Fachkundige Stellungnahme, so wird beschissen

Bild: geralt / pixabay.com

Existenzgründer, die aus der Arbeitslosigkeit in die Selbständigkeit starten wollen, können bei der Bundesagentur für Arbeit den Gründungszuschuss beantragen. Zum Antrag ist eine fachkundige Stellungnahme einzureichen. Was bedeutet fachkundige Stellungnahme? Der Gründer geht mit seinem Geschäftskonzept, bestehend aus Geschäftsplan oder auch Businessplan zu einer fachkundigen Stelle. Diese muss die Tragfähigkeit des Geschäftskonzeptes positiv beurteilen und diese Beurteilung auch bestätigen. Welche fachkundigen Stellen gibt es? Zu den wichtigsten Stellen gehören (§ 93 SGB III):

  • Industrie- und Handelskammern
  • Handwerkskammern
  • berufsständische Kammern
  • Fachverbände
  • Kreditinstitute

Darüber hinaus können Steuerberater, Unternehmensberater und Existenzgründerberater fachkundige Stellungnahmen abgeben.

Warum werden die Geschäftspläne in der Regel positiv beurteilt?

Einerlei an welche Stelle sich der Gründer wendet, er bekommt seine positive Beurteilung. Unternehmensgründungen sind erwünscht, sie polieren gleich zwei Statistiken positiv auf. Einmal nimmt die Anzahl der Gründungen zu, was die Kammern freut, denn dadurch steigen auch die Mitglieder der Kammern) und zum anderen sinkt die Anzahl der Arbeitslosen, was die Bundesagentur für Arbeit begeistert. Die Mitarbeiter der Kammern, die Steuerberater oder Unternehmensberater wissen aus der täglichen Praxis heraus, dass der x-te mobile Frisör, der Hausmeisterservice oder der Büroservice keine Chance auf einen Fortbestand nach Ablauf der Fördermittel hat. Diesen Sachverhalt bestätigen auch regelmäßig die prognostizierten Umsatz- und Gewinnzahlen, die der Gründer selbst ermittelt hat. Eine positive fachkundige Stellungnahme wird trotzdem erstellt, kostet Sie doch den Gründer mindestens 50 Euro, bei Steuerberatern auch gern mal mehr. Das ist für die Berater leicht verdientes Geld.

So wird das Geschäftskonzept positiv

Die Berater von Existenzgründern sind kreativ und wissen, auf was es ankommt. Die Umsätze und Kosten in der Rentabilitätsvorschau können so angepasst werden, dass unterm Stich der Gründer einen Gewinn erwirtschaftet. Dieser Gewinn steigert sich auf dem Papier sogar für die folgenden beiden Wirtschaftsjahre. Laut der so erstellten Rentabilitätsvorschau kann der Jungunternehmer in ein bis zwei Jahren von seinem Geschäft leben.

An diesen Stellschrauben der Rentabilitätsvorschau dreht der Berater

Zuerst wird der Umsatz sehr optimistisch geschätzt. Das der Jungunternehmer diese Zahlen niemals erreichen kann, ist dem Berater bewusst. Aber Papier ist bekanntlich geduldig. Reicht der erhöhte Umsatz noch nicht für einen positiven Gewinn muss an den Kosten gearbeitet werden. So können die monatlichen Kfz-Kosten, die Buchführungskosten oder die Werbekosten gesenkt werden. Am Umsatz und den Kosten wird so lange gedreht, bis der gewünschte Gewinn unter dem Strich steht.

Werden die geschönten Zahlen bemerkt?

Die Rentabilitätsvorschau müsste in sich schlüssig sein. Das bedeutet, dass der prognostizierte Umsatz mit den Kosten im Verhältnis stehen muss. Ein Bruch dieses logischen Zusammenhangs fällt den Mitarbeitern des Arbeitsamtes nie auf.

Beispiele:

Für einen Hausmeisterservice, der Rasen mähen oder Schnee räumen gewerbsmäßig anbietet, heißt das bspw., dass er sich die benötigten Maschinen und Geräte anschaffen und für die laufenden Betriebskosten sorgen muss. Die Kosten für die Maschinen sollten sich in den Abschreibungskosten wiederfinden und die Betriebskosten, wie Benzin in den laufenden Kosten. Ein mobiler Frisör erwirtschaftet laut Rentabilitätsvorschau einen monatlichen Umsatz von 2.000 Euro. Bei durchschnittlich 20 Euro pro Frisur muss er 100 Kunden besuchen. Wenn dieser Frisör nicht gerade in einem Hochhaus mit dreißig Etagen wohnt, kommen monatlich einige hundert Kilometer mit dem Auto zusammen. Entsprechend des Umsatzes müssten sich demzufolge auch die laufenden Kfz-Kosten erhöhen.

Fazit

Die Rentabilitätsvorschau als Teil des Geschäftsplans wird scheinbar nie überprüft. Die Hauptsache für die Bundesagentur für Arbeit sind Stempel und Unterschrift der fachkundigen Stelle. Immerhin muss in Deutschland alles seine Ordnung haben.



Sind Sie der geborene Unternehmer? Jetzt testen!