Wenn nichts mehr geht – Schritte zur geordneten Abwicklung

Mit dem Gründen und Führen eines Unternehmens ist stets ein gewisses Risiko verbunden. Es ist deshalb keine Schande, es sich einzugestehen, wenn es nicht mehr richtig läuft. Viele verschiedene Anzeichen können darauf hindeuten, dass es mit Ihrem Betrieb bergab geht – hohe Außenstände, sinkende Preise und rückläufige Umsätze sind nur einige davon. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie sich mit Ihrem Betrieb nicht mehr lange über Wasser halten können und das Geld schon bald nicht mehr reichen wird, um die Rechnungen zu bezahlen, sollten Sie gegensteuern und das Unternehmen entweder zurück auf den richtigen Weg führen oder es rechtzeitig liquidieren, um eine langwierige Insolvenz zu vermeiden. Mit welchen Maßnahmen Sie es schaffen, gerade noch rechtzeitig die Reißleine zu ziehen, zeige ich Ihnen in diesem Artikel.

Ruhe bewahren, Überblick verschaffen

Seinen Traum zu verlieren kann mitunter sehr schockierend sein. Versuchen Sie dennoch, Ruhe zu bewahren und nicht in hektischen Aktionismus zu verfallen – dies raubt nur unnötig Energie und führt zu nichts. Verschaffen Sie sich zuerst einen Überblick über die wirtschaftliche Situation Ihres Unternehmens. Dazu sehen Sie sich unter anderem die folgenden Größen genauer an:

  • Kontostände bei Giro- und Sparkonten
  • offene Forderungen
  • offene Verbindlichkeiten
  • Bestand an fertigen und unfertigen Erzeugnissen
  • Wert des Lagers
  • Wert der vorhandenen Maschinen und Anlagen

Stellen Sie eine grobe Rechnung auf: Haben Sie den Punkt, an dem eine geordnete Abwicklung noch Sinn macht, bereits überschritten, sollten Sie zeitnah ein Insolvenzverfahren anstreben. Besteht aber auch nur annähernd die Chance, die offenen Verbindlichkeiten mithilfe der offenen Forderungen sowie der Bestände und Vermögenswerte auszugleichen, sollten Sie schleunigst damit beginnen, einen Plan aufzustellen. Gehen Sie dabei Schritt für Schritt vor:

1. Schritt: Sprechen Sie mit Ihren Lieferanten!

Der erste und zugleich wichtigste Schritt ist, Opens internal link in current windowmit den Lieferanten zu sprechen. Kontaktieren Sie alle, bei denen Sie Rechnungen offen haben und handeln Sie sozusagen eine „Galgenfrist“ aus. Signalisieren Sie, dass Sie durch die geordnete Abwicklung des Betriebs ausreichend Geld zusammenbekommen, um Ihre Verbindlichkeiten komplett oder zu großen Teilen zu bezahlen. Sie müssen sicherstellen, dass keiner der Gläubiger einen Insolvenzantrag stellt. Eine gute Lösung für alle Beteiligten sind meist Ratenzahlungen, mit denen Sie regelmäßig kleine Teile der Forderungen abzahlen können, sodass Sie Stück für Stück schuldenfrei werden.

2. Schritt: Handeln Sie einen Vergleich aus!

Wenn Ihr erzielbares Kapital nicht ausreichen wird, um alle Schulden auszugleichen, versuchen Sie, mit den Gläubigern einen Vergleich zu schließen. Fakt ist nämlich: Im Fall eines Insolvenzverfahrens gehen viele Gläubiger sogar leer aus, erhalten aber in jedem Fall nur einen Bruchteil ihrer eigentlichen Forderung, weil aus Ihrem Vermögen zuerst stets die Gerichtskosten und die Kosten des Insolvenzverwalters gedeckt würden. In einem Vergleich können Sie beispielsweise vereinbaren, dass Sie 50 Prozent der Forderung binnen einer bestimmten Frist zahlen, wenn der Gläubiger im Gegenzug auf den Rest verzichtet.

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Tipp

Es gibt Schuldnerberatungen, die sich auf das Schließen solcher Vergleiche spezialisiert haben. Ziehen Sie einen Berater hinzu, um Ihre Chancen auf einen erfolgreichen Vergleich zu erhöhen und rechtssichere Verträge zu schließen.

