Geschäftsmodelle von Banken

Der eigentliche Zweck einer Bank bestand darin, die Wirtschaft mit Geld zu versorgen. Dies geschieht über die Vergabe von Krediten. Die Bank leiht sich dafür Geld von ihren Kunden, wofür sie Ihren Kunden Zinsen zahlt. Auf der anderen Seite veleiht sie das Geld zu einem höheren Zins. Der Gewinn ist die Marge zwischen den beiden Zinssätzen (multipliziert mit den Beträgen). Dies ist natürlich nur eine sehr grobe Beschreibung des Geschäftsmodells einer Bank im traditionellen Sinne.

Bild: Q.pictures / pixelio.de

Nun können Sie, meine Leser, sich sicherlich vorstellen, daß sich damit nicht wirklich Banktower in bester Frankfurter oder Londoner Innenstadtlage bezahlen lassen. Natürlich nicht. Außer, sie vergeben sehr große Beträge, ihre Kunden sind sehr kreditwürdige Schuldner, die ihre Schulden immer voll und rechtzeitig zurückbezahlen, und sie verstehen es, ihre Verwaltungskosten gering zu halten. Dies ist natürlich nicht der Fall, denn die Banken kämpfen ständig gegen das Problem kreditunwürdiger Schuldner. Also was machen viele Banken? Sie suchen sich neue Geschäftsfelder, in denen Geld zu verdienen ist.

Investmentbanking

Ein ganz wichtiges Geschäftsfeld ist das Investmentbanking. Hier sitzen sogenannte 'Trader', die mit dem 'Traden' oder Handeln von Finanzprodukten Geld für die Banken verdienen. Gehandelt wird alles, angefangen von Aktien, über Anleihen (oder 'Bonds'), Währungen, Rohstoffe bis hin zu Krediten. Ja, sie haben richtig gelesen; Kredite. Nein, es handelt sich nicht um die Vergabe von Krediten, sondern um den Handel mit bereits vergebenen bzw. existierenden Krediten. Wie geht das, fragen sie sich? Jeder Kredit hat einen Wert für die Bank. Dies muss nicht unbedingt der Restbetrag sein, sondern der Wert kann auch darunter liegen, wenn Zweifel bestehen, daß der Schuldner den Restbetrag zurückzahlen kann. Also packt man all die Kredite, bei denen eine gewisse Unsicherheit besteht, in ein Paket, wickelt ein bisschen Geschenkpapier drumherum (ich werde metaphorisch), gibt dem Paket einen interessant klingenden Namen und verkauft es als Produkt. Dies tat auch Lehman Brothers bis 2008. Hierzu muss man allerdings auch sagen, das es sich hierbei um Kredite handelte, die an eigentlich nicht solvente Schuldner gingen.

Aktiengeschäfte

Nun zurück zu meinen Erfahrungen. Ich arbeitete die ersten 1,5 Jahre meiner Zeit im Bankgewerbe bei einer Bank in Frankfurt/Main, die es heute so nicht mehr gibt. Hier war ich zuständig für die Abwicklung von Aktiengeschäften, die von Kunden der Bank in Deutschland ausgeführt wurden, aber auf ausländischen Börsenplatz. Jedes Geschäft musste zu der Zeit (1999) manuell im System erfasst werden. Und wo immer manuelle Arbeit anfällt, entstehen viele Fehler. Aber für das Beheben von Fehlern war keine Zeit, denn der Markt boomte und das Tagesgeschäft hatte Priorität. Wir arbeiten viele Stunden, nur um mit dem Berg an 'Ordern' (so hießen Verkaufsaufträge und Kaufaufträge) fertig zu werden. Und so fielen in unserer Abteilung - der Abwicklung von ausländischen Aktiengeschäften (mit 50 Leuten) - hunderte von Differenzen pro Monat an, die keiner bearbeiten konnte. Später hat man eine 'Task-Force' (so hieß das Team, das sich darum kümmerte) angeheuert, die die meisten der Differenzen eben einfach auf ein Differenzkonto umbuchte. 

Traumjob Bankkarriere

In diesem Job brauchte ich auch das erste Mal in meinem Leben Englisch. Schliesslich war man ja die meiste Zeit am Telefon mit Korrespondenzbanken in der ganzen Welt, um über die Abwicklung von Aktiengeschäften zu sprechen. Ich fühlte mich, als wäre ich in der großen, weiten Welt angekommen. Als dann auch noch 'Contractors' (also Zeitarbeiter) aus England ins Team kamen, mit welchem man sich nur auf Englisch verständigen konnte, war das Gefühl komplett. Und ich schnüffelte Luft, von der ich noch mehr schnüffeln wollte. Meinen Job hatte ich verstanden, ich war nicht schlecht darin, viele Dinge gleichzeitig zu machen; 'Deadlines' (also Zeitgrenzen) einzuhalten und Gelder rechtzeitig in die richtige Richtung zu senden. Der Traum von der großen Bankkarriere war geboren. Ich träumte von einem Apartment mit einem schönen Blick, von einem großen, schicken Auto und [...]      

Foto Marek SonnabendAutor: Marek Sonnabend ist ein Unternehmer in Berlin. Er hat viele Jahre im Investmentbanking in Frankfurt und London gearbeitet, bevor er eine Karriere im Bereich Digital Media und Software Entwicklung einschlug. Dabei arbeitete er für nicht unbekannte Firmen in Tokio/Japan und Frankfurt.

Seit 2011 bertreibt Marek Sonnabend die Opens external link in new windowCafelingo Sprachschule für Deutsch in Berlin Friedrichshain. Neben traditionellen Gruppenkursen bietet seine Sprachschule auch andere Formen von Deutschkursen an, von denen manche mit Hilfe von Weblösungen flexibel gebucht werden können.

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