Kosten vor der Gründung nennt man vorweggenommene Betriebsausgaben

Wer sein eigenes Unternehmen erfolgreich an den Start bringen will, muss sich im Vorfeld gut informieren und ggf. die ein oder andere Investition bereits vor Gewerbeanmeldung finanzieren.

Bild: jarmoluk / pixabay.com

Diese Kosten (besser Betriebsausgaben, denn es existiert in der Tat ein Unterschied zwischen Kosten, Betriebsausgaben und Aufwendungen), die schon vor der Gewerbeanmeldung entstanden sind, kann der Gründer in Form der vorweggenommenen Betriebsausgaben beim Finanzamt geltend machen. Die einzige Voraussetzung: Es muss ein "klar erkennbarer wirtschaftlicher Zusammenhang zwischen den Aufwendungen und einer bestimmten Einkunftsquelle“ existieren.

So werden vorweggenommene Betriebsausgaben akzeptiert

Absetzen kann der Firmengründer grundsätzlich alle Betriebsausgaben, die in einem Zusammenhang mit der Firmengründung stehen. Dazu gehören sämtliche Ausgaben, die für den Besuch von Fachmessen entstehen ebenso wie der Wareneinkauf, wenn der Firmengründer ein Ladengeschäft eröffnen möchte. Auch Fachliteratur und die Kosten für einen Rechtsanwalt oder Steuerberater (auch der Gründungsberater der im Vorfeld die Existenzgründung coacht) können abgesetzt werden, wenn dieser Ratschläge zur Firmengründung gibt. Steuerlich müssen diese Kosten in dem Jahr geltend gemacht werden, in dem sie entstehen. Am leichtesten lässt sich der Zusammenhang zwischen den Kosten und der Existenzgründung herstellen, wenn die Gewerbeanmeldung in dem Jahr erfolgt, in dem die Kosten entstanden sind, was aber nicht zwangsläufig die Bedingung ist.

Bis zu drei Jahre rückwirkend geltend machen

Grundsätzlich können die vorweggenommenen Betriebsausgaben jedoch bis zu drei Jahre vor der Anmeldung des Gewerbes geltend gemacht werden, wie der Bundesfinanzhof in mehreren Urteilen bestätigte.

Belege sammeln nicht vergessen

Das die Kosten vom Finanzamt auch anerkannt werden, müssen die Existenzgründer die entsprechenden Belege sammeln und vorlegen können. Darauf muss ggf. auch der Name des Gründers mit seiner Anschrift verkermt sein, wenn es sich um einen größeren Kauf handelt, siehe dazu das Thema Kleinbetragsrechnungen.

Wer seine Fahrtkosten ansetzen möchte, muss die gefahrenen Kilometer mit Datum, Uhrzeit und Anlass dokumentieren. Mögliche Anlässe sind beispielsweise der Opens internal link in current windowBesuch einer Gründermesse, von Lieferanten oder möglichen Kunden. Weil die meisten Existenzgründer ihre geschäftlichen Fahrten mit dem privaten Auto erledigen dürften, sollten sie sich rechtzeitig angewöhnen, ein Fahrtenbuch zu führen, was aber keine Verpflichtung darstellt, siehe dazu Fahrtenbuch oder Reisekostenabrechnung.

Was kann abgesetzt werden?

Als Betriebsausgabe können alle Ausgaben gewinnmindernd geltend gemacht werden, die in einem direkten Zusammenhang mit der Existenzgründung stehen. Selbst die Vorsteuer können sie geltend machen, sofern sie nicht von der Kleinunternehmerregelung Gebrauch machen. Ob die Kleinunternehmerregelung Sinn macht, sollte mit einem Steuerberater abgeklärt werden.

Was, wenn die Existenzgründung platzt?

Selbst wenn die Firmengründung aus irgendwelchen Gründen platzt, müssen die vorweggenommenen Betriebsausgaben nicht zurückerstattet werden. Auch dafür liegen entsprechende Urteile des Bundesfinanzhofs vor. So hatten wir das bereits vor einiger Zeit im Artikelu den häufig gestellten Fragen "vorweggenommene Betriebsausgaben"



Sind Sie der geborene Unternehmer? Machen Sie jetzt den Test!