Venture Capital: Wer kennt wen?

In Zeiten des Internetbooms gibt es zahlreiche soziale Netzwerke, welche viele Leute miteinander verknüpfen. Aber wie sieht es mit den Netzwerken der Investoren und den Start-ups aus? Wer kennt hier wen und was für eine Rolle spielt das Vertrauen? Die Antwort findet man in der folgenden Studie.

Bild: geralt / pixabay.com

Aufbau der Studie

Um die Verbindungen der deutschsprachigen VC-Szene zu analysieren, verwendet man die Methode der Netzwerkanalyse. Die Investoren werden als Knoten und die Co-Investments als Verbindung definiert. Wenn zwei VCs gemeinsam ein Start-up finanziert haben, wird eine Verbindung gesetzt. Je mehr Start-ups gemeinsam finanziert wurden, desto stärker ist die Verbindung. Daraus resultiert der Grundgedanke, dass sich zwei VCs aus Verhandlungen für die gemeinsame Finanzierung eines Start-ups kennenlernen. Es wurden allerdings nur VCs berücksichtigt, welche in technologiebasierte Start-ups investieren.

Resultate der Analyse

Bei der Netzwerkanalyse fallen die großen Vernetzungsdifferenzen zwischen den Akteuren auf. Einige Akteure sind sehr stark vernetzt, während dies bei anderen kaum der Fall ist. Das Kontaktnetzwerk weist eine mittlere Netzwerkdichte auf. Also rund die Hälfte der möglichen Verbindungen zwischen den Akteuren kommen zustande.

Bei der Positionierung im Netzwerk gibt die Centrality Auskunft, wie leicht die Erreichbarkeit der Akteure im ganzen Netzwerk ist. Ist die Centrality bei einem Akteur größer, desto mehr Verbindungen zu unterschiedlichen Akteuren unterhält er. Der European Founders Fund (EFF) (75 % der möglichen Verbindungen) zählt zu den zentralsten Akteuren des Netzwerkes. Gefolgt von Tiburon (71 % der möglichen Verbindungen) und Holtzbrinck Ventures (61 % der möglichen Verbindungen).

Die Betweenness gibt Auskunft, welche Macht die Akteure in ihrem Netzwerk haben. Sie errechnet sich aus der Anzahl der Verbindungen, die über den Akteur laufen. Hier steht Tiburon und EFF mit 56 Prozent an erster Stelle, gefolgt von Holtzbrinck Ventures mit 50 Prozent. Eine hohe Betweenness deutet darauf hin, dass Informationen meistens über die Akteure fließen.

Implikation der Vernetzung

Die bloße Vernetzung gibt noch keine Auskunft über die Auswirkungen, welche eine solche Vernetzung auf die Investitionsentscheidung hat. Daher wurden Interviews mit fünf VCs aus der Netzwerkanalyse durchgeführt. Im Mittelpunkt standen die zentralen Fragen, wie soziale Kontakte der Akteure ihre Investitionsentscheidung beeinflussen und welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit ein Co-Investement zustande kommt.

Die Interviews zeigen, dass die sozialen Netzwerke für die VC-Praxis von großer Bedeutung sind. Das Vertrauen bei Investitionsentscheidungen spielt eine sehr große Rolle, wobei Vertrauen sich in zwei Formen unterscheidet. Die erste Form des Vertrauens ist das Systemvertrauen, das auf Reputationseffekten durch die Überschaubarkeit der Branchen basiert. Hier gehen die VCs davon aus, dass der Co-Investor kein Interesse daran hat, zu betrügen. Die zweite Form des Vertrauens ist das persönliche Vertrauen. Es basiert auf den persönlichen Kontakten der VCs. Dieses Vertrauen ist losgelöst vom Systemvertrauen und entwickelt sich mit den wiederholten persönlichen Kontakten mit den Netzwerkpartnern. Somit kann gesagt werden, dass persönliches Vertrauen von sozialen Netzwerken ein entscheidender Faktor beim Entstehen eines Deals mit einem Co-Investment ist.



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