Krisenfaktor Unternehmer

Gerät ein Unternehmen in die Schieflage, werden gern Störfaktoren von außen verantwortlich gemacht:

  • inkompetente, kranke, in Urlaub befindliche und faule Mitarbeiter
  • Intrigen, Getratsche
  • Fehler in der Buchhaltung
  • Konkurrenz zu stark oder finanzstärker,
  • Zufälle regieren die Welt,
  • Markt veränderte sich überraschend schnell,
  • Kunden wussten das Angebot nicht zu schätzen
  • Ämter und Behörden wollen alle nur Geld, spielen nicht mit, unterstützen nicht
  • zu viel Arbeit und viel zu kurze Tage

Das ist eine harte Auflistung. Tatsache ist jedoch, dass der größte Anteil an dem aktuellen Desaster immer (!) beim Unternehmer selbst liegt. Er (oder sie) ist Initiator und Besitzer des Betriebs, der leitende und damit der verantwortliche Kopf. Warum Fehler begangen wurden und wann diese anfingen, muss herausgefunden werden, auch wenn parallel schon erste dringende Gegenmaßnahmen erfolgen müssen.

Unternehmertum ist kein Ponnyhof!

Unternehmertum ist kein Pappenstiel. Es braucht kaufmännisches Wissen, unternehmerische Energie, Visionen, Fachkenntnisse, betriebs- und wirtschaftliches Denken und genügend Fantasie, um Krisen zu meistern. Es sind vor allem Disziplin, Fleiß, Geduld, Entschlossenheit und Ausdauer gefragt.

Seien Sie ehrlich mit sich selbst!

Ich kann keine differenzierte Hilfestellung für spezielle Einzelfälle geben, aber auf mögliche Problemfelder in der Verantwortung des Unternehmers hinweisen. Ob die Mitarbeiter unkorrekt arbeiten oder die Finanzen nicht stimmen: Es gibt nur eine Person, die Ordnung in alle Angelegenheiten bringen kann, und das sind Sie höchstpersönlich als oberster Chef! Das eigene Versagen einzugestehen, ist der erste Schritt und eine klare Entscheidung auf dem Weg, das Unternehmen zu erneuern, wieder voranzubringen oder notfalls ordentlich abzuwickeln.

Schauen wir uns mögliche Problemfelder genauer an. Es handelt sich im Groben um vier Bereiche:

  • die eigene fachliche Qualifikation
  • die individuelle Art der Unternehmensführung
  • das Handling der Finanzen
  • das eigene Privatleben

Diese Überschriften eröffnen etliche Unterpunkte/Szenarien, die wir einzeln auflisten und die Sie auf Herz und Nieren prüfen müssen, wenn Sie etwas nachhaltig zum Positiven ändern möchten:

1. Problemfeld: Die Qualifikation

  • Kaufmännisches Wissen: Sie haben eine kaufmännische Ausbildung, weil Sie ansonsten kein Gewerbe hätten anmelden können, aber die spezifischen Inhalte für Ihren Beruf haben Sie nicht (mehr) parat und auch keine vertrauenswürdigen Personen damit beauftragt; oder Sie haben einen Beruf, in dem Sie diese Ausbildung nicht offiziell für diese Genehmigung brauchen, doch im Grunde genommen hätten Sie einiges Grundwissen lernen sollen. Sie haben sich die ganze Zeit durchgeschlagen, aber Soll und Haben, Umsatz, Gewinn und Kalkulation sowie Buchhaltung, die Gesetze des Marktes und andere Themen sind Ihnen fremd geblieben.
  • Branchenerfahrung: Sie sind Neuling, Quereinsteiger oder haben nicht lange genug in der Branche gearbeitet. Sie kennen den Markt nicht und haben blauäugig gewirtschaftet, weil Sie keine Fachbücher und -zeitschriften als Autodidakt durchgearbeitet haben. Auch auf Seminare, Workshops und Kongresse haben Sie (weitgehend) verzichtet.
  • Planung: Sie leben von der Hand in den Mund. Es gibt höchstens kurzfristige Planungen. Sie haben weder Drei- noch Fünfjahrespläne ausgearbeitet (sieht man von denen ab, die eventuell einst für eine finanzielle Unterstützung durch die Arbeitsagenturen für den Businessplan notwendig war). Sie bleiben nicht am Ball und denken nicht jeden Tag darüber nach, was heute und in dieser Woche zu erledigen ist, damit Sie Ihre Ziele auch wirklich erreichen.
  • Unternehmensführung: Sie haben nur die technischen Seiten Ihres Hauses im Kopf. Es fehlen aber unter anderem Qualifikationen als Führungskraft, als Marktteilnehmer oder als Stratege. Dafür gibt es beispielsweise Fortbildungsseminare, die Sie jedoch nie besucht haben.

