Kleinunternehmen: Nebengewerbe immer als Kleinunternehmer?

Viele von Ihnen werden sich fragen, ob es sinnvoll ist, das Nebengewerbe zunächst als Kleinunternehmer oder im Rahmen eines Kleingewerbes zu führen. Die Unterschiede liegen in der Buchführung, der Erstellung von Rechnungen und in der Ermittlung der Umsatzsteuer. In vielen Fällen ist das tatsächlich die Anwendung der Kleinunternehmerregelung beste Option, aber nicht immer.

Was ist ein Kleinunternehmer oder Kleingewerbetreibender?

Bereits in einem anderen Artikel haben wir ausführlich die Unterschiede zwischen Nebengewerbe, Kleinunternehmen und Kleinstunternehmen besprochen. An dieser Stelle daher nur ein kurzer Abriss.

Nach § 19 UStG (Umsatzsteuergesetz) dürfen Gewerbetreibende oder Freiberufler, die einen Jahresumsatz von weniger als 22.000 Euro haben, die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen. 

Der Vorteil hierbei ist, dass sie in ihren Rechnungen keine Umsatzsteuer ausweisen und diese demzufolge auch nicht an das Finanzamt abführen brauchen. Daher ist für einen Kleinunternehmer sowohl die Buchführung als auch die Steuererklärung wesentlich einfacher. Auch die Gewinnermittlung kann mittels EÜR (Einnahmenüberschussrechnung) erfolgen. Nachteilig ist, dass Sie dann auch keine Vorsteuer gegenrechnen können.

Auf einen Steuerberater können Sie in den meisten Fällen ebenfalls verzichten. Das Erfassen der Steuererklärung über eine Software sollte für Sie als Kleinunternehmer oder Kleingewerbetreibender ohne Probleme möglich sein.

Und wie sieht es in puncto Kleingewerbe aus (nicht zu verwechseln mit dem Kleinunternehmen!)? Auch hier sind wir bereits in einem anderen Artikel auf die häufigsten Fragen zum Kleingewerbe eingegangen und wollen das an dieser Stelle nicht vertiefen. Der Einfachheit halber gehen wir in diesem Artikel davon aus, dass sich der Kleingewerbetreibende überlegt, ob er die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen soll oder nicht.

Optiert der Existenzgründer für die Umsatzsteuerbefreiung, so bekommt er aus seinen Anschaffungen die Vorsteuer vom Finanzamt nicht erstattet. Ein Nachteil, der gerade in der Existenzgründungsphase bedacht werden sollte, da die Anschaffungen in dieser Zeit bedeutend höher sind als in den folgenden Geschäftsjahren.

Was muss ich bei der Steuer und Steuererklärung beachten?

Sofern Sie als Kleinunternehmer die Kleinunternehmerregelung nutzen, müssen - ja dürfen - Sie keine Umsatzsteuer abführen, wohl aber in der Umsatzsteuererklärung erklären, dass Sie die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen. Sobald Sie Ihre erste Gewerbeanmeldung durchführen, erhalten Sie vom Finanzamt einen steuerlichen Erfassungsbogen. Dort müssen Sie angeben, ob Sie Ihre Tätigkeit als Kleinunternehmer beginnen möchten. In der Regel sind müssen Sie dann auch keine Umsatzsteuererklärung abgeben.

Wählen Sie dagegen die Option der Regelbesteuerung, Sie entscheiden sich also gegen die Kleinunternehmerregelung, so sind Sie nach UStG verpflichtet, eine Umsatzsteuererklärung abzugeben. Selbstverständlich schließt das auch die Abgabe Umsatzsteuervoranmeldungen ein. Bei der Höhe der Einkommenssteuer spielt es keine Rolle für welche Option Sie sich entscheiden. Bei der Gewerbesteuer haben Sie zudem einen Freibetrag von 24.500 Euro im Jahr, sodass das ohnehin nicht infrage kommt.

Wirklich nur Neben- & Kleingewerbe oder haben Sie mehr vor?

Sich zu Beginn Ihrer Selbstständigkeit für die Kleinunternehmerregelung zu entscheiden, scheint naheliegend. Immerhin spart man sich damit auch lästige Formalitäten wie die monatliche Umsatzvoranmeldung sowie die regelmäßigen Überweisungen an das Finanzamt. Viele Existenzgründer denken dabei aber an einen zu kurzen Zeitraum. Haben Sie vor, langfristig Ihren Lebensunterhalt mit Ihrer Selbstständigkeit (egal ob als Freiberufler oder mit einem Gewerbebetrieb) zu bestreiten, ist die Umsatz(!)grenze von 22.000 Euro pro Jahr (~ 1.833 Euro pro Monat) zu knapp bemessen. Und übrigens: Ihre Ausgaben im Zusammenhang mit der Kleinunternehmerregelung bleiben vollkommen unberücksichtigt. 

