Magento als Shopsystem für den Modeschmuck Onlineshop

Die Serie: „Das Gründerlexikon begleitet einen Onlineshop für ein Jahr“ geht in den fünften Teil. Im letzten Beitrag haben wir berichtet, wie sich der Modeschmuck Online Shop glitzerladen.de, mit Lieferungs- und Zahlungsarten von der Konkurrenz abhebt.

Heute soll es um die Wahl der Shop-Software gehen. Wir beleuchten, wieso sich der Glitzerladen für eine Open-Source Lösung entschieden hat und welche Chancen und Herausforderungen mit dieser Entscheidung verbunden sind.

Eigenentwicklung oder Standardsoftware

Wenn man sich überlegt, einen Onlineshop ins Leben zu rufen, stellt sich recht schnell die Frage, was dafür eigentlich alles notwendig ist. Das 1x1 des Handels mit Einkauf, Lagerhaltung, Warenwirtschaft und Lieferung hat ist nur ein Teil der Voraussetzung für ein funktionierendes Onlinegeschäft. Wettbewerbskritisch ist dabei aber auch die andere Seite: Die Wahl der richtigen Softwarelösung.

Da viele Händler technisch nicht allzu versiert sind, liegt die Beauftragung einer Agentur nahe. Diese bieten häufig Eigenentwicklungen bzw. sogar Auftragsentwicklungen an. Das hat den Vorteil, dass die Wünsche des Kunden berücksichtigt werden können. Allerdings ist eine Entwicklung „from scratch“ auch mit immensen Kosten verbunden. Als Gründer muss man sich also sehr gut überlegen, ob die eigenen Anforderungen so exotisch sind, dass eine Auftragsentwicklung eine bessere Alternative zu einer Standardsoftwarelösung ist.

Standardsoftware ist sozusagen ein Onlineshop von der Stange. Jeder Kunde bekommt das gleiche. Häufig sind die Systeme modulartig aufgebaut, so dass man sich den Anforderungen entsprechend Leistungen dazu buchen kann. Der Nachteil von Standardsoftware ist, dass man sich über den Funktionsumfang nur schwer vom Wettbewerb abheben kann. Dabei sind diese Lösungen aber weitaus günstiger als Auftragsentwicklungen und häufig sogar völlig kostenlos.

Kurzüberblick über kostenlose Shop-Systeme

Es gibt mittlerweile am Markt sehr leistungsstarke Shop-Systeme, die auf Open Source Basis kostenlos zu haben sind und auch selbst weiterentwickelt werden können. Darüber hinaus gibt es je System eine mehr oder weniger große Community, die Module und Erweiterungen entwickelt, die entweder ebenfalls kostenlos oder gegen kleines Geld zu haben sind.

Magento

Magento ist eine Shop-Plattform, die erstmals 2008 in den USA veröffentlicht wurde. Sie basiert auf dem Zend-Framework (PHP und MySQL). Darüber wird für Layout und Schnittstellen XML verwendet. Magento kann somit relativ leicht optisch angepasst werden. Darüber hinaus bietet Magento mehrere Storeviews (z.B. Mandanten/Sprachen) an und verfügt über ein sehr mächtiges Produkt- und Attributshandling. Über Magento Connect kann der Shop modulbasiert erweitert werden. Magento wurde unlängst von eBay übernommen und weist seit der Version 1.5 eine sehr starke Paypal-Integration auf.

OXID eShop

Ebenfalls seit 2008 gab die Firma OXID eSales seine bis dahin entwickelte Shop-Anwendung für Open-Source Entwickler frei. Das Shopsystem basiert ebenfalls auf PHP und MySQL. Der Shop kann via HTML und Smarty Tags umfassend angepasst werden. Das Shopsystem ist für den deutschen Markt sehr gut geeignet, da es von einer Freiburger Firma entwickelt wurde.

Shopware

Sie jüngste Lösung im Bunde ist Shopware, das aktuell in der Version 3.5 vorliegt.  Ebenfalls in Deutschland entwickelt, ist die Community Edition kostenlos zu haben. Das Konzept von Shopware erscheint vielversprechend. Modular aufgebaut kann der Kunde bereits heute aus sehr vielen Features (z.B. Liveshopping, Newsletter, Bonus-System, etc.) auswählen. Diese stehen in der kostenlosen Variante allerdings nur zur Verfügung, wenn sie kostenpflichtig dazu gebucht werden.

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Die von mir vorgestellten Shopsysteme sind selbstverständlich nicht alle auf dem Markt befindlichen. Daneben gibt es viele weitere und natürlich unzählige Funktionen, Filtermöglichkeiten und Anwendungsvarianten, sodass es nahezu unmöglich ist, einen Artikel mit einem vernünftigen Vergleich zu integrieren. Aus diesem Grund kann ich Ihnen an dieser Stelle nur den wirklich genialen online Service von Opens external link in new windowecompago empfehlen, welcher auf seiner Webseite mehr als 160 unterschiedliche Shopsysteme auf Herz und Nieren vergleicht. Opens external link in new windowJetzt alle Shopsysteme vergleichen!

