Am von Torsten in kurz notiert geschrieben und am 15.11.2019 um 11:26 aktualisiert
Kassenbuchführung

Bargeld abschaffen: Bargeldobergrenze wird verändert

Seit einigen Wochen wird in Deutschland eine Bargeldobergrenze von 5.000 Euro diskutiert. Die Idee stammt aus dem Finanzministerium. Ziel sei es, Geldwäsche, Schwarzarbeit und Finanzierungen von illegalen Organisationen wie dem IS zu unterbinden. Doch was würde eine solche Regelung für Unternehmer bedeuten? Bringt eine Bargeldobergrenze wirklich den gewünschten Effekt?

Bargeldobergrenze in Deutschland?
© pixabay.com

Berlin, 03. März 2016 - Die Idee einer Bargeldobergrenze ist nicht neu. Die meisten anderen Staaten der EU haben sie entweder gesetzlich oder faktisch eingeführt. Skandinavische Länder wie Schweden oder Dänemark gehen sogar soweit, Bargeld ganz abzuschaffen. In Schweden ist es beispielsweise nicht mehr überall möglich, mit Bargeld zu zahlen, auch nicht die Brötchen beim Bäcker.

Was ist der Sinn einer Bargeldobergrenze?

Sinn und Zweck ist es, Transaktionen auf bargeldlose Zahlungswege zu verlagern, wie Überweisungen, Kartenzahlungen etc. Elektronische Zahlungen können anschließend durch Behörden genau nachverfolgt werden - im Gegensatz zu Bargeld. Als Begründung für die Einführung einer Bargeldobergrenze wird immer wieder Verhinderung von Geldwäsche, Finanzierungen von Terrororganisationen usw. genannt, berichtet zeit.de.

Hat die Bargeldobergrenze in anderen Ländern etwas gebracht?

Seit einigen Jahren haben Länder wie Spanien, Italien und Frankreich eine Bargeldobergrenze, teilweise liegt diese nur bei 1.000 Euro. Konnten dadurch die gewünschten Ergebnisse erzielt werden? Stichhaltige Studien dazu gibt es bis dato nicht. Professor Friedrich Schneider von der Universität Linz, der seit über 25 Jahren unter anderem zu diesem Thema forscht, äußerte sich gegenüber der FAZ:

“Das bringt fast gar nichts … [Höchstens] minimale senkende Effekte auf die Schwarzarbeit oder die Kriminalität”. Er geht bei einer Bargeldgrenze von 5.000 Euro von einem Rückgang der Schwarzarbeit von 1% aus. Bei Abschaffung des Bargelds wären es circa 2-3%.

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Ob das Kriminelle überhaupt davon abhalten wird, ihre Geschäfte weiter zu tätigen, ist mehr als fraglich. Warum sollten sie sich plötzlich an ein Gesetz halten, das ohnehin nur sehr schwer zu kontrollieren ist? Auch die Abschaffung von 500-Euro-Banknoten ist im Gespräch. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann sagt dazu:

„Glauben Sie, dass kriminelle Handlungen deshalb unterbleiben, weil es den 500-Euro-Schein nicht mehr gibt? Inwieweit ein Verbot von größeren Bargeldtransaktionen illegale Aktivitäten unterbindet, ist ebenfalls eine offene Frage“.

Welche Auswirkungen hätte das auf Unternehmer?

Nicht für jeden Unternehmer wäre eine Bargeldobergrenze von 5.000 Euro relevant. Es würde höchstens Unternehmer betreffen, die ohnehin mit hohen Beträgen zu tun hätten, beispielsweise Autohäuser oder der Verkauf von Küchen, größeren Haushaltseinrichtungen usw. Diese müssten dann die alle entsprechenden Zahlungen elektronisch abwickeln. Allerdings nutzen heute bereits viele Kunden die Möglichkeit, auch größere Beträge zu überweisen oder per Kreditkarte zu zahlen. Ein häufiger Kritikpunkt an der Bargeldobergrenze ist “der gläserne Bürger”. Der Staat und Behörden könnten so genauestens nachvollziehen, wofür und wo Geld ausgegeben wurde. Bei einem Unternehmer fällt dieser Kritikpunkt jedoch weg. Warum? Weil er sowieso verpflichtet ist, alle Ein- und Ausgänge in seiner Steuererklärung offenzulegen, egal ob bar oder elektronisch. Häufig sind Unternehmer und Selbstständige sogar daran interessiert ihre Ausgaben akribisch zu dokumentieren. Schließlich können Aufwendungen Betriebsausgaben darstellen. Bis jetzt hat es Unternehmer im Allgemeinen nicht gestört, wenn sie nachweisen mussten, wann, wo und wie viel sie bezahlt haben. Evtl. müssten Unternehmer ihre Geschäfte noch mehr auf den elektronischen Zahlungsverkehr verlagern. Unter Umständen müsste ein neues Girokonto eröffnet werden. Oder der Unternehmer muss ein Bankgespräch vereinbaren, um Details wie Kartenzahlungen für Kunden, umfangreichere Technik für bargeldlosen Zahlungsverkehr, Sicherheit beim Onlinebanking usw. abzuklären.

Bargeldobergrenze realistisch?

Derzeit sieht es nicht so aus, als würden sich die Befürworter einer Bargeldobergrenze durchsetzen. Es wäre auch sicherlich verkehrt, eine ganze Bevölkerung unter Generalverdacht zu stellen und sämtliche Zahlungsvorgänge zu überwachen. Mal von der Kosten-Nutzen-Rechnung ganz abgesehen. Experten der EU-Kommission sind auch der Meinung, dass es wesentlich effektivere Methoden zur Bekämpfung der Steuerhinterziehung gibt. Auch auf elektronischem Wege könnten Zahlungen relativ einfach vertuscht werden.

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