Kann eine Privatperson Rechnungen schreiben?

Die Antwort auf die oben genannte Frage lautet kurz und knapp: Ja! Natürlich kann eine Privatperson, oder „natürliche Person“ wie man in Fachkreisen sagt, eine Rechnung gegenüber einem Unternehmen oder einer anderen Person ausstellen. Doch die wirklich entscheidende Frage ist viel eher, ob dann ein Gewerbe angemeldet werden muss und ob Steuern gezahlt werden müssen.

Kostenvoranschlag: Zunächst eine Definition

Der Kostenvoranschlag ist im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) in den Normen zum Werkvertrag als sogenannter „Kostenanschlag“ geregelt. Er stellt die Berechnung der voraussichtlichen Kosten eines Werkes dar.

Dabei ist der unverbindliche (einfache) Kostenvoranschlag vom verbindlichen (garantierten) Kostenvoranschlag zu unterscheiden. Der einfache Kostenvoranschlag beziffert die voraussichtlich anfallenden Kosten. Er ist zwar Geschäftsgrundlage, wird aber nicht zum Vertragsbestandteil. Bei wesentlicher Kostenüberschreitung muss der Werkunternehmer diese dem Kunden rechtzeitig anzeigen. Eine wesentliche Kostenüberschreitung liegt vor, wenn der ursprüngliche Kostenanschlag um 10-20 Prozent überschritten wird. Der Kunde kann dann entweder die Kostenüberschreitung genehmigen oder aber den Vertrag kündigen und die bisher entstanden Kosten erstatten.

Der garantierte Kostenvoranschlag wird zum Vertragsbestandteil. Liegt dieser vor, ist der Werkunternehmer an die von ihm angegebene Summe gebunden. Er hat aber die Möglichkeit, bei fehlerhafter Kalkulation, anzufechten. Prinzipiell ist der Kostenvoranschlag nicht zu vergüten. Eine Vergütung kann jedoch durch Individualvereinbarung ausgehandelt werden. Strittig ist, ob eine Vergütung des Kostenvoranschlages auch in den Opens internal link in current windowAGB festgelegt werden kann.

Muss ich ein Gewerbe anmelden?

Wer lediglich einmalig eine Rechnung schreibt, beispielsweise weil er gebrauchte Möbel verkauft hat, muss kein Gewerbe anmelden. Sie sollten jedoch die Einnahmen in Ihrer Steuererklärung unbedingt angeben.

Entscheidend ist der Gedanke, ob die Tätigkeit regelmäßig und mit der Absicht, Gewinn zu erzielen, ausgeübt wird. Irrelevant ist in dem Fall dann jedoch die Umsatzhöhe. Zum Beispiel treten einige in ihrer Freizeit als DJ oder in einer Band bei Veranstaltungen auf. Wer das öfter gegen Bezahlung macht, ist verpflichtet, dem Finanzamt diese Tätigkeit anzuzeigen. Weiterführende Informationen finden Sie im Artikel: Opens internal link in current windowMuss das Nebengewerbe beim Gewerbeamt angemeldet werden?

4 Dinge, die Sie bei einer „Privatrechnung“ beachten sollten!

  • Ordnungsgemäße Rechnung schreiben
  • Einnahmen in der Steuererklärung angeben
  • Keine Umsatzsteuer ausweisen
  • Überprüfen ob eine gewerbliche oder freiberufliche Tätigkeit dem Finanzamt mitgeteilt werden muss

Muss ich Steuern zahlen?

Auch das ist wieder abhängig davon, warum und wie oft eine Rechnung ausgestellt wurde. Wer einmalig etwas verkauft und dafür eine Rechnung ausstellt, muss vielleicht noch nicht gleich Steuern darauf zahlen, es ist halt immer auch von der Höhe der Rechnung abhängig.

Auch können Sie als Privatperson keine Umsatzsteuer ausweisen, auch wenn das der Empfänger verlangen sollte. Selbst wer eine gewerbliche oder freiberufliche Tätigkeit ausübt, muss nicht zwangsläufig Steuern abführen. Noch mehr Informationen zu diesem Thema gibt es hier im Video: Opens internal link in current windowWie viele Steuern muss ich auf meinen Gewinn zahlen?

passfoto torsten montag

Einkünfte aus einem Gewerbe oder Nebengewerbe müssen in der Steuererklärung angegeben werden. Liegen diese jedoch unter einer bestimmten Grenze, werden die Gewinne von der Einkommenssteuer verschont. Mehr dazu: Härteausgleich – was Sie wissen sollten.

In diese Falle könnten Sie tappen

Allerdings müssen einige Fälle abgegrenzt werden. So manch einer schreibt zwar nur einmal im Jahr eine Rechnung, dass dann aber „regelmäßig“. Zum Beispiel über Provisionen oder Werbeeinnahmen für die eigene Webseite. Dann könnte bereits eine gewerbliche Tätigkeit vorliegen. Auch regelmäßige Verkäufe über Ebay können schnell als gewerbliche Tätigkeit aufgefasst werden. Und sogar wer beim Nachbarn regelmäßig im Haushalt hilft und dafür etwas Geld erhält. Die Umsatzsteuerregelung müssen Sie jedoch erst beachten, wenn Ihre Bruttoeinnahmen 17.500,- Euro jährlich übersteigen.

Viel Erfolg wünscht Ihnen

Ihr Torsten vom

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