Wie werde ich Mitglied bei einer Kammer?

Welche Berufe bzw. Unternehmer müssen in einer Kammer Mitglied werden? Um es ganz kurz zu sagen: Es gibt nur wenige, und zwar vorwiegend freie Berufe (Lesen Sie nach, was "freie Berufe sind"), die nicht Mitglied einer Kammer werden müssen. Für alle anderen gilt die Mitgliedschaft als Zwangsmitgliedschaft oder Pflichtmitgliedschaft, eingeteilt nach der Art des Gewerbes.

Wer gehört in welche Kammer?

Gewerbetreibende teilen sich dabei hauptsächlich auf in Industrie- und Wirtschaftsunternehmen sowie Handwerker. Wirtschaftsunternehmen sind Mitglied in der jeweiligen regionalen IHK (Industrie- und Handelskammer).

Industrie- und Handwerkskammer

Die Größen der bundesdeutschen Regionen sind unterschiedlich, insgesamt gibt es in Deutschland Opens external link in new window80 Industrie- und Handelskammern.

Handwerker

Handwerker sind in den Opens external link in new window53 regionalen Handwerkskammern der Bundesrepublik vertreten.

Landwirtschaft

Förster, Bauern, Winzer und Gärtner gehören inOpens external link in new window ihre jeweiligen Landwirtschaftskammern.

Freiberufler

Freiberufler teilen sich auf in Personen mit eigenen Kammern, beispielsweise Opens external link in new windowApotheker, Opens external link in new windowÄrzte, Opens external link in new windowArchitekten, Opens external link in new windowRechtsanwälte und Opens external link in new windowSteuerberater; für Lotsen gibt es eine Opens external link in new windowBundeslotsenkammer, für Arbeitnehmer in Bremen und dem Saarland eigene Opens external link in new windowArbeitnehmerkammern.

Keine Kammerpflicht

Wenige Berufe kommen ohne Kammerpflicht aus, sind daher sogenannte kammerfreie Berufe. Dazu gehören unter anderem Journalisten, Künstler, Dozenten und Unternehmensberater, beratende Betriebswirte.

Mitglied in zwei Kammern gleichzeitig

Manche Berufszweige sind zwangsläufig Mitglied in zwei Kammern: Handwerker, die auch mit Ersatzteilen handeln, gehören zu IHK und zur Handwerkskammer, Apotheker aus dem verwandten Grund zur IHK und der Apothekerkammer. Grundsätzlich gilt, dass allein die bestehende Möglichkeit zur Ausübung eines Gewerbes ausreicht, um bereits bei der IHK Mitglied zu werden. So kann es beispielsweise auch Steuerberater oder Landwirte und alle diejenigen treffen, die in irgendeiner Form potenziell ein Gewerbe betreiben könnten. Allerdings werden unter einem Ertrag von 5.200 Euro pro Jahr keine Gebühren erhoben.

Was gibt es zum Thema Pflichtmitgliedschaft zu wissen?

Die Pflichtmitgliedschaft wird immer wieder heftig diskutiert, da teilweise erhebliche Beiträge zu zahlen sind, andererseits der Nutzen bezweifelt wird und drittens die Vereinbarkeit mit der gesetzlich garantierten Freiheit bei der Wahl von Vereinszugehörigkeiten nicht gegeben zu sein scheint. Wie auch in diesem Urteil zur Bereicherung der Kammer durch das Koblenzer Verwaltungsgericht bestätigt wurde. Tatsächlich sieht das Bundesverfassungsamt jedoch in diesem letzten Punkt keine Schwierigkeiten: Da die Kammern halbstaatliche Aufträge erfüllen, ist diese Zwangszugehörigkeit rechtens, muss aber immer wieder von Gesetzgeberseite aus geprüft werden, da sich die Umstände, die eine solche Zwangsmaßnahme erlauben, jederzeit ändern können.