2. Problemfeld: Die Unternehmensführung

  • Stellvertreter: Die Mitarbeiter wissen nicht genau, wer Sie in Ihrer Abwesenheit vertritt. Dies zieht Unsicherheiten und Arbeitskraftverluste nach sich, kann auch zu Finanz- und Produktionsverlusten führen.
  • Fluktuation: Leitende Angestellte wechseln häufig, vielleicht auch andere Mitarbeiter. Das verunsichert und hemmt, stoppt Produktions- und andere Abläufe.
  • Gesellschafter: Wechseln Gesellschafter oft oder gibt es permanenten Streit, schadet es dem Betriebsklima und es fehlt die Energie für wichtige andere Aufgaben.
  • Führung: Führungsschwäche zeigt sich unter anderem in fehlenden Soft Skills, in unklaren, schwammigen Anweisungen, in chaotischem Handeln - vor allem im Notfall -, in fehlenden Strategie- und Terminplänen und in Zeit verschwendenden Sitzungen und Gesprächen ohne klare Ergebnisse.
  • Nachfolger: Ist eine Nachfolge nicht geregelt, diskutieren die Mitarbeiter mehr über ihre Zukunft, als dass sie sich der Arbeit widmen.

3. Problemfeld: Die Finanzen

  • Eigenkapital: Fehlt das Eigenkapital, wird es im Notfall sehr eng. Hier muss schnell umgedacht werden, wenn es mit dem Haus weitergehen soll.
  • Forderungen: Ausstehende Forderungen müssen eingetrieben werden, auch wenn das unangenehm ist. Ein Unternehmen muss wirtschaften und Erfolge erzielen. Darum gilt der eiserne Grundsatz: Wer Leistungen bestellt/erhalten hat, muss sie auch bezahlen.
  • Kosten: Wer seine Ausgaben und Einnahmen nicht im Blick hat, gerät leicht in Schieflage. Ein Kostenüberblick gehört zu den ersten Gegenmaßnahmen.
  • Liquidität: Liquides Geld bedeutet, genügend Bares für Investitionen oder Gelegenheitskäufe und für Notfälle zu haben. Dem gegenüber steht das angelegte/gebundene Kapital, das firmenintern in Gebäuden, Maschinen und Lager oder als reines Geld-Investment nicht schnell verfügbar ist.

4. Problemfeld: Das Privatleben

  • Familie: Familienprobleme können stark belasten, sollten nach Möglichkeit aber aus der Firma herausgelassen und hier vor allem nicht besprochen werden.
  • Sucht: Drogen, Alkohol und Einkaufssucht legen Energien lahm und kosten Geld. Der Abstieg des Unternehmens kann sehr schnell gehen.
  • Lebensstil: Ein aufwendiger Lebensstil im Privatleben ist so gefährlich wie ein protziges Büro, das nicht gebraucht wird. Das Firmenkapital schwindet.
  • Disziplin: Wir haben die Tugenden der Selbstdisziplin, Ausdauer und Entschlossenheit bereits weiter oben genannt. Wer nur die Mitarbeiter antreibt, aber selbst kurz oder selten im Büro ist und Chefangelegenheiten schleifen lässt, sorgt neben den Schwierigkeiten, die sich daraus ergeben, auch für üble Stimmung im Haus.
  • Realitätssinn: Erste Anzeichen der Krise wurden bisher bewusst übersehen oder unbewusst verdrängt, ganz nach dem Motto: Es wird schon alles gut gehen und sich wieder einrenken.
  • Kommunikation: Beruflich wie privat ist die Kommunikation mit allen Beteiligten und Betroffenen wichtig. Geht es dem Unternehmen schlechter, sollte beispielsweise die Partnerin davon erfahren, damit Sie Unterstützung finden, statt auch noch Heimlichkeiten bewältigen zu müssen.
Viel Erfolg wünscht Ihnen

Ihr Torsten vom

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