Können Frauen als Existenzgründerinnen eine andere Beratung bekommen?

Im letzten Artikel habe ich mich mit den Opens internal link in current windowLandesförderinstituten in Deutschland auseinandergesetzt. Während es dabei keine Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Existenzgründern gibt, bestehen diese im Bereich der Existenzgründung durchaus. Doch warum gibt es eine spezielle Beratung zur Existenzgründung von Frauen eigentlich? Und worin genau liegen die Unterschiede? Dazu habe ich die Existenzgründungsberaterin Susanne Bukta von Frauen in Arbeit und Wirtschaft e.V. und Frau Angelika Welzel vom Unternehmerinnen-Stammtisch Osnabrück befragt.

1. Gründen Frauen anders als Männer?

Frau Welzel:

"Ja, viele Frauen gründen anders als Männer. Sie wägen jeden Schritt bis zum Äußersten ab, erkundigen sich akribisch nach jedem Detail und machen eine Weiterbildung nach der anderen, ehe sie tatsächlich durchstarten. Männer hingegen neigen eher dazu, für ihre Idee sofort ein Konzept zu erstellen und durchzustarten."

Frau Bukta:

"Sowohl Frauen als auch Männer beschäftigen sich im Gründungskonzept mit den Themen Profilbildung, Markteinschätzung, Konkurrenzanalyse, Standortfragen, Geschäftsverbindungen, Zukunftsaussichten und Finanzierung. Aber Frauen machen sich oft aus anderen Gründen selbstständig als Männer. Ihr Wunsch besteht meist  primär darin, ein existenzsicherndes Einkommen zu erzielen und sich selbst einen Arbeitsplatz zu schaffen. Deshalb gründen Frauen auch überwiegend als Solounternehmen, stellen nur selten Arbeitnehmer ein und investieren nur wenig Geld. Während bei Männern eher die Profitmaximierung im Vordergrund steht, bewerten Frauen die Verwirklichung ideeller Ziele oft höher als die materiellen, beispielsweise Freude an der Arbeit, ein eigenes Einkommen, die Inspiration anderer Menschen, eigenbestimmtes Arbeiten und mehr Zufriedenheit."

2. Warum brauchen Frauen eine andere Beratung?

Frau Welzel:

"Meines Erachtens benötigen Frauen mehr Unterstützung, wenn es um ihre „Sichtbarkeit“ am Markt geht. Sie müssen darin bestärkt werden, selbst eine Marke zu sein und die eigenen Werte auch tatsächlich zu verkörpern. Da sie häufig mit Selbstzweifeln zu kämpfen haben, müssen sie ganz gezielt bei dem Lernprozess begleitet werden, wie sie einen angemessenen Preis für ihre Leistungen durchsetzen können."

Frau Bukta:

"Frauen zögern oft lange, bis sie den Schritt in die Selbstständigkeit wagen. Nach unseren Erfahrungen gründen sie überwiegend zwischen 35 und 54 Jahren. Bei gleichen Kompetenzen trauen sie sich oft weniger zu als Männer und haben Probleme damit, sich selbst zu vermarkten. Sie gehen häufig strategisch vorsichtig vor, planen Schritt für Schritt und gründen eher kleinere Unternehmen, die mit geringerem Risiko behaftet sind. Ihre Berufsbiographie weist oft Brüche aufgrund von familienbedingten Unterbrechungszeiten oder Erwerbslosigkeit auf. Mangelndes Eigenkapital und weniger Sicherheiten sind weitere Probleme. Gründerinnen erfahren vielfach geringere Akzeptanz durch Banken oder männliche Gesprächspartner."

3. Wie unterscheidet sich ganz konkret die Beratung der Männer von der für Frauen?

Frau Bukta:

"Wir bieten Frauen ein Beratungsangebot, das von den Ressourcen der Gründerin ausgeht und die gesamte Lebenssituation mit einbezieht. Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist immer noch überwiegend Frauensache. Alle mit der Gründung auftretenden Fragen haben Raum, sodass Lösungsmöglichkeiten entwickelt werden können. Die Frauen werden aktiv im Gründungsprozess unterstützt und fachkundig begleitet. Bei Bedarf können externe Mentorinnen an die Gründerinnen vermittelt werden. Jede Frau verlässt unsere Beratungsstelle mit einem Plan."

4. Worauf sollten Frauen bei der Existenzgründung und der Beratung besonders achten?

Frau Welzel:

"Wir empfehlen Frauen grundsätzlich, immer mehrere Meinungen einzuholen. Außerdem sollten sie alle Möglichkeiten ausnutzen, die sich ihnen durch Förderungen, Beratungsstellen und ähnliche Einrichtungen sowie ihr Netzwerk bieten. Insbesondere das Knüpfen von Kontakten und der Aufbau eines eigenen Netzwerks sind sehr wichtig. Außerdem sollten sie sich aus dem Kreis der Neugründerinnen mittelfristig in die Unternehmerinnenwelt orientieren und sich positionieren."

Mein Fazit: Frauen gründen sehr oft anders als Männer

Ich bedanke mich sehr bei Frau Welzel und Frau Bukta für die interessanten Sichtweisen zur Existenzgründerberatung für Frauen. Wie auch schon das Interview mit Exisa zeigte, gründen Frauen sehr oft anders als Männer. Dass sie deshalb durch eine spezielle Förderung besonders gefördert werden können, ist daher auch mehr als logisch. Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass die spezialisierte Existenzgründungsberatung für Frauen insbesondere dann eine sehr gute Wahl ist, wenn die Gründerin noch keinen richtigen Opens internal link in current windowWegweiser für die Selbstständigkeit hat. Auch wenn sie mit Unsicherheiten zu kämpfen hat und nicht weiß, wie sie sich gegen ihre männlichen Kollegen behaupten soll, ist sie bei entsprechenden Beratungsstellen sehr gut aufgehoben, die sie gezielt unterstützen und ihr Unternehmerinnen-Ich mit prägen.

Verschaffen Sie sich einen Überblick bei der Suche nach einem Berater und erfahren Sie im nächsten Artikel, welche Berater Ihnen bei Ihrer Existenzgründung weiterhelfen können.

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