Bleibt die Frage der Kosten. Die Kammern besitzen die eigene Finanzhoheit und legen ihre Beiträge ebenso wie ihre Satzungen selbst fest. IHKn verlangen beispielsweise einen Grundbeitrag pro Jahr, der sich nach dem Ertrag richtet und dementsprechend in einer Staffelung festgelegt ist. Dazu kommt eine Umlage, die sich nach einem bestimmten Prozentsatz aus dem Gewinn errechnet. Beide Beitragshöhen werden jährlich neu von der Vollversammlung festgelegt.

Um beispielsweise Existenzgründer und Kleinunternehmer mit geringen Einkommen nicht zu stark zu belasten, gibt es jedoch bei den Beiträgen bei vielen Kammern Ausnahmen. So zahlen Existenzgründer beispielsweise zwei Jahre lang keinen Grundbeitrag und keine Umlage, anschließend weitere zwei Jahre zwar den Grundbeitrag, aber weiterhin keine Umlage. Danach wird dann geringer berechnet, wenn das Einkommen eine bestimmte Grenze nicht überschreitet.

Zur Frage nach dem Nutzen der Kammerzugehörigkeit finden Sie Wissenswertes im letzten Absatz.

IHK Briefpapier mit dem Logo der IHK Erfurt, darauf ein Kugelschreiber und das handschriftliche Wort "Pflicht"
Torsten Montag, gruenderlexikon.de

Kann man aus der Kammer rausgeworfen werden und, wenn ja, unter welchen Umständen?

Weder die Zugehörigkeit zu einer Kammer selbst noch die Entscheidung, zu welcher Kammer Sie gehören möchten, ist Ihnen freigestellt. Auch können Sie nicht einfach austreten oder kündigen. Je nach Unternehmensform endet die Kammerzugehörigkeit regulär mit dem Ende der Gewerbesteuerpflicht, der Löschung des Eintrags im Handelsregister oder der Abmeldung des Gewerbes.

Es müssen daher schwerwiegende Gründe vorhanden sein, um aus der Kammer ausgeschlossen zu werden. Gleichzeitig ist mit diesem letzten Schritt allerdings auch ein Berufsverbot verbunden. Vor einem Ausschluss können jedoch diverse Disziplinarmaßnahmen stehen, sodass die Existenz nicht gefährdet ist. Rügen, Bußgelder und Gerichtsverfahren gehören dazu. Gründe für einen endgültigen Ausschluss sind gegeben, wenn trotz aller Verwarnungen nachhaltige Verstöße gegen die Berufsordnung vorliegen - oft verbunden mit Klagen und Beschwerden seitens anderer Kammermitglieder oder betroffener Unternehmer und Privatpersonen - oder sogar größere Straftaten begangen wurden. Jeder Einzelfall wird gründlich geprüft.

Was bringt dem Unternehmer eine Kammermitgliedschaft?

Grundsätzlich schützt die Kammer ihre Mitglieder - s.o. zum Thema Ausschluss -, achtet auf Berufsordnungen, ethische Aspekte und Wettbewerbsverhalten. Außerdem kümmert sie sich um Ausbildung und Prüfung, daher sind neben Ihnen als Firmeninhaber auch eventuelle Gesellen und Lehrlinge Mitglied in Ihrer Kammer. Zudem bietet sie Fort- und Weiterbildungen an, teilweise auch mit IHK-Prüfungsabschluss, ebenso unter anderem Gründerseminare - allerdings mit regionalen Unterschieden bei Angebot, Kosten und Dauer.

Festgeschrieben sind einerseits die wirtschaftlichen Verwaltungsaufgaben, andererseits die Vertretung der Mitglieder durch die Kammer gegenüber dem Staat. Eine Kammer mit ihren Mitgliedern hat ein anderes Gewicht als Sie als Einzelunternehmer, wenn es um größere Wirtschaftsinteressen geht. Auch können sich die IHKn gemeinschaftlich organisieren und ihr Potenzial deutlich wirkungsvoller in die Waagschale werfen. Auf der anderen Seite gibt es gerade bei vielen Punkten der Kammerarbeit derzeit harsche Kritik von außen wie innen. Doch solange die Pflichtmitgliedschaft besteht, müssen Sie das Positive mit dem Negativen in Kauf nehmen.

