Am von Ruben in Urteile geschrieben und am 18.06.2020 um 18:10 aktualisiert
Betriebliche Fahrten

Betriebs-Pkw: Ohne Fahrtenbuch droht fast immer die 1%-Methode

Unternehmer, die einen Betriebs-Pkw besitzen und kein Fahrtenbuch führen, müssen fast immer den privaten Anteil mit der 1%-Methode versteuern. Selbst wenn der Unternehmer parallel dazu noch einige private Fahrzeuge im Besitz hat. Das die Fahrten eines Betriebsfahrzeugs ohne Fahrtenbuch zu 100 Prozent als betriebliche Ausgaben akzeptiert werden ist nur möglich, wenn ein gleichwertiges Privatauto ständig und uneingeschränkt zur Verfügung steht.

Betriebsfahrzeug auch privat nutzen?
Betriebsfahrzeug auch privat nutzen?
© 3dman_eu / pixabay.com

Hannover, 27. September 2019 - Ein Unternehmer nutzte einen VW-Touareg als Firmenfahrzeug. Ein Fahrtenbuch führte er nicht. Er setzte die gesamten Fahrten als betriebliche Fahrten an. Die ersten 3 Jahre akzeptierte das Finanzamt diese Angaben auch. Doch im Jahr darauf beanstandete der Sachbearbeiter die Angaben und setzte den privaten Anteil der Kfz-Kosten gemäß der 1%-Methode fest. Dadurch erhöhte sich der Gewinn des Selbstständigen um knapp 10.000 Euro in jenem Jahr. Der Unternehmer erhob Einspruch und klagte letzten Endes vor dem zuständigen Finanzgericht.

Die Begründung des Unternehmers war, dass er und seine Frau jeweils noch ein privates Fahrzeug besaßen. Auf den Namen der Frau war ein Volvo XC 90 zugelassen und auf ihn ein Opel Corsa. Daher bestand ja gar keine Notwendigkeit, das betriebliche Fahrzeug auch privat zu nutzen. Fachlich ausgedrückt, wird damit der Anscheinsbeweis erschüttert. Zudem akzeptierte das Finanzamt in den vergangenen Jahren die Angaben des Selbstständigen ja auch.

Richter lehnen Begründung des Unternehmers ab: Opel Corsa kein Ersatz für VW-Touareg

Damit Fahrten mit ein Firmenfahrzeug tatsächlich auch ohne Fahrtenbuch zu 100 Prozent als betriebliche Fahrten anerkannt werden, muss der Unternehmer ein gleichwertiges Privatauto uneingeschränkt zur Verfügung haben.

Zwar hätten die Richter den Volvo XC 90 als gleichwertiges Fahrzeug akzeptiert. Da dieser aber auf den Namen der Ehefrau zugelassen ist, steht er ihm nicht uneingeschränkt zur Verfügung. Denn schließlich nutzt sie das Fahrzeug auch und er muss sich mit ihr absprechen.

Der Opel Corsa wiederum, der ihm als Privatfahrzeug zwar ständig und uneingeschränkt zur Verfügung steht, ist wiederum kein gleichwertiger Ersatz für den VW-Touareg. Damit konnte, fachlich ausgedrückt, der Anscheinsbeweis nicht erschüttert werden.

Die Begründung des Unternehmers, dass das Finanzamt in den vergangenen Jahren die Betriebsausgaben ja auch so akzeptiert hat, galt nicht für das Gericht. Die Überprüfung findet in jedem Jahr neu statt und kann demzufolge, wie in diesem Fall, auch irgendwann mal zu einem nachteiligen Ergebnis führen.

Finanzgericht Niedersachsen, Urteil vom 20. März 2019, Aktenzeichen 9 K 125/18

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