Handwerksmeister - Top oder Flop?

Die kürzlich auf Initiative des Werkstattausrüsters Würth vom Künzelsauer Institut für Marketing an der Hochschule Heilbronn und der Münchener Servicebarometer AG durchgeführteHandwerkerstudie “Manufactum“ brachte es an den Tag. Die deutschen Handwerksmeister(innen) sind topfit in ihrer fachlichen Qualifikation, haben aber ein Nachholbedarf auf dem Gebiet der Führungsqualitäten und im Marketing. Mehr als 4.200 weibliche und männliche Handwerksmeister wurden dazu in verschiedenen Bereichen befragt.

Bild: www.servicebarometer.net

Im einzelnen sah das Ergebnis nach einem Ranking von Platz 1 bis Platz 6 wie folgt aus:

Platz 6: Unternehmensführung

Als Stärke empfinden 73 Prozent der Befragten, die Serviceorientierung von Firma und Mitarbeitern. Gemeint sind beispielsweise die Pflege sozialer Kontakte bei gemeinsame Besprechungen, Betriebsfesten, Weihnachtsfeiern, oder Veranstaltungen. Als Schwächen werden mit 39 Prozent das Führen per Kennzahlen wie Auslastung, Krankenstand etc. genannt. Damit wird sich ein Handwerker in der Regel auch nicht anfreunden. Handwerker sind Menschen der Tat und wollen mit ihren Händen etwas erschaffen. Die Kennzahlenanalyse wird als lästige Nebenpflicht empfunden und damit häufig vernachlässigt.

Platz 5: Marketingkenntnisse

62 Prozent der Befragten kennen sich mit Kundenzufriedenheit und Empfehlungsmarketing gut aus. Kundenzufriedenheit setzt eine qualitativ hochwertige Arbeit in angemessener Zeit und zu angemessenen Preisen voraus. Außerdem muss sich das Personal entsprechend bewähren und verhalten. Empfehlungsmarketing oder auch Mund-zu-Mund-Propaganda tritt bei optimalem Verlauf des zuvor genannten, ganz von selber ein. 42 Prozent haben jedoch Probleme mit dem Erstellen von langfristigen Marketingstrategien. Mit Marketing wird, vereinfacht dargestellt, versucht, ein Produkt oder eine Dienstleistung in den Markt zu bringen, am Markt zu etablieren und am Markt zu halten. Dazu bedient man sich in der Regel dem sogenannten Marketingmix. Dieser besteht generell aus vier Säulen:
  • Produktpolitik (produktbezogene Entscheidungen, Überlegungen, Handlungen)
  • Preispolitik (Preise und Zahlungsbedingungen)
  • Kommunikationspolitik ( Werbung, Messen, Sponsoring, Öffentlichkeitsarbeit)
  • Distributionspolitik (Produktweg Hersteller – Endverbraucher) 

Platz 4: Betriebswirtschaftliche Tätigkeiten

Die Kalkulation von Angeboten wird von 88 Prozent der befragten als Stärke angesehen. Um ein Angebot beziehungsweise eine Kalkulation mit entsprechender Aussagekraft erstellen zu können, müssen bei der Mehrzahl der männlichen und weiblichen Handwerksmeister zumindest betriebswirtschaftliche Grundlagenkenntnisse vorhanden sein. Bestenfalls wurde auch einExistenzgründerseminar besucht, oder aber es fanden Gespräche mit Gründungsberatern statt. Den absoluten Tiefpunkt aller befragten Bereiche bildet in diesem Segment, mit 38 Prozent das juristische Fachwissen. Fehlendes juristisches Fachwissen kann unter Umständen ganz leicht in die Insolvenz führen! Was tue ich bei säumigen Kunden? Wie verhalte ich mich bei existenzgefährdenden Zahlungsausfällen? Brauche ich eine entsprechende Firmenrechtsschutzversicherung? Wann ist die Einschaltung eines Rechtsanwalts sinnvoll? Ungeklärte Fragen? Schnellstens Antworten finden!

Platz 3: Mitarbeiterführung

Ein Bauhelfer mauert

Mit ebenfalls 88 Prozent wird die Koordination der Aufgaben im Tagesgeschäft bei der Mitarbeiterführung als Stärke angesehen. Hierzu ist ein genauer Blick in die Auftragsbücher, sowie eine flexible Einsatzplanung der Mitarbeiter zwingende Voraussetzung. So müssen Auftragsspitzen abgefangen werden, aber auch Lösungen bei Ausfall von Beschäftigten, oder Auftragsflauten vorhanden sein. 63 Prozent sehen ihre Schwächen hingegen bei Gesprächen zur Mitarbeiterbewertung. Hier besteht ein schmaler Grad zwischen Motivation und Demotivation der Beschäftigten. Wird jemand beispielsweise überschwänglich gelobt, ein anderer aber dauernd kritisiert, kommen vor allen Dingen bei kleinen Handwerksbetrieben sehr schnell Unmutsäußerungen auf, weil sich die Mitarbeiter untereinander benachteiligt beziehungsweise übervorteilt fühlen.