Im ersten Jahr geht die Rechnung vielleicht noch auf, da das Geschäft noch nicht richtig angelaufen ist. Stellt sich dann aber schon bald der Erfolg ein, kann es passieren, dass das Finanzamt nachträglich feststellt, dass der Kleinunternehmerstatus wegen Überschreitung der Umsatzgrenzen nicht gerechtfertigt war. In der Folge wird die aufgrund der Kleinunternehmerschaft nicht einbehaltene Umsatzsteuer nachgefordert – Liquiditätsprobleme sind dann beinahe vorprogrammiert. 

Tipp: Überlegen Sie sich genau, welche Umsatzziele Sie anstreben. Wenn Sie bereits wissen, dass Sie die Umsatzgrenze von 22.000 Euro in einem absehbaren Zeitraum überschreiten werden, sollten Sie gleich für die Umsatzsteuerpflicht optieren.

Wann lohnt sich die Kleinunternehmerregelung?

Die Kleinunternehmerregelung kann sich in einigen Situationen lohnen:

  • Sie betreiben Ihr Gewerbe nur als Nebengewerbe respektive Kleingewerbe und sind sicher, dass Sie die Umsatzgrenzen auch in den kommenden Jahren nicht überschreiten werden.
  • Sie möchten sich den administrativen Aufwand, der mit der Umsatzsteuerpflicht einhergeht, um jeden Preis sparen. Funktioniert natürlich nur solange, wie Ihr Jahresumsatz unter der Schwelle nach UStG bleibt.
  • Sie haben in erster Linie mit privaten Endkunden zu tun, für die die Umsatzsteuer kein durchlaufender Posten ist. Der Vorteil liegt in der Preiskalkulation, da Sie beim Endpreis die Umsatzsteuer nicht berücksichtigen müssen.
  • Sie haben hauptsächlich Einnahmen, aber keine Ausgaben, bei der Sie die Vorsteuer gegenrechnen können.
  • Sie haben überwiegend ausländische Geschäftskunden. In dem Fall greift das Reverse-Charge-Verfahren, wobei der Leistungsempfänger für die Steuerschuld aufkommen muss. Einnahmen aus dem Ausland werden bei der Berechnung des Jahresumsatzes nach Kleinunternehmerregelung nicht mit angerechnet, wohl aber natürlich bei der Gewinnermittlung.

Wann sollten Sie besser die Umsatzsteuerpflicht wählen?

Die Umsatzsteuerpflicht hingegen ist in folgenden Fällen die bessere Wahl:

  • Sie möchten aus Imagegründen nicht, dass andere Unternehmer über Ihre Umsätze Bescheid wissen, denn Sie müssen das auf Ihren Rechnungen angeben. Optieren Sie als Kleinunternehmer, weiß Ihr Gegenüber, dass Ihre Umsätze unter 22.000 Euro liegen müssen und sieht Sie unter Umständen als „Kleinkrämer“ an.
  • Wenn Sie mit Waren handeln, ist die Kleinunternehmerschaft meist auch relativ uninteressant, da Sie die Umsatzgrenzen sehr schnell erreichen. Mitunter fallen Sie als Gründer aufgrund hoher Anfangsinvestitionen aus der Regelung bereits heraus, noch bevor Sie nennenswerte Gewinne einfahren haben können. Deshalb ist es hier schlauer, gleich die Umsatzsteuer auszuweisen.
  • Planen Sie hohe Anfangsinvestitionen ein, beispielsweise für benötigte Technik, sollten Sie sich umsatzsteuerlich erfassen lassen. Sie können dann die Vorsteuer geltend machen und so Ihre Liquidität zu Beginn schonen.
  • Wenn Sie überwiegend für Gewerbekunden arbeiten, sind Sie als umsatzsteuerpflichtiger Unternehmer deutlich attraktiver. Sie können Ihre Rechnungen nämlich später selbst steuerlich geltend machen und somit ebenfalls die Vorsteuer sparen, die sie bei der Kleinunternehmer-Rechnung nicht abziehen könnten.

Es lohnt sich deshalb für Sie als Unternehmer, sich bereits frühzeitig Gedanken darüber zu machen, welche Umsätze Sie sich für Ihr Geschäft erhoffen und mit welcher Kundenart Sie es überwiegend zu tun haben werden.

Diese Faktoren sind entscheidend für die Frage, ob die Kleinunternehmerregelung oder die Regelbesteuerung sinnvoller sind.

Kann ich auch später zwischen Kleinunternehmer und Regelbesteuerung wechseln?

Ja, wenn Sie sich für den Status des Kleinunternehmers entschieden haben, können Sie jederzeit zur Regelbesteuerung wechseln, auch wenn Ihr Jahresumsatz unter 22.000 Euro liegt. Dazu genügt eine Mitteilung an das Finanzamt. Allerdings sind Sie dann nach UStG 5 Jahre an Ihre Entscheidung gebunden. An das Gewerbeamt brauchen Sie im Übrigen keine Mitteilung zu machen.

Meine Name ist Torsten Montag, ich bin Betriebswirt, Internetcoach und betreibe seit 2004 das Gründerlexikon. Ich werde Ihnen durch meine Artikel den richtigen Weg als Unternehmer zeigen. Sollten Sie Fragen haben, kommen Sie gern in die Gründerlexikon Facebook Gruppe - dort erhalten Sie unbürokratische Hilfe.

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