschäftigung immer als versicherungspflichtig. Die Rechnung lautet dann, wenn man den aktuellen Mindestlohn von 9,35 Euro beachtet: 9,35€ x 20 Wochenstunden x 13 Wochen : 3 = 810,33€. Nach diesem monatlichen Entgelt werden die Sozialversicherungsbeiträge berechnet.

Arbeit auf Abruf hat für Arbeitgebende den Vorteil, dass sie weder Über- noch Unterbeschäftigung zu befürchten haben. Sie können flexibel auf Leistungsspitzen innerhalb des Kalenderjahres reagieren, um den Arbeitsanfall gut zu bewerkstelligen. Günstig ist es dabei, eine genaue wöchentliche und tägliche Arbeitszeit festzulegen. Arbeitnehmer sichern so ihr Entgelt und Arbeitgeber regulieren die Beschäftigung.

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