Platz 2: Umgang mit Kunden

94 Prozent der Befragten sind von einer fach- und bedarfsgerechten Beratung ihrer Kunden überzeugt. Hierbei sind Redegewandtheit, Überzeugungskraft und Durchsetzungsvermögen gefragt. Jede Frage der Kunden zu speziellen Problemen, muss entsprechend beantwortet werden können. Langjährige Berufserfahrung ist hierbei natürlich ein Vorteil. Mit 72 Prozent wird aber auch der Umgang mit Kunden kritisch gesehen. Vor allen Dingen wird hier das mangelnde Beherrschen von Verkaufstechniken genannt. Bei diesem Problem könnten sich Verkäuferschulungen, wie sie beispielsweise von bestimmte Beratungsfirmen angeboten werden, als hilfreich erweisen. Eventuell werden entsprechende Seminare auch an Volkshochschulen angeboten.

Platz 1: Technische Fachkenntnisse

Ebenfalls 94 Prozent gaben an, sie hätten ihre Stärken in der Diagnose von Fehlern und deren Ursachen. Dies bedingt einem umfangreichen technischen Fachwissen, welches man sich in Theorie und Praxis auf Lehrgängen, Schulungen, Workshops, oder im Selbststudium aneignen muss. Nur geschultes Personal kann hochwertig Arbeit abliefern. Selbstverständlich müssen ferner die entsprechenden technischen Arbeitsmittel zur Fehleranalyse, Ursachenforschung, oder zur Mängelbeseitigung vorhanden sein. Dem entgegen stehen 68 Prozent, die ihre Schwächen im Umgang mit betriebsbedingter Software sehen. Diesem Problem kann ebenfalls durch entsprechende Schulungen entgegen gewirkt werden. In der Natur des Handwerksmeisters liegt es eben, sich mit realen Problemen auseinanderzusetzen, als sich mit der speziellen Welt der Software zu beschäftigen.

Fazit

Mit 93 Prozent im Durchschnitt sehen sich 4.200 befragte männliche und weibliche Handwerksmeister in der technischen Fachkompetenz ganz weit oben. Mit 54 Prozent im Mittel deutlich abgeschlagen, wird die Unternehmensführung von der Gesamtheit bewertet. Dennoch gilt der Grundsatz: Handwerk hat goldenen Boden. Dies beweist auch diese Manufactum-Handwerksstudie ganz eindeutig. Mehr Investitionen in die Zukunft sind jedoch wünschenswert. 

Weitere Erfolgsfaktoren der Betriebe

Ihr Schlüssel zum Erfolg

Erfolgsfaktor Kunde
Der Kunde ist König. Er hat viele "Untergebene" von denen er sich die besten aussuchen kann. Die eigene Homepage ist standard, um auf sich aufmerksam zu machen. Sie muss jedoch gut gefunden werden können. Eine gute Fahrzeugbeschriftung und Anzeigen in Zeitungen bleiben gleichzeitig wichtig. Auch Sponsoring ist eine gute Möglichkeit, um den eigenen Bekanntheitsgrad zu erhöhen. In der Außenwirkung gelten geeignete Geschäftsräume als attraktiv, um Kunden entsprechend zu empfangen. Saubere Geschäftsfahrzeuge, sowie gepflegtes Personal, sind ebenfalls das Aushängeschild eines jeden Unternehmens. Weniger wichtig ist, dass das ganze Betriebsgelände eine ansprechende Außenwirkung besitzt. Mitarbeiter gut laufender Firmen sind übrigens mit persönlichen Visitenkarten und Flyern versorgt.Erfolgsfaktor Handwerksleistung
Kundendienstleistungen und regelmäßige Wartungen gehören zu den wichtigen Leistungen starker Betriebe. Diese sollten fachmännnisch, zeitbewusst und zu angemessenen Preisen ausgeführt werden. Bei Bedarf werden Leistungen an anderer Betriebe vermittelt. Noch kaum verbreitet ist die Idee, auch spezielle Angebote für ältere Mitmenschen parat zu haben. Ökologische Lösungen werden noch zu wenig bedacht. Zusatzaufträge sind schwer zu bekommen. Zertifizierungen werden zu wenig beachtet.Erfolgsfaktor Geschäftsleitung
Businesspläne sind im Trend. Auch haben Betriebe Leitbilder, nach denen sie ihre Ziele festlegen. Damit lassen sie sich identifizieren. Leider vergessen viele Arbeitgeber, dass ihre Mitarbeiter einen wesentlichen Erfolgsfaktor darstellen, da sie täglich mit ihrer Einsatzbereitschaft und ihrem Verantwortugsbewusstsein an vorderster Front, das Fortbestehen des Unternehmens sichern. Arbeitgeber die auch mal an der Basis mitarbeiten und von ihrem hohen Thron herabsteigen, genießen Ansehen bei ihren Beschäftigten.Erfolgsfaktor Mitarbeiter
Fachkräftemangel – ein Thema unserer Zeit. In Deutschland fehlt es an allen Ecken und Enden an geeignetem Personal. Die Windenergiebranche könnte beispielsweise Hunderte von qualifizierten Ingenieuren einstellen, es sind jedoch keine vorhanden. Um geeignete Mitarbeiter zu finden, setzen Unternehmer immer häufiger auf das Internet, oder bedienen sich im Ausland. Dass neben der fachlichen Kompetenz die soziale Komponente eine ebenso große Rolle spielt, ist für die meisten Betriebe schon selbstverständlich. 

Interesse an der Handwerks-Studie?

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