Wie werde ich Mitglied bei einer Kammer?

Es gibt nicht besonders viele Möglichkeiten, Mitglied bei einer Kammer zu werden und letztlich kommt es auch auf die individuellen Beweggründe eines jeden Unternehmers an, Mitglied in einer Kammer zu werden oder eben auch nicht. Die häufigsten Varianten ein Kammermitglied zu werden, möchte ich Ihnen kurz beschreiben:

Mitgliedschaft durch automatische Datenweitergabe

Die Kammer erhält aufgrund der Gewerbeanmeldung Information von Ihrer Selbständigkeit und die Antragsformulare ohne ausdrückliches Verlangen dem Selbständigen nach Hause.

Eigeninitiative

Sie holen den Antrag direkt bei der Kammer, füllen ihn aus und geben ihn wieder ab. Diese Variante ist aus meiner Sicht mit Sicherheit die dümmste, da Sie aktiv dazu beitragen, Ihr Geld loszuwerden. Es sei denn, Sie wollen etwas ganz bestimmtes von der Kammer, diese möchte Ihnen Ihren Wunsch aber erst nach einer Mitgliedschaft erfüllen. Dann ist es selbstverständlich legitim, möglichst schnell Mitglied zu werden, um das Problem durch die Kammer lösen zu lassen. Etwa bei einer bevorstehenden Berufsausbildung eines Azubis oder der Opens internal link in current windowBeantragung einer Ausübungsberechtigung.

Mitgliedschaft durch Seminarteilnahme

Gelegentlich kommt es vor, dass interessante Seminare und Weiterbildungsangebote von einer Kammer angeboten werden und sie als Unternehmer genau diese nutzen und besuchen möchten. Die Kammer verwehrt ihnen jedoch die Teilnahme, wenn sie selbst nicht Mitglied der Kammer sind. Genau in diesem Fall werden Sie Mitglied, wenn Ihnen das Seminar viel bedeutet und einen großen wirtschaftlichen Nutzen für Ihr Unternehmen hat.

Mitgliedschaft durch Anzinken oder Anschwärzen

Sollte es Ihnen irgendwie gelungen sein, einer Mitgliedschaft bis heute entronnen zu sein, so kann es durchaus passieren, dass Wettbewerber oder neidische Nachbarn Sie bei der zuständigen Kammer melden und damit die Kammer von Ihrer Nichtmitgliedschaft erfährt. Auch bei einer falschen Mitgliedschaft, die letztlich Geld spart, kann die Kammer durch Anschwärzen informiert werden und die richtigen Beiträge erheben. Seien Sie also vorsichtig, wem sie was aus Ihrem Unternehmen diesbezüglich erzählen.

Andere Varianten

Darüber hinaus gibt ist weitere Möglichkeiten ein Mitglied zu werden, ob freiwillig oder unfreiwillig. Ich möchte mich jedoch auf die obigen beschränken.

Fazit

Egal ob sie freiwillig Mitglied werden wollen oder ob Sie Mitglied in einer Kammer werden müssen, jeder Unternehmer wird seine Gründe dafür oder dagegen haben. Sollten Sie keine eigenen Vorstellungen zur Kammermitgliedschaft besitzen, kann ich Ihnen jedoch nur empfehlen, eine solche Mitgliedschaft so weit es geht hinauszuzögern oder ganz zu vermeiden, denn ohne eigene Interessen werden Sie bei einer Kammer immer Zahlen müssen ohne wesentliche oder regelmäßige Gegenleistungen zu erhalten.

Letztlich bekommt die Kammer bei einer Pflichtmitgliedschaft früher oder später Ihren Antrag auf den Tisch und damit auch Ihre Mitgliedschaft mit Ihrem Geld.

Häufig gestellte Fragen zur Weiterbildung in Existenzgründung:

Viel Erfolg wünscht Ihnen

Ihr Torsten vom

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