Die Stärken von Magento

Wir vom Glitzerladen haben uns für Magento entschieden, auch wenn diese Entscheidung mit einigen Herausforderungen verbunden war. Magento bietet in der kostenlosen Variante bereits alle für einen Onlineshop notwendigen Funktionalitäten. Von der Produktanlage bis hin zur Bestellabwicklung und automatisierten E-Mailversand ist alles enthalten, was man für den Start in den Online-Handel benötigt.

Die Installation ist relativ einfach und man hat mit ein wenig Geschick in einigen Minuten ein funktionierendes Shopsystem. Neben der Katalogverwaltung, in der Produkte, Kategorien und Produktattribute bearbeitet werden können auch Kunden, Transaktionen, Bestellungen und Rechnungen über die Magento-Administrations-Oberfläche einfach verwaltet werden. Für kleinere bis mittlere Unternehmen kann Magento problemlos das Warenwirtschaftssystem und CRM ersetzen.

Über verschiedene Kundengruppen können Promotions gespielt werden, die entweder absolute oder prozentuale Rabatte auf Produkte oder Warenkörbe zulassen. Dabei kann das ausgeklügelte Attributskonzept verwendet werden um z.B. nur rote Halsketten im Preis zu senken. Darüber hinaus bringt das Shopsystem ein komplettes Newsletter-Management mit und ermöglicht über ein recht mächtiges CMS die Pflege von Bannern, Contentseiten und so genannten statischen Blöcken, die auf Produkt- oder anderen Seiten eingebunden werden können.

Dashboard mit Analysemöglichkeiten

Das Dashboard ist bereits die erste Analysemöglichkeit, hier kann man sich die letzten Bestellungen, Besucher, eingegebene Suchbegriffe und die am meisten angesehenen Produkte anzeigen lassen. Eine Integration von Google-Analytics ist aber auch im Handumdrehen möglich. Die Einbindung von Liefer und Zahlungsarten sowie die Konfiguration des Bestellvorgangs ist eine weitere Stärke von Magento.

Für uns waren diese Punkte ausschlaggeben. Darüber hinaus kann man mit dem Attributs- Konzept sowie den unterschiedlichen Produkttypen wunderbar Sets, konfigurierbare Produkte (wie z.B. Namensketten, oder Namensarmband) abbilden, ohne den Code der Seite anpassen zu müssen. Außerdem lässt sich über das Designkonzept die Oberfläche von Magento sehr gut anpassen. So können sehr individuell gestaltete Templates den Shop durch sein Aussehen von der Masse abheben.

Ein weiterer Vorteil ist die große Community, die ständig das Produkt über Module weiterentwickelt und in Foren mit Rat und Tat zur Seite steht, wenn bestimmte Probleme unlösbar erscheinen. Wir haben beispielsweise ein Gutscheinmodul eingesetzt und können Wordpress als Blogsoftware per Plugin fast nahtlos in Magento integrieren.

Die Herausforderungen mit Magento

Die größte Herausforderung war die Anpassung an den deutschen Markt. Da Magento eine US amerikanische Entwicklung ist, wurden Eigenheiten des deutschen Markts kaum bis gar nicht berücksichtigt. So müssen z.B. der Umgang mit Steuern (Auslobung und Berechnung) sowie die Berücksichtigung von AGB und Widerufssrecht sowie deren Bestätigung im Bestellvorgang anders gehandhabt werden. Zum Glück ist hier die Community aber einen Schritt weiter. Mit Modulen wie Market Ready Germany oder German Market lässt sich der Shop sehr einfach den deutschen Bedingungen anpassen.

Leider ziehen diese doch sehr großen Module nur verzögert mit neuesten Updates nach, so dass man als deutscher Shopbetreiber, die neuesten Magento-Versionen erst nach einiger Zeit einsetzen kann. So läuft der Glitzerladen aktuell auf Version 1.5.1.0 während Magento bereits in der Nachfolgerversion 1.6.1.0 zu haben ist.

Frontendkonzept mit Hürden

Eine weitere Herausforderung ist, dass Frontendkonzept zu verstehen. Die Designanpassungen sind sehr flexibel und lassen viele Freiheitsgrade. Allerdings muss man das Konzept dahinter erst einmal verstanden haben. So muss das Zusammenspiel von XML-Layouts und PHP-Blöcken erst mal in Fleisch und Blut übergegangen sein. Anschließend lassen sich damit aber einfach und schnell diverse Anpassungen am Design vornehmen.

Darüber hinaus sind Ladezeiten ein Thema. Magento ist als Shopsystem schwergewichtig und sehr hungrig was Hosting-Ressourcen angeht. Mit ein paar Tricks und Modulen und einem nicht zu schmalen Hosting-Paket lassen sich jedoch sehr gute Ladezeiten erzielen, was für den Kunden und letztlich auch für SEO eine wesentliche Rolle spielt.

Blick in die Zukunft

Bisher sind wir mit Magento sehr zufrieden und sehen keinen Grund die Shopsoftware zu wechseln. Allerdings ist die Übernahme durch eBay durchaus ein Anlass, das Geschehen genauer zu verfolgen. Wir sind gespannt wo die Reise mit Magento hingeht. Aktuell ist die Community sehr aktiv und auch neue Versionen kommen recht häufig auf den Markt, so dass es bisher noch keine negativen Auswirkungen der Übernahme zu spüren sind.

Lesen Sie im nächsten Teil der Serie wie nach der Wahl der Shop- Software das Projekt Glitzerladen umgesetzt wurde.

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