3. Schritt: Räumen Sie Ihr Lager!

Je nach Unternehmensart können in Ihrem Lager wahre Schätze zu finden sein. Hier gilt es zu unterscheiden in:

  • Fertige Erzeugnisse: Fertige Erzeugnisse können Sie direkt verkaufen. Um schnell zu Geld zu kommen, können Sie einen Sonderverkauf mit günstigen Preisen starten. So erhalten Sie zwar etwas weniger Geld als ursprünglich kalkuliert, können aber schneller damit wirtschaften.
  • Unfertige Erzeugnisse: Versuchen Sie, unfertige Erzeugnisse mithilfe der gelagerten Materialien noch fertigzustellen und ebenfalls abzusetzen.
  • Materiallager: Sprechen Sie gezielt Unternehmen an, die in derselben Branche wie Sie tätig sind oder mit ähnlichen Materialien arbeiten. Bieten Sie Ihnen Teile Ihres Lagers zu einem fixen Komplettpreis an. Seien Sie sich allerdings dessen bewusst, dass Sie dabei nicht den vollständigen Einkaufspreis ansetzen können. Alternativ können Sie auch bei den jeweiligen Lieferanten anfragen, ob diese bereit wären, ihre Waren gegen eine Gutschrift wieder zurückzunehmen.

4. Schritt: Nutzen Sie Factoring!

Wenn Sie mit recht hohen Außenständen zu kämpfen haben, können Sie Factoring nutzen, um schneller an Kapital zu gelangen. Auch für KMU gibt es mittlerweile passende Anbieter. Dabei verlieren Sie zwar einen kleinen Teil Ihrer Forderung, erhalten aber im Gegenzug den Rest (ca. 80 bis 90 Prozent der ursprünglichen Forderung) sofort ausgezahlt und sind wieder liquide. Ob die jeweiligen Kunden schließlich tatsächlich zahlen, ist dann das Problem des Factoring-Anbieters.

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Was ist eigentlich Factoring?

Der Begriff Factoring beschreibt eine Form der Unternehmensfinanzierung. Dabei werden von bestimmten Instituten der Finanzierungsbranche bestehende Forderungen von Unternehmen aus Dienstleistungen und Warenlieferungen aufgekauft. Auf diese Weise erlangen Unternehmen sofort Liquidität durch den Verkauf ihrer Außenstände. Je nach Leistungsumfang können Unternehmen dabei ihr Forderungsmanagement direkt an betreffende Institute abgeben. Dazu gehört beispielsweise das Mahn- und Inkassowesen. Mittlerweile hat sich der Verkauf von Zahlungsforderungen in vielen Branchen etabliert. Vor allem große Firmen greifen auf die Methode des Factoring als Finanzierungsform zurück.

5. Schritt: Kündigen Sie die Arbeitsverträge mit Ihren Mitarbeitern!

Kündigen Sie so schnell wie möglich die Arbeitsverträge mit Ihren Arbeitnehmern. Bis zum Auslaufen der Kündigungsfrist müssen Sie ihnen ihr Gehalt weiterbezahlen. Machen Sie ihnen klar, dass Sie sie jederzeit aus dem Vertrag entlassen, wenn sie eine neue Stelle gefunden haben. Unterstützen Sie Ihre Arbeitnehmer dabei, eine neue Anstellung zu finden. Sofern Sie Auszubildende beschäftigen, kümmern Sie sich darum, dass diese einen Ausbildungsbetrieb finden, bei dem sie ihre Ausbildung zu Ende führen können. Hilfreich ist dabei der Kontakt zur zuständigen IHK oder HWK, die entsprechende Betriebe vermitteln können.

6. Schritt: Veräußern Sie Ihr Betriebsvermögen!

Sobald Sie den Geschäftsbetrieb eingestellt haben, können Sie damit beginnen, Ihr Betriebsvermögen zu veräußern. Maschinen und Anlagen können Sie entweder über entsprechende Gebrauchtmaschinen-Märkte verkaufen oder Ihre Angebote direkt an Ihre Wettbewerber herantragen. Naturgemäß sind hier am ehesten potentielle Abnehmer zu finden. Für gebrauchte Werkzeuge bekommen Sie meist nicht mehr viel Geld, aber auch hier können Sie versuchen, sie zu verkaufen. Anders sieht es hingegen bei teuren Spezialwerkzeugen aus – hier ist durchaus noch ein gewisses Verkaufspotential vorhanden. Autos und andere Fahrzeuge lassen sich leicht über den Gebrauchtfahrzeugmarkt verkaufen.

7. Schritt: Prüfen Sie Ihren Anspruch auf Arbeitslosengeld!

Wenn Sie noch nicht allzu lange selbstständig waren, könnte noch ein Restanspruch auf Arbeitslosengeld bestehen. Dies ist der Fall, wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Sie hatten noch einen Restanspruch, als Sie sich selbstständig gemacht haben (z. B. bei einer direkt an ein Arbeitsverhältnis anschließenden Gründung).
  • Es sind nach Ihrer Existenzgründung noch nicht vier Jahre vergangen (danach verjährt der Anspruch).

