Am von Torsten in Urteile geschrieben
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Betriebsausgaben

Unternehmer haftet für Fehlberatung des Steuerberaters

Vor allem Kleinunternehmer beschäftigen freie Mitarbeiter. Geht es dabei um die Frage, ob diese nicht doch versicherungspflichtig sind, wenden sich viele Unternehmer an ihren Steuerberater. Doch das ist falsch. Richtiger Ansprechpartner wäre hier der Sozialversicherungsträger. Fatal ist jedoch: Bei Fehlberatung des Steuerberaters hinsichtlich der Statusfeststellung der Beschäftigten, haftet der Unternehmer sogar mit seinem Privatvermögen!

Fehlberatung des Steuerberaters
© Alexas_Fotos / pixabay.com

Schleswig, 24. Juni 2019 - Solo-Selbstständige haben oftmals nicht die Möglichkeit, sozialversicherungspflichtige Angestellte zu beschäftigen. Sie greifen daher oft auf freie Mitarbeiter zurück. Für den freien Mitarbeiter könnte das zu Scheinselbstständigkeit führen. Da in diesem Fall auch der Unternehmer haftet, fragen viele Unternehmer ihren Steuerberater, ob dieses Verhältnis bereits vorliegt oder nicht.

Steuerberater haben nicht die Befugnis der Statusfeststellung

Haufe.de berichtet über einen konkreten Fall, in dem ein Unternehmer Geldtransporte durchführte. Er beschäftigte sowohl eigene Angestellte als auch freie Mitarbeiter. Bei der Frage nach der Statusfeststellung seiner freien Mitarbeiter wandte er sich an seinen Steuerberater. Dieser stufte die Beschäftigung als unproblematisch ein. Nach einer anonymen Anzeige, nahm das Hauptzollamt Ermittlungen auf und durchsuchte den Unternehmer. Das Hauptzollamt kam zu dem Ergebnis, dass die freien Mitarbeiter abhängig Beschäftigte sind. Das LSG Schleswig-Holstein befand daraufhin, dass Steuerberater nicht die Befugnis haben, eine Statusfeststellung durchzuführen. Führen sie das dennoch durch, ist das eine unerlaubte Rechtsdienstleistung. Die Folge könnte sogar sein, dass der Steuerberater seinen Haftpflichtversicherungsschutz verliert.

Unternehmer verletzte zentrale Arbeitgeberpflichten

Die Überprüfung, ob eine abhängige Mitarbeit vorliegt oder nicht, fällt in die Pflichten des Unternehmers. Er müsste eine Statusanfrage beim Sozialversicherungsträger DRV Bund stellen. Tut er dies nicht, muss er mit entsprechenden Konsequenzen rechnen. Denn die Beurteilung, muss der Unternehmer jeden Monat neu vornehmen. Eine Aussage des Steuerberaters entlastet den Unternehmer in keinster Weise, da dieser nicht der richtige Ansprechpartner ist.

Unternehmer haftet sogar mit Privatvermögen

Die Frage, ob freie Mitarbeiter abhängig Beschäftigte sind oder nicht, hat Konsequenzen auf die Zahlung von Sozialversicherungsbeiträgen. Unternehmer, die auch Arbeitgeber sind, haften als Beitragsschuldner auch persönlich mit ihrem Privatvermögen. Wenn der Unternehmer also seinen Arbeitgeberpflichten nicht richtig nachkommt, muss er mit Konsequenzen rechnen. Auch wenn - wie im Falle des Geldtransportunternehmens - der Steuerberater die Falschaussage getätigt hat, wird dem Unternehmer die Falschaussage zugerechnet. In so einem Fall wird sogar eine illegale Beschäftigung unterstellt, mit der Folge, dass eine erweiterte Verjährungsfrist von 30 Jahren zur Anwendung kommt. Der Unternehmer kann dem Steuerberater gegenüber, als Erfüllungsgehilfe, zwar Schadenersatzansprüche stellen. Wenn dieser, wie oben erwähnt, allerdings seinen Haftpflichtversicherungsschutz verliert, wird der Unternehmer wahrscheinlich auf den Kosten sitzen bleiben. Der Unternehmer muss rückwirkend den Arbeitnehmeranteil und Säumniszuschläge zahlen. Die Notwendigkeit, dass der Unternehmer sich im Vorfeld einen richtig guten Steuerberater sucht, wird gerade in solchen Fällen sehr deutlich. Das komplette Urteil des LSG Schleswig-Holstein ist hier abrufbar.

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