Melden Sie sich unverzüglich arbeitsuchend und stellen Sie einen Antrag auf Arbeitslosengeld. Sofern kein Anspruch mehr besteht, können Sie auch als ehemaliger Selbstständiger Arbeitslosengeld II beantragen, wenn Sie bedürftig sind.

8. Schritt: Monetarisieren Sie Immobilien!

Ihre Immobilien bergen ein großes finanzielles Potential. Egal ob Büroräume, Lager- oder Produktionshalle, sie leer stehen zu lassen, ist die schlechteste Option. Handelt es sich um gemietete Räumlichkeiten, sollten Sie mit dem Vermieter sprechen, einen Aufschub der Pacht aushandeln und gegebenenfalls einen Nachmieter suchen, um schneller aus dem Pachtvertrag herauszukommen. Eventuell können Sie die Räume in Absprache mit dem Vermieter auch an einen Untermieter weiterverpachten. Kündigen Sie den Vertrag auf jeden Fall möglichst frühzeitig, da im gewerblichen Bereich oft relativ lange Vertragszeiten und Kündigungsfristen vorherrschen.

Handelt es sich um eine eigene Immobilie können Sie diese entweder an einen anderen Unternehmer verpachten oder direkt verkaufen, sofern Sie sie nicht mehr benötigen.

9. Schritt: Öffnen Sie Ihre Post!

Dieser Hinweis mag zwar lächerlich erscheinen, doch wenn sich die Mahnschreiben stapeln, rückt die Motivation, die Post zu öffnen, schnell in den Hintergrund. Es ist aber wichtig, dass Sie dran bleiben. Öffnen und sortieren Sie die Post und reagieren Sie auf die Schreiben. Überhaupt nicht zu reagieren, ist immer der falsche Weg, denn so brauchen Sie auf ein Entgegenkommen Ihres Gegenübers überhaupt nicht hoffen. Außerdem laufen durch das Ignorieren von Mahnschreiben und Mahnbescheiden weitere Kosten auf, die zu vermeiden sind.

10. Schritt: Kündigen Sie alle Verträge!

Kündigen Sie alle das Unternehmen betreffenden Verträge, die fortlaufend Kosten verursachen. Hierzu gehören unter anderem:

  • Miet-/Pachtverträge
  • Leasingverträge
  • Zeitschriften-Abonnements
  • Versicherungsverträge
  • Telefon- und Mobilfunkverträge
  • Arbeitsverträge

Beachten Sie hier, dass die Verträge zunächst noch weitere Kosten verursachen, da Sie bis zum Ende der Kündigungsfrist weiterzahlen müssen.

11. Schritt: Suchen Sie sich einen Job!

Nicht nur, um Ihre Schulden loszuwerden, sondern auch um Ihren eigenen Lebensunterhalt zu bestreiten, sollten Sie sich schnellstmöglich einen neuen Job suchen. Beginnen Sie sofort damit, Bewerbungen zu schreiben und ergreifen Sie jede Gelegenheit, die sich Ihnen bietet, um etwas Geld zu verdienen. Sobald Sie den Gewerbebetrieb eingestellt haben, sollten Sie parallel Ihr Gewerbe abmelden.

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Bewerbungsmappe zum Download

In einer Bewerbungsmappe müssen mindestens das Deckblatt mit den wichtigsten Kontaktinformationen, das Anschreiben, der Lebenslauf, ein Lichtbild und die Zeugnisse enthalten sein. Als Bewerber, müssen Sie diese Unterlagen sorgfältig zusammenstellen und eigenhändig unterschreiben.

Die einzelnen Seiten der Bewerbungsmappe

Das Deckblatt - hier notieren Sie die wichtigsten Kontaktdaten und führen auf, welche Anlagen sich in dieser Bewerbungsmappe befinden.

Der Lebenslauf - sortieren Sie Ihre Daten in chronologischer Reihenfolge.

Das Anschreiben - gehört oben auf die Bewerbungsmappe und soll den Entscheider neugierig auf die folgenden Unterlagen machen.

Bewerbungsmappe zum Download

Den genauen Aufbau der Unterlagen ersehen Sie im Downloadpaket. Die einzelnen Seiten der Bewerbungsmappe sind im Word-Format, so können Sie Ihre persönlichen Daten problemlos einfügen.

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Wenn nichts mehr geht: Insolvenzantrag stellen

Sollte sich herausstellen, dass Sie es nicht schaffen, Ihre Schulden aus eigener Kraft zu begleichen, bleibt Ihnen nur noch die Opens internal link in current windowEröffnung des Insolvenzverfahrens. Stellen Sie dann direkt auch den Antrag auf Restschuldbefreiung, um nach einigen Jahren der Wohlverhaltensphase wieder schuldenfrei zu sein.

Viel Erfolg wünscht Ihnen

Ihr Torsten vom

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